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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Woodstage-Festival in Augustusburg

 

Woodstage-Festival in Augustusburg am 27.05.95

 

Auf einem kleinen Grundstück nahe der Augustusburg bei Chemnitz fand in diesem Jahr das seltsam benannte „Woodstage Sommer-Open-Air Festival" statt. Vielleicht wollte der Veranstalter Peace, Love and Drugs prophezeien, doch leider kamen bei uns nur Love and Drugs vor. Große Bands verleiteten dazu, die Strapazen für den, für uns, sehr weiten Weg auf uns zu nehmen. Das erste Problem ergab sich bereits am Bahnhof, in Chemnitz, da nur ein Linienbus zu dem Festivalgelände fuhr. Diese war mit der Menge der Leute natürlich maßlos überfüllt - es dauerte alleine eine halbe Stunde, bis sämtliche Fahrgäste ihre Plätze, gestapelt und gepreßt, eingenommen hatten. Die Eingangskontrollen waren ein Witz, da wir, trotz schärfster „Leibesvisite" mit verschiedenen verbotenen Geräten auf den Platz gekommen waren. Das Gelände selbst hätten wir aufgrund der Größe binnen 3 min. umrunden können - jedoch hinderten uns die Menschenmasse daran, dieses zu tun. Das solche Massen angereist waren, mutete doch seltsam an, da an diesem Wochenende das Indie-Tours-Festival, welches in der Nähe von Halle veranstaltet wurde, statt fand. Und scheinbar nicht allzu gut besucht gewesen sein mußte.

Das Publikum dieses Tages war ein äußerst bunt gemischtes Völkchen, welches scheinbar teilweise nur angereist war, damit sie überhaupt irgend etwas unternahmen - unabhängig, ob ihnen die Musikrichtung irgend etwas sagte, oder nicht. Dementsprechend waren auch die Reaktionen des Publikums, denn wenn diese 'Stargeilen' Leute alles geben würden, um einmal Oswald Henke's (Goethes Erben) Hand zu halten, dann stimmt dort doch etwas nicht! Abgesehen davon, haben alle Gruppen, die gespielt haben, so Tilt, Calva Y Nada, Vicky Vomit & Sisters of Jelzin, Messer Banzani The Dostojewskys, The Inchtabokatables, Lacrimosa, Cat Rapes Dog und logischerweise Goethes Erben ausgezeichnete Live-Darbietungen gebracht und somit die Waagschale auch ein wenig auf der anderen Seite belastet. Warum nur ein wenig auf der anderen Seite, werdet Ihr fragen. Jedoch werdet Ihr es noch erfahren, da wir Euch noch nicht alle Sachen aufgelistet haben, die wir für äußerst negativ hielten. So gab es auf dem gesamten Festivalgelände nur ca. 15 Mobile-Toiletten, und diese rochen so streng, als wären sie nach der letzten Benutzung nicht gereinigt worden. Also traute man sich auch nicht, auf diesen umgangssprachlich genannten Scheißhäusern einen Haufen zu setzen, vorausgesetzt, man hat an den Freßbuden genügend Futteralien gefunden, die die Ausscheidung begünstigten. Denn außer Bratwürste oder Döner hat man auf dem Grundstück nichts weiteres zu Essen bekommen. Und dieses obwohl es groß angekündigt war, daß genügend Freßstände vorhanden seien. Apropos angekündigt, wir haben scheinbar auch die große Fanzinebörse und die Kleidungs- und Schmuckstände übersehen, welche auch in den Flyem angepriesen worden waren. Immerhin waren Eddy & Kämpfer von Art of Dark da, aber diese Beiden sind unsere ständigen Leidensgenossen. Als das Festival zu Ende ging, wollten wir auch schon zum Bahnhof fahren, doch da gingen die Probleme weiter, denn es fuhr natürlich kein Linienbus mehr zum Chemnitzer Hauptbahnhof und es wurde mittlerweile schon etwas kühl. Als wir uns dann entschlossen hatten, mit dem Taxi zum Bahnhof zu fahren und diesbezüglich ein Taxiunternehmen anriefen, um sage und schreibe zwei Taxen zu rufen, teilte man uns mit, daß sie doch nur ein Taxi (tatsächlich nur eins) besitzen. Nach langen Diskussionen mit der Besitzerin holte sie dann aber doch ihren Sohnemann aus dem Bett (was übrigens sehr nett war), und er fuhr die Strecke jeweils zweimal, um uns auch alle mitzubekommen. Daß dann in Chemitz noch kein Zug fuhr, lag zwar nicht an der mangelnden Organisation, jedoch paßte dieses Bild in die katastrophalen Zustände dieses Abends. Zum Abschluß sollten wir noch sagen, daß es bei einem Festival eigentlich ja nur um die Musik gehen sollte, aber bei einem Festival, daß 13 Stunden andauerte (und bei uns kamen noch 'die 11 Stunden Anreise dabei), sollten die organisatorischen Dinge doch geregelt sein.

R.R. / M.B.

 

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