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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Bericht - Richard Kern

 

RICHARD KERN - EIN HINTERWELTLER IN NEW YORK

Voyeur aus Passion, Fotograf, Filmemacher und PerformanceKünstler. Eines Nachmittags, im Jahre 1971, schwänzte klein Richy den Unterricht der l0. Klasse und trampte in ein 3o Meilen entferntes Einkaufszentrum. Auf dem Heimweg hielt eine Rostlaube voll leichtbekleideter New-York-Glam-Girls an und ließen den jungen Anhalter in eine für ihn gänzlich neue Welt einsteigen.

Akt 1 Zu diesem Zeitpunkt hatte ihn sein Vater bereits dem Fotografieren näher gebracht. Um 1979 war Kern es leid, sein Leben in North Carolina zu verschwenden und zog nach New York. Dort bewohnte er eine ziemlich heruntergekommene Apartment-Wohnung. Im selben Haus gab es drei Wohnungen, in denen mit Heroin gedealt wurde und mehrere andere junge, heruntergekommene Künstler, die dort wegen der niedrigen Miete lebten. Er richtete sich kurz entschlossen die notwendigen Räume ein und begann, seine Freunde abzulichten. Er veröffentlichte, oder versuchte es, diese Fotos in kleinen s/w Magazinen, die er selbst herausbrachte. 'Die Magazine trugen einprägsame Namen wie "Valium Addict", "Heroin Addict" und "'Dumb fucker".

1983 kaufte er für fünf Dollar eine Super-8-Kamera und begann zu dokumentieren, wie seine Freunde Statements abgaben. Er drehte einige kurze abgedrehte Streifen ("Goodbye 42nd Street", "Zombie Hunger", „American Obsessions" und "Manhattan Love Suicides“), die er dann in örtlichen Clubs vorführte, als Auftakt für Konzerte oder als Hintergrundkulisse für die ersten, gigantischen Acidparties.

Zu diesem Zeitpunkt etwa lernte er Lydia Lunch kennen, die auf der Suche nach "Bloods + Guts"-Performance-Künstlern war. Ein Zusammentreffen, wie es vom Schicksal nicht besser hätte gewählt werden können. Von da an gaben sie gemeinsam in verschiedenen Clubs Performance-Vorstellungen, die nach L. Lunch "Akte wahrloser Gewalt" waren. Ende 1983 begannen sie, die Dreharbeiten zu dem Kurzfilm "The right side of my brain“ - eine erotische Entdeckungsreise zu den inneren Mechanismen einer bereitwilligen Opferhaltung. Akt 2

Ein Thema, von dem beide, R. Kern und L. Lunch, wohl besessen waren und auch immer sein werden. Macht und Unterwerfung, diese beiden Komponenten bekamen eine noch brutalere Schärfe in dem bekanntesten und zugleich kränksten Film "Fingered" - der ultimative Film für Psychopathen. Zitat John Waters: „Das ist der beste Hillybilly-Punk-Kunst-Pornofilm der Wett, ich zeige ihn den Leuten nur spät nacht, um die Leute glücklich zu machen!!!" Zitat Lydia Lunch: "Erst bei der Arbeit an diesem Film gelang es mir, die Dynamik meiner Obsession wirklich zu begreifen und sie anderen zu vermitteln. "Dieser Film war in den Staaten der 8oer der wohl umstrittenste. Er wurde bei jeder Vorführung regelmäßig ausgebuht, attackiert oder in der Luft zerrissen.

Akt 3 1987 wurde Kern alles zuviel und er zog nach San Francisco. "Diese Filme zu machen war für mich, als würde ich einen großen, fetten, braunen, stinkenden ... hinsetzen, einen Schritt zurücktreten und zusehen, wie die Leute ihn bestaunen." In San Francisco versteckte er sich vor sich selbst und trieb sich mit den seltsamsten Typen herum. Dies trieb ihn 1988 genauso schnell nach New York zurück, wie er gegangen war. Er begann, wieder zu fotografieren, aber auch wieder zu filmen. Professioneller und reifer drehte er einige Musikvideos, doch er merkte bald, daß sein wahres Interesse der Fotografie galt.

Noch heute sind die Downtown-NewYork-Girls die bevorzugten Motive des beinahe genialen Richard Kern, einer der bekanntesten und besten Fotografen der Staaten. Keiner versteht es besser, das Wort "Fetisch" in Bilder zu bannen.

Stay Maniac!   

Shadow

Akt 4

 

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