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| Archiv Gedichte - Ode an den Tod |
Hat sich jemand jemals ernsthaft gefragt was passiert, wenn man stirbt ?
Wahrscheinlich...
Aber war er sich der Antwort auf diese Frage wirklich bewußt ?
So, daß er guten Gewissens bejahen konnte, was ihm die Phantasie vor dem geistigen Auge darbot ?
Niemand geht doch davon aus, jeden Augenblick sterben zu können oder ?
Aber was wäre denn, wenn das Leben genau diese Wege zeichnete ? Wege der Willkür, des Zufalls und nicht, wie manche glauben, des gerechten Schicksals...
Stellte man Schicksal in Frage, so täten sich einem tiefe Abgründe der Ratlosigkeit auf.
Deshalb frage ich mich nie, wie es wohl wäre plötzlich aus dem Leben zu scheiden, sondern eher wie es wohl ist, schon tot zu sein.
Erwarten einen die lodernden Höllenflammen schon beim letzten Atemzug oder muß die gepeinigte Seele erst die Himmelspforten erblicken, bevor sie eine Freikarte nach unten gewinnt ?
Wie fühlt sich das an ?
Und wäre es nicht bodenlos gemein, wenn man zuletzt zu sehen bekäme, was man verpaßt?
Kann man noch einmal auf sein dahinschwindendes Leben blicken und die Fehler bedauern?
Wäre das letzte Gericht die letzte Instanz, die einem die Rechenschaft abknöpfte ?
Gibt es so etwas wie ewige Kontrolle ?
Eine himmlische Hierarchie der Macht ?
Worauf würde ich dann wohl schauen ?
Würde ich mir wirklich wünschen, all die Menschen zu sehen, die weinend und trauernd meinen Leichnam zu Grabe tragen ?
Vielleicht nicht, vielleicht wäre ich eher froh, die trostlose Erde gegen ein paradiesisches Gefilde eintauschen zu können...
Wäre es dann wie ein Spiel? Oder wüßte man erst dann, welche Bedeutung der Ernst des Lebens trägt ?
Würde mich Petrus mit offenen Armen empfangen und mir ein Willkommenslied spielen ?
Oder trüge er stattdessen eine Akte über jede Seele in der Hand, die an Sünden gemessen, das endgültige Urteil fällen sollte ?
Was wäre dann aus dem bekannten Sinn des Lebens geworden ? Hätte er den Zweikampf mit dem Tod verloren ? Oder wäre vielmehr dies der eigentliche Sinn:
Die Selbsterkenntnis, wenn man den eigenen Körper sterben sieht...
Was wäre wohl mit mir ?
Würde ich glücklich auf einer Wolke schweben und einst zu einem der Schutzengel befördert werden? Oder würde ich viel lieber statt dessen an der rechten Seite des Teufels sitzen und Menschen zu Sünden verführen...
Hat man da überhaupt die Wahl ?
Mit der offenen Hand auf dem Herzen glaube ich, daß es auf all diese Fragen für eine lebendige Seele keine begreifbare Antwort gibt. Die einzige Möglichkeit, die absolute Weisheit zu erlangen, wäre der Tod selbst.
Aber mal ehrlich, im Grunde genommen ist das Leben dafür doch allzu lebenswert oder ?!
Früher oder später werden wir alle mit Einsicht beschenkt und stehen da mit einem Ticket ohne Wiederkehr !
Marta Bock