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| Zillo Festival 1997, Hildesheim |
Nun war es also wieder so weit - Zillo-Festival in Hildesheim.
Ich möchte mich jetzt nicht daran aufhalten, welche Bands nun dort spielten, denn das wird ja wohl jeder mitbekommen haben. Auch über die Mängel, die wieder einmal auftraten möchte ich mich nicht auslassen.
Ich stand also da, mit drei Faxen in der Hand. Ich sollte also Interviews mit COVENANT, SUICIDE COMMANDO und FRONT 242 führen.
Ein wenig mulmig war mir schon dabei, da dies meine ersten Interviews sein sollten, die ich überhaupt gemacht habe. Leider hat man versäumt, oder ich habe nicht daran gedacht, daß mit Faxen alleine nicht weit kommt, auch wenn die Bands persönlich einen Interviewtermin ausgemacht haben.
TANZWUT habe ich leider verpaßt, da ich mich am Einlaß ungefähr 100mal abtasten lassen mußte. Nach HAUJOBB (die es immerhin geschafft haben in der vorgegeben Zeit 2 oder 3 Stücke zu spielen, was meiner Meinung nach eine Unverschämtheit von der Organisation war) machte ich mich also auf, COVENANT zu suchen.
Nachdem ich mein Fax vorgezeigt hatte kam auch gleich Stefan von OFF BEAT. Nun ja, persönliche Differenzen gehören hier nicht rein, aber ich muß doch sagen, das ich nicht gerne für dumm gehalten werde, bloß weil ich vielleicht noch nicht ganz so viel Erfahrung in solchen Sachen habe wie vielleicht manch andere Leute, aber ich muß mich doch wirklich nicht so behandeln lassen, Stefan, oder ?
Die anderen leute von OFF BEAT waren aber wirklich ganz nett - und so kam es dann auch zu einem sehr netten gespräch mit COVENANT.
Der Auftritt von COVENANT war wirklich sehr gut gelungen aber leider auch viel zu kurz.
Auf meine Frage, warum COVENANT denn nicht Synthi-Pop machten wie eigentlich alle anderen schwedischen Bands, hieß es, daß es zwar sehr viel Synthi-Pop in Schweden gibt, sie aber nicht die einzige EBM-Band sind und der Trend auch in Richtung härterer elektronischer Klänge geht (wie z. B. bei SEVEN TREES).
COVENANT mag härtere Klänge und deshalb ist die Musik wahrscheinlich auch so genial, weil es eine Mischung aus vielen elektronischen Stilrichtungen ist.
Ein sehr großes Manko in Sachen elektronischer Musik gibt es aber in Schweden, wie ich erfahre, gibt es dort, im gegensatz zu Deutschland, nicht eine so große "Szene" und deshalb zwangsläufig auch nicht so viele Clubs, wo man diese Musik hören kann.
Anders in Deutschland, wo die "Szene" größer ist (was sicherlich auch daran liegt, daß Deutscland nun mal mehr Einwohner hat als Schweden) und COVENANT recht großen Erfolg haben.
Erfolgt haben sie aber auch in Schweden. Diverse schwedische Musikmagazine berichteten schon über COVENANT und sie werden mittlerweile auch zusammen mit SPOCK genannt, was ja auf eine recht große Bekannt- und Beliebtheit schließen laäßt.
Ihre Idden und ihre Inspiration bekoomen COVENANT übrigens von Joh. Sebastian Bach, Dance- und Electroklängen und, das erklärt wohl die etwas härtere Gangart DUKE NUKEM.
Gitarrensamples werden bei COVENANT nicht eingesetzt, weil sie es einfach nicht wollen. Sie wollen pure elektronische Musik machen, weil sie ihnen so gefäält (Anm.: und das ist auch gut so !).
Ich fragte dann noch, welche Bands sie sich den noch anschauen würden, worauf ich ANNE CLARK (sie wurde sehr gelobt), SUICIDE COMMANDO und TIAMAT zu hören bekam.
Es gibt (gab ?) übrigens nur ein einziges Nebenprojekt von COVENANT mit Namen MOONBASE ALPHA. Aber zu mehr als zu einem einzigen Live-Auftritt ist es nie gekommen.
Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei COVENANT dafür bedanken, daß dieses Gespräch so unkompliziert und locker war.
Nach dem Gespräch mit COVENANT traf ich Thomas Niedballa, der mir die Adresse der ersten nicht-schwedischen COVENANT-Fanpage im Internet gab:
http:\\www.germany.net\teilnehmer\101.41328\covenant.htm
Vielen Dank nochmal und schöne Grüße an Thomas.
Der Auftritt von SUICIDE COMMANDO stellte alles bisher gesehene (das ist meine persönliche Meinung) in den Schatten. Johan verstand es perfekt, ordentlich Stimmung zu machen.
Leider war auch dieseer Auftritt viel zu kurz.
Ich machte mich auf um JOHAN VAN ROY oder besser gesagt SUICIDE COMMANDO zu treffen.
Ich traf ihn dann am Stand, wo er eine Autogrammstunde gab.
Ich erfuhr, daß Suicide Commando ein "Ein-Mann-Projekt" ist und es auch immer sein wird ! Johan macht alles alleine, nur manchmal zieht er andere dazu (Dive, IC 434, Sleepwalk, ...). Live wird er von einem 2. Mitglied, Catherine, auf der Bühne unterstützt. In den frühen Achtzigern hat Johan Bands wie Klinik, Skinny Puppy, The Neon Judgement und Front 242 für sich entdeckt und sie haben ihn dazu inspiriert sein eigenes kleines Projekt zu starten. Am Anfang hatten diese Bands einen sehr hohen Einfluß auf ihn. Dirk Ivens und Johan sind befreundet.Da aber beide mit ihren Projekten sehr viel zu tun haben sehe sie sich nicht so oft, aber ab und zu treffen sie sich oder telefonieren. "Ich hatte immer sehr viel Respekt vor Dirks Arbeit mit Klinik und Dive", sagt Johan.
Johan hat keine spezielle Vorgehensweise beim Arbeiten. Meistens fängt er mit einer Sequenz oder einer Drumline an, die Texte kommen dann immer erst am Ende. "Meistens ist die Musik schon komplett fertig wenn ich die Texte schreibe."
Vielleicht überrascht es den einen oder anderen, aber Johan benutzt gar nicht so viele Effekte für seine Stimme. "Ich denke aber, daß es einen großen Unterschied zwischen meinen Live-Auftritten und meiner Studioarbeit gibt. Im Studio experimentiere ich mit verschiedenen Effekten. Da ich meine Stimme mehr als Instrument benutze, versuche ich unterschiedliche Effekte zu finden um verschiedene Atmosphären zu gestalten. Live benutze ich oft einen Gate-Reverb."
Seinen musikalischen Einfluß bekommt Johan dadurch, daß er jegliche Art von elektronischer Musik hört, und dadurch auch zwangsläufig davon beeinflußt wird. Er meint dazu: "Für mich gibt es aber einen sehr großen Unterschied zwischen "Beinflussen" und "Kopieren". Ich werde sehr oft mit Bands wie Klinik oder Dive verglichen, aber ich denke, daß ich mittlerweile meinen eigenen, für mich typischen Stil entwickelt habe. Musik war schon immer ein Teil meines Lebens und hat mich schon immer sehr beeinflußt."
Johans Meinung zu "Snakedressed" von Dive, "Sehnsucht" von Rammstein und "Sequencer" von Covenant sieht wie folgt aus:
"Ich mag die neue CD von Dive obwohl ich die alten Sachen von Dirk vorziehe. Das neue Album von Rammstein kenne ich nicht, ich habe sie aber vor einigen Wochen live gesehen - gute Show aber durchschnittliche Musik würde ich sagen. Covenant ist zur Zeit eine meiner Lieblingsbands, eine perfekte Mischung aus Dance und Electro. Sie sind auch sehr nette Leute, besonders wenn sie betrunken sind (und ich auch betrunken bin). Ich ziehe ihr Debüt-Album "Dreams of a cryotank" allerdings immer noch ein bisschen vor."
Im Moment ist Musik sein einziges Hobby. "Sobald ich von der Arbeit komme setze ich mich hinter meine Maschinen und fange an zu experimentieren. Du mußt wissen, daß Suicide Commando (und meine anderen Nebenprojekte) sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Manchmal bereue ich, daß ich für andere Sachen nicht mehr so viel Zeit habe (Freunde besuchen, ...). Die wenige Freizeit die ich habe verbringe ich vorm Fersehen, gehe raus oder mache einfach gar nichts."
Zu den "O-Files II" sagte Johan folgendes:
"Es ist tatsächlich so, daß die Songs auf "O-Files II" nicht sehr tanzbar sind, aber ich mag diese neuen Sachen wirklich sehr. "Come to me" ist einer meiner All-time-Favoriten von Suicide Commando. Ich habe nicht die Absicht 10 neue "See you in hell"-Songs oder was auch immer zu machen. Ich mache einfach das, was mir gefällt - tanzbar oder nicht - das ist mein Hauptinteresse. In erster Linie mache ich die Musik für mich ! Im Moment arbeite ich immer noch an der nächsten CD. Es sieht so aus, daß sie eine Mischung aus dem aktuellen "O-Files"-Material und dem alten harten und minimalen Sound wird. Laß Dich überraschen !!!"
Johan war immer ein großer Fan der sogenannten "Electronic Szene" und wird es, denkt er, auch immer bleiben, auch wenn es in der letzten Zeit nicht so viele gute Bands und Veröffentlichungen gab. "Ich bedaure es sehr, daß es in der letzten Zeit so viele schlechte Veröffentlichungen gab. Jeder kann heutzutage eine CD herausbringen, auch wenn es nur Scheiße ist. Es gibt keine Qualitätsgarantie mehr".
Mit der Arbeit von Offbeat ist Johan sehr zufrieden.
Er sagt:"Sie machen Ihre Arbeit, Gute Promotion, guter Vertrieb, usw., gut. Zu dem Auftreten und der Politik von Offbeat äußert Johan sich wie folgt:" Ich kenne ihre Politik nicht, aber ich möchte sie auch gar nicht kennen - daß ist nicht meine Aufgabe. Ich kann nichts dazu sagen, weil es nicht an mir liegt, Ihnen zu sagen, wie sie ihren Job machen müssen. Das Einzige was ich weiß ist, daß sie gute Arbeit für mich und Suicide Commando leisten - und das ist für mich die Hauptsache."
Auf diesem Wege noch einmal vielen Dank an Johan für das Interview und alles Gute für die (musikalische) Zukunft.
Das Interview mit FRONT 242 kam leider nicht zustande, weil einfach nicht möglich war, nur mit einem Fax in der hand irgendjemanden zu sprechen.
Schade eigentlich, denn der Auftriit von FRONT 242 war einfach genial !!!
Ich werde auf jeden Fall versuchen das Interview mit FRONT 242 per Fax zu führen, denn schließlich (und seien wir doch mal ehrlich) wollen wir doch alle wissen, ob es nun eine neue Veröffentlichung von FRONT 242 gibt oder nicht, oder ?
Was bleibt mir dann noch zu sagen, als daß das diesjährige Zillo-Festival von der Auswahl der Bands sehr gut gelungen war, aber an der Organisation muß noch gefeilt werden.
Das nächste mal läßt man die Bands (insbesondere FRONT 242) dann vielleicht doch so lange wie vorgesehen spielen und läßt sie nicht frührer aufhören, weil es ja einen zeitplan gibt, der a) sowieso nicht eingehalten wurde und b) durch den Ausfall von DAS ICH sowieso gestreckt hätte werden können.
Ich sage jetzt auch nichts über die Zillo-Disko mit DJ Michael Zöller und DJ Diva (ich weiß gar nicht mehr, wieviel Plakate von DJ Diva eigentlich ausgehängt waren).
Ansonsten war es mal wieder ein sehr gut gelungenes Festival. ich bin schon auf das nächste gespannt.
Andreas Davids