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| 2. Zillo-Open-Air-Festival |
Nach schier unendlich langer Hinfahrt, ewig langen Gängen zwischen Park- und Zeltplatz und dem endgültigem Aufbau des Zeltes war es geschafft! Man war bereit für das diesjährige Zillo-Open-Air-Festival in Durmersheim. Alte wie neue Gestalten verschiedenster Couleur trieben sich auf dem Gelände herum, einige Anwohner hatten ihren Spaß bei der allgemeinen esoterischen bzw. mystischen Modenschau. Nachdem nun alles gerüstet und gestylt war, konnte man, sofern pünktlich angekommen, den ersten Live-Act des abends begutachten. Gegen 19.00 Uhr kamen "Love Is Colder Than Death" auf die Stage und spielten vor einer, zu diesem Zeitpunkt, nicht erwarteten Menge Zuschauer. Auch wenn vielleicht nicht die besondere Atmosphäre beim Tageslicht aufkam, so konnte die Formation doch überzeugen. Als "Escape with Romeo" die Buhne betraten, konnte der Besucher erstmals nach der teilweise langen Autofahrt ein wenig austoben. Mit dem nachfolgenden Projekt namens "Dive" wurden nun endlich auch etwas aggressivere Töne angeschlagen. Allein Mastermind Dirk Ivens und "sein" DAT-Recorder powerten enorm mit seiner vielleicht etwas ungewöhnlichen elektronischen Attacken. Schließlich mußte er auch noch eine Zugabe geben.
Der Höhepunkt an diesem Abend waren sicherlich "In The Nursery". Aufgrund der bereits vorhandenen Düsternis, konnte sich die Band mit einer hervorragenden Lightshow hervortun. Dolores überzeugt wieder einmal mit ihrer über alles herausragenden Stimme und die allseits bekannte Persussions-Show zog das Publikum wie nicht anders erwartet in ihren Bann.
Danach folgte die Zillo-Party, bei der u.a DJ Michael Zöller sein Bestes gab. Allseits bekannte Songs, wie z.B. "San Diego" von The Eternal Afflict riß das Publikum auf die Tanzfläche. Zum Leidwesen der "alteingesessenen" Szene-Besuchern wurden kaum unbekanntere Stücke aus dem Gothic-/ Avantgardebereich gespielt. Viele Besucher zog es daher auf den Zeltplatz zurück. Hier hielt die Stimmung bis in die frühen Morgenstunden an.
Morgens folgte die allgemeine Ernüchterung, da sich zwei Probleme auftaten: Waschen und Essen! Ca 8000 Leute versuchten, einen Waschplatz bei den vorhandenen Waschanlagen oder im Dorf zu finden. An dieser Stelle sollte gesagt werden, daß die Durmersheimer Einwohner den "Schwarzen" sehr freundlich, und man höre und staune sogar interessiert entgegentraten. Durmersheimer Straßen waren demnach überfüllt mit Leuten aus der Szene. Viele Läden konnten gar nicht mit Getränken und Lebensmitteln nachkommen. Das Festival war sicherlich ein tolles Zubrot für die Händler von Durmersheim.
Einige Stadtherren sollten sich überlegen, was es für ein Ausfall wäre, wenn das Festival abgesetzt werden würde. Nichts destotrotz stieg die Hitze ins Unerträgliche. Sonnenbrände waren vorprogrammiert, aber auch der Flüssigkeitshaushalt wurde peinlich genau "überschritten"! Auf dem Festivalgelände konnte man stundenlang an den vielen Ständen stöbern. Es gab fast alles, was das Herz eines Szene-.Anhängers begehrte.
Pünktlich um 12.00 Uhr fingen "The Caves" an zu spielen. Sie hatten es als erste Band des Tages sehr schwer. Für die Fans dieser Gruppe war das allerdings kein Hindernis, da ,,The Caves" mit bekannten Stücken aufwartete. Außerhalb der Reihe folgte die Bochumer Band "Secret Discovery". Sie wählten eine gute Mischung aus alten und neuen Songs. Möglicherweise wurden nun auch Leute, für die "Secret Discovery" bisher nur ein Name war, von der Qualität der Band überzeugt. Mit großer Spannung wurde "Patricia Morrison" erwartet, die bereits damals bei den legendären "The Sisters Of Mercy" ihre Stimme zum Besten gab. Patricia mußte mit ihrer ganzen Stimm- und Ausdruckskraft versuchen, auf die neue, bisher noch unbekannte Formation, aufmerksam zu machen. Es gelang ihr recht gut. Musikalisch merkt man ihre Vergangenheit zum "Gun Club" und zu den "Sisters" doch an, was aber nicht schlecht sein muß.
An wen sich sicherlich jeder Besucher dieses Festivals erinnert, ist ohne Zweifel Stefan Ackermann von "Das Ich". Allein sein Äußeres und seine Ausdruckskraft, bzw. seine Hingabe und Choreographie zur Musik, sorgten dafür, daß sich die Menge magisch zur Bühne hingezogen fühlte, um einen Blick auf ihn zu erhaschen Ob nun im positiven oder negativen Sinne sei dahingestellt. Stefan.Ackermann gab auf jeden Fall alles und galt als Blickfang des Tages. Der Auftritt von "Das Ich" war somit vollends gelungen.
Stefans Ansicht, daß der heutige Mensch in einer drastischen Welt nur mit drastischen Mitteln seine Aufmerksamkeit erfährt, scheint aufgegangen. So seine Interpretation in einem Fernsehinterview nach dem Auftritt.
Von der "deutschen Todeskunst" zum EBM-Metal-Einschub. "Die Krupps". Der Name spricht für sich. Bereits in frühen Zeiten waren "Die Krupps" mit Stücken wie "Wahre Arbeit, wahrer Lohn" ein echter Meilenstein. Der Stil hat sich im Laufe der Zeit zwar "ein wenig" geändert, aber das ändert nichts an der Qualität der Band. Die Stimmung im Publikum stieg jedenfalls an. Nach den Krupps kam, die in Wave-Kreisen eher unbekannte Kult-Punk-Bänd "The Damned" und bescherte den interessierten Besuchern einen Querschnitt ihrer musikalischen Laufbahn. Das die Stimmung nicht immer hochsprang, mag auch an dem Durchschnittsalter der Besucher liegen, welche die "Damned"-Phase Anfang/Mitte der 80'er Jahre sticht mitbekamen. Hiernach folgte der dritte Höhepunkt des Tages: Deine Lakaien. Überraschenderweise leerte sich der Platz der Bühne. Einige waren von dem Auftritt etwas enttäuscht, da Sänger Alexander bei anderen Konzerten einfach besser drauf war. Die unerträgliche Hitze tat ihr übriges. Die richtige Stimmung wollte einfach nicht aufkommen. Dafür kam die Stimmung unerwartet bei "Shane MacGohan". Die Menge jubelte und flippte regelrecht aus. Eine wirklich gelungene Show, bei der Sänger Shane sich glücklich schätzen konnte ein Mikroständer als Stütze zu haben. Sein Alkoholisienrungsgrad schien wieder enorm hoch gewesen zu sein.
0b nun "Phillip Boa" oder die im Anschluß spielenden "The Mission" der absolute Höhepunkt des Tages waren, darüber läßt sich sicherlich streiten. Tatsache ist, daß beide Gruppen die Herzen der Fangemeinde höher schlagen lassen. Bei "Philip Boa" kühlte es sich witterungsmäßig (endlich) ein wenig ab. Dementsprechend konnte sich das Publikum austoben, ohne einem Hitzeschlag zu erliegen. Fast alle Festivalbesucher sangen und tanzten zu Boa's Songs. Kurze Verschnaufpause und schon ging es mit "The Mission" weiter. Sie präsentierten ihre wohl schönsten Songs wie "Garden Of Delight", "Amelia" und "Love Me To Death". Ein toller Abschluß des Live-Programms.
Nach dem Festival ging die Party auf dem Zeltplatz noch die ganze Nacht weiter (woher die Leute die Kraft dafür nahmen, ist mir gänzlich unbegreiflich!).
Abschließend muß man dem Zillo ein großes Lob für dieses Festival aussprechen. Die Auswahl der Bands war abwechslungsreich, bei dieser Auswahl ist man sicher auch kein Risiko eingegangen, daß das Festival ein (finanzieller) Flop wurde. Es war halt für jeden Geschmack etwas dabei. Abgesehen von den sanitären Einrichtungen, war die Organisation dieses Jahr fast meisterhaft (jeder, der letztes Jahr dabei war, weiß, wovon ich rede!). Bleibt nur zu hoffen, daß uns nächstes Jahr ein weiteres Zillo-Open-Air-Festival begeistern wird. Für viele OwL'er leider nicht empfangbar, war der Fernsehbericht über das Zillo-Festival vom SWR. Hier durften sich biedere (oder besser vergeistigte) Kirchen- und ein CDU-Vertreter lächerlich machen, indem sie von einer "nekrophilen" und "dämonisierten" Jugend sprachen, die schwarze Särge durch Durmersheim tragen und mit schwarzen Katzen tanzen. Zur allgemeinen Belustigung meldeten sich dann auch einige Festivalbesucher zu Wort, deren Aussagen durch Alkoholeinfluß jedoch zu wünschen übrig ließen...
Michaela Böttcher / Simone Hampeter