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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Festival: Zillo - Festival 2004 |
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Berichte
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Nach Jahren der Suche nach einem neuen Veranstaltungsort
für das Festival waren die Veranstalter in diesem Jahr fündig geworden.
Schauplatz des bekannten und berühmten Zillo-Festivals wurde in diesem
Jahr die Loreley- Freilichtbühne in St. Goarshausen. Die Wahl hätte
kaum besser sein können, denn der Loreley-Felsen mit seiner mythischen
Geschichte der blonden Rheintochter die, ihr güldenes Haar kämmend
und bezaubern singend, vorüberfahrende Schiffer erst in ihren Bann und
dann ins Verderben reißt, einer der bekanntesten Plätze Deutschlands
und Inbegriff der deutschen Romantik des 19. Jahrhunderts.
Schon im Vorfeld von der Wahl der Lokalität höchst angetan, war ich natürlich sehr gespannt darauf, wie sich das Festival dort entwickeln würde. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Schon die Anfahrt durch das Rheintal mit seinem Flusspanorama und den in großer Zahl an den Hängen befindlichen Burgen und Schlössern war eine wohltuende Abwechslung zum ewigen "ich steh auf der Autobahn vor Leipzig oder Hildesheim im Stau und nix tut sich". Auch die Einfahrt aufs Festivalgelände verlief schnell und ohne größere Wartezeiten, so dass jeder nach der Ankunft schnell mit der Errichtung der individuellen Freilichtunterkünfte (zu deutsch: Zelt ) beginnen konnte.
Einzige Wermutstropfen hierbei: Parkplätze und Zeltplatz waren separat, was dann bei größeren Gepäckmengen doch einige Fußmärsche bedeutete. Wer später eintraf musste sich von den Zeltplatz- Securities einen Platz anweisen lassen, da das Campinggelände doch recht überfüllt war und dadurch nicht jeder in den Genuß seiner Wunsch-Zeltnachbarn kam.
Auch die sanitäre Situation wäre noch etwas verbesserungswürdig. So fehlten beispielsweise die bekannten und beliebten Freiluft-Waschbecken auf dem Campinggelände, zu denen man immer mal gehen kann, wenn einem nach Abkühlung, Händewaschen oder Geschirrspülen ist.
Zum anderen gab es zwar Duschen, diese aber nur auf dem neben dem Zeltplatz befindlichen Gelände für Wohnwagen und Campingmobile und noch dazu in zu geringer Anzahl. Wer sich abkühlen oder reinigen wollte (und das war an diesem Wochendende oft bitter nötig) musste sich bei großem Andrang auf Wartezeiten bis zu drei Stunden einstellen. Ein oder zwei mobile "Duschwagen" auf dem Campingplatz wären daher bestimmt sinnvoll gewesen- das könntet ihr doch mal fürs nächste Jahr ins Auge fassen, liebe Veranstalter?!
Bei den Dixies herrschte "Business as usual", wer zuerst da war hatte es am saubersten, allerdings waren die Teile erstaunlicherweise bei weitem nicht so verdreckt wie sonst auf Festivals. Regelmäßige Leerung und Bestückung mit neuem Toilettenpapier erfogten in vernünftigen Abständen, deshalb gibt es hierbei wenig Anlaß zu Kritik. Die Anzahl der Toiletten war auch in Ordnung, wobei ein paar mehr natürlich nie Schaden, denn immer dann wenn's dringend ist sind die Dinger natürlich alle besetzt.
Mit dem Wetter wars irgendwie komisch diese
Jahr. Daß man als Camper mit wechselhaftem Wetter zu kämpfen hat
kommt ja öfter vor, aber innerhalb kürzester Zeit mehrfach den Wechsel
von glühender Hitze und heftigen Regenschauern zu erleben war schon Außergewöhnlich.
Durch die exponierte Lage oben auf dem Berg konnte man die Gewitter zum Glück
meist geradewegs auf sich zukommen sehen und dadurch rechtzeitig Gegenmaßnahmen
einleiten. Erwähnt sei an dieser Stelle auch der schöne Ausblick auf
das Rheintal, den man an manchen Stellen vom eigenen Zelt aus hatte- es war
wirklich eine der schönsten Festival- Camping- Locations bisher
Nun zum Festivalgelände an sich: das im Vorfeld versprochene "Festival
der kurzen Wege" wurde tatsächlich Wirklichkeit. Bei normaler Laufgeschwindigkeit
war es tatsächlich möglich, die Entfernung zwischen Zeltplatz , Festivalgelände
und Parkplatz in max. 5 Minuten zurückzulegen. Dazu gab es auf und vor
dem Gelände die üblichen Getränke- und Essensstände, sowie
vorübergehende Dependancen der einschlägigen Szene-Modehäuser
mit üblicher Kleidung und Accessoires. Die Preise bewegten sich auf normalem
Festivalniveau, auffallend auch hier die recht kurzen Wartezeiten, bis man sein
Getränk oder seine Mahlzeit entgegennehmen konnte. Auch am Einlaß
kam es fast nie zu Wartezeiten oder Gedränge, auch auf übermäßiges
Filzen oder grobe Behandlung der Besucher durch die Security wurde verzichtet.
Überhaupt war am Verhalten der Sicherheitskräfte wenig auszusetzen,
obwohl es für die meisten von ihnen die erste Begegnung mit Gothics auf
einem Festival war, wie mir einer der Leiter mitteilte. Die Jungs waren bisher
anscheinend nur Prollo- Treffen wie Rock am Ring gewohnt und daher recht überrascht,
dass es weder Massenschlägereien noch Randale gab.
Vollends verwirrt waren die Herrschaften, als sie auch noch auf ihren Kontrollgängen auf dem Zeltplatz gastfreundlich bewirtet wurden!
( O-Ton eines Security-Mannes: ..."ich dachte ich seh nicht recht. Die haben mir was zu trinken angeboten in nem Glas nicht in nem Pappbecher. Das war sogar sauber, das Glas. Nett waren die auch noch, kein Krawall die ganze Zeit über. Hab ich noch nie erlebt so was" )
Womit die Gothic- Szene ihrem guten Ruf mal wieder alle Ehre gemacht haben dürfte!
Die Loreley- Freilichtbühne selbst lässt sich am ehesten mit einem römischen Amphitheater vergleichen, dass in Form von breiten Steinstufen (zum Draufstehen oder Sitzen) an den Hang gebaut ist. Die Bühne selbst ist ebenfalls aus Stein, im Gegensatz zu den Zuschauerplätzen aber mit einer Zeltkonstruktion überdacht. Vom Stil her ist die Anlange mit der Berliner Waldbühne und der Heidelberger Thingstätte zu vergleichen und weist eine gute Akustik auf.
Zum Festivalverlauf an sich ist zu sagen, dass wie bereits mehrfach betont fast keine Wartezeiten entstanden. Dies ist allerdings auch darauf zurückzuführen, dass die Besucheranzahl nicht allzu hoch war im Vergleich zu anderen Festivals. Leider liegen mir keine genauen Besucherzahlen vor. Ich empfand dies aber als äußerst wohltuend, da dadurch das sonst oft herrschende Gedränge ausblieb. Durch das in Stufen abfallende Gelände und das reichhaltige Platzangebot war auch Gewährleistet, dass jeder einen Platz ergattern konnte, auf dem man einen ausgezeichneten Blick auf das Bühnengeschehen hatte. Dadurch, dass alle Bands auf einer Bühne spielten, kam es auch nicht zu zeitlichen Überschneidungen, so dass die "Qual der Wahl" gar nicht erst aufkommen konnte.
Als Fazit kann man auf jeden Fall sagen, dass es ein sehr schönes und gelungenes Festival war, obwohl es natürlich immer Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Da anscheinend auch die Gemeinde St.Goarshausen mit dem Verlauf sehr zufrieden war, steht einer Wiederholung an selber Stelle wohl nichts im Wege- somit hat das Zillo-Festival auf der Loreley ein neues Zuhause gefunden!
Jens Schindler