| Entry |
| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| M`era Luna Festival |
Die Sonne schwebte über dem 1. M´era Luna Festival, also meinte es der, wohl an diesem Wochende auch schwarze Wettergott, gut mit den anwesenden Besuchern.
Während Unknown und Zeromancer schon Ihre Art der Elektro-Musik einem Teil der Besucher entgegenbrachte, stand ich noch, teils wegen Verspätung, teils wegen der langen Warteschlange an der Pressekasse (...da will der doch tatsächlich seine Reisekosten erstattet bekommen!) und hoffte inmitten der Sonne auf meine Einlaßberechtigung!
![]() |
Als ich nun endlich die erste Band auf der Hauptbühne erspähen konnte, stellte ich fest, daß ich sie gar nicht einordnen konnte, da Mila Mar, wie ich später herausbekam, doch erst für den morgigen Sonntag im Hangar angekündigt wurden. Nur für wen waren sie eingesprungen? Nun ja, wen wollte ich als Erstes sehen? Schnell den PocketPlaner an der Chill-Out-Zone geholt und blitzschnell in den Hanger gerannt, um noch ein paar Minuten von The 69 Eyes zu genießen. Schwül und stickig war es hier, aber wenigstens brannte mir nicht die Sonne auf den Kopf, so daß ich noch viele Bands ohne Sonnenstich genießen konnten. Auch auf der Hauptbühne ging es mit Gothic weiter, wo sich The House of Usher mit Ihrer Variation präsentierten. |
Mittags war schon durch, als sich im Hangar etwas härtere Musik einstellte. Lithium hämmerten dem Publikum Ihren Industrial-Sound entgegen, und diese Art der Musik sollte richtungsweisend sich für die nächsten beiden Bands sein. Nach Lithium kam die bekannte Electro-Formation Suicide Commando und vermutlich auch The Cassandra Complex, welche man sich nur schwerlich anschauen konnte, da der Hangar nun schon zum bersten gefüllt war und sich eine regelrechte Traube vor dem Eingang formte. Auf der Hauptbühne stieg mit The Godfathers und dem Sondergast Tanzwut (nein, sie heißen nicht tba (to be announced)!!!) auch die Stimmung langsam auf Hochtouren auf, so daß die Getränkeumsätze durch die völlig durchgeschwitzten Anhänger auch langsam in die Höhe stiegen.
Um ca. 15.00 Uhr hätte sich der Himmel eigentlich verdunkeln müssen, denn Faith & the Muse betraten die Bühne und versuchten mit Nebel und Licht erste visuelle Effecte zu erzeugen. Bei Tageslicht, ach was schreibe ich, bei Sonne und Wärme kam dieser Effect leider nur etwas spärlich rüber, was der guten Musik von Monica Richards und William Faith jedoch keinen abbruch tat. Noch etwas ruhiger und besinnlicher taten sich im Hangar dann L´Ame Immortelle, die mit Ihren leicht sphärischen Klangkollagen einen Ruhepol zwischen den doch zugegebenermaßen härteren Bands bildeteten.
| Anschließend kam Mozart von Umbra et Imago auf die Bühne und verzauberte viele geneigte Fans mit Ihrer Musik und eigenwilligen Show. Während dessen Mozart im Hangar eine optisch und akkustisch überzeugende Show ablieferte, alberte auf der Main Stage ein Clown sondergleichen herum! Marc Almond - nicht hingesehen - ein Ohrenschmaus, aber wie diese Legende auf der Bühne herum hampelt wirkt doch etwas lächerlich! Ganz anders nun wieder Haggard, die mit Feuer (noch mehr wärme!) und Kaputzen (noch viel wärmer) die Bühne betraten und Ihre Fans ganz in Ihren Bann zogen. | ![]() |
Hoppsalla, hätte ich doch ganz vergessen: The Mission präsentierten sich nach Marc Almond auf der Hauptbühne und belohnten das Publikum mit einer guten Mixtur aus alten und neuen Liedern. Dieses wiederum prämierte dieses auch sogleich mit Applausgewittern. Direkt anschließend kam für mich die Zeit des großen entspannens! Mit der Synthie-Pop-Band And One, der Teeni-Band HIM (Ich schäme mich weiterhin für das Interview mit Pille Palle!), Anathema und Tiamat war es für mich ein angenehm langes Intro für die Band, die trotz aller negativen Aussagen des Leaders Andrew Eldritch noch immer eine riesige Fangemeinde vorzuweisen hatte. The Sisters of Mercy, erste von zwei Bands, die in völliger Dunkelheit spielen konnten, spielten mit den Massen, die sich nun einheitlich über 2/3 des Geländes verteilte. Nun ja, was kann man zu den Sisters sagen? Es ist doch wohl die einzige Band, die aus 5 wirklich geilen Anfangsjahren, 15 Jahre lang zehren kann. Denn alles was neu war, kam nicht wirklich gut an, wie auch Andrew bemerkte und kommentierte. Genauso wenig, aber wenigstens nur aus den ersten Reihen zu bemerken, kam sein T-Shirt mit den leicht bekleideten Damen an!
|
Fazit: Dieser erste, wenn auch noch nicht ganz beendete Tag, hatte sich schon gelohnt und machte Appetit auf den folgenden. Warum er noch nicht beendet war? ...um jetzt schlafen zu gehen, mußte man wirklich betrunken oder so was von groggy gewesen sein, denn the party still goes on... Wie auch schon am Vorabend ging es im Hangar mit der überaus gut besuchten Party weiter. |
![]() |
Am nächsten Tag ging es, nach meinem Geschmack, viel zu früh weiter! Zu Früh? 11.00 Uhr! Sicherlich konnte niemand mehr in den Zelten schlafen, da durch die Sonne die Temperaturen auf unangenehme Werte kletterten, aber sonderlich fit waren viele der Zeltenden Besucher auch noch nicht. Es war halt eine super nette, aber viel zu kurze Nacht!
11.00 Uhr! Die Merlons hatten das undankbare Los gezogen, den Musikalischen Tag zu beginnen! Verständlicherweise füllte sich der Platz vor der Bühne nur spärlich, so daß ausschließlich ein Bruchteil der Festivalbesucher sich der Magie der ersten Bands Merlons, Stromkern, Near Dark, Illuminate und erneut Mila Mar unterwerfen konnten.
Dann um ca. 13.00 Uhr betraten die Männer und Frauen um Estampie die Hangar-Bühne, um die mittlerweile doch Musikhungrigen Besucher mit Ihrer Mittelalter-Musik zu füttern. Anschließend an Estampie betraten im Hangar Diary of Dreams die Bühne, die live ungleich druckvoller und bombastischer wirken, als auf Ihren Alben und so sicherlich wieder ein paar Fans dazugewonnen haben dürften.
Vor der Main Stage fanden sich nun auch die Menschen-Massen, bei den Klängen von den Norwegischen Madrugada und explosionsartig bei Oomph! ein. Rosenfels und Anne Clark konnten beide zwar nicht voll überzeugen, jedoch lieferten sie ein, wie sollte es vor allem bei Anne Clark sein, ausgereiftes Programm ab.
![]() |
Im Hangar wechselten sich nun nach den vorhin erwähnten Diary of Dreams, nahezu reine Electro-Bands ab. Die Portugisischen Aenima begannen das Feuerwerk mit krachendem Sound, welche von experimentellen Klängen durch Evil´s Toy abgelöst wurden. Anschließend schlugen die Jungs von Funker Vogt, Velvet Acid Christ und Finaly VNV Nation ein wie eine Bombe. |
Und auch auf der Hauptbühne kam nun ein Knaller nach dem anderen! Zuerst überzeugten Phillip Boa & The Voodooclub, die Ihr letztes Album "My Private War" einem willigen Publikum unterbreitete, dann kam, für mich, der Höhepunkt des sonntäglichen Abends, Fields of the Nephilim um Frontman Carl McCoy. Nach 10 Jahren Bühnenabstinenz hat sich nicht viel geändert! Fields wie wir sie haben möchten! Keine kreischenden Gitarren, nur guter alter und bekannter Gothic! Ein Erlebniss, bei dem ich nicht mehr geglaubt hatte noch einmal dabei sein zu dürfen.
Völlig ausgelaugt nach diesem Erlebniss, sah ich nun auch noch Peter und Scheubi von Projekt Pitchfork auf die Bühne kommen. Sie zeigten, der nun doch schon leicht aufbrechende Gemeinschaft, Ihr Bestes, was in mit schier nicht aufhörenden Begeisterungswellen aufgenommen wurde.
Ob jetzt M´era Luna oder Zillo, mit ist es gleich, wenn das Ergebniss mich so zufrieden stellen kann, daß ich erneut sagen muß, das dieses Festival ein muß ist und bleibt!
| Neben den ganzen Bands fanden natürlich noch weitere Aktionen ihre Anhänger, so unterstützte der Schminkbus, die Chill-Out-Zone, der erfrischende Drum-Cooler, eine fast nicht endende Händlermeile mit allem was das Herz begehrte und einem Feuerzauber, den ich zufällig auch noch im Dunklen fand, den sehr guten Eindruck dieses Festivals. Außerdem fiel mir positiv auf, daß scheinbar wieder viel mehr "schwarze" Gestalten sich auf dem Gelände tummelten. Dieses lag sicher wieder einmal an der außergewöhnlichen Auswahl der Bands und natürlich auch an der massiven Werbung, die für dieses Massenspektakels aufgefahren wurde. | ![]() |
Einziges Manko eines Festivals in dieser Größenordnung stellt für mich die fragwürdige Aktion der Polizei, die auf der letzten Raststätte vor Hildesheim, eine Drogenrazzia vollführt haben soll! Ist dieses wirklich notwendig?
Bis nächstes Jahr Robert Rosowski