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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Zillo Festival 2002, Flugplatz Hahn

Zillo-Festival 13/14.07.2002, Flugplatz Hahn

 

Auch dieses Jahr lud das Zillo die Liebhaber dunkler Klänge wieder zu einer bandtechnisch gesehen viel versprechenden Freilichtveranstaltung und viele folgten dem Ruf und machten sich auf den Weg, diesmal nicht nach Losheim, sondern zum Flughafen Hahn im Hunsrück. Am Einlass erwartete die Besucher dann direkt die erste unliebsame Überraschung, weil ohne Vorankündigung plötzlich 10,- Euro Parkgebühren fällig waren. Also sollte man wohl in Zukunft darauf achten, dass auf der Eintrittskarte nicht nur steht "inklusive Camping", sondern auch "inklusive Parkgebühren", um sich weitere Ärgernisse dieser Art zu ersparen, falls dieses unverschämte Vorgehen Schule machen sollte. Begründet wurde dies von Seiten des Zillos damit, dass der Flughafenbetreiber auf dieser Gebühr bestanden hätte. Da ich kein Statement der Gegenseite habe, muss ich diese Aussage erst einmal unkommentiert so im Raum stehen lassen. Und wo wir gerade bei Ärgernissen sind - wie mir berichtet wurde, soll einmal Händewaschen in den Waschhäuschen tatsächlich mit 2,50 Euro zu Buche geschlagen haben. Tja, da riskiert mancher dann wohl lieber eine bakterielle Infektion, denn diesen Wucher unterstützen zu wollen bzw. als einziges Andenken gewaschene Hände mit nach Hause nehmen zu können... Da lob ich mir doch einen Bus mit Wassertank:-) Und so nett gedacht die Idee eines Frühstückszeltes auch war - 6,- Euro für 2 Brötchen plus Belag und einer Tasse Kaffee fällt definitiv auch in diese Kategorie der bösen Abzockerei. Hierfür gibt es einige dicke Minuspunkte!

Jetzt aber genug der negativen ersten Eindrücke - positiv hervorzuheben ist, dass man sein Auto direkt neben dem Zelt parken durfte und wer jemals sein Zeug hunderte Meter weit schleppen musste, weiß diese Annehmlichkeit besonders zu schätzen. Hieran dürfen sich einige andere Veranstalter gerne ein Beispiel nehmen. Ein durchdachtes Konzept bestehend aus einer Open-Air-Bühne sowie einer Zeltbühne und einem weiteren Zelt, in dem sowohl Nachwuchsbands auftraten als auch die nächtliche Disco stattfand, sorgte dafür, dass jeder auf seine Kosten kommen konnte und bescheren den Veranstaltern den zweiten dicken Pluspunkt.

 

AussichtHeidentaenze 

Dies ist die herrliche Aussicht, die wir auf dem Zeltplatz hatten: Eine Großbaustelle mit 10,12,13, ich weiß nicht wie vielen Baggern, die pünktlich um 7.00 Uhr die Maschinen angeschmissen haben, auch am Sonntag... Aber so kamen wenigstens auch die Ultra-Industrial-Fans auf ihre Kosten *g*, wir leider um unseren Schlaf, was aber nicht ausschließlich den wenig beneidenswerten Herren im Führerhäuschen anzulasten ist, sondern zum Teil auch daran lag, dass wir es uns zufällig mitten in der Einflugschneise gemütlich gemacht hatten ohne zu ahnen, dass der Flugbetrieb normal weiterläuft...
 

 

Heidentänze auf dem Zeltplatz, Beschwörungspraktiken, dunkle Riten?! Nicht ganz, nur ein Zeltaufbau der etwas anderen Art, aber auf jeden Fall ein witziger Schnappschuss! (Sorry Moria, das musste einfach sein... *lol*)

 

EinlassBuehne

Impressionen vom Einlass und vom Festivalgelände. Dass Wetter war wirklich so trübe, aber bis dahin hatte der Wettergott noch Erbarmen mit der erwartungsfrohen Menschenschar. Dies sollte sich jedoch leider im Verlauf des Wochenendes noch ändern...
 

CruexshadowsCruexshadows

The Crüxshadows
Bis dato ist diese Band irgendwie an mir vorbeigerauscht, ich weiß auch nicht warum. Nach diesem Gig ist eine CD aber als nächster Pflichtkauf schon fest eingeplant. Für mich waren die Crüxshadows auf jeden Fall mit ein Highlight dieses Festivals. Nicht nur, dass jeder Song genial war, auch die Bühnenshow wusste zu überzeugen. Kraftvoll, mitreißend und dass der Sänger zwischendurch auch immer mal wieder mitten im Publikum aufgetaucht ist, dürfte der Security kalte Schweißperlen auf die Stirn getrieben haben:-) Für die Herren der Schöpfung gab es auch noch zwei nette Tänzerinnen, die den optischen Augenschmaus perfekt abgerundet haben. Für die Damenwelt blieb dann der durchaus ansprechende Sänger samt seiner facettenreich intonierten Lieder.  Asche auf mein Haupt wegen meiner bisherigen Ignoranz einer solchen Ausnahmeerscheinung gegenüber. Und an Euch die dringende Empfehlung: Sollte sich die Truppe aus Amiland in Eurer Nähe einmal die Ehre geben - nicht entgehen lassen, es lohnt sich!

 

MissionMission

The Mission
Muss man zu diesem Namen noch etwas sagen? Die Altmeister sind immer noch eine Klasse für sich, lieferten erwartungsgemäß ein rundum überzeugendes Set ab und zeigten dem gotisch rockenden Nachwuchs eindrucksvoll, wo der Hammer hängt. Na, auf dass jetzt mal nicht einige gefrustet ihre Klampfe vor die Wand hauen...hehehe. Nee, war nur Spaß - natürlich gibt es auch in diesem Bereich durchaus frische, talentierte Impulse, also bitte kein Bombardement mit Hassmails:-)
Aber die Meßlatte hängt nach diesem Genuss schon ein Stückchen höher.
 

TerminalchoiceTerminalchoice

Die Herren um Chris Pohl - diesmal als Terminal Choice, oder wars doch Blutengel?! *g* Nein, nein, war schon Terminal Choice und das gar nicht mal so übel, wenn man auf eine durchgestylte Bühnenperformance mit Feuer und viel Effekten steht. Bei mir ist der Funke irgendwie nicht übergesprungen, auch wenn ich den Sound von Terminal Choice eigentlich mag. Für meinen Geschmack war die ganze Show einen Tick zu steril, nett anzuschauen aber nicht wirklich überzeugend. Entweder man hat Bühnenausstrahlung oder eher nicht, da nützen dann auch diverse visuelle Spielereien nicht mehr viel... Das ist aber wie immer nur meine subjektive Meinung - ein Teil des Publikums schien zumindest Gefallen an der Darbietung zu finden - jedem das Seine, mein Ding wars nicht wirklich.
 

ZeraphineZeraphine
 

Zeraphine
Nachdem die Kalte Sonne mein Herz im Sturm erobert hatte, war der Auftritt von Zeraphine natürlich ein echtes Muss an diesem Wochenende und was soll ich sagen: Geil! Sven Friedrichs hat es einfach drauf, auf der Bühne emotional bewegend und ausdrucksstark zu agieren, was das begeisterte Publikum mit anhaltendem Applaus und jeder Menge Zugabe-Rufen auch entsprechend honorierte. Jeder, der ihn zu Zeiten der Shadows live erleben durfte weiß, was ich meine. Prädikat: Besonders wertvoll wegen ausgesprochen bewegender Darbietung! (Obwohl die Stücke leider (noch) nicht die Intensität der Shadows erreichen, aber das kann ja (hoffentlich) noch kommen
)
 


PausePause

Uff, jetzt brauche ich erst einmal eine kleine Pause.... *schnauf*


.... oder vielleicht doch etwas länger?! *g*
 

House Of UsherHouse Of Usher

The House of Usher
Nachdem mich die letzte CD von The House of Usher stark beeindruckt hatte und ich zudem noch nie Gelegenheit hatte, diese Band einmal live zu erleben, war die Zeltbühne am Nachmittag natürlich schon fest eingeplant. Puh, war meine Erwartungshaltung zu groß, lag es an der Akustik oder an den dilettantischen Bühnentechnikern, die den Kunstnebel relativ wirkungslos was die Atmosphäre angeht Richtung Zeltdach verpuffen ließen - ich weiß es nicht, aber diese Vorstellung wird mir definitiv nicht im Gedächtnis haften bleiben. Für mein Empfinden wirkte der Frontmann recht lustlos, die für 2 Stücke erschienene Sängerin hölzern und einzig die beiden Jungs mit den Gitarren versuchten, den Stücken auch visuell Leben einzuhauchen. Alles in allem zu wenig, um wirklich mitreißen zu können. Schade um die verpasste Gelegenheit, bis dato weniger mit The House of Usher vertraute Menschen für sich begeistern zu können.
 

MegaherzMegaherz

Megaherz
Tja, eigentlich war ich nie ein großer Freund von Megaherz - für meinen Geschmack war immer eine Prise zuviel Testosteron in den Texten;-) Ich habe mir aber sagen lassen, dass es sich durchaus lohnt, sich diese Band einmal auf der Bühne anzuschauen und Tatsache, was ich nie für möglich gehalten hatte, aber Megaherz konnten mich wirklich dazu bringen, die Haare fliegen zu lassen. Hier paart sich pure Spielfreude mit unglaublichem Charisma und Publikumsnähe, dass es eine wahre Freude ist. Genau das macht eine wirklich gute Live-Band aus und in dieser Kategorie spielen Megaherz ohne Zweifel in der ersten Liga. Prädikat: Megageil!
 

Witt

.... und wer es immer noch nicht glaubt - so ging das Publikum bei Megaherz zu "Miststück" ab. Auf dass das Zelt bebt!!!!

Joachim Witt
Leider, leider, wie man auf dem Bild unschwer erkennen kann, setzte bei Witt der Regen ein, was der Stimmung nicht unbedingt förderlich war. Nichtsdestotrotz kamen die hartgesottenen Besucher hier voll auf ihre Kosten, denn Witt lieferte einen, mit witzigen Ansagen aufgelockerten Gig quer durch sein ganzes Repertoire. Selbst den Goldenen Reiter und den Herbergsvater hatte er für das Zillo mit im Gepäck! Die neueren Stücken wie "Ich bin schwul" oder "Supergestört und Superversaut" konnten mich wegen der arg spätpubertären Attitüde zwar nicht vom Hocker reißen, aber davon abgesehen war es trotzdem ein wirklich launiger Gig.
 

ApocalypticaApocalyptica

Apocalyptica
Erstaunlich und faszinierend, welch geilen Sound man aus vier Cellos herausholen kann. In dieser Hinsicht waren Apocalyptica für mich DIE Überraschung am Sonntag, und auch, weil ich es nie für möglich gehalten hätte, welchen Zuspruch eine (fast) reine Akustikband haben würde. Diesen Sound kann man gar nicht in Worte fassen, deswegen versuche ich es erst gar nicht, das muss man einfach erlebt haben. Mir hat er eine Gänsehaut nach der anderen verursacht und nach dem, was vor der Bühne im Publikum abging, haben Apocalyptica mit ihrer eigenwilligen Art, Musik zu erschaffen fernab jeden Trends, sehr, sehr viele Nerven getroffen. Hut ab! Leider hatten 2 Bandmitglieder ihre Matten dem Figaro geopfert, wo es natürlich optisch schöner gewesen wäre, wenn 4 Herren statt 2 ihr Haar geschleudert hätten, aber darüber konnte dann die wirklich exzellente Lightshow etwas hinwegtrösten.
 

ApoptygmaApoptygma

Apoptygma Berzerk
Immer wieder ein Erlebnis der besonderen Art, Apoptygma Berzerk live auf der Bühne agieren zu sehen. Wo die CDs immer mehr ins mainstreamig/technoid-fluffige abdriften, sind die Festivalauftritte dank der Verstärkung durch "echte" Instrumente sprich Schlagzeug und Stromgitarre ein wahrer, druckvoller Ohrenschmaus. Hinzu kommt ein niemals still stehender Herr Groth, der es wie kaum ein anderer versteht, die Stimmung anzuheizen sowie Livemusiker, die ihrem Herrn und Meister in Sachen Bewegungsdrang in nichts nachstehen wollen und fertig ist eine Stimmung im Publikum nahe dem Siedepunkt, wo Stillstehen fast ein Ding der Unmöglichkeit ist. Ähm, und falls sich irgendjemand über die leicht verschwommenen Bilder wundert - versucht mal, diese Energiebündel zu fotografieren...:-)) Fazit: Ein schweißtreibendes Erlebnis der ganz besonderen Art.
 

HaendlermeileSchuhmann

Ein kleiner Blick auf die Händlermeile und ihre Besucher...

... und hier ein ganz spezieller auf den Schuhmacher, der mir erzählte, dass er für diesen Stand 600,- Euro für das Wochenende bezahlen musste. Ich drücke ihm die Daumen, dass er dieses Geld wieder reinholen konnte, auch wenn ich da so meine Zweifel habe...
 

TiamatTiamat

Tiamat
Oh, Herr Edlund reiht sich nun also auch ein in den Kreis der bekennenden Pudelmützenträger. Hatte ich schon erwähnt, dass mich diese Form der Kopfbedeckung immer an die Frühstückseier meiner Oma, mit diesen selbst gehäkelten Eierwärmern erinnert...?! Nun gut, Monsieur Frühstücksei lieferte eine routinierte, perfekte Show ab, fernab jedweder improvisatorischer geschweige denn persönlicher Momente - ich fand es fad, da kann ich mir gleich die CD anhören. Viele andere fanden es geil, während ich es dann doch vorzog, mich langsam auf den Weg in Richtung Schlafplatz zu machen. Fazit: CD ja (wenn auch nicht gerade die letzte), live muss ich nicht unbedingt haben, Nochmal schade:-(


Andrea Scherr

 

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