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| AGE OF HEAVEN |
Entry: J.U., stell doch mal kurz Eure Band vor, seit wann gibt es AGE OF HEAVEN, wer sind die Mitglieder und warum habt Ihr Euch zusammengetan?
J.U.: Nun, da ist Yvonne, welche die Keyboards spielt. Dann Torsten, unser Gitarrist. Torsten ist neben mir am längsten in der Band. Er kam kurz vor den Aufnahmen für unser erstes Album zu uns. Damals gab es auch noch zwei andere Mitglieder, aber die hatten bald nicht mehr das richtige Interesse an der Sache und sind dann gegangen. Ja, dann ist da natürlich noch der Axel, unser jüngstes Mitglied. Na ja, eigentlich ist er der Älteste, aber eben erst zuletzt dazu gekommen. Er spielt Baß. So, ich singe dann noch zu dem Ganzen, irgend etwas muß ich ja auch tun.
Age Of Heaven gibt es inzwischen schon seit fünf Jahren. Eigentlich wollten wir ja schon eher damit anfangen, aber die Schicksalsschläge, die das Leben so bereit hält, zwangen uns schon mal, noch 3-4 Jahre warten zu müssen, bevor es dann endlich losgehen konnte. Daß ich damals auch noch zur Armee mußte (was ich wie die Pest haßte - mit Haaren abschneiden und so), darüber will ich mich mal nicht weiter auslassen. Allerdings begann ich dort schon, die ersten Texte zu verfassen. Behind Walls ist so ein Text. Das war dann auch einer unserer ersten Songs. Nun, heute auf dem Album (denn da ist er mit drauf) erkennt man ihn fast nicht wieder, so viel haben wir noch daran herumgetüftelt. Aber ich denke, er ist noch mal richtig gut geworden.
Mit der Band haben wir es eigentlich noch nie einfach gehabt. Zu fast jeder Zeit gab es Probleme. Schon unser erstes Tape war scheußlich, weil von der Technik vollständig versaut. Es dauerte auch Jahre, bis wir endlich einen brauchbaren Bassisten fanden (damals Torsten). Doch mit der ersten CD ging der Ärger so richtig los. Das schlimmste Problem für mich war dann eigentlich, daß alle Arbeit und Organisation immer an mir hängenblieb. Dann gab es jedesmal Theater, wenn ich schnell etwas entschieden hatte, ohne die anderen noch tausendmal zu fragen. Na ja, zwei Mitglieder sind dann gegangen. Damit gab es wenigstens wieder eine Basis für einen Neubeginn. Wir haben dann zu zweit das neue Album aufgenommen: The Garden Of Love. Das Zu Zweit war insoweit kein Problem, da auch die alten Songs alle aus meiner Feder waren und Torsten ohnehin der einzige war, der Anstalten machte, daran mitzuarbeiten. Wir nahmen auch noch ein paar ältere Songs mit hinzu, die live immer gut ankamen, auf unserem alten Tape aber so scheußlich klangen. Dazu haben wir sie noch mal richtig überarbeitet und ich denke, sie klingen jetzt besser als Songs vom ersten Album. Die neuen sind aber auch nicht schlecht. Ich glaube, alles in allem eine deutliche Steigerung zur ersten CD.
Entry: Wieso habt Ihr denn AGE OF HEAVEN als Namen gewählt ?
J.U.:... das möchte ich auch mal wissen. Na ja, wir standen unter Zeitdruck. Wir hatten bei einem Wettbewerb einen Preis gewonnen und es waren noch drei Wochen bis zu dem dazugehörigen Auftritt. Wir kamen dann zu der Meinung, daß Age Of Heaven von allen Ideen (und da waren wirklich schlimme Namen dabei) noch am besten klang. Im Nachhinein muß ich sagen, daß die Wahl vielleicht doch nicht so schlecht war, denn er paßt ganz gut zu den Texten, die ich schreibe, und man könnte glatt eine tiefere Bedeutung in ihn hinein interpretieren.
Entry: Und durch welche Bands bzw. Musik wurdest Du beeinflußt ?
J.U.: Als wir anfingen, habe ich sehr viel The Mission gehört. Inzwischen sind noch viele andere und auch neuere Bands dazu gekommen. Wir hatten eigentlich nicht vor (und das erzählt wahrscheinlich jeder an dieser Stelle), wie irgendeine andere Band zu klingen. Viele werfen uns immer noch vor, wie die Sisters klingen zu wollen. Nun, für meine tiefe Stimme kann ich ja nichts. Ich werde mir nicht extra was einklemmen, um eine andere Tonlage singen zu können. Außerdem finde ich, mit einer Drummaschine kann man viel besser arbeiten als mit einem schlecht spielenden Drummer, der zudem sowieso zuwenig Hände hätte. Ein absolutes Tabu wäre das aber trotzdem nicht. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Es ist wohl das Leid jeder Gothic Rock Band, erst mal als Sisters/Fields-Verschnitt abgetan zu werden, wobei es ja selbst den Fields damals so erging. Indirekt gibt es sicher den einen oder anderen Einfluß von anderen Bands, ohne daß ich jetzt genau sagen könnte, das ist von denen und das ist von denen. Ich denke, man sollte uns auch zubilligen, eine ganze Menge selbst gemacht zu haben. Ansonsten würde ich noch sagen, daß wir sicherlich von vielen Bands der Achtziger, auch Popgruppen (oh Schreck), beeinflußt sind. Daß unsere Arrangements so breit angelegt und verspielt sind, liegt sicher auch daran, daß ich mal ein großer Depeche Mode Fan war. Trotzdem klingt unsere Musik ja nun keineswegs nach Depeche Mode. Für uns ist es eigentlich so, daß wir alle Elemente in unsere Musik einbringen, die wir selber gern mögen. Das heißt also, wenn es nicht unsere Band wäre, würden wir wahrscheinlich fast nur Age Of Heaven hören. So ist das natürlich ein Dilemma, denn die eigenen Sachen hört man sich, wenn sie dann fertig sind, nicht unbedingt so gern an, hört man doch dann immer nur die Sachen heraus, die man vielleicht doch hätte anders machen können.
Entry: Wie würdest Du selbst Eure Musik beschreiben?
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J.U.: Nun, sie kommt wohl aus der klassischen Linie des Gothic Rock, damit meine ich, sie ist noch von den Ideen und Inhalten des ursprünglichen Gothic Rock geprägt, was immer das auch heißen mag. Wir empfinden es jedenfalls so. Ein Magazin schrieb auch mal "... sie spielen Gothic Rock im Sinne der Bands der Achtziger und nutzen dabei eindrucksvoll die Technologien der Neunziger ...". Das ist vielleicht ganz treffend. Heutzutage traut man sich ja schon fast nicht mehr, das Wort Gothic in den Mund zu nehmen, denn es gibt so viele peinliche Gruppen, die sich Gothic Bands nennen. Aber das richtig Schlimme daran ist, daß sie mit diesem Mist auch noch Erfolg haben. Manchmal denke ich wirklich, daß wir mit unserer Musik viel zu viele Ideale verfolgen. |
Das kann eigentlich nie so richtig zum großen Erfolg führen. Ansonsten schreiben wir in unserem Bandinfo immer so was von bombastischen Arrangements, vielen Melodien und wuchtigen (Gitarren-) Sounds. Es ist eben in erster Linie richtige Rockmusik. Auf jedem unserer Alben sind dann immer noch ein-zwei Songs mit mehr so klassischen Arrangements, mit viel Streichern, Pauken, Hörnern usw. drauf. Das führt dann dazu, daß viele diese Songs in den Himmel heben und den Rest verdammen oder umgekehrt. Meiner Meinung ist es so etwas ausgeglichener. Auf jeden Fall kann ich natürlich nur empfehlen, mal hinein zu hören. Auch die Texte sich mal durchzulesen, kann nicht ganz uninteressant sein. The Garden Of Love zum Beispiel.
Entry: Ist AGE OF HEAVEN Deine erste "richtige" Band, oder hast Du schon vor der Gründung ernsthaft Musik gemacht ? Seid Ihr eventuell noch an anderen Projekten beteiligt?
J.U.: Age Of Heaven ist und war bisher meine einzige Band. So eine Band zu haben und auch am Laufen zu halten, erfordert sehr viel Kraft, denn mit ein paar Songs schreiben und ab und zu ein Auftritt ist es ja nicht getan. Dazu kommen eine Menge Tätigkeiten, die wirklich nerven und echt keinen Spaß machen, wenn man schon so ehrgeizig ist und ein paar Leute damit erreichen will. Davon abgesehen habe ich aber einige Songs zu liegen, die schlecht in das Age Of Heaven Konzept passen würden, die ich aber ganz gut finde. Vielleicht wird daraus ja noch mal was. Ansonsten hat Torsten noch eine kleine Hobbyband, wo er sich austobt. Den Namen muß ich aber hier nicht nennen. Axel spielte vor uns bereits in anderen Bands.
Entry: Welche Dinge bewegen Dich, und wie versuchst Du sie künstlerisch mit Age of Heaven darzustellen?
J.U.: Nun, ich habe festgestellt, daß es manchmal hilft, Probleme die einen bewegen, quasi in Songs zu verarbeiten. Man wird sich dabei über einiges viel klarer. Auch hat man die Möglichkeit, Statements abzugeben. Auf der ersten CD ging es dabei hauptsächlich um Themen wie Umwelt, den Paragraphen 218 usw.. Die letzte Album war etwas persönlicher - man wird eben mutiger. Auch hat das Garden Of Love Album dann doch etwas mit der Bandgeschichte zu tun. Bei Broke The Chain wird man sich das ja wohl vorstellen können. Ansonsten sind es zum Teil auch die kleinen Dinge des Lebens. Es ist immer verschieden, wie man zu Songtexten kommt.
Entry: Du sagtest mal, Ihr hättet ein eigenes Label ... ... und gewisse Schwierigkeiten mit Eurem Vertrieb ?
J.U.: Ja, das Label, auf dem The Garden Of Love erschienen ist, heißt Age One Music. Wir versprachen uns davon mehr Unabhängigkeit und eine etwas günstigere finanzielle Lage. Ich hatte mir auch gedacht, daß man vielleicht später noch andere Bands veröffentlichen könnte. Der Aufwand insgesamt würde sich dadurch nicht allzuviel vergrößern. Doch wie gesagt gibt es da auch schon wieder Probleme. Es wäre aber unklug, sich hier darüber weiter auszulassen.
Entry: Wie waren denn die Resonanzen auf Euer aktuelles Album?
J.U.: Im einzelnen eigentlich sehr gut. Ein allgemeines Urteil läßt sich schwer bilden, da wir ja nun einiges Pech hatten. Wäre das Album unter normalen Umständen erschienen, hätte es sich wahrscheinlich genausogut wie das erste (welches ja relativ gut lief) oder evtl. sogar noch besser verkauft. Davon abgesehen ist es sicher noch etwas verfrüht, ein Urteil abzugeben. Ich bin froh darüber, daß das Album im Ausland ganz gut läuft, denn da haben wir einen anderen Vertrieb.
Entry: Plant Ihr in näherer Zukunft ein neues ?
J.U.: Ja, The Garden Of Love ist noch relativ frisch, aber wir haben schon wieder neue Songs geschrieben. Wie oder wo das neue Album erscheinen soll, ist noch offen. Wir müssen sehen, ob und wie es mit unserem Label weitergehen kann, oder ob wir vielleicht eine andere Plattenfirma suchen sollten. Zeitlich wird es sich bestimmt bis ins nächste Jahr hineinziehen, bis das neue Album kommt. Wir sind aber bereits im Sommer auf einem Tribute To The Mission Sampler von Celtic Circle Rec. mit vertreten, wo es eine Cover-Version von Garden Of Delight geben wird. An dem Lied haben wir noch mal ganz schön herumgebastelt.
Entry: Wer schreibt die Texte für AGE OF HEAVEN, und wer kümmert sich um die Musik?
J.U.: Ich bin eigentlich für beides hauptsächlich zuständig. Bei den Texten sowieso. Bei der Musik gehen wir etwas mehr dazu über, zusammen zu schreiben, denn ich bin ja auch kein Gitarrist. Natürlich kann jeder seine Meinung abgeben und Vorschläge machen. Sind die Vorschläge brauchbar, dann werden sie mit eingebracht. Ich muß aber auch davon überzeugt sein, daß es gut paßt. Ich denke heutzutage gibt es da einen ganz guten Konsens in der Band.
Entry: Welches ist Dein persönliches AGE OF HEAVEN - Lieblingsstück, und warum?
J.U.: Auf dem letzten Album ist es der Titelsong The Garden Of Love. Dabei sehe ich den Song aber nicht als Einzelstück, sondern in Zusammenhang mit dem Intro The Secret. Beide Stücke sind thematisch eng miteinander verbunden. Das macht meiner Meinung nach den besonderen Reiz aus. Auch finde ich The Garden Of Love von Arrangement und Struktur gut gelungen. Wir haben auch relativ lange daran herumgebastelt, bis es so war, wie es jetzt ist. Nicht zuletzt ist es auch der Text, der mir am besten gefällt. Er erzählt eine richtige kleine Geschichte und ich habe da auch mit sehr vielen Sinnbildern gearbeitet.
Entry: Erläutere doch bitte mal die Lyrics zu einigen Stücken von "The Garden Of Love". Womit befaßt Du Dich thematisch, und was gibt Dir den Anreiz zu schreiben?
J.U.: Also der Titelsong. The Garden Of Love, das ist der Garten aus einer schönen Zeit. Er ist der Inbegriff für eine heile Welt. Alles ist sehr natürlich und unverdorben. Nicht gemeint ist die Liebesspielwiese. Gemeint ist viel mehr eine Gefühlswelt voll innerer Harmonie und (unbewußtem) Glück. Blumen blühen und die Blätter rascheln leise im Wind ... Doch die Jahre vergehen. Lange war man fort und einiges hat sich in der Zwischenzeit ereignet. Die rauhe Realität hat Einzug gehalten. Man kommt wieder zurück, geht in den Garten und alles hat sich verändert. Dabei lasse ich mal offen, ob es das Umfeld ist, was sich verändert hat, oder man selbst (oft ist es ja beides). All die Träume sind dahin und die Harmonie des Garden Of Love ist zerstört. Für einen Moment hängt man alten Träumen, Hoffnungen und Wünschen nach und Melancholie oder gar Trauer breitet sich aus. Und an dieser Stelle beginnt nun die Erzählung. So, jetzt habe ich schon fast zu viel verraten. Eigentlich erzähle ich nicht so gern, was in meinen Songs passiert. Man gibt dabei doch eine ganze Menge von sich preis. Sicher ist es auch viel spannender, wenn man noch Raum für Eigeninterpretationen des Hörers läßt. Zu diesem Song inspirierte mich übrigens ein Gedicht von William Blake (alter englischer Romantiker), das mir mal in die Hände fiel.
Entry: In welchem Rahmen habt Ihr bisher Konzerte gegeben bzw. stehen in nächster Zeit wieder einige an?
J.U.: Ja, wir hatten gerade einige Konzerte. Üblicherweise spielen wir natürlich in Clubs oder man ist halt mal auf einem Festival mit dabei. In den alten Ländern ist es für uns etwas schwieriger. Die Clubs machen dort wohl nicht so viele Konzerte. Auch ist es dort mit den Gagen schwieriger. Nicht zuletzt ist der Weg sehr weit. Aber ich hoffe doch, daß wir dort trotzdem mal eine Tour zusammenbekommen. Normalerweise müßten wir auch bei dem Leipziger Gothic Treffen spielen. Schließlich sind wir ja aus der Gegend; jeder fragt uns auch immer danach. Es soll wirklich nicht an uns liegen. Für dieses Jahr ist jedenfalls noch alles offen. Ich hoffe mal, daß es dieses Mal doch klappt.
Entry: Wie wichtig ist es Dir überhaupt, live zu spielen?
J.U.: Ich denke man sollte sich den Leuten nicht vorenthalten. Live kann man etwas mit Gestik und Ausdruck arbeiten. Die Songs klingen viel rauher und direkter als vom Album. Einige Songs spielen wir live auch in anderen Versionen. The Providence, welches mit auf dem ZILLO Sampler war, spielen wir zum Beispiel in einer längeren Fassung.
Entry: Zu guter Letzt. Was sind Eure Pläne für die Zukunft? Reich und berühmt zu werden?
J.U.: Tja, jeder aus der Band hat noch einen Job oder geht studieren. Schön wäre es, wenn man sich ausschließlich mit der Musik beschäftigen könnte, also einigermaßen bequemlich davon leben könnte. Doch ist das heutzutage für eine Rockband (ich sage schon gar nicht Gothic Rock Band) überhaupt noch möglich? Dazu müßten wir wohl eine völlig andere Musik machen. Allerdings geht das schon deshalb nicht, weil ich mich nicht auf die Bühne stellen würde, um so lächerlich herumzuhampeln wie D.J. Bobo oder so. Aber wir wollen so lange Musik machen, wie es eben geht.
Entry: Gibt es noch etwas, das Du unseren Lesern mitteilen möchtest?
J.U.: Wie gesagt gibt es zur Zeit einige Probleme mit dem Vertrieb des neuen Albums. Auch die alte CD kommt erst wieder im April/Mai neu. Es ist deswegen momentan etwas schwierig, die CD’s im Laden zu bekommen. Deswegen kann ich erst mal nur raten, ein paar Scheine in den Brief zu stecken und an unser Label zu schicken. Wir senden dann auf jeden Fall so schnell es geht die gewünschte CD, Kassette oder Plakat zu. Das ist auch immer noch billiger als im Laden.
Für alle, die Interesse an Age of Heaven gefunden haben, hier noch einmal die Preise für Tonträger und Merchandise:
CD "The Garden Of Love" 25,-
CD "Armageddon" 25,-
Tape "True Faces" 7,-
Plakat Bandphoto ‘97 A1 s/w 3,-
Plakat Armageddon A2 farbig 3,-
-->> für jede Sendung 3,- DM Versand (keine Nachnahme)
Kontaktadresse: AGE ONE MUSIC, F.-Lassalle-Str. 21, 04425 Taucha
Nach diesem nun doch ziemlich ausführlich gewordenem Interview bleibt es mir nur noch übrig, mich ganz herzlich bei J.U. zu bedanken, und Age of Heaven auch für die Zukunft viel Glück und Erfolg zu wünschen!
H.M.