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Festival: WITH FULL FORCE VIII (22. - 24.06.2001) |
Uff! Gerade mal vor ein paar Stunden von diesem Festival, dass seinen Namen redlich verdient hat (!), habe ich mich entschlossen, ein paar Zeilen darüber zu schreiben, auch wenn dies eigentlich nicht geplant war! Also wundert Euch nicht, wenn "Eure Band" nicht erwähnt wird, weil ich nur einige ausgewählte Bands "gesehen" ;) habe...
FREITAG, 22.06.
7 Uhr (!), der Wecker klingelt. Mehr als widerwillig zwinge ich mich aufzustehen, da es gegen 9 Uhr losgehen soll.
Ungefähr 10 Stunden später, also 17 Uhr, kommen wir dann auch am Festivalgelände an. Die FARMER BOYS hatten wir bereits verpasst, dank der unzähligen Staus, grrrrr...
Rasch (naja, mehr oder weniger) einen Platz für die Zelte gesucht, während im Hintergrund MEGADETH lief, nachdem wir auch SAVATAGE verpasst hatten...Als dann alles geklärt war, ging es erstmal auf das Gelände, wo bereits CRADLE OF FILTH ihre energiegeladene Show ablieferten. Jedoch sollte diese von einem Sound heruntergezogen werden, der jeglicher Beschreibung trotzte. Und er sollte auf der Main Stage die vollen drei Tage genau so bleiben. Einfach zu laut, zu basslastig und komplett übersteuert stellte sich der Ton auf dieser Bühne dar, ganz im Gegensatz zu dem auf der Hard Bowl-Bühne, der fast durchgehend zu überzeugen wusste, schon merkwürdig...Wie auch immer, CRADLE OF FILTH spielten ihre bekanntesten Songs runter, wie z.B. "Dusk And Her Embrace", "Her Ghost In The Fog" oder "From The Cradle To Enslave". Überraschungen gab's aber nicht wirklich.
Die Zeltbühne (eben die angesprochene Hard Bowl-Bühne) knickte ich mir an diesem Freitag völlig, da das dort gespielte Hard Core-Gezumpel meinem Geschmack abslout trotzen wollte!
Auf der Hauptbühne ging es derzeit mit den SUICIDAL TENDENCIES weiter, die zwar ihre anwesenden Fans wohl durchaus zu überzeugen wussten, jedoch auch nicht wirklich überraschen konnten. Und Lieder wie "I Hate Popsongs" sind meiner Meinung nach auch nicht unbedingt das, was man auf einem zünftigen Metalfestival hören will...
Die H-BLOCKX sind an diesem Abend für BAD RELIGION eingesprungen, deren Schlagzeuger durch eine Verletzung zum Drum-Invaliden geworden ist. Ihren Job als Ersatzband meisterten sie allerdings ausgezeichnet! Ich bin zwar kein großer Fan dieser Band (eigentlich eher im Gegenteil...), aber live sind sie halt eine druckvolle Kapelle.
MOTÖRHEAD waren anschließend für 22:45Uhr angekündigt, und haben letztendlich schätzungsweise gegen ca. 0Uhr die Bühne betreten, was bei einigen Anwesenden zwischendurch auch auf großen Unmut gestoßen ist. Aber der Meister musste sich halt seinen Pegel erstmal zurechtrücken... ;) Und die unglaubliche Show dieser Metal-Götter glich anschließend alles aus. 1 1/2 Stunden Power pur. Lemmy sang grausam wie immer, die Bühnenshow tendierte mal wieder gegen 0, der Aktionsradius der drei Bandmitglieder ebenfalls, aber das ist bei MOTÖRHEAD absolut egal! Einmalig! Ich glaube, keiner der Metalheads vor der Hauptbühne war noch nüchtern, als Doro Pesch (!) plötzlich die Bühne betrat und einen Song zusammen mit Meister Lemmy Kilmister schmetterte. Welcher das nun war? Hm, da müsst Ihr meine Leber fragen...Aber diese Band zeigt es immer noch definitiv allen Möchtegern-Metal-Bands, die meinen, sie würden wahren Blei spielen!
Ich bekam noch das Ende von SIX FEET UNDER mit, die im Zelt ihr bestes gaben und muss zugeben, dass sie gar nicht mal so schlecht sind, wie ich sie von CD aus kenne. Man könnte sogar sagen, dass sie mit ihrem sehr athmosphärischen Death Metal durchaus den einen oder anderen überrascht haben, der vorher genauso gedacht haben mag, wie ich.
VADER dagegen kannte ich schon, und da mein Alkoholpegel mittlerweile sowieso schon arg angestiegen war, machte ich mich lieber auf den Weg zurück ins Zelt, das ich natürlich erst einmal gar nicht wiederfinden konnte (ja Mensch, im Dunkeln sieht das alles irgendwie ganz anders aus...). Jedoch kam auch ich nach einigen verwirrenden Minuten des Suchens noch zu meinem wohlverdienten Schlaf...
SAMSTAG, 23.06.
Und wie sollte es auf einem Festival auch anders sein, als dass man irgendwodurch (cooles Wort übrigens) schon sehr früh morgens geweckt wird...Naja, erstmal einigermaßen frisch machen und für den großen Samstag vorbereiten.
Der sollte für mich dann mit den EMIL BULLS im Zelt beginnen, die ihren doch überraschend melodiösen Crossover zum besten gaben. Die Band wird jedoch momentan so extrem von den Medien gepuscht, dass man sich fragt, was an ihnen denn so besonders ist, was andere Bands dieses Genres (die auf diesem Festival zu Hauf vertreten sein sollten...) nicht haben!?
Wie auch immer, auf der Mainstage war es Zeit für TANKARD. Die trinkfreudigen Altmetaller (seit 18 Jahren im Geschäft), sind wieder zurück im Rampenlicht und so stark wie eh und je. Zwar hat sich ihr Frontmann jetzt in einen Frontbauch in Perfektion verwandelt, doch interessierte dieses jenes an diesem Samstag-Mittag wohl gar keinen. Der perfekte Einstieg für einen feucht-fröhlichen Festivaltag!
Kurz nach TANKARD schaute ich mir dann das Ende von RANTANPLAN an, auf die einer meiner Kollegen zuvor Stein und Bein geschworen hatte. Aber ganz ehrlich Leute: Punk mit Ska-Anleihen, vorgetragen von einer Band, deren Mitglieder aussehen wie einst meine Lehrer, muss nicht sein...Zwar vermochten sie durchaus, einiges an Stimmung zu verbreiten, jedoch muss man sich für diese Art von Musik schon sehr begeistern können. Doch die zahlreich anwesenden Gäste schienen dies wohl größenteils zu können, so wurde gepogt und getanzt, was das Zeug hielt...
Die verdammt druckvollen und aggressiven CROWBAR sparte ich mir dann und war pünktlich zu GLUECIFER wieder zurück an der Mainstage. Die Skandinavier räumten mal wieder komplett ab, ließen den Bär steppen und vor allem der komplett in seinen weißen Anzug gehüllte Frontmann (wie hieß er noch gleich) ließ das absolute Rotzrock-Feeling aufkommen, Note 1!
Und wie hatte ich mich doch auf IN FLAMES gefreut! Naja, hatte...Die Melodic Death-Metaller legten los und sollten von der ersten Minute an unter den wohl nicht vorhandenen Ohren des Soundmannes leiden. Melodien waren nun gar nicht mehr zu erkennen, der Bass war extrem zu laut und selbst mit Ohrenstöpseln musste ich nach drei oder vier Songs - darunter auch das eigentlich geniale "Only For The Weak" - die Hauptbühne verlassen. Unerträglich!
Die erste Band, die ich danach dann wieder so richtig mitverfolgen sollte, war dann der Headliner SOULFLY. Und Max Cavalera und Konsorten ließen absolut kein Auge mehr trocken. Wie immer starteten sie mit dem absoluten Ohrwurm "Back To The Primitive" in eine Show, die ihresgleichen sucht. Natürlich hatten die Amerikaner und ihr brasilianischer Chef den Vorteil, dass es mittlerweile komplett dunkel war und die imposante Lightshow rund um die wie immer militärische Bühnendeko dementsprechend imposant abgefeiert wurde! Es wurde auch endlich wieder viel mit den Trommeln gearbeitet, die während der Clubtour ja ein wenig zu kurz gekommen waren. Hits wie "Jumpdafuckup" oder der Sepultura-Klassiker "Roots Bloody Roots" rissen die Menge heftigst mit und ich war froh, nicht vorne mit drin zu stehen, Killer!!!!!
Nach dem Headliner ging es im Backstage-Zelt mit MAMBO KURT weiter, so dass ich leider das "Saturday Night Fever" mit PAIN, NASHVILLE PUSSY und co. verpasst habe. Aber wer MAMBO KURT und seine kultige Heimorgel kennt, der weiss, warum ich lieber ihn feiern wollte... ;)
Und mit einem Promille-Wert, der ungefähr bei 803 gelegen haben dürfte, stiefelte ich gegen 3 oder 4 Uhr zurück zum Zelt, dass ich sogar auf Anhieb fand, Sachen gibt's...
SONNTAG, 24.06.
Tja, und der bereits angesprochene MAMBO KURT und seine BOSSA BABES (vorher noch als "Bossa Bitches" angekündigt...), sollten dann am Sonntag-Mittag auch als erste die Mainstage betreten, um dort Heimorgel-Metal in Perfektion vorzutragen. Ausschließlich Klassiker, wie z.B. "Enter Sandman" oder "I Was Made For Loving You", sorgten bei den mehr als nur zahlreich anwesenden Frühaufstehern für eine geniale Stimmung, Stichwort Polonese vor der Hauptbühne...Als der Meister dann auch noch zum Crowdsurfing ansetzte, war alles klar... ;)
Anschließend stürzten sich 4LYN in das Vergnügen, die bereits aufgeheizte Menge weiter mit ihrem harten Crossover hochzupeitschen. Aber dass die Menge bereits aufgeheizt war, lag zu dieser Zeit definitv nicht nur an MAMBO KURT, sondern auch an der unerträglichen Mittags-Hitze, die sich mittlerweile breit gemacht hatte. So sorgte ein die Fläche vor der Mainstage besprinkelnder Feuerwehrwagen für große Begeisterungsstürme bei den Be- oder besser Getroffenen. Solch laute "Zugabe!"-Rufe hätten sich einige Bands nur erhofft! 4LYN meisterten ihre Sache recht ordentlich, wobei der Hit "Whooo" natürlich den größten Beifall erntete.
Danach folgte eines meiner Festival-Highlights, nämlich DIE HAPPY, die sich im Zelt breit machten und dieses absolut "rockten"! Die Band, die ich nun bereits zum dritten Male bewundern durfte, gehört für mich momentan zu den besten Livebands, und dies sollten sie auch dieses Mal wieder eindrucksvoll beweisen. Mit "If" ging's los. Die Menge ging sofort mit, auch wenn es ganz zum Anfang zunächst ein paar Sound-Probleme mit der Gitarre und dem Bass geben sollte. Songs wie natürlich "Supersonic Speed" und "Like A Flower" wurden begeistert abgefeirt, und bei "One Million Times" gab es sogar einen recht schönen Fanchor, der sich ansonsten - im Laufe des Festivals - eigentlich meist zurückhielt. Wieder Note: 1. (Ein Interview mit Die Happy, vom Essener Uni-Fest, folgt in ein paar Tagen!)
Dann gab es für mich erstmal eine lange Pause, da die Hitze mittlerweile doch arg zu schaffen machte. So spar ich es mir jetzt, irgendetwas über all die Bands zu schreiben, die ich jener Spanne nur halbherzig bis fast gar nicht begutachtete.
Deshalb ging es für mich erst mit den DONOTS wieder los, die mich schon auf CD begeistern konnten. Auch wenn ich solch poppigen Punk (oder Punk allgemein...) eher versuche zu umgehen, konnten mich die DONOTS überzeugen. Ihre Musik, die solch geniale Ohrwürmer wie z.B. "Today" oder "Super-Hero" - die auch die momentanen Hits der Band darstellen -beinhaltet, macht einfach nur Spaß! Und als nach "Whatever Happened To The 80's" und einem weiteren Song, dessen Namen ich leider nicht kenne, Feierabend war, war fast jeder der im Zelt Anwesenden glücklich. Gut gemacht!
Da M.O.D. aus unerfindlichen Gründen abgesagt hatten, spielten nun auch schon bald JUDAS PRIEST! Und die sollten für mich die Überraschung des Festivals werden! Eigentlich hatten wir - ich und meine "Einheit" ;) - gar keine Lust, uns die "unvollständigen" alten Herren anzuschauen. Doch es sollte sich herausstellen, dass die Priester mit dem "Ripper" Owens, sogar nicht nur einen Ersatz gefunden hatten. Nein, (nicht nur) meiner Meinung nach, hatten sie sogar einen besseren Sänger gefunden, auch wenn mich einige Altmetaller wahrscheinlich in der Luft zerreißen würden, wenn ich es ihnen ins Gesicht sagen würde...Zwar sind Songs wie "Painkiller" natürlich für Halford's Stimme geschaffen worden, jedoch ist des Ripper's Stimme wesentlich angenehmer und humaner anzuhören. Und wenn dann noch Reißer wie "Breaking The Law" oder natürlich der absolute Klassiker "Living After Midnight" ertönen, dann gibt es für Kopfschüttler kein Halten mehr. Zweimal wurden die Briten zurück auf die Bühne geholt, bevor sie dann ihren wohlverdienten Feierabend angehen konnten.
Im Zelt spielten zu diesem Zeitpunkt bereits CREMATORY, deren Ende (kommt ja fast tatsächlich hin... ;)) ich noch mitbekam. "Tears Of Time" hatte ich leider schon verpasst, aber dafür bekam ich z.B. noch "The Fallen" mit, welches zu einem meiner Lieblingssongs der Gothic-Metaller gehört. Doch eins bleibt mir völlig schleierhaft: Wie kann man, bei einer solchen, nach mehr Metal schreienden Masse, eine Voll-Ballade als letzten Song spielen? Jungs, das wäre ja in Ordnung, aber nicht auf einem Festival, am letzten Tag, als einer der letzten Bands. Zwar kann ich mich nicht an den Namen des betrefflichen Songs erinnern, jedoch stürmten wärenddessen so einige Metaller bereits raus aus dem Zelt und ran an die Biertränke...
Und das war auch gut so, so konnte ich schließlich fast ganz nach vorne, um mir das Traumkonzert dieses ganzen Happenings reinzuziehen. Die LETZTE INSTANZ sollte vor einem vollen Zelt, bei genialem Sound und mit einer eindrucksvollen Light- und Pyro-Show, eine unglaubliche Stimmung erzeugen. Wahrscheinlich war dies eins der geilsten Konzerte der Bandgeschichte! Zumindest kam es mir so vor. Ich hatte die Band zu diesem Zeitpunkt zwar schon ca. 5 - 6 Male live bewundern dürfen, jedoch war die Athmosphäre dabei wohl nie so märchenhaft wie an diesem Abend in Roitzschjora. Mit dem Intro ihrer letzten und aktuellen Platte "Kalter Glanz", stiegen die Dresdner ein und legten dann auch logischerweise mit dem ersten Song des angesprochenen Albums, "Ganz oder gar nicht" los. Und sie legten wirklich los! Die Meute sprang bei jedem Song der Folk-Rocker mehr. Zwar konnte wohl keiner (mich eingeschlossen) nachvollziehen, warum die Band fast ausschließlich Songs der neuen CD spielte, aber wirklich gestört hat das wohl keinen. Einzig und allein das Camouflage-Cover "Love Is A Shield" sollte als alter Song herhalten, der dann aber auch gleich komplett abgefeiert wurde. "Das schönste Lied der Welt" kam ebenso geil an, wie "Kalter Glanz" und "Gewissen", bei denen ich aber Marta von DIE HAPPY vermisst habe, da sie ja schließlich auch anwesend war und dem ganzen wohl das I-Tüpfelchen aufgesetzt hätte. Alles in allem war dieses Konzert wohl das geilste auf diesem Festival!
Es sollten noch UMBRA ET IMAGO und HAGGARD folgen, für die aber beide das gleiche Motto galt: Zu ruhig und kompliziert für diesen Zeitpunkt. "UMBRA" enttäuschten mit komplett, das sie zwar eine geile Show ablieferten, musikalisch jedoch nicht im geringsten zu überzeugen wussten. Nur "Milch" brachte mich zum Mitsingen, ansonsten herrschte, auch allgemein, unter der Menge eher Flaute. HAGGARD hatten dann das fragwürdige Privileg, das achte Full Force zu beschließen, jedoch hatten diese arge Soundprobleme, wirkten äußerst unsicher und konnten mit ihrer, wie bereits erwähnt, für die geschafften und alkoholisierten Besucher des Full Force zu komplizierte Mucke, keinen mehr wirklich hinter dem Ofen hervorlocken, auch wenn das Zelt noch immer sehr gut gefüllt war...
Bleibt abschließend zu erwähnen, dass dieses WITH FULL FORCE zu den besten Festivals gehört, die ich jemals erlebt habe. Stimmung und Ablauf waren so ziemlich perfekt! Es gab keine Abreiseprobleme (man erinnere sich an das DYNAMO '99) und die Preise waren äußerst human! Also, ab jetzt ist wohl immer Full Force angesagt, definitiv!!!!!
Dominik Schröder