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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Alien Sex Fiend

Alien Sex Fiend - Das Interview

Alien Sex Fiend - The evolution starts here

 

Alien Sex Fiend - Das Interview

Nach 13 Jahren, 13 Alben und mittlerweilen 3 Jahren Bühnenabstinenz, trafen wir Nik Fiend in seinem Wohnwagen auf dem zillo-Festival in Rüsselsreim, wo er uns ein kurzes, aber sehr informatives Interview gewährte. Alien Sex Fiend, bestehend aus Nik (Vocals), Mrs Fiend (keyboards), Rat Fink (Drums) und Dave ‘Gonzo’ Dearnaley, welcher für Doc Milton eingesprungen ist und den neuen sowie auch den alten Liedern einen Trippe Spacigen (?) Gitarren-Sound geben soll, haben im Sommer ‘82 ihre ersten Demos in den Londoner Broadway Studios aufgenommen, (welche mittlerweile auf dem "The Legendary Batcave Tapes" Album wiederveröffentlich worden sind) und ihre letzte Veröffentlichung, die 5 Track-CD "Inferno - The Mixes", liegt nur wenige Monate zurück. Doc Milton, der bisher die Gitarre spielte, hat sich nun mehr auf die Produktion der Platten konzentrikert und macht außerdem noch bei Gruppen wie "Nosferatu" mit, und auch Rat Fink arbeitet zur Zeit bei verschiedenen Bands, wie "Thee Üphantom Creeps" und "United State of Mind", mit. Dave ‘Gonzo’ Dearnaley soll ein wahrer Glücksgriff gewesen sein, so sagt Nik, denn eines Bands schnappte sich Gonzo seine Gitarre und spielte eine so fabelhafte, 20-Minüte Version von "Zombiefied" und ganz zu schweigen von der fast brennenden Version von "Smells like shite", daß Nik fast die Augen herausfielen. Hier nun die Ergebnisse, die wir aufgrund des Interviews und dem magazin von A.S.F. "Finedzine" verzeigen können.

A.S.F. haben seit 3 Jahren nicht mehr live gespielt, da sie in dieser Zeit viel zu viele Sachen um die Ohren hatten. So begannen sie vor drei Jahren den Soundtrack für eine CD-ROM zu komponieren und dachten währenddessen, es wäre für ca. 5 Wochen Arbeit. Doch als sie wieder klar denken konnten, waren schon 2 Jahre vergangen und heute mixen sie noch immer daran herum. Bei dieser CD-ROM namens "Inferno" haben A.S.F. mit Barry Lertch, auf ihrer nieenden Suche nach etwas Neuem den Soundtrack gemacht. Das Spiel, welches für Englands Ocean Software Development kreiert wurde, fordert den Benutzer des Games auf, die Menschheit vor der Vernichtung durch das außerirdische Rexxon Reich zu retten. Der Spieler muß dieses in einem Universum schaffen, in welchem sich psychisch fremde Krieger, surrealistische Planeten, riesige Asteroidenfelder und verlassene Raumwracks befinden. In einer solchen Umgebung ist die Musik von A.S.F. wohl die perfekte Wahl gewesen. Außerdem ist es eigentlich eine große Ehre für A.S.F., denn sie sind nun die erste Band, welche einen kompletten Soundtrack für eine CD-RO; zu erstellen hatte. Nik und Mrs Fiend waren mehr als nur angetan, diese Schwierigkeiten eines Soundtracks zu bewältigen, da es praktisch ein Meisterstück sein muß, A.S.F.’s motirischen Rhythmen mit der elektronischen Musik zu verbinden. Nik sagte, daß die Kompositionen recht schwierig waren, da das Spiel zu Anfang noch nicht fertig war und sie die Musik auf bestimmte Personen mit bestimmten Eigenschaften zuschreiben mußten. Nur kann man sich schwer vorstellen, wie gemein ein böser Bube ist und auch andere Eigenschaften kann man besser verstehen, wenn man das Spiel, oder die Personen, wenigstens einmal erlebt hat.

Alien Sex Fiend Desweiteren haben A.S.F. sich von ihrem Label Anagram Record, welches eine Untereinheit von Cherry Red Records ist, getrennt, und bereiten nun ihr eigenes Label vor. Als Begründung dafür sagte Nik, daß es viele Gründe für den Split gab, aber nur die wenigsten für den Fan interessant sein. So können A.S.F. auf ihrem eigenen Label endlich ohne Einschränkung die Aufnahmen veröffentlichen, die sie wollen und auch die Masse der Veröfffentlichungen können sie selbst bestimmen.

 

Das heißt nicht, daß sie nun weniger Neuveröfffentlichungen heraus bringen wollen, sondern ganz im Gegenteil, viel mehr. Mit ihrem eigenen Label hätten sie auf die "Inferno - The Mixes" direkt noch ein CD-ROM Track hinaufgepackt.

Desweiteren haben A.S.F., da sie doch von den Fans gehört haben, daß sie weiterhin auch Schallplatten kaufen möchten, nun mit ihrem eigenen Label dieChance, ihre Aufnahmen auch auf Vinyl zu verewigen. Nebenbei bemerkte Nik, daß er sich sowieso schon seit der "Open Head Sugery" von *’92 darum ohne erfolg bemühte. Außerdem klärten ihn die Fans auf, daß es nicht so einfach wäre, die neuerscheinenden Platten von A.S.F. zu erwerben, da wohl nicht direkt genug Tonträger gepresst werden. Ein weiterer Grund für die Trennung war, daß A.S.F. nicht dann auf Tour gehen konnten, wenn sie es wollten. Nik erzählte, daß sie einmal Konzerte geben wollten und ihr Label dementsprechend fragten, jedoch antworteten diese, daß er doch ibs Oktover warten solle. Und da stellten sie fest, daß das Label sie nicht verstand, oder sogar nie verstehen wollte, denn es war erst Mai und das Geld wurde knappt, also förderte diese Aktion auch nicht das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Band und Label. Da sie aber leider einen Vertrag über 12 Jahre unterschrieben hatten, konnten sie die Verbindung nicht frühzeitig ohne größere finanzielle Verluste auflösen.

Dies alles soll, so Nik, garantiert nicht mit seinem eigenen label geschehen, sondern es soll ein durch und durch fanfreundliches Label werden, welches keine Fragen offen läßt, oder Klagen zuläßt.

Da wir gerade bei der "Inferno - The Mixes" waren, wollen wir uns doch einmal den hintergrund des 5. Liedes "Echoes" ansehen! Das amerikanische label Cleopatra Records fragte bei A.S.F. an, ob sie auf dem pink Floyd Tribute Album "Saucerfull of pink" ein Lied covern wollten und A.S.F. war erfreut darüber und stimmte zu. Das Lied "Echoes", welches 1971 wuf dem "Meddle"-Album von Pink Floyd erschienen ist, ist Original eine Plattenlänge lang. Da Dieses aber für das Album zu lang wäre, wurde daraus eine 7min 40 sec Version, wo auch schon der neue Gitarrist ‘Gonzo’ sein Debüt hatte. Der vollständigkeitshalber müssen wir noch darauf hinweisen, daß die "Gothic RockII" eine neue Version von "Comatose", welche von Nik und Mrs Fiend abgemixt wurde, enthält und die Originalversion von "Ignore the machine" auf der Gothic CD wiederveröffentlicht wurde.

Auf unsere Frage, ob Nik sich selbst als eine Art Legende sieht, wovon wir eigentlich überzeugt sind, antwortete er nur, daß es doch verrückt sein muß, so etwas von sich zu behaupten, denn A.S.F. sit doch die schlechteste Gruppe mit dem schlechtesten Sänger, der schlechtesten Musik und dem schlechtesten Make-Up. Wie also soll aus so etwas Schlechtem etwas Gutes wie eine Legende werden? Verständlich, daß Nik auf diese Sprüche nicht mehr so reagiert, denn schon in ihren Anfangsjahren wurden A.S.F. von den Medien verhöhnt und ihnen wurde gesagt, daß sie es niemals weit bringen würden, doch diesen Unkenrufen zum trotz, bringen sie immer noch Platten mit Erfolg heruas und auch die Begeisterung bei ihren Konzerten nimmt immer noch zu. Desweiteren muß Nik noch immer leicht schmunzeln, wenn ihn irgendjemand Komplimente über die großartige Musik (die er ja für schlecht hält, aber trotz allem macht) entgegenschamettern, denn die ganzen 13 Jahre hindurch kamen die Leute zu ihm und fragten ihn: Nik

 

"Warum machst Du denn dieses, Warum jenes, Warum machst Du es nicht so" und so weiter und so fort und erkonnte den leuten nur sagen, daß er die Musik aus Spaß mache und sie verstanden es einfach nicht, daß man Musik einfach aus dem Bauch, mit viel Gefühl, heraus machen kann. Außerdem glaubt Nik nicht, daß man als tierisch große Band, mit tierisch viel Erfolg noch wirkliche ehrliche Musik machen kann, da man dann ja doch unter diesem riesigen Erfolgsdruck arbeiten müßte und dieses sicherlich auf die Qualität der Stücke gehen würde. Als wir ihn dann fragten, ob er sich als eine Art Vorreiter des Gohtic sehen würde, oder sogar als jemanden, der die Gothic-Bewegung groß gemacht hat, antwortete er merkwürdigerweise, daß dieses doch nur ein Problem der Leute ist, wieder für irgendwelche Musik oder Personen eine Schublade zu öffnen, in welche dann die jeweilige Sache hineingepresst werden kann. Ihm sei es doch ziemlich egal, in welche Sparte er gedrückt wird, solange nur die Fans ihn noch hören, weiß er doch, daß das, was er macht, noch immer das Richtige ist. Zwar hat er während den vielen Platten, die ernun schon gemacht hat, auch alte Fans verloren, jedoch sind die Meisten bei ihm geblieben und sogar neue Leute sind auf A.S.F. aufmerksam geworden.

Zum Schluß hin möchte sich Nik doch noch bei dem deutschen Publikum bedanken, wie heuchlerisch sich dieses auch anhören mag, denn A.S.F. hatte hier immer mehr Anklang gefunden, als in seinem eigenen Land.

Auch wir wollen uns an dieser Stelle bei Nik und seinem Manager (oder was er auch war) bedanken und auch dem Zillo-Team soll Dank gewährt werden, da sie uns ohne große Umstände haben gewähren lassen.

R.R. & M.V.

 

Alien Sex Fiend - The Evolution starts here

Was in der August-Ausgabe des ENTRY’s angekündigt wurde, hat sich nun verwirklicht - Nik und Mrs. Fiend haben ihr eigenes Label gegründet, "13th Moon Records", auf welchem im Februar die neue ASF-Vinyl-Maxi "Evolution" (siehe Review ENTRY 1/96) erschien. Mit der Geburt von !13th Moon" endet das erste und beginnt das nächste Fiend-Zeitalter, eine neue Sternzeit im musikalischen Leben der außerirdischen Legende ASF wird eingeläutet. Evolution -Entwicklung, die neue Single dokumentiert dieses treffend und entführt ohne Umschweife in futuristische Galaxien. Kraftwerk aus Mescalin. Und natürlich mit der obligatorischen Portion Humor. Oder so ähnlich. Ich habe mal bei Nik und Mrs. Fiend an die Tür geklopft, um die beiden mal zu den neuen Ereignissen zu befragen.

Project Pitchfork, Lacrimosa, Dive, auf den ersten Blick scheint es zwischen diesen Bands keine Gemeinsamkeiten zu geben. Ebenso scheint es völlig abwegig, sie in einem Atemzug mit Alien Sex Fiend zu nennen, denn stilistisch fabrizieren diese Formationen jeder ein anderes Ding. Was sie miteinander verbindet, ist die Tatsache, daß sie, wie nun neuerdings auch die Fiends, ihr eigenes Label gegründet haben. Auf die Frage, welche Beweggründe es dafür gab, ob es vielleicht ein lang gehegter Traum war, antworten die Fiends:

Nik: "Ich habe mal meine eigene Platte rausgebracht, vor langer Zeit, als ich anfing, Musik zu machen, noch vor Alien Sex Fiend. Es war eine sehr spontane Sache, dies zu machen. Das war, als dieses ganze Punk-Ding ablief. Als wir mit ASF anfingen, hat ein Freund von mir bei ‘Cherry Red’ gearbeitet,, auf diesem Wege sind wir da gelandet. Er verließ das Label jedoch kurz nachdem wir dort unterschrieben hatten, mittlerweile ist er tragisch gestorben. Er hätte mir, wenn er noch unter uns wäre, jetzt sicherlich gute Tips geben können in Bezug auf ‘13th Moon’. Wir sind bei ‘Cherry Red’ zuletzt ein bißchen auf der Stelle getreten, auch wenn sie uns musikalisch machen ließen, was wir wollten..."

Mrs. Fiend: ".... Was bei vielen Labeln ja wirklich problematisch sein kann."

Nik: "Es gab bei ‘Cherry Red’ einige Beschränkungen, wir mußten ziemlich kämpfen, um z.B. ‘Zombified’ als Single rausbringen zu können. Zudem wurde es immer schwerer, Promos von den Platten zu bekommen. Aufgrund dessen und wegen anderer Dinge, haben wir nun ‘13th Moon’ gegründet. Wir haben in der ganzen Zeit viel gelernt, und als letztes Jahr der Vertrag auslief, waren wir frei für die Gründung von ‘13th Moon’."

Ob "13th Moon" denn ein ASF-only Label bleiben wird, oder ob andere dazustoßen werden, möchte ich wissen.

Nik: "Es ist noch zu früh, um etwas dazu zu sagen. Wir sind noch am lernen bei unserem ersten Release ‘Evolution’. Jeden Tag gibt es etwas anderes, was notwendigerweise bedacht und gemacht werden muß. Wenn wir das ganze eine Weile gemacht haben und die Dinge sich eingerenkt und organisatorisch bewährt haben, denke ich, gibt es sicher eine Gelegenheit, den Stoff von anderen Leuten rauszubringen. Als Label ist es wichtig, den Bands gerecht zu werden, wir wollen nicht die Sachen von jemanden rausbringen und dann keine gute Arbeit für sie tun. Es würde ihre Zeit verschwenden - und unsere!"

Schenken wir unsere Aufmerksamkeit also erstmal vollends den Fiends, genauer gesagt, der aktuellen Maxi "Evolution", dessen Klanglandschaft eine explosive Mixtur aus alten, typischen ASF-Elementen und sehr modernen, tanzkompatiblen Technosounds darstellt. Bewährtes trifft auf Neuland.

Nik: "Ja, das ist eine sehr gute Beschreibung."

Mrs. Fiend: "Wir haben mit ‘Evolution’ einen neuen Weg eingeschlagen."

Nik: "Jedoch nicht unbedingt absichtlich, es ist einfach so geworden. Die Musik erzählt uns, wie sie werden will, wie sie existieren möchte. Wir sind nur ein Kanal für sie, denke ich. Sie fließt durch uns, wandert auf Tape und wir sortieren sie, mixen sie oder sonstiges. Und dann ist sie da. Es wird immer wie Alien Sex Fiend klingen, weil Mrs. Fiend und ich in ihr wohnen."

Mrs. Fiend: "Die neuen Songs werden wie dieser sein, eine Kombination aus Vergangenheit und Zukunft."

Nik: "Wir wollen nicht in der Vergangenheit leben, aber wir wollen sie auch nicht vergessen. Es gibt nichts aus der Vergangenheit, was mir jetzt peinlich ist, wofür ich mich schämen müßte. Aber wir entwickeln uns halt die ganze Zeit konstant weiter. Das ist es, was ASF frisch hält."

Mrs. Fiend: "Beides, uns und die Musik."

Dem kann man wirklich nichts entgegensetzen, betrachtet man nämlich einmal sämtliche Alben, angefangen von "Who’s been sleeping in my brain" über "Open head surgery" bis zu "Inferno", wird deutlich, daß die Band nie unter Kreativitätsschwund gelitten hat, wie es bei vielen Bands ja leider oft der Fall ist. Bei ASF hat jedes Album einen ureigenen Wesenszug, ständige Überraschungszeremonien waren und sind an der Tagesordnung. Ich konfrontiere Nik mit einer Aussage, die er selbst mal gemacht hat ("Wir brauchen diese Veränderung wie das tägliche Brot, alles andere wäre langweilig. Musik zu machen, nie still zu stehen, das hält mich am Leben - ansonsten würde ich depressiv werden.") und der Feststellung, daß diese Aussage im Grunde sehr gut zum Single-Titel "Evolution" sowie dem Sound eben jener Maxi passt.

Nik: "Die Aussage trifft immer noch zu. Es entwickelt sich immer weiter, wie ich schon sagte."

Mrs. Fiend: "Als wir ‘Evolution’ schrieben, haben wir gar nicht an die ganzen Verbindungen gedacht..."

Nik: "... und an Übereinstimmungen."

Mrs. Fiend: "Aber es stimmt, zurückblickend ist es wirklich passend! Speziell mit dem ersten ‘13th Moon’ Release ist es eine Art Neuanfang, obwohl es immer noch Nik und ich sind."

Nik: "Alien Sex Fiend in einer anderen Form, und doch gleich, immer noch verbunden mit der Vergangenheit, und doch ein wenig weiterentwickelt."

All dies hat ASF zu einer Besonderheit in der Underground-Musikszene gemacht, eine feste Größe mit Kultstatus, die nicht mehr wegzudenken ist. Davon dürfte auch Zillo-Guru Easy Ettler überzeugt sein, denn wie sollte man es sonst erklären können, daß er Nik und Mrs. Fiend anläßlich der Preisverleihung an Tilo Wolff (Lacrimosa) am 13.01. in Lübeck als Ehrengäste eingeladen hatte. Auf die Frage, wie die beiden die ganze Aktion erlebten, antworten sie:

Nik: "Easy Ettler fragte, ob ich daran interessiert wäre, den Preis zu übergeben, aber mehr wußte ich auch nicht. Es war alles ein bißchen unklar."

Mrs. Fiend: "Flüge und Hotel waren gebucht und, wir wußten das Datum, aber das war auch schon alles, was wir wußten."

Nik: "Ich denke, daß Tilo Wolff den Preis irgendwo verdient hat, musikalisch und auch als Mensch. Die Akustik-Performance von Lacrimosa und der Abend an sich waren gelungen. Ich war etwas gerührt, als ich meine Rede gehalten habe und danach so herzlich empfangen wurde. Es war ein großartiges Wochenende - eingeflogen zu werden, eine tolle Zeit zu verleben und wieder nach Hause zu fliegen."

Mrs. Fiend: "Wir haben außerdem noch einige Freunde in Hamburg getroffen, und Project Pitchfork in Lübeck. Nach der Preisverleihung saßen wir noch mit Tilo und dem Rest von Lacrimosa zusammen und haben bis fünf Uhr morgens geredet. Alle sprachen Englisch für uns, was wir wirklich zu schätzen wußten."

Wenn wir schon beim Thema "andere Musiker" sind, bietet es sich ja an, die Fiends darum zu bitten, uns einmal ihre momentanen Musikvorlieben zu offenbaren.

Nik: "Wir hören alles Mögliche die ganze Zeit, es ändert sich konstant. Ich gebe Dir mal meine heutige Playlist, o.k.?

Alice Cooper - School’s out - LP, Creation Rebel - Lows & Highs - CD, Björk - Mixes - CD, Frank Zappa - We’re only in it for the money - CD, Eat Static - Implant - CD, The Orb - Blue Room 12."

Mrs. Fiend: "Wir haben auch ein total gutes Tape vom Radio, aber ich weiß nicht, wer drauf ist. Es sind Live-Mixe von einem Club hier in U.K. vom letzten Samstag - die DJ’s waren Paul Bleasdale und Boy George. Ich weiß, ich weiß, aber es war kein Käse. Es ist ein Knaller, wir haben wie wild dazu gehüpft."

Die Tatsache, daß Alice Cooper in Nik’s Playlist auftaucht, ist nicht weiter verwunderlich, denn seit jeher ist Nik geouteter Alice-Fan (und umgekehrt). (Nebenbei bemerkt, die beiden "bad guys" scheinen auch irgendwelche gemeinsamen Vorfahren zu haben, vom Aussehen her könnten sie wahrhaftig Brüder sein, he, he, he. Schon mal aufgefallen?) Ich mache Nik den Vorschlag, doch mal mit Alice zusammen zu arbeiten, wär’ doch mal was.

Nik: "Yeah! Ich weiß nicht."

Mrs. Fiend: "Ich denke, Nik würde liebend gerne mal einen durchgeknallten, irren Mix für ihn machen."

Nik: "Yes please! Ich stehe zur Verfügung und bin bereit - ist er’s ? Es würde wahrscheinlich von seiner Plattenfirma und seinem Vertrag abhängen. Wenigstens brauch’ ich mir darüber keine Gedanken mehr zu machen, ich bin frei."

Verlassen wir Alice Cooper mal wieder und wenden uns den ASF-eigenen Angelegenheiten zu. Wenn man, wie ASF, seit den frühen Achtzigern im Musikdschungel tätig ist, hat man unvermeidbar die verschiedensten, mehr oder weniger ausgeprägten Schatten- und Sonnenseiten des Businneskarussells und Szenewandels kennengelernt. Was sagt das Pärchen zur heutigen Zeit? Sehnen sich Old Nik und seine wild woman manchmal klammheimlich nach den alten "Batcave"-Zeiten zurück? (Das "Batcave" ist ein legendärer Club aus frühen Gothictagen)

Nik & Mrs. Fiend: "Nein."

Nik: "Es würde schon toll sein, zum ‘Batcave’ zurückzugehen und einige Leute wiederzutreffen, die wir kannten, weil wir den Kontakt mit einigen von ihnen über die Jahre doch verloren haben. Andererseits ist es schon erstaunlich, wie viele Leute von damals wir mittlerweile wiedergetroffen haben. Tatsächlich arbeiten wir sogar immer noch mit ihnen, oder sie sind immer noch Freunde aus der Zeit. Es gibt reichlich Undergroundstoff heutzutage, es wäre ohne Sinn, zur Vergangenheit zurückzukehren."

Mrs. Fiend: "Der Gedanke erschreckt mich. Ich sage immer ‘Aagh, es ist 1996’. Warum wollen die Leute zu den 60ern, 70ern oder den Punktagen zurück - wacht auf, es ist 1996!"

Nik: "Genießt, was jetzt passiert, wenn Ihr könnt."

Wenngleich wir auch in diesem Jahrzehnt leben, so werden hierzulande noch immer Achtziger-Klassiker wie "I walk the line", "Ignore the machine" oder "E.S.T. (Trip to the moon)" (P.S.: E.S.T. heißt übrigens Electric Shock Therapy) als fester Bestandteil eines Club-Abends angesehen. In Zeiten, wo schnellebige Songs zum Alltag gehören und nach ein paar Wochen den Leuten zum Halse raushängen, scheinen ASF’s Stücke immun zu sein gegen den Abnutzungsvirus.

Nik. "Ich denke, es sind einfach gute Songs. Wir haben sie jahrelang gespielt und sie sind immer noch gute Live-Songs. Vielleicht bleiben sie hängen im Verstand der Leute oder kleben sich dort fest beim Live-Gig, ich weiß es wirklich nicht! Andere Songs sind populär in anderen Ländern, in Amerika z.B. ‘Now I’m feeling zombiefied’. Es variiert mit dem Land, die ’Inferno’-Mixe sind sehr beliebt in Bali, Israel und Goa, also... wow!!"

Und wie sieht’s aus im Hause ASF, gibt es einen Song oder ein Album, was ihnen besonders am Herzen liegt?

Nik: "Nein, das ändert sich täglich. Es hängt von meiner Stimmung ab und von dem, woran ich gerade arbeite."

Mrs. Fiend: "Sie sind alle wie unsere Kinder, es ist schwer, da einen Favoriten zu bestimmen."

Nik: "Es ist unmöglich."

Mrs. Fiend: "Jeder Song repräsentiert ein bestimmtes Feeling oder eine bestimmte Zeit. Es ist ein bißchen wie ein Tagebuch. All diese Zeiten, gute und schlecht, sind sehr wichtig für uns, sie haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Ich möchte keinen Song missen!"

Das möchte die werte Hörer- und Anhängerschar sicher ebenfalls nicht. Ebensowenig die Impressionen, die Konzertgänger im Rahmen eines ASF-Live-Gigs gewinnen konnten; waren und sind doch die schrill abgedrehten Gruselshows, welche auf Nik’s Vorliebe für Comics und Science Fiction beruhen, besondere Happenings. Nik liebt sein Schauspiel on stage, das Hineinschlüpfen in die Rolle eines Chaoten-Finsterlings. Ich frage, ob "madman" Nik gerne einmal als Darsteller in einem Leinwandstreifen fungieren würde.

Nik: "Ich habe schon mal für’s Fernsehen geschauspielert."

Mrs. Fiend: "Nik war in der Kinder TV-Serie ‘how to be cool’. Robert Daltrey (The Who) und Gary Glitter haben da auch schon mitgewirkt."

Nik. "Es war schon hart für mich, weil ich den Text vom Script lernen mußte. Es ist besser für mich, wenn ich improvisieren kann. Das fand auch der Regisseur heraus." lacht Nik. "Ich bin glücklicher, wenn ich etwas tun kann, wo ich ich selbst sein kann."

Mrs. Fiend: "Aber er ist ansonsten ein guter Schauspieler!"

Nik: "Wenn es was Richtiges gäbe, würde ich es vielleicht noch mal machen."

Mrs. Fiend: "Aber Du spielst ja auch in den Videos eine Rolle..."

Nik: "Ja. Videoarbeit ist auch eine Art Schauspielerei, aber ich spiele ja mich selbst. Es ist nicht dasselbe, als wenn ich einen anderen Charakter mimen müßte, es ist also nichts, wofür ich hart arbeiten muß."

Mrs. Fiend: "Mit anderen Worten, Nik ist sehr faul, he, he. Es ist zu anstrengend, andere Rollen zu spielen."

Also, Ihr Hollywoodregisseure, seid doch so gut und gebt dem armen Kerl eine maßgeschneiderte Rolle in Eurem nächsten Film, ein größeres Risiko als mit Schmalzbubi Tom Cruise als Vampir geht Ihr sicherlich nicht ein... Gibt es bei den Fiends irgendwelche Pläne für die nächste Zukunft, bis die ersten Rollenangebote ins Haus flatter?

Nik. "Ooooh!"

Mrs. Fiend: "Als erstes wollen wir die ‘Evolution’-Mixe auf ein CD-Album mit noch mehr Mixen bringen. Zudem haben wir den Stoff für ein richtiges Studioalbum fast fertig. Weiterhin wollen wir sobald wie möglich ein paar Live-Shows machen. Ein Zukunftsplan in diesem Moment ist es, dieses Interview zu beenden." (lacht)

Nik: "Fiendzine Nr. 20 kommt bald raus (Anmerkung: Das Fiendzine ist das ASF eigene Fanzine), wir haben gerade ein neues ‘Evolution’-T-Shirt designt, Mixe für die ‘Evolution’-CD wollen wir machen und wir sind dabei, die Lizensierungen für die Releases abzuklären, speziell jetzt auch für Deutschland, damit die deutschen Fans die Sachen leichter kriegen können. Wir haben also eine Menge zu tun und nicht viel Zeit zum Nachdenken."

Apropos "Nachdenken", ich frage Nik, wie es seinem Denkorgan mittlerweile geht, schließlich outete er 1987 in einem seiner Songs: "My brain is in the cupboard above the kitchen sink". ist es immer noch dort?

Nik: "An bestimmten Tagen, ja!"

Mrs. Fiend: "Er nimmt es dann und wann mal von dort heraus."

Nik.: "Ich denke, es sperrt sich selbst dort ein! Es ist der Weg meines Gehirns, mir zu sagen, daß es fünf Minuten Ruhe braucht, um sich zu ordnen."

Am Ende des Interviews angekommen, bitte ich die beiden um ein nettes Schlußwort.

Mrs. Fiend: "Stürmt hinaus, kauft ‘Evolution’ und laßt Euch in den Wahnsinn treiben."

Nik: "Wir freuen uns darauf, Euch alle bei kommenden Gigs in naher Zukunft zu sehen. Wir waren ja beim Zillo-Festival, aber viele von Euch hatten vielleicht nicht die Möglichkeit, dorthin zu kommen, aus welchen Gründen auch immer. Daher hoffe ich, bald auf Deutschland-Tour kommen zu können!!"

Das hoffen wir wahrhaftig auch! Thanx very much for the interview, many zombiefied greetinx to you (and Mel), have a good time.

AX

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