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| 3. Wave/Gothic-Treffen in Leipzig |
Am Samstag ging es dann richtig los. Live-Acts waren angesagt. Die Veranstaltung begann gleich mit einer Absage. "ANNABELLE'S GARDEN" hatten abgesagt. Dafür konnten sich "DORSETSHIRE" präsentieren, die ihre Songs ganz gut herüberbrachten. Bekanntere Songs wie "Brothers And Sisters" und 2 Versionen von "Herzschlag" wurden gespielt.
Danach spielten die "DREADFUL SHADOWS", die mit ihrem Powersound dem Publikum recht gut einheizten. "Dreadful Shadows" klingen live wie ein Mix aus "Love Like Blood" und "Secret Discovery" ohne Keyboards. Anschließend spielte die für mich am überzeugendste Band des Abends, "BREATH OF LIFE" aus England. Der absolute Geheimtip! Es gibt wenig Bands, die mir auf Anhieb gefallen, diese gehört dazu. Von der Musik her klingen sie wie "Girls Under Glass" mit einem Schuß "Anne Clark" zu ihren besten Zeiten. Das Beste, was derzeit von der Insel herüberkommt. Die Band sollte in keiner anspruchsvollen Sammlung fehlen. "NOSFERATU" spielten als Headliner an diesem Abend. Leider kam der sphärische Sound der Studioversionen der Songs nicht so gut herüber, dafür spielten sie aber auch die besten Songs wie "Siren", "Vampires Cry" usw.. Schließlich mußten sie noch vier Songs als Zugabe spielen. Der Abend war damit äußerst gelungen.
Der Sonntagmorgen war mit frühem Aufstehen verbunden. Beim großen Platten-, Klamotten- und Schmuckmarkt konnte man im Werk II einiges finden. So konnte der Interessent einiges an Raritäten erstehen. Der Mittelaltermarkt konnte jedoch nicht das halten, was ich mir unter den Ankündigungen seitens des Veranstalters vorgestellt habe. Auf, dem Freigelände Mühlholz standen 10 bis 15 Stände, an denen einige Dinge angeboten wurden, ein Handleser wurde auch gesichtet, der einigen Besuchern ihre Zukunft und ihren Charakter "beschrieb". Abends wurde mit Feuerschluckern, Tanz und Wein der Tag abgeschlossen, oder man fand sich zu den Kneipensessions im Werk II ein. Hier seien vor allem die "THE MERLONS OF NEHEMIAH" hervorzuheben. 5 Menschen die moderne Musik mit mittelalterlichen Klängen verbinden. Live konnten sie viele der dortigen Session-Besucher überzeugen.
"ARTWORK", "CLAIR OBSCUR", "IN THE NURSERY", "GITANE DEMONE" und "PROJECT PITCHFORK" spielten dann am Abend im Easy Auensee. Negativ fiel auf, daß die Konzertanfänge meist 1 bis 1,5 Stunden nach der angekündigten Uhrzeit begannen. so daß es teilweise unter den Besuchern, vor allem am Sonntag einige frustrierte Gesichter gab. Rabiate Türsteher trugen ihr übriges bei. Hier konnte der Besucher aber in den Genuß kommen, einige der wenigen "ARTWORK" Live-Konzerte mitzuerleben. Oswald Henke gab sein Bestes und wurde durch einen Profi-Sopran unterstützt. Songs wie "Stadt der Träume" oder "Staub" kamen sehr gut an. Hiernach gab es eine Deutschland-Premiere von "CLAIR OBSCUR". Sie fanden bei ihren Songs eine guten Auswahl aus bekannten und neuen Songs, die aber nicht bei jedem Besucher Anklang fanden. Vielmehr kann man eigentlich nicht sagen. Kontrastreich war die Kleidung der Bandmitglieder, die sich komplett in weißer Farbe präsentierten. "Clair Obscur" sangen mal deutsch, französisch und meist englisch. Sie benutzten teilweise Lautmalereien, die live besonders intensiv herüberkommen. Zum ersten Höhepunkt wurde das Publikum durch "IN THE NURSERY" gebracht. Diese Band gehört zu den Bands, die man live einfach gesehen haben muß! Der Sound der Pauken und Percussions kommen hierbei noch viel intensiver herüber. Unterstützt wurden sie hierbei von Diaprojektionen. Besonders "Blue Religion" war der Knaller schlechthin. Das Publikum wurde absolut in die Klänge der Band gebannt. Mit der nächsten Band "GITANE DEMONE" ging die Stimmung wieder ihrem Mittelpunkt entgegen. So sehr sie ihr Handwerk auch beherrscht, an dem Abend konnte sie den größten Teil des Publikums nicht überzeugen, was es auch durch zahlreiche "Aufhören"-Rufe und Pfiffen deutlich machte. Gitanes Jazz-Präsentation hatten viele wohl nicht erwartet, so daß viele enttäuscht waren, hatten die meisten doch mit Songs aus früheren Gothic-orientierten Zeiten gerechnet. Auch s/m-Einlagen konnten das Publikum kaum lockern.
Das "PROJECT PITCHFORK" Konzert konnte aber für alles entschädigen. Als die drei um 3 Uhr die Bühne betraten war 2 Stunden Party und Abtanzen angesagt. Es war wirklich das Beste was ich von der Band gesehen habe. Die Bühnensshow, die Lightshow, alles stimmte perfekt überein. Einzig die Lautstärke war deutlich über die Toleranz- (oder Schadens-)grenze. Nach der Show konnte man sich vielleicht schlafen legen, ehe man ab 10.00 Uhr am Frühstückbuffet teilnahm. Hiernach ging man in aller Ruhe zu den doch im Gegensatz zu Vorjahren ausreichenden Waschgelegenheiten. Auch wenn es hier zu zahlreichen Staus kam.
Montag Abend wurden ruhigere Töne präsentiert, was das schon ein wenig ermattete Publikum dankbar entgegen nahm. Als erste Band spielten "ENDRAUM". Hier konnte sich der Besucher in die Traumwelten der Band eingebunden fühlen, was auch durch starken Applaus zum Ausdruck gebracht wurde. Weiter kann ich hierzu nichts sagen, weil es eigentlich keine Bühnenshow gab, sondern es wurde das Songmaterial dezent vorgetragen. In diesem dezenten Ambiente fügten sich die "LEGENDARY PINK DOTS" nahtlos ein. Spätestens hier war das Publikum wesentlich "farbiger" gestaltet, kamen doch viele bunte Anhänger der Band hervor. Ein mimikgeprägter Frontmann Edward Ka-Spel präsentierte seine Botschaft der Fantasie. Bewährtes in Sachen anspruchsvoller Popmusik produzierten dann die "COCTEAU TWINS". Die seit 1982 existierende Formation vermischte musikalische Elemente aus Pop, Rock, Country und Jazz zu einer Einheit. Spätestens hier war das "typische" Wave/Gothic-Publikum auf dem Weg in das Werk II. Die Abschlußparty kam dann auch erst gegen Mitternacht richtig in Gang, weil sich viele nach den "Legendary Pink Dots" entschlossen, die Party zu besuchen und sich die "Cocteau Twins" nicht mehr anzuschauen.
Getanzt wurde dann bis in den frühen Morgen. Um 6.00 Uhr verließen dann auch die letzten 5 das Werk II und man war sich einig, daß es das bisher beste Treffen in Leipzig war.
Auf das es nächstes Jahr noch besser sein möge.
Armin Kessel