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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Berichte |
Bereits am Donnerstag vor Pfingsten trafen wir in Leipzig ein. Zuerst ging es zum Hotel, um die Pressekarten ab zu holen. Leider waren die einzigen Obsorge-Karten, die wir am Donnerstag erhalten konnten, nicht für die Agra, sondern für den Volkspark-Zeltplatz (Zeltplatz 2). Danach mit dem Taxi nichts wie hin zum Zeltplatz, um den Seesack los zu werden. Doch dieser Wunsch wurde zu einem Problem. Es kostete mich glatte 70 DM, da der Taxifahrer den Ort nicht kannte und selbst seine Zentrale uns nicht weiter helfen konnte.
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Nach vielem Fragen am Zeltplatz angekommen, wollten wir erst einmal das Zelt auf bauen. Die "super freundlichen" Securitys am Eingang zum Zeltplatz brachte unsere Laune auf einen neuen Höhepunkt, als sie uns und andere Besucher spüren ließen, was sie von dem (nun folgt ein Zitat!) "schwarzen Gesocks" halten. Vielleicht sollten sich die Veranstalter einmal Gedanken machen, ob es auf einem Festival mit "schwarzer" Zielgruppe wirklich förderlich ist, Personal mit fast nicht vorhandener (da weg rasierter) Haarpracht und recht rassistischem Gedankengut (schöne Grüße an Mireille und Francois - nicht alle Deutsche sind so!) zu beschäftigen. |
| Der Abend wurde dann aber dank
der anderen Camper doch noch ganz lustig, und der Wein floß in Strömen.
Am Freitag hieß es dann zuerst die Duschen aufsuchen, stylen und danach
ging es dann zusammen mit unseren neuen Bekannten zum AGRA-Gelände,
um die Eintrittsbänder und "Obsorge-Pakete" zu ergattern, da es am
Zeltplatz 2 diese noch nicht gab. Doch damit begann eine kleine Odyssee.
Also rein in Dirk`s VW-Bully und zum Agra-Gelände - doch Fehlanzeige!
Kein Material vorhanden. Der nächste Versuch war das Werk2, wo schon
ebenfalls eine große Menschenmenge wartete, jedoch - Fehlanzeige!
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| Also weiter Richtung Bahnhof, und hier wurde es richtig interessant. Es war kein Infostand zu finden. Zwar stand dort eine Holzhütte, jedoch war diese unbesetzt. Also wieder zum Werk 2, doch wieder Fehlanzeige. Dies alles dauerte etwa 2 1/2 h, und langsam wurde es recht ärgerlich, denn die offiziellen Öffnungszeiten waren doch vorher bekannt gegeben worden und es kann doch nicht so schwer sein, diese wenigstens in etwa ein zu halten. Danach fuhren wir zurück zur Agra, und oh Wunder, nach einer weiteren Stunde waren wir im Besitz der Bändchen und der "Obsorge-Tüte", deren Inhalt wahrlich "spektakulär" war. Das Buch war eigentlich schön gemacht, doch den Kalender hätte man getrost weglassen können. Ebenfalls hätte ich eine Deutsch/Englische-Ausgabe befürwortet, da dieses Jahr anscheinend wesentlich mehr internationales Publikum anwesend war, als in den Jahren vorher. Meiner Meinung nach war der Preis für das "Obsorge-Paket" trotz der ebenfalls enthaltenen "Treffen-CD" definitiv zu teuer (vielleicht war man ja in den letzten Jahren auf zu vielen CD`s sitzen geblieben...). | ![]() |
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Nun konnten wir den Konzerten von "Lacrimosa" und "Nightwish" bewundern, welches uns für den vorher entstandenen Streß entschädigte. Doch noch am gleichen Abend begannen die ersten Gerüchte zu kursieren. Es hieß, das verschiedene Bands wie beispielsweise "London After Midnight" nicht spielen werden, doch irgend wie dachte sich niemand etwas dabei, da es zumindest in den 5 Jahren, die ich nun nach Leipzig pilgere, immer wieder zu ähnlichen Gerüchten gekommen war. | |
| Phänomenal war die Masse an Menschen, die noch Nachts am AGRA-Gelände ankam, so daß wir sehr froh waren, auf dem Zeltplatz 2 zu campen. Und dann ging es zurück zum Zeltplatz, wo wir noch lange im gemütlichen Kreise zusammen saßen. | ||
Nach einem kräftigenden Frühstück am Samstag machten wir uns auf zum AGRA-Gelände, um unsere badischen Freunde zu treffen. Später ging es dann in die Innenstadt, wo wir uns zuerst den Mittelaltermarkt ansahen und dank der großen Hitze froh waren, das eine oder andere kühle Glas Met trinken zu können. Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg zur Open Air Bühne am Völkerschlachtdenkmal, wo beispielsweise Alphaville, Second Decay oder And One und Wolfsheim spielen sollten. Als dann jedoch And One und Philipp Boa aus fielen, wurde bekannt, daß die vereinbarten Gagen, die als Vorkasse gezahlt werden sollten, nicht gezahlt worden waren. Besonders traurig wurde es, als nach der Durchsage vom Moderator O. Klein im Publikum spontan Geld gesammelt wurde ... (den Gerüchten zu Folge sollen sogar etwa 50 DM zusammen gekommen sein!). Die anderen Veranstaltungen fanden anscheinend jedoch weitgehend planmäßig statt. Darauf hin begaben wir uns wieder zum AGRA-Gelände, um den Tag würdig beschließen zu können.
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In den Abendstunden gab es dann einen kurzen und heftigen Schauer, der ein wenig Abkühlung brachte. Diese Zeit nutzten wir, um uns in aller Ruhe die Verkaufsstände an zu sehen. Die Auswahl war dieses Jahr riesig und die Preise in der Regel einiger Maßen fair. Schade war nur, daß der Markt in verschiedenen Zelten und Hallen statt fand, so daß so mancher Interessierte sicherlich nicht jeden Stand zu finden vermochte. | ![]() |
In den Abendstunden gab es dann einen kurzen und heftigen Schauer, der ein wenig Abkühlung brachte. Diese Zeit nutzten wir, um uns in aller Ruhe die Verkaufsstände an zu sehen. Die Auswahl war dieses Jahr riesig und die Preise in der Regel einiger Maßen fair. Schade war nur, daß der Markt in verschiedenen Zelten und Hallen statt fand, so daß so mancher Interessierte sicherlich nicht jeden Stand zu finden vermochte.
| Nach dem Schauer beschlossen wir, erst einmal zum Zelt zurück zu kehren, um zu sehen, ob es bereits überflutet worden war. Dort wurde uns dann klar, daß die Gerüchteküche am brodeln war, und zumindest ein Kern Wahrheit enthalten sein mußte. Vor allen Dingen hörte man immer wieder, daß wegen der fehlenden Gage weder "And One" noch "Phillip Boa" gespielt hätten, und "Lacrimosa" auch nur , da so viele Fans vor Ort gewesen sind. Mittlerweile denn doch auch etwas beunruhigt, legten wir uns schlafen. | ![]() |
| Am Sonntagmorgen, als ich das Zelt verließ um zu duschen, gewahrte ich, daß keine Securitys mehr am Eingang standen. Als dann auch noch die Duschen abgeschlossen waren, war klar, daß an den Gerüchten doch sehr viel wahres sein mußte. Zurück am Zelt ging auch schon mein Handy, und ich erfuhr, daß auch am AGRA-Gelände keine Securitys mehr zu finden seien. |
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| Auf der bald folgenden Pressekonferenz erklärte Herr Scherello, der Anwalt der WGT GmbH, daß keine liquiden Mittel mehr vorhanden wären und er auf Grund dessen am folgenden Dienstag das Insolvenzverfahren eröffnen werde. Über den Verbleib von Christiane Kuz und Michael Brunner, den Geschäftsführern, werde keine Auskunft gegeben, sondern nur erklärt, das sie derzeit nicht erreichbar seien. Anschließend erklärten Robert Dobschütz und Nancy Schumann von Twinline Entertainment GbR, der Promo-Firma des WGT, was mit ehrenamtlichen Helfern (ohne Geld - kein Personal) noch realisiert werden könne. Fairer weise muß man betonen, daß Twinline bereits mit Wirkung zum 24. Mai vom der Erfüllung des Gesamtbetreuungsvertrages zum WGT zurück getreten war, aber in besonders wichtigen Bereichen im Rahmen von Einzelverträgen die Veranstaltung betreute. | ||||||
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| Es wurde geplant, den Großteil der Bands von den entfallenen Bühnen in das Programm auf der Agra zu integrieren. Ebenfalls sollten die Konzerte in der Messehalle 16 wie geplant statt finden. Des weiteren sollten im Verlauf des Nachmittages an den noch existenten Bühnen Ablaufpläne über das weitere Programm veröffentlicht werden. | ||||||
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Erfreulicherweise war es bis zu diesem Zeitpunkt von Seiten der Besucher sehr ruhig geblieben. Es gab weder Randale noch Chaos. Und dies sollte bis zum Ende so bleiben. Selbst als die Hiobsbotschaft umging, am Montag sollen gar keine Aktivitäten mehr statt finden, verharrten die Leute gespannt, was sich als nächstes ereignen würde. Das nächste war dann die Nachricht, daß die Firma, welche für die Bühnentechnik zuständig war, sich nicht bereit erklärte, unter diesen Umständen zwei weitere Tage die Agra zu versorgen. | ![]() |
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| Viele Bands und Musiker erklärten sich bereit, auch ohne Gage zu spielen. Doch durch das fehlende Equipment mußten die neuen, frisch in die Bresche gesprungenen Organisatoren die heikle Aufgabe erfüllen, zu entscheiden, welche Bands spielen sollten und welche nicht. Dies gelang auch recht gut und mit Auftritten von Bands wie Das Ich, L`ame Immortelle oder den Dreadful Shadows gelang auch noch ein toller Abend mit viel begeistertem Applaus. Auch soll in der Messehalle 16 und dem Metal - Zelt ebenfalls ein Notprogramm gelaufen sein. Am Ende des Abend gab es einer Messehalle noch eine Party mit DJ Frank Angelo, welche wir Aufgrund der Müdigkeit meiner Freundin früh verließen. Am nächste Morgen packten wir dann in aller Frühe unsere Sachen und fuhren mit der Bahn heim. Schade eigentlich, denn am Montag gab es dann doch noch ein Festival mit Bands wie Die Schnitter oder Cybele. | |||||
Ich für meinen Teil fand es zwar Schade, daß dieses Mammut-Festival denn geplatzt war, doch trotz oder gerade wegen der ganzen Probleme, den vielen ehrenamtlichen Helfern, den "gratis" spielenden Bands und vor allem dem tollen Publikum war es für mich am Ende doch ein schönes Festival, bei dem ich manchmal den alten Geist des WGT zu spüren vermeinte.
Nun denn, jetzt freue ich mich schon auf die Herbstnächte 2000 auf der Burg Querfurt vom 29. September bis zum 1. Oktober 2000 in Leipzig (Verrückt ?!? - Bestimmt nicht !!!)
Text: M.V.
Bilder: Snapshot