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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Walpurgisnacht in "Die Grube",

 

so könnte man das Motto der Veranstalter am Samstagabend des 30. April 1994 nennen. Mit einem gewissen Maß an Erwartung fuhr ich also ins sauerländische Siedlinghausen. Die Grube ist für Menschen, die abseits des Mainstreams Musik hören wollen, freitags sicherlich eine gute Alternative. Aus dem ganzen Sauerland und Umgebung findet sich dort ein gemischtes Publikum wieder. Viele bekannte Bands wie Secret Discovery, Catastrophe Ballet, The Eternal Afflict, Lacrimosa, Marionettes, Two Witches etc. waren dort schon live zu sehen.

Um es gleich vorweg zu nehmen, meine Erwartungen wurden größtenteils erfüllt. Als ich gegen halb zehn dort eintraf war um diese Zeit schon einiges an Volk dort. Für Die Grube-Verhältnisse schon erstaunlich. Laut Plakat sollte an diesem Abend "Rose Of Devotion" spielen. So warte ich gespannt auf jene Band. Derweilen konnte man sich an dem Hexengebräu erfreuen - oder auch nicht. Einige Wohlgekleidete posierten für das Familienalbum oder für die Videosammlung, andere unterhielten sich, und vor allem, das Publikum war überwiegend "schwarz"!

Um halb elf standen dann "Rose Of Devotion" aus Bremen auf der Bühne und stimmten den ersten Song an. Sehr schnell merkte man eine musikalische Nähe zu "Love Like Blood", wozu ein in gewissen Zügen ähnlicher Sänger (Yorck läßt grüßen) beitrug. Die Soundqualität und die Lautstärke waren in Ordnung. Neben zum Teil plakativen Texten und einigen Mischpultproblemen (...wo bleibt das Mikro? -Hallo...) war der Auftritt der Band ansonsten zufriedenstellend. Nicht nur nach dem Auftritt konnte man im Eingang neben einem Körperschmuckstand auch einen Verkaufsstand mit Demotapes, CD's und T-Shirts besuchen. Überzeugte Zuhörer konnten hier 2 Demotapes (Studio/Live) von "Rose Of Devotion" erstehen, wobei das Livetape die Klangqualität eines mittelmäßigen Bootlegs aufwies! Eine Ahnung sollte sich danach bewahrheiten. Auffällig am Stand waren die vielen "The Eternal Afflic"-Materialien. Sollte es diesen Abend etwa einen Überraschungsauftritt geben?

Es gab! Nach einer besonderen Einlage zweier Trickfilme (wie schön), denen ein Teil des Publikums interessiert zuschaute, war es dann soweit: "The Eternal Afflict" (diesmal zu dritt) betraten die Bühne. Sänger Cyan, ließ ein paar Sprüche ab, danach konnte es losgehen. Zur Verwunderung meiner, spielten sie gleich ihre Hits, unter ihnen den Stones-Klassiker Paint it Black und einer Extended - Version von San Diego. Während des Auftritts kamen entweder die von Cyan bekannten Sprüche oder er unterhielt sich, wie bei San Diego, rnit dem Publikum. Aber das Beste (?) kommt noch! Nach 3 Stücken war es auch schon wieder vorbei! Zur Verwunderung des Publikums wurde die Bühne geräumt. Was für ein "langer" Auftritt. Ein Grund könnte vielleicht sein, (laß die Aufführung der "Walpurgisnacht" um 0.110 Uhr stattfinden sollte. Hierbei schritten die historischen Figuren (welche von der Designerin Christine Schwenk entworfen und geschneidert wurden) mit dem obligatorischen Hexengebräu vorwärts um die "Verführung" zu zelebrieren. Eine gelungene Vorführung mit mutigen Laiendarsteller(inne)n. Als Abschluß dieser Vorstellung tanzten die Darsteller(innen) in Formation zu inhaltlich passender Musik, nämlich "Welcome To Paradise" und "Headhunter" von "Front 242".

Nach einer kurzen Pause startete der Tanz in den Mai mit einer guten Mischung aus Dark Wave, EBM, Industrial, Gothic-Rock und Dark Folk. Hierbei wurden Stücke aus den frühen 80'ern (Bauhaus / Twice A Man) sowie neuere Dinge (The Fields Of The Nephilim / Dorsetshire) vermischt. Man traute sich auch mal wieder etwas von Current 93 zu spielen - kommt ja selten genug vor. Als besondere Einlage betrat für 3 Songs ein Billy Idol-Immitator die Tanzfläche, wo er mit Hilfe von zwei Damen seine Show überzeugend abzog. Desweiteren trat eine Madonna-Immitatorin auf, die ihren Teil zum Titel "Erotica" beitrug. Gegen 4 Uhr lichteten sich zunehmend die Reihen und man konnte wirklich sagen, der Abend war gelungen. Cyan's Anmerkung in San Diego "...Winterberg, what a mistake..." bestätigte sich in keiner Weise. Ich kann nur hoffen, daß es nächstes Jahr wieder heißen wird: Walpurgisnacht in Die Grube.

Armin Kessel

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