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| Bericht - Lord Byron |
Lord George Gordon Byron wurde 1788 in London als Sohn von John Byron - Mad Jack genannt - geboren. Der Vater, bekannt als Lebemann und hoch verschuldet, war durch die Flucht vor seinen Gläubigern gezwungen, zusammen mit seiner zweite Frau, Catherine Gordon Byron, in Frankreich zu leben. Diese bestand darauf, ihren Sohn in England zur Welt zu bringen und reiste deswegen zurück. John Byron blieb im Haus seiner Schwester in Frankreich, bis er 1791, wahrscheinlich durch Selbstmord, starb.
Catherine Byron und ihr Sohn zogen zunächst nach Schottland. Bereits sehr früh war eine Deformierung des rechten Fußes bei dem Kind zu erkennen. Doch Catherine konnte sich mit einer Behinderung ihres Kindes nicht abfinden. Sie ließ sich für ihren Sohn von allen möglichen Ärzten und Scharlatanen Behandlungsmethoden und Spezialstiefel aufschwatzen, was jedoch nicht half. George las zu dieser Zeit bereits sehr viel, um sich von den Schmerzen abzulenken.
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Im zarten Alter von zehn Jahre verstarb Byrons Großvater, der 5. Lord Byron, und George erbte den Titel und das Herrenhaus Newstead Abbey. Doch da das geringe Vermögen treuhändisch verwaltet wurde, waren die Byrons bettelarm. Doch schließlich einigt sich die resolute Mutter mit Byrons Vormund, und George und seine Mutter erhalten eine Unterhaltszahlung, die es ihnen ermöglicht, einigermaßen zu existieren. George Byron wurde dann auf angemessene Schulen geschickt, wo er jedoch Dank seiner Behinderung einen schweren Stand hatte. |
Die Ferien verbrachte er in Newstead Abbey. Dort verliebte er sich in seine Cousine Mary Chaworth, die ihn jedoch nicht ernst nahm und sich über ihn eher amüsierte. Schließlich heiratete sie 1805 einen anderen Mann, was dem romantischen und schwärmerischen Byron Grund genug gab, sich zu einem wilden Lebemann zu entwickeln. Er schrieb sich in Cambridge ein, war jedoch kaum in den Vorlesungen zu finden. Statt dessen schrieb er Verse und verschuldete sich sehr hoch. Mit 17 Jahren lernte er seine um vier Jahre ältere Halbschwester Augusta Byron Leigh kennen, die aus der ersten Ehe des Vaters stammte. Augusta zeigte sich verständnisvoll und humorvoll. So begannen sie einen regen Briefwechsel, der bis zu seinem Tod kaum unterbrochen wurde. Augusta nannte ihn "Baby Byron" und er nannte sie "Goose" (Gans). Die heute noch erhaltenen Briefe sind voller Wortwitz und bissiger Ironie auf Byrons Seite und Augusta antwortete gewandt und schlagfertig.
Im Jahre 1806 wurde der erste Gedichtsband Byrons veröffentlicht, der sich als bald außerordentlich gut verkaufte. Es erschienen zwar direkt einige sehr negative Rezensionen, doch Byron beantwortete diese mit beißendem Spott.
Zu jener Zeit war es üblich, daß sich wohlhabende junge Männer aus gutem Hause auf eine Europareise begaben. So hielt es auch Byron, der 1809 zusammen mit seinen Freunden Hobhouse und Fletcher Europa, Albanien und den Mittleren Osten bereiste. Während dieser Zeit begann er sein berühmtestes Werk "Childe Herold's Pilgrimage", an dem er in den folgenden Jahren sporadisch arbeitete.
Zurück in England, erwarteten ihn einige schlechte Nachrichten, denn seine Mutter war gestorben, einer seiner besten Freunde ertrunken und die Ehe seiner Schwester Augusta war völlig zerrüttet. Dadurch kam es dazu, daß Byron keine einzige Zeile mehr schrieb und sich in dieser Zeit näher an Augusta anschloß.
Im Jahre 1812 wurde Byron überredet, die ersten zwei Gesänge des "Childe Harold" zu veröffentlichen, was ihm einen sensationellen Ruhm einbrachte. Er avancierte zum Liebling der Gesellschaft (besonders der weiblichen!), und begann eine Affäre mit Caroline Lamb, was jedoch in einem großen Skandal endete. Nach Ende der Beziehung begannen auch die ersten Gerüchte über seine inzestiöse Beziehung zu seiner Schwester Augusta, welche zumindest in Teilen auf seine ehemalige Geliebte Caroline zurück zu führen war, die Byron unter Druck setzen und die Beziehung nicht enden lassen wollte. So war Byron etwas zu unternehmen gezwungen, um seinen und den Ruf seiner Schwester zu retten. So kam es, daß er auf Anraten von Carolines Schwiegermutter um die Hand ihrer Nichte, Annabella Milbanke, anhielt. Annabella, die als Verkörperung des Wortes "ehrbar" galt und als prüde und gottesfürchtig beschrieben wurde, wurde von Byron als "Prinzessin der Parallelogramme" bezeichnet, da sie sich mit Mathematik beschäftigte, was für eine Frau dieser Zeit sehr ungewöhnlich war. Diese wies ihn jedoch zunächst ab und Byron lebte eine weitere Affäre in der Öffentlichkeit aus. Diesmal erwählte er die Lady Oxford, wobei er jedoch die Laison mit Augusta weiterhin aufrecht erhielt.
1814 wurde Augusta Mutter einer Tochter mit dem Namen Elisabeth Medora, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit Byrons Tochter war. Und Byron hielt weiter um Annabellas Hand an, worin ihn auch seine Schwester unterstützte. Diese Bemühungen waren schließlich von Erfolg gekrönt, und so heiratete Byron im Januar 1815 Annabella Milbank, welche ihm bereits im Dezember eine Tochter mit dem Namen Augusta Ada gebar. Diese Tochter Tochter erbte das Interesse für Mathematik von ihrer Mutter und wurde eine sogar noch heute anerkannte Mathematikerin, welche das Zählregister für iterative Abläufe erfand und ein binär-arithmetisches Rechenverfahren, das auch heute noch Basis für die moderne Rechnersteuerung ist, konzipierte.
Doch bereits im Februar 1816 trennte sich Annabella formell von ihrem Ehemann, und zu dieser Zeit kamen auch die Gerüchte über eine Liebesbeziehung zu Augusta wieder auf. Dadurch wandte sich die Gesellschaft von ihm ab und schnitt auch Augusta. Byron fand keinen anderen Weg seine Schwester zu schützen, als England zu verlassen.
Mit den alten Reisegefährten Hobhouse und Fletcher und in Begleitung des Arztes Dr. John Polidori schiffte er sich im April 1816 nach Europa ein. Bereits im Mai schlossen sich ihnen Percey Bussey Shelley und Mary Wollstonecraft Godwin (später Shelley) an, welche ebenfalls von der Gesellschaft verstoßen worden waren, da sie "in Sünde lebten". Shelley war noch verheiratet mit Marys Stiefschwester Clare Clairmont. Byron und Clare hatten ebenfalls eine Liebesaffäre, die jedoch bald endete. Die gemeinsame Tochter der beiden, Allegra, verstarb im Kindesalter.
Da die Shelleys und Lord Byron sich sehr gut verstanden, bereisten sie gemeinsam Europa und ließen sich schließlich in direkter Nachbarschaft am Genfer See nieder. Hier entstand nach einem Abend, an dem sich die Freunde Gespenstergeschichten erzählt hatten, auch Mary Shelley`s berühmtes Buch "Frankenstein - oder der moderne Prometheus". Byrons Arzt Polidori veröffentlichte nach dieser Nacht seinen Roman "Vampyr" nach Fragmenten von Byron. Doch der Erfolg des Romans stieg dem Doktor leider zu Kopf und die Freunde trennten sich schnell von ihm. Byron vollendete dann "Childe Harold" und "Manfred" und begann mit seinem Werk "Don Juan", obwohl es ihm gesundheitlich immer schlechter ging.
Die Shelleys und Clare gingen bald zurück nach England, während Byron Italien bereiste. Schließlich ließ er sich für längere Zeit in Venedig nieder, wo er die Contessa Guicioli zur Geliebten nahm und damit einen weiteren Skandal um seine Person auslöste. Zu jener Zeit war es in Italien zwar durchaus statthaft, als Ehefrau einen Liebhaber zu haben, jedoch durchaus nicht üblich, daß dieser auch im Haus der Eheleute wohnte.
In jener Zeit betätigte sich Byron auch politisch und trat den italienischen Freiheitskämpfern bei, welche für mehr Demokratie kämpften. In dieser Zeit kamen die Shelleys, welche inzwischen geheiratet hatten, nach Italien und ließen sich schließlich in Pisa nieder. Im Jahre 1822 ertrank Shelley auf dem Weg zwischen Livorno und La Spezia und die kleine Exilantengruppe, die noch immer lockeren Kontakt gehalten hatte, brach endgültig auseinander. Mary ging zurück nach England und Byron reiste nach Griechenland, wo er sich im Unabhängigkeitskrieg gegen die türkische Herrschaft engagierte. Mit persönlichen und finanziellen Mitteln versuchte er, die Splitterparteien Griechenlands im Kampf gegen die Türken zu vereinen. Das Ergebnis seiner Bemühungen sah er leider nicht mehr. Am 19. April 1824 starb er nach langem Delirium an einer Lungenentzündung.
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