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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Bericht - Leni Riefenstahl |
Leni Riefenstahl - Versuch einer Näherung statt eines Prologs:
Je höher jemand klettert, desto tiefer kann er fallen. Ich weiß, dies ist wahrhaftig keine umwerfend neue Erkenntnis. Und dennoch: es lohnt, sich diese Tatsache immer mal wieder bewußt zu machen. Denn manchmal kann es passieren, daß jemand ganz nach oben gelangt, bzw. nach oben gespült wird, und der einzige Grund dafür ist eine ganz bestimmte Begabung, gegen die man sich weder wehren kann, noch wehren sollte. Ein kreativer Mensch, ein Künstler muß seine Ideen ausleben, und hat er noch zu Lebzeiten das Glück, daß seine Kunst von einem großem Publikum geschätzt, bewundert und geliebt wird, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieser Künstler ganz oben ist. Von ganz oben aber fällt man am tiefsten. Und ebenfalls nicht vergessen sollte man jene, welche zwischenzeitlich überholt wurden und die seither blind vor Neid und falsch lächelnd auf den Sturz warten, ihn vielleicht sogar mitbetrieben und sich auch nicht mehr scheuen in aller Öffentlichkeit nachzutreten. Und ebenfalls nicht vergessen sollte man das große Publikum, denn das ist eine kopflose Masse, und den, den sie heute feiern, werden sie morgen mit Freude kreuzigen und teeren und federn.
(Frage: Wie war das damals, nach dem Sturz ins bodenlose? - Das ist schon so lange her, das hab ich schon so lang überwunden, daß ich mich damit gar nicht mehr befasse, sage Leni in einem Interview. Dann jedoch setzte sie hinzu, was ihrem Gesicht, ihren Augen vorher schon abzulesen war: Es war eine schlimme Zeit. Abschließend dann: Es ist wie eine andere Welt, ich lebe nicht mehr in dieser Vergangenheit.)
Wir aber wollen nachschauen wie das damals war. Nicht, um daraus irgendwelche Lehrenziehen zu können. Nein, wir schauen einfach deshalb nach, weil die Entry als Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde konzipiert ist, und wir hier mit einem klassischen Fall von Kult und Kultur in einem zu tun haben.
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Außerdem ist es schier unglaublich und weder zu erklären, noch nachzuvollziehen: Leni Riefenstahl, ein Name, der seit nunmehr 50 Jahren so gut wie tabu ist. Und wenn nicht tabu, dann mindestens anrüchig. Macht einfach mal die Probe: Fragt Eure Eltern und Großeltern, was Ihnen einfällt zu dem Namen Leni Riefenstahl. Ohne dem Ergebnis vorgreifen zu wollen, so gilt ihr Name immer noch als Synonym für Hitlers Filmemacherin bzw. Filmemacherin des 3. Reichs, und manche setzen sogar das Wort berüchtigt davor. Alle die nämlich, die es schon immer besser wußten und all die Nachgeborenen, die das nachplappern, was ihnen die, die immer schon alles besser wußten, vorgeplappert haben. |
Nein, dies wird keine Verteidigungsrede in Sachen Leni Riefenstahl, auch maße ich mir nicht an, die Wahrheit schreiben zu wollen, denn die ist für jeden eine andere.
Gehen wir also endlich los, gehen wir in der Zeit ein gutes Stück zurück...
Teil 1: die frühen jahre - bilder aus der kindheit
Eine Frau, die liebend gern Schauspielerin geworden wäre, aber durch eine frühe Heirat und anschließende Familienpflichten - man bedenke, wir befinden uns am Anfang des Jahrhunderts - diesen Traum nie realisieren konnte, betet. Die Frau ist schwanger. Sie betet zu Gott, er möge ihr nicht nur eine wunderschöne Tochter schenken, sondern zugleich eine später berühmte Schauspielerin. Am 22. August 1902 kam die gewünschte Tochter zur Welt, und was blieb ihr anderes übrig als berühmt zu werden? Kein Wunder also, daß Lenis Interesse an der Bühne und dem Theater früh erwachte. Dabei begann es so, wie bei ungezählten Kindern auch heute noch: mit einer Aufführung zu Weihnachten. Genauer: es gab Schneewittchen. Aber im Gegensatz zu den ungezählten anderen Kindern blieb Lenis Begeisterung länger als ein, zwei Tage bestehen. Fortan nämlich nervte sie jeden der was mit Theater zu tun hatte mit allen möglichen Fragen. Dabei war es nicht nur die Lust am Verkleiden, der Rollenwechsel, sondern immer auch der Stoff aus dem die Geschichten sind. So entwickelte sie eine Vorliebe für Märchenstoffe, und selbst als Teenager ging sie noch ihrem Hobby, dem Märchenlesen nach. Das Mädchen mit den drei Nüssen wurde Lenis Lieblingsgeschichte. Am Ende dieses Märchens erhält ein junges Mädchen von einer alten Frau zum Dank drei Wallnüsse. In der ersten Nuß findet das Mädchen ein fein gewebtes silbernes Gewand, und als sie das Gewand berührt, wird daraus ein Kleid vom der Farbe des Mondlichts. In der zweiten Nuß befindet sich ein noch schöneres Gewand, es glitzert und funkelt wie der Sternenhimmel. Als das Mädchen aber zur dritten Nuß kommt, strömen ihr leuchtende Strahlenbündel aus Sonnenlicht entgegen...
Diese Steigerung aus Licht, Mond, Sterne, Sonne hat Leni außerordentlich tief beeindruckt. Denn Jahre später macht sie den Film Das blaue Licht, und dieses blaue Licht besteht aus Mondstrahlen, welche sich dann in Bergkristallen brechen. Sehr viel später dann folgte Leni dem Licht der Sonne nach Afrika.
Dennoch es waren nicht Märchen und Theater allein mit dem sie sich beschäftigte. Leni ist zwölf Jahre alt, als sie mit ansehen muß wie ein kleines Madchen überfahren wird. Sie kann nicht verstehen, wie Gott dies zulassen konnte. Es dauert Wochen, in denen sie kaum ißt und in langen Nächten schlaflos grübelt, ehe sie dieses Erlebnis verarbeiten kann. Leni stellt sich immer mehr Fragen, während sich die Erwachsenen gegenseitig widersprechen.
Es geht um ein Für und Wider der Todesstrafe, um die persönliche Freiheit des einzelnden und immer wieder auch um religiöse Themen. Aber Leni steht damit allein, ihre Mitschülerinnen zeigen wenig Interesse, so wird aus ihr schon sehr früh eine Einzelgängerin.
Gut und Böse, das läßt sie nicht ruhen, bis sie zu dem Schluß kommt, daß das Böse in der Welt das Gute schon längst verschlungen hätte, wenn es wirklich das stärkere wäre. Denn immerhin hatte das Böse schon mehr als genügend Zeit alles zu zerstören und den Menschen das Leben zu nehmen, wenn es denn so zu verneinen wäre. Diese Erkenntnis war für Leni wie eine plötzliche Befreiung.
In diesem Augenblick beschloß sie ja zum Leben zu sagen, was immer auch kommen würde. - Und vielleicht zog sie aus diesem Augenblick die Kraft für ein ganze ungewöhnliches Leben voller Höhen und Tiefen. Aber trotz ihres Interesses für die Bühne und die Schauspielerei dauerte es bis zu ihrem sechszehnten Lebensjahr, ehe sich in dieser Richtung etwas ereignete. Auslöser war eine Anzeige, mit welcher 20 junge Mädchen für Filmaufnahmen gesucht wurden. Und obwohl Leni wußte, daß sie wegen des Widerstands ihres Vaters nie würde in diesem Film mitwirken können, nahm sie den Vorstellungstermin in der Tanzschule Grimm-Reiter war. Dank ihrer Mutter und ohne Wissen des Vaters begann Leni in dieser Schule mit dem Tanzunterricht. Während ihre Freundinnen flirteten, Freunde hatten und sich bei ihnen alles nur darum drehte, war Leni zwar öfter verlieht, aber immer ohne Aussicht ihrem Schwarm näher zu kommen. Diesen Frust legte sie in ihren Tenz hinein und wandelte ihn damit in etwas Positives.
Ende des 1. Teils
F.H.