| Entry |
| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
|
Party: Entry Party 1996 |
ENTRY-PARTY
01.06.1996 im Spunk / Herford
Lange hatten wir uns darauf gefreut: die Party zum 2. Geburtstag der Entry. Ja und (fast) alle waren sie gekommen. Es versprach auch ein perfekter Abend zu werden. Die Räumlichkeiten waren fast ideal: im Spunk gibt es neben der Disco auch noch ein Cafe und im Innenhof waren ein Entry-Verkaufsstand, ein Crepes-Stand und ein Würstchen-Stand aufgebaut. Alles - vom Becher Brause über den Crepe "Plastic Noise Experience" bis hin zum Entry-Magazin - zu sehr angemessenen Preisen.
Es dauerte eine ganze Weile, bis sich der Laden füllte, aber auch dann verteilte sich die Menge zu sehr auf Cafe und Innenhof, wodurch in der Disco selbst nicht die rechte Stimmung aufkommen wollte. Als es dann endlich an der Zeit war für den offiziellen Start der Party, den Auftritt von Artwork, versuchte Conférencier Tom vergeblich das anscheinend lustlose Publikum noch etwas anzuheizen. Die ganze Situation veranlaßte sogar Oswald Henke zu Kopfschütteln. Auch Artwork bemühten sich, die Stimmung zu steigern, Oswald Henke brachte seine gewohnt extrovertierte Bühnenshow, die aber vom Publikum nicht einmal wohlwollend, geschweige den begeisternd, sondern höchstens anteilsnahmslos zur Kenntnis genommen wurde. Es kamen vielmehr "Aufhören"-Rufe u.ä.. In der Absicht, diese Rufe zu unterbinden bat Oswald dann denjenigen, der etwas zu sagen hätte auf die Bühne, woraufhin wirklich jemand aufstand und laut fragte: "Wo ist der geniale Sänger von früher" (legitime Meinung, aber während des Konzertes vielleicht doch etwas unpassend). O.H.: "Der singt jetzt auf Hochzeiten und bei den Meistersängern von Richard Wagner". Daraufhin wurde die Show fortgesetzt.
Für mich war der Höhepunkt das letzte Stück. O.H. mit Sonnenbrille, streng nach hinten gebundenem Haar und Lederjacke mimt Falco und Artwork covem „Rock Me Amadeus". Daraufhin forderte das erheitert bis entsetzt dreinschauende Publikum nur noch wenig lautstark die sonst obligatorische, hier aber prompt - wen wundert's noch - ausbleibende Zugabe.
Auch die danach beginnende Disco brachte aber nicht die nötige und erhoffte Stimmungssteigerung. Das für mich einzige Highlight war hier, daß DJ Tom den Soundgarden-Salzkotten-Szene-Hit "C'mon now" von Leila K. auflegte und wir, Teil des Stamm-Publikums dieser Discothek, mit sechs Leuten auf der Tanzfläche waren, und der Rest nicht richtig einordnen konnte, ob wir das nun lustig fanden oder nur Pseudos waren.
Unterbrochen wurde die Tanzveranstaltung durch einen Auftritt von "Guru" Werner mit seiner Freundin, die ein Ehepaar spielten: Er liegt gerade auf der Couch mit einer Bierflasche in der Hand; Sie unterbricht ihre häuslichen Pflichten, zieht ihren Müllsack aus und räkelt sich zu Madonnas "Erotika" in Reizwäsche vor seinem gelangweilten Auge. Das Publikum wurde leider genauso wenig von dieser Darbietung angeregt, wie Werner. Schöne Idee, so etwas überhaupt zu machen, aber leider etwas seltsam bis unbeholfen umgesetzt. Conferencier Tom: "Danke, Werner, für Deine hocherotische Show!" Danach schleppte sich das ganze nur noch so dahin. Gut, man hat mal getanzt, aber so richtig gut drauf war kaum jemand. Ein Freund, der neben mir saß, schlief sogar zwischendurch ein (das war aber auch mein Fahrer, der mußte ausgeruht für den Rückweg sein). Der einzige Grund, weshalb die meisten noch da waren, war die noch stattfindende CD-Verlosung. Als Tom durchsagte, die Nummern der Gewinne würden im Hof aushängen, war das ansonsten so träge Publikum auch ganz fix raus aus der Disco. Für viele hatte es sich gelohnt, denn die Entry hatte reichlich CD's mitgebracht. Danach verkrümelten sich dann aber auch die meisten, oft mit neuer CD und/oder neuer Entry in der Hand.
Kompliment ans Entry-Team, das eine wirklich abwechslungsreiche Party vorbereitet hatte. Das Publikum war vielleicht etwas zu wild zusammengewürfelt und nicht so zahlreich wie erwartet.
Achim Zeileis
Anmerkung:
Auch wir von der Entry waren etwas enttäuscht von dieser Party. Monatelang haben wir rumorganisiert und versucht, uns ein buntes Programm auszudenken. Wir fanden es total klasse, daß Artwork extra aus Bayreuth und Berlin angereist kamen und kostenlos aufgetreten sind. Wir konnten es wirklich nicht verstehen, warum keine Stimmung aufkommen wollte. Lag es vielleicht daran, daß die Party in OWL stattfand und es ja allgemein heißt, daß OWLer nicht feiern können? Auf jeden Fall überlegen wir uns nach dem Abend gut, ob die nächste Entry-Party wirklich in OWL stattfinden wird... Schließlich hat man mit so einer Party auch Kosten und eine Unmenge an Arbeit...
Noch etwas zu dem Auftritt von Artwork. Ich persönlich fand den Auftritt wirklich gelungen und die Bemerkung "wo ist der geniale Sänger von früher" hätte sich der Mensch auf wirklich verkneifen können. Der zweite Sänger von Artwork ist kurz vor der Party aus der Band ausgestiegen und ich fand es klasse, daß Jan für ihn kurzfristig eingesprungen ist, da der Auftritt sonst gar nicht hätte stattfinden können. Übrigens ist Jan der erste Sänger von Artwork und zu hören ist er bereits auf der ersten CD. Auf dem wohl bekannteste Stück "Ergo Vivamus" ist seine Stimme zu hören. Klar war er etwas verunsichert auf der Bühne, da es das erste Mal war, daß er mit einer Rockband auf der Bühne stand, aber er hat den Auftritt klasse gemeistert und man sollte sich vielleicht vor solchen Bemerkungen überlegen, was man in der Person in dem Moment anrichten kann. Dies soll übrigens keine Standpauke sein, sondern lediglich eine kleiner Hinweis zum Nachdenken...
Michaela