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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Archiv Gedichte - Christoph Vivenz -

 

 

 

SZENARIO

Die Welt zerbricht, und Niedergang und Absturz und Aufgang und Licht - nicht - Dunkel, Schwarz - nein: hell, ganz grell; Blau und Grün. Nein - wir onanieren auf der Bühne. Wir zersplittern nackt. Wir setzen uns auf. Wir tanzen (Kannst du tanzen? - Ich kann nicht tanzen! - Ach, wir bringen es dir bei!). Wir soufflieren uns selbst immerzu. Inmitten großer Gesten besinnen sich manche von uns, daß sie ihre Klitoris unter dem Daumen versteckt halten. Von den unverschämten Lippen bis dorthin ist es allerdings nicht weit. Andere erklären sich als Pykniker, was ihre Penisse betrifft. Ganz schwülstig heute wieder. Zuviel gefuttert, zuviel Blut in sich. Ihre Vorhäute drohen virtuell zu werden. Aber alle sehnen wir uns nach der milchbrunzenden Brustwarze. So sind wir besorgt, das innere Auge auf die Bühne zu stellen. Herbstgereifte Eicheln brennen aus der Kleidung, was haben wir nicht gerieben. Das Glied betet täglich den Rosenkranz. Der Pathos erlaubt es auch, uns feierlich auf eine Kette aufzufädeln, die aus tausend Gliedern besteht. Mein Scrotum etwa hat die Beschaffenheit von Löschpapier. Rauft nur alle eure Schamhaare. Jede Hode ist ein Zufluchtsort, aus dem wir wieder quellen. Mundhöhlen, Analbereiche, alles gibt fleißig Laut. Afrikanisch, mongolisch, mit indischen Tablas oder mitten durch. Mit den Händen in anderer Nasen. Ein Wort gibt das andere, ist schon Klistier. Katheter überall. Speichel aus jeder Öffnung. Die Welt ist doch kein Klo. Bühnen als Venushügel, auf denen man seinen Prostatakrebs zum Besten gibt, seine Fleischwunden zu bodenlosen Wüstenlandschaften verbreitert. Zungen zu roten Teppichen. Was könnten wir nicht in Kant ein Stück Schwefelwasserstoff erkennen. Weiß der unerreicht verwendbare Himmel - wir verwinden uns. Das Wetter ist nicht rosenrot.

 

Christoph Vivenz

 
   
   

 

 

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