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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| M`era Luna Festival 2002 |
Samstag
Der Samstag stand ganz im Zeichen dessen, was man als Frau alleine auf einem Festival erleben kann. Aber der Reihe nach: Da mein Schatz leider keinen Urlaub bekommen konnte, mussten wir dieses Jahr direkt nach Schichtende, d. h. um 7.00 Uhr morgens, losfahren. Trotz einiger griechischer Hammerkaffees war dann bei ihm um 13.00 Uhr "Tilt Error - Nix geht mehr" angesagt und der fehlende Schlaf musste dringend nachgeholt werden. Kein Problem, frau ist ein großes Mädchen und kann das Festival auch alleine genießen, dachte ich. Aber Pustekuchen! Gegen 15.00 Uhr setzte ein erster Schauer ein, so dass ich Schutz unter einem Bierstand suchte. Das war der erste fatale Fehler, denn dort stand Michi, volltrunken, aus Kaiserslautern. Michi ergriff sofort die Gelegenheit beim Schopf, jemanden zum zutexten gefunden zu haben und so wusste ich nach rund 5 Minuten, dass Michi Hotelfachmann ist, im Real-Life schleimend mit Schlips und Anzug rumlaufen muss und eine gescheiterte Beziehung hinter sich hat, aus der ein Sohn hervorgegangen ist. Eigentlich kein Problem, ich starrte in den Regen und hörte zu in der Hoffnung, dass sich diese unfreiwillige Pause dann eventuell kurzweiliger gestalten würde. Das war Fehler Nummer 2, weil Michi dieses Festival auch gerne dazu zu nutzen schien, um endlich mal die Sau rauslassen zu können, denn plötzlich und ohne jede Vorwarnung äußerte er, dass er mich gerne jetzt und hier auf der Theke nehmen würde.... *schluck* Dieses freundliche Angebot habe ich dann doch dankend abgelehnt *nochmalfassungslosschluck* und das Weite in Richtung Hangar gesucht, denn auch dort kann man trocken stehen; aufgrund der großen Halle höchstwahrscheinlich auch unbelästigt, dachte ich, aber das war Fehler Nummer 3, denn neben mir stand eine Gruppe Holländer, die sich erst über meine "Tits" unterhielten, und danach recht unangenehm aufdringlich wurden. Okay, ich bin auch da freundlich geblieben und habe zu verstehen gegeben, dass mein Freund irgendwo hier schläft. Ich glaube, das hatten sie falsch verstanden :-) Aber bitte, an dieser Stelle ein dringender Appell an die Herren der Schöpfung - einem netten Plausch ist frau sicherlich nicht gänzlich abgeneigt, aber glaubt tatsächlich irgendjemand, er könnte eine Frau anmachen mit Sprüchen wie: "Ich will dich auf der Theke nehmen." oder "Hey, Tits!"??!! *grusel* Ich fahre seit 1998 nach Hildesheim, aber von dieser Seite habe ich es bis dato noch nicht kennen gelernt.... Auf der Hangar-Party sollen sich noch mehr Typen der Marke "Ballermann" rumgetrieben haben, wie mir zu Ohren gekommen ist. Verdammt nochmal, welche Band hat denn bloß solch unangenehme Gestalten angelockt??!!!
Nachdem ich auch noch einen dänischen Kampftrinker immer noch halbwegs freundlich (wo nehme ich bloß die Geduld her... *g*) in seine Schranken gewiesen hatte, konnte ich mir endlich in aller Ruhe das erste Konzert, das mich interessiert hatte, anschauen: Assemblage 23! Und das war sooo geil - der Typ hat es wirklich drauf, Stimmung zu machen. Absolut genial, mir fehlen die Superlative... Und nachdem das von mir so sehnsüchtig erwartete "Disappoint" endlich gespielt wurde, gab es sowieso kein Halten mehr - Stillstehen unmöglich! Hach, leider, wie das immer so ist bei diesen ultrageilen Gigs, war es wieder viel zu schnell vorbei *schnief*
Kurz danach hatte ich endlich eine Gruppe lieber Bekannter getroffen, was eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist angesichts der Menschenmassen auf dem M'Era Luna! Sei's drum, ich war jedenfalls heilfroh, denn "im Schutz der Gruppe" gab es dann glücklicherweise keine blöden Kommentare seitens Kerlen unter Überdruck mehr und ich konnte in aller Ruhe Welle Erdball genießen. Wobei genießen vielleicht das falsche Wort ist, denn eigentlich hatte ich auf deren Auftritt schon zu dem Zeitpunkt keine Lust mehr, wo die "Sängerinnen" zu den Vocals vom Band noch nicht einmal den Mund bewegt hatten, und das war gleich beim ersten Lied der Fall :-( Eigentlich sind Welle Erdball immer ein Garant für prima Gute-Laune-Musik, die ich zu diesem Zeitpunkt auch bitter nötig hatte, aber in solch einer Umsetzung dann doch eher publikumsverarschend. Sorry, aber ich hatte nach 3 Stücken die Nase voll und bin gegangen...
Die nächste Station war dann In Extremo, die ich schon auf dem diesjährigen Castle Rock bestaunen durfte. Wohlweislich, ob der Erfahrungen aus Mülheim, bin ich direkt in den hinteren Reihen geblieben und wurde auch dort Zeugin eines sowohl optischen wie auch akustischen Augen- und Ohrenschmauses. Perfekt!
Danach war es langsam an der Zeit, meinen Schatz einzusammeln, damit wir gemeinsam den mit Vorfreude erwarteten Auftritt von VNV Nation genießen konnten. Leider fiel dieser buchstäblich ins Wasser, denn pünktlich mit Konzertbeginn setzte ein Wolkenbruch ein, der uns innerhalb kürzester Zeit bis auf die Haut durchnässte und das gesamte Festivalgelände in ein lehmiges Matschgelände verwandelte. Nachdem also bei 2 1/2 Songs alles, was wir am Leib trugen an selbigem klebte, traten wir zähneknirschend und ziemlich gefrustet den Weg Richtung Bus an, den wir dann auch irgendwann völlig schlammbespritzt und zum auswringen nass erreicht hatten. Na, klingt das prickelnd? Fast genau zu Beginn des Auftritts der vielerseits erwarteten Sisters hörte der Regen auf und wir schwankten, mittlerweile wieder in trockenes Tuch gehüllt, ob wir uns noch einmal auf den Weg zum Festivalgelände machen oder aber den Abend in gemütlicher Zweisamkeit ausklingen lassen sollen. Glücklicherweise entschieden wir uns gegen ersteres, denn das, was wir von verschiedensten Seiten über diesen Auftritt zu hören bekamen, war nicht unbedingt dazu angetan das Gefühl zu bekommen, etwas außerordentliches verpasst zu haben. Mehr möchte ich dazu auch nicht sagen, weil es der Band gegenüber unfair wäre, ein Statement abzugeben, was einzig und alleine auf Hörensagen beruht.
Sonntag
Der Sonntag begann mit ganz viel Regen, keine Ahnung, wann genau das war, auf jeden Fall war es schon hell draußen. Angesichts der anscheinend trüben Aussichten habe ich mich noch einmal rumgedreht und mich meinen Träumen hingegeben. Als ich endlich gegen 10.00 Uhr richtig wach war, fand ich plötzlich ein angenehm trockenes, warmes Wetter vor und so sollte es auch den ganzen Tag über bleiben. Somit stand der Sonntag also ganz im Sinne eines entspannten Festivaltages! Allerdings nur fast, denn leider haben an diesem Tag nur sehr wenige Bands gespielt, die meine Wenigkeit interessant findet.
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Den Anfang bilden hier die Bloodflowerz, die ich aufgrund meiner Verpenntheit und der daraus resultierenden morgendlichen Anlaufschwierigkeiten leider verpasst hatte.
Im Anschluss daran, endlich auf dem Festivalgelände angelangt, erzählten uns Bekannte, dass gleich Funker Vogt spielen. Okay, Funker Vogt hätte ich gerne gesehen, aber da "gleich" relativ ist und wir unseren Plan im Bus vergessen hatten, stellten wir bei unserem Ausflug zu selbigem fest, dass wir noch genau 5 Minuten bis zum Beginn des Auftritts haben. Wer jemals auf dem M'Era Luna im Wohnmobil-Bereich campiert hat, weiß wie weit das ist... *ärger*
Die nächste Pflicht im Programm waren Oomph!, wo es angesichts der Menschenmassen allerdings ein Kunststück gewesen wäre, etwas weiter in die vorderen Bereiche vorzudringen; nach den Erfahrungen, die ich bisher bei 2 Oomph-Konzerten in den vordersten Reihen sammeln konnte, zum Teil auch recht schmerzhafte - man hat halt länger was davon;-) Aber auch von den allerhintersten Reihen aus kam es einfach nur "Uuuuaahh" rüber - in diesem Genre unerreicht in dieser Eindringlichkeit und Authenzität - eben einfach nur einzigartig! Eben Oomph! Eben eine Live-Band mit Herz und Seele! Eben Uuuaahh!
Danach waren London after Midnight ganz fett im Programmheft angekreuzt und konnten alles, was an Erwartungen vorhanden war, spielend toppen. Ein charismatischer Sänger inmitten einer nicht minder ausdrucksstarken Band vermochten dem Publikum nichts anderes als pure Hingabe und frenetischen Applaus zu entlocken bei diesem melancholischen bis wütend/aggressiven Goth-Rock-Sound. Wow, allein dafür hat sich die Fahrt schon gelohnt, trotz diverser unschöner Erlebnisse im Vorfeld! Eine wahre Ausnahmeerscheinung, die hoffentlich in näherer Zukunft auch einmal wieder mit neuem silbrigem Output von sich reden machen wird.
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Aufgrund akuter Lustlosigkeit des Fotografen kann leider nicht mit mehr Fotos vom diesjährigen M'Era Luna gedient werden - ts, ts, eine Moral ist das... ;-)
Obwohl, einen habe ich noch - so sah das Festivalgelände am Sonntagmorgen aus. Und dies ist ein wirklich humaner Ausschnitt, denn in Wirklichkeit war es eine Schlammschlacht par excellence. Ich bzw. mein Schuhwerk haben bis dato noch etwas davon... Dies als Trost für alle unfreiwillig Daheimgebliebenen!
Hinsichtlich des Gesamteindrucks, mal abgesehen vom Wetter und den zum Teil prolligen Gestalten, sehe ich das M'Era Luna derzeit etwas zwiespältig. Zum einen ist es nach wie vor das bestorganisierte Festival, was ich kenne. Zum anderen aber leider auch eine mittlerweile derart überlaufene Massenveranstaltung, dass selbst Menschen, die üblicherweise nicht unter Agoraphobie leiden, Probleme bekommen könnten. To be continued - die Zukunft dieses einstmals als Szenefestival bekannten Events bleibt abzuwarten...
Andrea Scherr