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Was muß passieren, damit sich zwei Nordlichter auf den Weg nach Süddeutschland begeben? Richtig, es muß ein gutes Festival stattfinden! Und da Bands wie NOTSTANDS-KOMITEE, MORTAL CONSTRAINT, PLACEBO EFFECT und last but not least DIE FORM locken, haben wir uns am 22.10. 1994 kurzerhand auf den Weg zu dem von Diabolus Cantus organisiertem Festival nach Karlsruhe gemacht.
Nach mindestens 20stündiger Fahrt (übertreiben darf man ja auch mal ....) mitten durch die Pampa (schöne Grüße an Armin!), kamen wir auch endlich an.
Zählen ist schwer, aber auf jeden Fall war es reichlich voll. Wie auf jenen Festivals üblich, waren auch hier üppig aufgestylte Menschen anwesend, u.a. wurden auch Schwarze aus Frankreich und Italien gelockt. Das Ambiente ließ nicht zu wünschen übrig.
Für den musikalischen Auftakt an diesem Abend war NOTSTANDSKOMITEE zuständig. Die Musik ist reinster Industrial nach den Vorbildern von "DIVE" und "KLINIK". Die Bühnenshow war eine Einheit aus Musik und dem optischen Träger Video. Gesamt kann man diesen Auftritt als gelungen bezeichnen.
MORTAL CONSTRAINT setzten da an, wo NOTSTANDSKOMITEE aufgehört hatten. Im dem deutsch / schweizerischem Duo gibt es Kontroversen, die sie versuchen, musikalisch zusammenzufügen. Unklar ist, ob MORTAL CONSTRAINT in Zukunft in dieser Form weiterbesteht. Hierzu werden wir aber noch Näheres berichten.
Nach dem härtesten Industrial ging man zu ruhigeren Gitarrenklängen über. GARDEN OF DELIGHT konnten das Publikum nicht so fesseln wie die beiden Vorgruppen. Offensichtlich war der Wechsel der musikalischen Richtung doch zu krass. Auch Stücke vom neuen Album "Necromanteion IV" konnte die Zuschauer nur zu leichten Begeisterungsstürmen bewegen.
Einen ähnlich mythisch spirituellen Hintergrund haben ALLERSEELEN. Bei der bislang unbekannteren Formation um den Sänger Kadmon kam man in den Genuß technosophischer Tonkunst.
Das Umfeld vor der Bühne füllte sich schlagartig, als PLACEBO EFFECT anfingen zu spielen. Entgegen der Erwartungen spritze jedoch kein Blut und es rollte auch kein Kopf. Der Bühnenshow tat das keinen Abbruch. Zu hören waren bekannte und unbekannte Stücke dieser elektrisch angehauchten Band.
Der Höhepunkt des Abends waren sicherlich DIE FORM. Sie hatten vor ihrem Auftritt reichlich Probleme mit dem Jugendamt (siehe auch das Interview mit DIE FORM). Sehr zum Leidwesen der anwesenden Zuschauer boten DIE FORM daher keine harte S/M-Show. Phillipe Fichot bemühte sich jedoch, seine Kunst auf andere Art und Weise darzustellen. Alleine durch Elaines Ausstrahlung und Stimme konnten DIE FORM die Menge begeistern. Die auf der neuen Maxi "Rose au coeur violet" vorhandenen Remixe von "Silent Order", "Cantique", "Bite of God" taten ein übriges.
Insgesamt ein durchaus gelungenes Festival, zumal am Rande genügend für jedes schwarze Herz zu finden war. Man hatte die Möglichkeit, sein Geld gegen Tarotkarten, Lack- und Lederklamotten, mystischem Schmuck und vieles mehr einzutauschen.
Michaela Böttcher / Hella Schrader