Entry
Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Death In June

 

"hope had brought us this far,

far enough to cut our hearts into pieces"

 

Wie will man diese Band beschreiben? Da wären zum einen die Fakten: DEATH IN JUNE bestehen seit nunmehr 13 Jahren und haben in dieser Zeit einiges an Material veröffentlicht -soweit überhaupt angeboten, erzielen Originalpressungen mittlerweile Horrorpreise. Dann gibt es aber auch etwas, daß sich nur schwer in Worte fassen läßt: die einmalige Atmosphäre, die DEATH IN JUNE zu erschaffen wissen. Mit einfachsten Mitteln, oft nur von Akustikgitarren begleitet, präsentieren sie ergreifende Moritate, die man beinahe schon als Hymnen bezeichnen kann. Gerade in den letzten Jahren entdecken immer mehr Leute DEATH IN JUNE, dennoch werden sie von den Medien größtenteils ignoriert. Entry hatte die Gelegenheit, einige Fragen an Douglas Pearce zu richten und versucht im folgenden, etwas Klarheit in das aus Gerüchten und Vorurteilen bestehende Dickicht um DEATH IN JUNE zu bringen.

Diese Ignoranz gegenüber DEATH IN JUNE kommt natürlich nicht von ungefähr. Douglas Vorliebe für mit dem Nationalsozialismus verbundenen Symbole und Gegenstände (siehe z.B. "The Wall Of Sacrifice", "Sun Dogs") oder Phothos, auf denen martialisch posiert wird, haben die Band mehr als einmal in den Ruf gebracht, mit totalitären, faschistischen Ideologien zu sympathisieren. Man sollte sich aber davor hüten, DEATH IN JUNE als Nazis abzustempeln. Wer sich intensiver mit der Band beschäftigt, wird schnell merken, daß man es sich etwas einfach macht, wenn man sie als die BÖHSEN ONKELS der "schwarzen Szene" dahinstellt. Douglas P. läßt den Hörer im Unklaren. Zwar befürwortet er in keinem Text Faschismus und Nationalsozialismus, tut aber andererseits auch nichts, um die Verwirrung aufzulösen. Macht es ihm nichts aus, wenn die Öffentlichkeit teilweise in ihm einen Faschisten sieht?

Death In June

"Die Welt ist voller Schrott. Wieso also sollte ich mich darum kümmern, was andere Leute über mich und DEATH IN DUNE denken? Die Leute sollen es mögen oder auch nicht. Mir sind die Meinungen anderer total egal -mögen sie jetzt gut oder schlecht sein. You die alone. You live alone."

Aber er scheint ganz gut davon zu leben. Zumindest in Deutschland verkaufen DEATH IN JUNE ganz ordentlich. Ist Douglas zufrieden mit dem Erfolg, den er zur Zeit hat?

"Der "Erfolg", den wir erreicht haben, ist wirklich hart erkämpft worden. Ich persönlich meine, daß Gruppen wie DEATH IN JUNE oder CURRENT 93 es verdient hätten, das zehnfache zu verkaufen. Außerdem frage ich mich wie Du darauf kommst, daß DEATH IN JUNE in Deutschland viele Platten verkaufen. Verglichen mit wem? Phil Collins? Da bin ich nicht Deiner Meinung!"

Wann können wir mit einem neuen Album rechnen?

"Das neue Album " Rose Cluods Of Holocaust" soll Ende Januar erscheinen. Es wurde in Australien und England geschrieben und aufgenommen. Zur Zeit bin ich damit beschäftigt, letzte Hand an das Album zu legen. Außer dem Titelstück und "13 Years Of Carrion", welche komplett remixed worden sind, enthält es ausschließlich brandneues Material."

Können wir DEATH IN JUNE im kommenden Jahr eventuell live erleben?

"Im Moment habe ich nicht die Absicht, irgendwo aufzutreten. Aber vielleicht entschließe ich mich doch noch dazu, im Mai oder Juni in den Benelux-Ländern Konzerte zu geben."

Deine Texte sind sehr metaphorisch, sehr poetisch gehalten. Welchen Stellenwert haben sie für Dich?

"Musik und Text sind mir gleich wichtig. Aber das allerwichtigste für mich ist, daß beide zusammen genau die Atmosphäre erzeugen, die ich zu erschaffen beabsichtige. Das muß einfach stimmen. Dies ist auch die größte Schwierigkeit, die einem beim Schreiben eines DEATH IN JUNE-Songs entsteht."

Manchmal liegt zwischen den Veröffentlichungen eine recht lange Zeit. Was macht Douglas, wenn er mal nicht mit DEATH IN JUHE oder den anderen Projekten, in die er involviert ist, beschäftigt ist?

"DEATH IN JUHE ist mein Leben. Jede einzelne Minute des Tages hat irgendwie mit DEATH IN JUNE / NER oder den anderen Sachen zu tun. Persönlich habe ich nicht das Gefühl, daß es längere Pausen zwischen den Veröffentlichungen gibt, weil eigentlich immer etwas in der Richtung passiert. Zumindest für mich!"

DEATH IN JUHE umgeben sich, wie einige andere World Serpent-Bands auch, mit Runen -und das schon seit den Anfangstagen. Hat er den Eindruck, daß Runen "trendy" werden und zur Modeerscheinung verkommen?

"Die Runen sind keine Mode. Sie sind eine Kraftquelle!"

So seine knappe, aber deutliche Antwort. Die Besetzung von DEATH IN JUNE ändert sich permanent, einziges konstantes Mitglied ist Douglas -und unter seiner Regie hat sich die Band zusammen mit CURRENT 93 an die Spitze jener Bewegung gesetzt, die einen Stil vertritt, den man so treffend als "Apocalyptic Folk" bezeichnet. Hat Douglas noch Kontakt zu den Gründungsmitgliedern Patrick Leagas (bzw. L'Okill, SIXTH COMM) und Tony Wakeford (SOL INVICTUS)?

"Es gibt keinen Grund, Tony und Patrick zu treffen. Abgesehen von gelegentlichen Telefonaten haben wir keinerlei Kontakt miteinander. Als wir dazu bestimmt waren, zusammen zu sein, waren wir es. Als wir dazu bestimmt waren, uns zu trennen, taten wir es. So einfach ist das. Und außerdem so lange her..."

Zum Schluß eine beinahe schon obligatoriche Frage: wie würde Douglas P. DEATH IN JUHE beschreiben ?

"Ich beschreibe DEATH IN JUNE als eine Formation, deren Integrität intakt ist. Gibt es sonst noch etwas, worum man sich kümmern müßte?"

Diese Integrität, wie er es nennt, die bewußte Abgrenzung gegenüber allen anderen, diese selbstgewählte Außenseiterrolle scheint die eigentliche Philosophie DEATH IN JUNE's zu sein. Auch in Zukunft werden sich die Geister an dieser Band schneiden. Aber eines steht fest: kaum eine andere Band präsentiert sich so überzeugt und entschlossen wie DEATH IN DUNE. Warten wir ab, was die Zukunft DEATH IN JUNE und seiner Anhängerschaft bringt.

Holger Meyer

 

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