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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Empirion / Eboman |
A JOURNEY INTO THE SOUND
1. THE TRIP BEGINS
Es war November 1996, als uns das seltene Glück widerfuhr, drei der prächtigsten Musikereignisse für dieses Jahr an einem Abend im großen Überraschungspaket präsentiert zu bekommen: EMPIRION, EBOMAN und PRODIGY. Sicher, sowohl vom Bekanntheitsgrad, als auch von der Musik her kann man die Drei kaum in einem Atemzug nennen, aber bei unserer Rückkehr aus dem fernen Offenbach waren wir uns einig: Ein Glückspils, wer so etwas erleben durfte.
Begonnen hatte Alles am frühen Nachmittag im Wuppertale, als wir mit diesem abgefuckten Auto inklusive defekten Boxen losfuhren, um die Risikostrecke gen Frankfurt, quer durch den wilden Westerwald, noch bei Tageslicht zurückzulegen. Das eingelegte EMPIRION-Tape konnte die Fahrzeit kaum verkürzen, da die angesprochenen Lautsprecher selbst aus den coolsten Songs ein dumpfes Dauerbrummen machte. Da half nur noch AFN, der Sender, auf dem sich die berühmte Joan Jett ( ja, die von den BLACKHEARTS!) outete, eine Truppenunterhalterin für einsame GI`s auf der ganzen Welt zu sein. Doch schon näherten wir uns unserem ersten Interviewtermin, dem Hotel Kempinski in einem Vorort von Frankfurt. Nachdem wir die Crew an der Rezeption von unseren friedlichen Absichten überzeugen konnten, gelangten wir auf verschlungenem Pfad endlich ins Zimmer von Mr. Jamie Smart, und begannen unser Gespräch mit dem smartesten der drei EMPIRIONs, der auf der Insel vor seiner Karriere als Musiker bereits seit Jahren als DJ aktiv war.
2. EMPIRION: A MEETING WITH THE MASTERS OF ADVANCED TECHNOLOGY
Spätestens seit der Veröffentlichung der Fulltime CD "Advanced Technology" haben sich EMPIRION einen festen Namen im grenzüberschreitenden Bereich zwischen Techno und EBM gemacht. Das die drei Mitglieder aber nicht nur als Musiker, sondern auch als Remixer, DJ`s und Betreiber des eigenen Wanted-Labels aktiv sind, ist schon weniger bekannt. Über dies und Anderes unterhielten wir uns mit Jamie Smart.
Entry: Was für Musik legst Du als DJ hauptsächlich auf?
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Mr. S.: Wenn ich Abends mit meinem Job beginne, spiele ich erst einmal mehr melodischere Sachen aus dem Trance-Techno-Bereich, nicht sofort die Ohrenfetzer. Später, wenn sich Alles ein wenig eingespielt hat, drehe ich ein wenig mehr auf. Pulsierender Techno und Trance-Techno stehen dann ganz oben auf der Play-List, aber immer mehr aus dem Intelligent-Lager. Aber immer mehr Tracks aus dem Intelligent-Lager, keinen reinen Bum-Bum-Techno. Ich finde auch, das einiges aus dem Goa-Bereich einfach zu viel ist. Da bevorzuge ich doch eher Funky-Techno oder die Intelligent-Schiene. Entry: Wie lange machst Du den Job als DJ eigentlich schon? |
Mr. S.: Vielleicht seit 1987, als ich in der Elektro- und Hip-Hop-Szene rumhing. Damals ging es in England so langsam mit der Dance-Szene los, die sich seit dem ja enorm entwickelt hat. Was ich aber seit damals immer noch bevorzuge, sind Songs mit Energie und dem gewissen Drive, hier bei uns gibt es mittlerweile auch immer mehr Clubs, die ruhige Sachen spielen, wie sie zum Beispiel mit dem 70er-Jahre Discorevival aufkamen, so etwas ist nicht mein Fall.
Entry: Ist die von Dir bevorzugte Musik denn auch das, was auf Eurem Wanted-Label veröffentlicht wird?
Mr.: Ja, im Prinzip schon. Das ist die Szene, wo wir zu Hause sind.
Entry: Wie sieht es denn mit dem Remixen aus? Du und die anderen beiden EMPIRION-Mitglieder wart ja alle schon mal damit beschäftigt.
Mr. S.: Insgesamt sind wir ja drei Leute bei EMPIRION, Bob, Oz und ich selber. Zusammen haben wir schon einige Sachen im Studio gemacht, vielleicht 6 oder 7 Remixe sind dabei entstanden, die ziemlich viel Zeit in den letzten drei bis vier Monaten in Anspruch genommen haben. Wir haben PRODIGYs "Firestarter" gemacht, CHINA DRUM, auch HUM, eine amerikanische Thrash-Band, und im Moment sitzen wir an einem TERRORVISION-Song.
Entry: Was ist denn Dein Ziel bei einem Remix, was möchtest Du erreichen?
Mr. S.: Zunächst einmal würden wir nur einen Remix für eine Band anfertigen, die auf ihrem Sektor der Musik glaubwürdig ist. Wir müssen aber immer aufpassen, das wir nicht unsere ganze Energie in Remixe stecken, denn wenn Du Dich zu sehr mit dem remixen anderer Songs beschäftigst, hast Du am Ende keine Ideen und keine Energie mehr für Deine eigene Musik. So versuchen wir einen guten Mittelweg zu finden, zwischen unserer eigenen Musik und dem Remixen.
Entry: Gibt es denn eine Band, die Ihr unbedingt einmal remixen möchtet?
Mr. S.: Vieles in unserer Musik ist beeinflußt worden von "Industrial"-Musik, ich spreche hier von Bands wie NITZER EBB, NINE INCH NAILS oder FRONT 242. Und da vieles, was wir machen aus diesem Hintergrund kommt, wären wir natürlich glücklich, wenn wir einmal mit diesen Leuten zusammenarbeiten könnten. Im Moment stehen wir im Kontakt zu Doug von NITZER EBB, der ja jetzt sein eigenes Ding durchzieht. Anfang 1997 wird es eine neue Single von ihm geben, und wir sind wirklich froh, das wir mit ihm zusammenarbeiten werden, da wir NITZER EBB als eine wirklich exzellente Band betrachten. Außerdem bemühen wir uns im Augenblick darum, in Kontakt zu Trent Raznor zu treten, damit sich dort vielleicht auch etwas tut. Die Musik, die er macht ist vielleicht nicht die unsere, aber sie beinhaltet die selben Elemente, sie hat Energie, sie ist hart und sie hat Drive. Natürlich gibt es noch mehr Bands, die wir toll finden, zum Beispiel auch in der Dance-Szene. UNDERWORLD sind ohne Frage eine ganz brillante Band.
Entry: Wie wichtig ist denn der Aspekt der Tanzbarkeit für einen EMPIRION-Track?
Mr. S.: Einige unserer Sachen wurden als "Dancefloor-Burners" konzipiert, der Beat und Alles im Song wurde auf die Tanzbarkeit ausgerichtet. Aber genug Songs sind nicht für den Dancefloor, wir haben sie eigentlich nur für uns selbst geschrieben, denn zunächst ist uns bei einem Song wichtig, das er uns gefällt, und nicht irgend jemand anderem, aber wir hoffen natürlich, das noch ein paar mehr Leute den Song mögen. "Narcotic Influence" war zum Beispiel ein echter Clubhit, auf den die Leute abtanzten, während "Jesus Christ" in der "Industrial"-Szene sehr beliebt war. Wir versuchen, den Kontakt zu beiden Szenen nicht abreißen zu lassen, da unsere Musik ja eine Art Industrial-Cross-Techno ist. Wir werden immer Elemente aus beiden Bereichen verarbeiten.
Entry: Wie läuft denn die Aufnahme eines Songs bei Euch, habt Ihr vorher irgendwelche Ideen oder entstehen die Dinge aus dem Moment?
Mr. S.: Manchmal gehst Du ins Studio und hast so gut wie keine Idee, was Du machen willst. Du sitzt dann da und jamst ein bißchen mit dem Equipment herum, bis Du etwas findest, was Du magst. Ein anderes Mal gehst Du mit einer festen Idee ins Studio und versuchst, sie umzusetzen. Es kann aber auch passieren, das Du Dich den einen Abend hinsetzt und Dir ein paar tolle Ideen machst, und Dir am nächsten Tag die ganze Sache nicht mehr gefällt. Auf jeden Fall haben wir kein festes Schema, nach dem wir vorgehen, meist ergibt sich Alles aus dem Moment, mal so und mal anders. Hauptsache es entsteht ein komplexes Songgefüge, über das Du auch Vocals legen könntest, wenn Du wolltest.
Entry: Aber warum gibt es bei Euch denn keine Vocals?
Mr. S.: Wir haben gerade damit angefangen, uns ein bißchen mit Gesang zu beschäftigen, da wir bei unseren Remix-Geschichten damit zu tun hatten. Aber da stehen wir noch am Anfang.
Entry: Haben bei Euch die Namen der Song, wie z.B. "Narcotic Influence", "Jesus Christ" oder "Ayahuasca", irgendeine Bedeutung oder sind sie bloß Titel, damit man die Songs wiedererkennen kann?
Mr. S.: Nun, Ayahuasca ist zunächst einmal ein Pulver, was Indianerstämme in Südamerika nehmen, und das Dich in einen Trancezustand versetzt, es bläst Dir das Gehirn weg. Der Titel von "Jesus Christ" kam eigentlich so zustande, das irgendwer den Track hörte und dann einfach nur "Jesus Christ" sagte, weil er so begeistert war. Wenn wir einen Song fertig haben, setzen wir uns hin und suchen nach einem Namen dafür, der etwas bedeutet, aber nicht zu tiefsinnig, er sollte einfach nur zum Song passen.
Entry: Gibt es denn eine Bedeutung für das Wort "Empirion"?
Mr. S.: Ja, es hat etwas mit den Sternen und dem Universum zu tun. Wir haben aber die Schreibweise etwas verändert, im Wörterbuch steht "Emporium". Die nächste Bedeutung von diesem Wort ist , glaube ich, "himmlische Höhen".
Entry: Bist Du zur Zeit an Nebenprojekten beteiligt?
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Mr. S.: Ich habe ein kleines Studio für mich, in dem all das Zeug steht, das wir für EMPIRION nicht brauchen. Das beste Equipment ist in unserem richtigen Studio, aber mit dem Rest habe ich mir dieses kleine Studio eingerichtet, in dem ich so ein bißchen herumexperimentiere. Dort machen wir kleinere Sachen für ein anderes Label namens "Beyond Energy", das ein Freund von uns betreibt. Aber es ist nichts Großes, ich bastle mit ihm dort ein wenig, aber zu mehr habe ich im Moment gar keine Zeit. In Zukunft würde ich gerne etwas mehr in dieser Richtung machen, vielleicht auch ein paar Remix-Geschichten von mir als DJ, aber das ist Zukunftsmusik. |
Zur Zeit lerne ich und die beiden Anderen EMPIRIONs noch jede Menge. Schade ist, daß wir kaum noch Zeit für unser eigenes "Wanted"- Label haben, da EMPIRION einfach zu groß geworden ist und es besser läuft, als wir Drei jemals gedacht haben. Am Anfang war es ein richtiger Schock.
Entry: Da war Eure erste Single "Narcotic Influence" ja nicht gerade ein geruhsamer Einstieg ins Geschäft...
Mr. S.: Nein, davon haben wir auf einmal tausend und abertausend von Platten verkauft, das hatten wir wirklich nicht gedacht. Irgendwie ist es Schade, denn die EMPIRION- Sache hat sich so schnell und so groß entwickelt, das wir fürs Label kaum noch Zeit haben. Wenn wir mit der Band einmal etwas weniger zu tun haben, werden wir uns sofort wieder auf "Wanted" stürzen und uns dort mit neuen Bands und Projekten beschäftigen.
Entry: Da habt ihr ja eine Menge vor. Was ist denn eigentlich heute Abend beim PRODIGY-Gig Dein Job?
Mr. S.: Heute mach ich nur den DJ. Ich arbeite mit PRODIGY schon seit drei Jahren als ihr "Support"-DJ auf Tourneen zusammen, was eine tolle Sache war. Ich war in vielen Ländern, hab eine Menge Leute kennengelernt und einen guten Einblick in die ganzen technischen Abläufe bekommen. Das hat auch EMPIRION viel geholfen. Da ich die Jungs von PRODIGY schon länger kenne, habe ich auch einen guten Einblick in ihre Arbeitsweise gewonnen, und vor allem im Bereich der Verträge und des Managements wurde uns viel Arbeit abgenommen. Bei einer Band mußt Du immer aufpassen, daß das Ganze nicht zu einer reinen Geschäftsbeziehung wird, es gibt so viele Sachen, die Dich von der Musik abhalten, das Du sie manchmal aus den Augen verlierst. Das darf nicht passieren.
Entry: Wie war denn die Reaktion des Publikums auf Deine DJ-Arbeit bei der jetzigen Tour?
Mr. S.: In Berlin war es etwas schwierig, da eine riesige Menschenmenge für zwei Stunden in der Halle eingepfercht war, die Alle auf PRODIGY gewartet haben. Sie waren natürlich in so einer Situation nicht gerade begeistert, noch einen DJ vorgesetzt zu bekommen, aber unter den Umständen war es ganz O.K..
Entry: So etwas ist in Deutschland auch ungewöhnlich, wohl im Gegensatz zu England. Dort wird dieser Programmablauf wohl eher akzeptiert als hier, wo Alle nur auf die Band warten. Schade eigentlich...
Mr. S.: Es ist vom Publikum ein wenig zynisch, da PRODIGY keine 5 Stunden spielen werden und man die Zeit zwischen den Gigs ja mit irgend etwas füllen muß. Aber auf den anderen Konzerten war es auch viel besser, zum Beispiel in Hannover.
Entry: Bist Du das erste mal in Deutschland?
Mr. S.: Ja, bis jetzt bin ich nur einmal in Frankfurt, auf dem Weg nach Norwegen, zwischengelandet. Ich habe mich darauf gefreut, war dann aber doch ein wenig geschockt.
Entry: Warum?
Mr. S.: Man hört in England so viel von der deutschen Dance-Szene, das Techno hier wirklich zu Hause ist und die Leute offen dafür. Bei unseren Gigs haben wir für mein dafürhalten ganz ordentlichen Techno gespielt, aber die Reaktion war doch etwas befremdlich. Ich denke aber, das dies in Clubs wirklich anders aussehen wird, in Berlin war es ein reines Konzertpublikum.
Entry: Das denke ich auch, denn hier gibt es ja wirklich genug riesige Dance-Events, auf denen 12 Stunden durchgetanzt wird. Hast Du eigentlich eine Erklärung dafür, das es in England so viele brillante Techno-Acts gibt, und in Deutschland größtenteils nur den bekannten Bum-Bum-Techno Marke Viva? Warum gibt es hier keine APHEX TWIN oder UNDERWORLD?
Mr. S.: Tja, da habe ich auch keine Erklärung für.... Vielleicht liegt es an dem zeitlichen Vorsprung, den England in Sachen Dance-Szene hat, auf der Insel ist dies möglicherweise schon viel früher losgegangen, als in Deutschland. Eventuell gibt es hier in ein oder zwei Jahren auch bessere Acts.
Entry: Kennst Du denn deutsche Projekte aus dem Bereich?
Mr. S.: Eigentlich nicht, der Einzige, der mir einfällt ist Sven Väth, der DJ. Er leistet wirklich gute Arbeit.
...es folgten ein paar wenige Lästereien über Kollegen wie SCOOTER oder TECHNOHEAD, aber ganz harmlose.....
Entry: Wie sehen denn Deine Pläne für die Zukunft aus?
Mr. S.: Als Nächstes geht es mit PRODIGY zu ein paar Gigs in Irland. Danach geht's direkt weiter mit EMPIRION durch England, Norwegen und Schweden.
Entry: Aha, reine EMPIRION-Auftritte?
Mr. S.: Ja, zunächst natürlich mit etwas DJ-Arbeit von mir, und dann mit EMPIRION on Stage.
Entry: Und wie so ein Auftritt dann aus, gibt es visuelle Unterstützung oder Live-Musiker?
Mr. S.: Zunächst versuche ich als DJ eine bestimmte Atmosphäre zu schaffen, und wenn wir auf der Bühne stehen werden wir von Videoprojektionen unterstützt, es gibt aber keine Tänzer oder ähnliches. Oz spielt dazu aber ein wenig Live-Gitarre und wir haben auch einen Live-Drummer. Aber zurück zu unseren Plänen: Anfang `97 wird es eine neue Single von uns geben, die "Beta" heißen wird. Auf der ersten Seite gibt es den neuen Song zu hören, der ziemlich metallen und mit Breakbeats versehen ist, und auf der anderen Seite sind drei Remixe von "Ciao", unter anderem von LFO. Und im März oder April sollte unsere Zusammenarbeit mit NITZER EBB herauskommen, wenn Alles gut geht.
Entry: Lebst Du eigentlich immer noch draußen in Essex oder bist Du mittlerweile nach London gezogen?
Mr. S.: Nein, bloß nicht. In Essex, wo ich wohne, ist es ruhig, dort ist die Luft gut und die Leute freundlich. Sollte ich einmal das Bedürfnis haben, nach London zu fahren, dann geht das ziemlich einfach. Aber London liegt mir wirklich nicht. Die Szene dort ist in den letzten Jahren immer nerviger geworden, die Menschen ziehen sich immer verrückter an, ohne einen schrillen 2000 Pfund-Fummel wirst Du in den Clubs gar nicht mehr angesehen. Versuch `mal, mit Turnschuhen und Jeans in einen Club zu kommen. In Manchester ist das schon ganz anders. Dort ist die Szene noch nicht so abgedreht, Du kannst herumlaufen, wie Du willst und wirst trotzdem akzeptiert. Darüber hinaus sind die Leute viel lustiger und freundlicher.
Entry: Armes London. Nur noch eine letzte Frage: Stimmt es, das Du zusammen mit Liam von PRODIGY vor Jahren Autos gewaschen hast?
Mr. S.: Im Prinzip schon. Wir haben uns in der Autowerkstatt meines Bruders kennengelernt, wo er draußen Autos wusch, während ich drinnen arbeitete. Nach dieser Zeit haben wir uns dann aber wieder aus den Augen verloren. Ich fing mit meiner Arbeit als DJ an und Liam startete PRODIGY, die dann ja immer größer wurden. Auch bei mir entwickelten sich die Dinge ganz positiv, so daß Liam sich eines Tages wieder meldete, und fragte, ob wir nicht einmal zusammen etwas machen sollten. Und so ist es bis heute geblieben, auch wenn sich die Szene etwas verändert hat seit dem. Die Veränderung war aber gut, denn mittlerweile gibt es nicht mehr diese strikte Trennung zwischen den verschiedenen Lagern, wie es vor Jahren `mal war, heute sind die Leute offener, Alles geht, und das ist gut so.
Entry: Ein prima Schlußwort. Viel Spaß bei Deiner Arbeit heute Abend und Alles Gute für Eure weiteren Pläne. THANX!!!
3. ON THE WAY TO THE STADTHALLE
O.K., das Ganze war vielleicht ein wenig zu lang geworden, aber manchmal vergißt man die Zeit schon mal. Jetzt hieß es aber erst mal, keine Zeit mehr zu verlieren, denn eine Stunde später stand in der Stadthalle Offenbach bereits unser nächster Interviewtermin. Irgendwie schlugen wir uns durch das ganze Frankfurter Autobahngewühl und fanden auf wundersame Weise das Zielobjekt. So voll, wie wir gedacht hatten, war es noch nicht, vielleicht lag es an den eisigen Außentemperaturen. Da sich der Soundcheck in der Halle verzögerte und sich das Abholen der Karten an der Abendkasse als ziemlich schwierig erwies - aufgebrachte Fans sowie gereizte Ordner machten diesen Job zu einem Überlebenstraining- verbrachten wir doch einige Zeit länger im Offenbacher Gefrierschrank. Als wir dann jedoch in die Halle gelassen wurden und uns der Tourmanager Mr. Rex Sergeant empfing, wußten wir, das wir uns bald zu unserem Termin im Backstagebereich bei EBOMAN einfinden würden.
Im Raum der Band kam uns erst einmal ein wohlbekannter Geruch entgegen ( und es war nicht der von frisch gebrütem Kaffe.....), dann wurden wir von Ebowoman begrüßt, die uns verriet, daß sie kein Instrument spielen würde, außer dem EBOMAN selbst. Der kam nach Beendigung des Soundchecks dazu, und wir erfuhren einiges Interessantes vom EBOMAN persönlich, der im wirklichen Leben übrigens Jeroen Hoffs heißt und mit " Donuts with Buddha" seine erste CD vorstellte...
4. THE FASCINATING WORLD OF SAMPLING
Endlich einmal eine Ausnahme in der immer gleichen Flut von Veröffentlichungen stellte EBOMANs "Donuts with Buddha" dar, auf der die verschiedensten Elemente der Musik zu einer faszinierenden Melange zwischen Trip Hop, Industrial, Jazz, Trance u.s.w...zusammengefügt werden. Einen entscheidenden Kick geben dem Ganzen dabei die verwendeten Samples, die von Jeroen Hoffs mit solcher Phantasie und Konsequenz eingesetzt werden, wie von kaum einem anderen Künstler. Nicht umsonst steht auf der aktuellen CD unter anderem "Sample Madness". Über diesen Spleen, über seine Fähigkeit, die ganzen Elemente zu einem groovigen Mix zu verarbeiten und vieles mehr unterhielten wir uns mit dem EBOMAN.
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Entry: Warum heißt Deine CD " Donuts with Buddha"? EBOMAN : Warum? Als ich mit dem Samplen anfing, gab es noch keine Möglichkeit, diese auf digitalem Weg zu speichern, also mußte ich Alles auf Kassette aufnehmen. Die meisten der Samples kamen aus Spielfilmen, und auf einem der ersten Tapes, das ich vor sechs bis sieben Jahren aufnahm, endete ein Samplefetzen mit dem Satz: "...it`s too late, they´re already having donuts with buddha." Ein ziemlich verrückter Satz, also ein guter Satz, um ihn zu samplen. Ich benutzte diesen Satz dann als Intro für den gleichnamigen Song, nur wegen des verrückten Inhalts. Wenn ich denke, das etwas zu einem Song paßt, dann benutze ich es, ohne das es irgend etwas bedeuten muß. Entry: Was sind denn heute die Hautquellen für Deine Samples? |
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EBO : Eigentlich alles. Mittlerweile habe ich eine riesige Tapesammlung mit allen möglichen Samples, die stammen von überall her von der Straße, aus dem Studio und so weiter. Auch von Synthesizer können sie stammen, und aus meiner Plattensammlung. Die visuellen Samples stammen natürlich vor allem aus Filmen und Videos.
Entry: In Deiner Live-Performance sollen ja die gehörten Samples synchron mit den Videosamples auf der Leinwand sein. Ist es schwer, diese Synchronität hin zu bekommen?
EBO : Wenn Du samplest bist Du nicht eingeschränkt in dem, ob Du einen Baß oder ein Saxophon samplest oder aber einen Autounfall oder eine schreiende Frau. Dann ist es nur noch ein kleiner Weg, das Geräusch eines verunglückenden Autos abzuspielen und gleichzeitig das dazu passende Bild zu projizieren. Und da ich schon immer aus Filmen gesampelt habe, dachte ich mir, warum nur das Geräusch benutzen, wenn man auch das Bild dazu zeigen und damit spielen kann.
Entry: Also mußt Du ja eine riesige Videosammlung zu Hause haben.
EBO : Na ja, nicht so groß. Das Schwierigste bei der ganzen Sache ist die Technik. Im Kopf ist der Schritt vom Video- zum Audio-Sample nur klein, das komponieren dieser Elemente ist dann auch keine große Sache mehr, technologisch ist dieser Schritt aber sehr groß. Für mich ist das Herstellen von Videosamples erst seit Januar `96 möglich, seit ich mir einen Mackintosh- Computer zulegen konnte. Erst seit diesem Zeitpunkt kann ich richtig mit diesen Videosamples arbeiten.
Entry: Du bist ja auch Graphikdesigner, was bei Deiner Arbeit sicher auch hilfreich war.
EBO : Ja, ich habe Graphikdesign mit der Fachrichtung " Bilder, Medien und Technologie" studiert, also Graphikdesign für Computer, Internet, CD ROM und diese Geschichten.
Entry: Auf Deiner CD kommen ja alle möglichen Musikstile mit Zitaten vor, Trip- Hop-Elemente, Jazz, technoide Einflüsse u.s.w.. Woher stammen Deine musikalischen Einflüsse?
EBO : Grundsätzlich gab es drei Gründe, warum ich angefangen habe, Musik zu machen.... drei? Nein, eigentlich waren es vier. Das erste war zu samplen, damit hab ich mich schon immer beschäftigt, zu Beginn noch analog, aber mit 14 habe ich mir dann meinen ersten Sampler gekauft. Der zweite Grund waren die Gitarren, denn ich mochte Gitarren und Gitarrenlärm sehr. Bands wie die PIXIES waren meine Favoriten auf dem Gebiet. Als ich mich mit dem Sampling beschäftigte, kam ich ziemlich schnell auch zu Acid und Trip Hop, dies war der dritte Grund. Und viertens war ich schon immer von Rhythmus begeistert. Wenn Du auf diese vier Gründe siehst, dann bist Du nicht besonders eingeschränkt in Deiner Musikgeschmack, Du kannst Dir aus vielem das beste heraussuchen. Diese Elemente findest Du nun mal in vielen Musikstilen, in frühem Funk genau so wie in der Musik aus Indien oder Afrika. Die Beschäftigung mit dem Samplen eröffnet Dir die Möglichkeit, überall einen Rhythmus zu entdecken, in zerbrechendem Glas, in Schreien, wenn jemand niest, und dann wird Alles zu Musik. In diesem Sommer sollte ich im Auftrag eines niederländischen Fernsehsenders ein Interview mit dem Videoclip-Regisseur Chris Cunningham, der zum Beispiel mit AUTECHRE Clips gedreht hat, machen. Wir haben während des Interviews dann alle möglichen Geräusche aus Chris herausgeholt, ihn als Synthesizer benutzt, es war eine sehr spaßige Sache. Meine Haupteinflüsse, um auf die Frage zurückzukommen, waren aber der frühe Acid und Hip Hop, noisige Gitarrenbands, Funky Jazz und Schwarze Musik, sowie ein wenig psychedelische Musik.
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Entry: Bist Du während dieser Tour mit PRODIGY zum ersten Mal live aufgetreten? EBO : Nein, meine erste Peformance fand im Mai `95 statt. Musik habe ich eigentlich schon immer gemacht, aber zuerst für mich alleine, weit weg von der Zivilisation, auf einem Bauernhof, auf dem ich damals lebte. Danach zog ich erst nach Utrecht, und jetzt lebe ich in Amsterdam, wo man doch ein wenig mehr in Kontakt zur Außenwelt steht. Hier habe ich dann auch meinen ersten Live Auftritt gehabt. Und jetzt gibt es ja auch endlich die erste CD. |
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Entry: Dies ist also Deine erste Veröffentlichung?
EBO : Nicht ganz, vor Jahren habe ich mal Beiträge auf einer CD mit sogenanntem "Sampled-Jazz" gemacht, aber dies ist meine wirklich erste eigene CD.
Entry: Wie bist Du denn auf dem XL-Label von PRODIGY gelandet?
EBO : Ich habe Anfang `96 die "Donuts with Buddha" schon einmal bei Play-it-again-Sam aus Belgien heraus gebracht. Damals waren es nur 4 Tracks. jetzt sind es ja , glaube ich ......
Entry: Neun!
EBO : Genau, neun. Play-it-again-Sam hatten einen guten Kontakt zu XL-Records, so das die sich eines Tages bei mir gemeldet haben, weil ihnen meine Sachen anscheinend gefielen.
Entry: Bist Du denn mit der Reaktion des Publikums zufrieden? Wie haben sie auf Deine ungewöhnliche Show reagiert?
EBO : Die Reaktionen, oh, die waren sehr gut, sehr enthusiastisch! Viel besser, als ich jemals erwartet hätte. In Holland habe ich gerade einen Kunstpreis gewonnen, ich wurde als bestes niederländisches "Techno"-Debut ausgezeichnet, erstaunlich! Es ist dort faßt schon ein Hype.
Entry: Schön! Wie sieht es denn in Holland mit der Szene insgesamt aus, scheinbar gibt es dort auch überwiegend Leute in der Techno-Szene?
EBO : Ja, in Holland ist es ziemlich techno und ziemlich house, Gabba und Mellow dominieren. Vor allem Power-Sachen werden gehört, frei nach dem Motto " our happy hardcore". Deshalb ist EBOMAN in Holland auch so aufgefallen, weil es sich sehr englisch angehört hat und niemand dachte, das so etwas aus Holland kommt. Im House- Bereich gibt es eine ganz gute Szene, was aber Trip Hop, Jungle oder Sample Madness angeht, so läuft dort nicht viel.
Entry: In Deutschland sieht es da auch nicht anders aus. In England läßt es sich da schon besser leben.
EBO : Jo, dort gibt es ja auch eine ganz andere Tradition. Da hat es Holland schon schwerer.
Entry: Kommen wir `mal zu dem Namen EBOMAN. Wo kommt der her?
EBO : Ich habe keine Ahnung, was der Name bedeutet, ich weiß nur, daß es in Afrika einen Stamm gibt der "Ebo" heißt, und das der Anführer dieses Stammes eben der "Eboman" ist. Ich habe den Namen aber eigentlich von einer Jazz-Fusion Platte von David Newman. Die Platte heißt "Mr. Fathat", und auf dieser Scheibe gibt es einen Song namens "Eboman", der wirklich gut ist. Ein Freund, dem ich unter anderem einmal diesen Song aufgenommen habe, fing dann irgendwann damit an, mich EBOMAN zu nennen.
Entry: Wie ist es eigentlich, mit PRODIGY zu touren, hast Du sie schon kennen gelernt?
EBO : Oh, es ist wirklich toll, mit PRODIGY unterwegs zu sein, man wirklich viel von ihnen lernen. Der Zugang der Engländer zur Musik ist doch ein ganz anderer, sie sind so direkt und wissen, was sie wollen, außerdem arbeiten sie wirklich sehr professionell. Sie sind sehr nett und begeistert von meiner Sache, so wie ich von ihnen begeistert bin.
Entry: Wirst Du sie noch auf weiteren Gig`s begleiten?
EBO : Sie haben mich gefragt, ob ich sie auch in England begleite...
Entry: Dann wirst Du ja wahrscheinlich ein ganz anderes Publikum erleben..
EBO : Das glaube ich auch, das Publikum ist dort doch etwas anders. In Holland habe ich schon mal auf dem Dynamo-Open-Air gespielt, das war soooo toll! Tausende von fanatischen Heavy-Metal-Fans zu erleben ist schon etwas besonderes. Als ich auf die Bühne kam, waren sie erst etwas reserviert, aber dann flippten sie total aus, die Stimmung war super, wie immer dort!
..... Prima Sache dort, keine Frage. Wir schlichen aber erst einmal in die Halle, um die Bühnenshow von EBOMAN in ganzer Länge zu bewundern. All das, was man vorher darüber gehört oder gelesen hatte, wurde noch in den Schatten gestellt, denn ein von treibenden Beats gepushtes Trance- Noise- Gewitter entlud sich über unseren Köpfen. Selbst die nur auf PRODIGY wartenden skeptischen Fans wurden immer mehr in den Bann der Performance gezogen. In Verbindung mit den visuellen Effekten, die verblüffenderweise wirklich synchron zu den gehörten Samples waren- wenn man einen Formel 1 Wagen vorbei rasen hörte, dann sah man ihn auch- bot sich ein wirkliches Multi-Media-Ereignis. Und der EBOMAN selbst sprang wie wild über die Bühne, drückte mal diesen Knopf und bediente mal jenen Regler und schien ein komplett anderer Mensch geworden zu sein. Nachdem der EBOMAN-Dauerbeschuß ein Ende genommen hatte, fanden wir uns für ein paar abschließende Fragen noch einmal hinter der Bühne ein.
Entry: Na, wie geht's, es sah so aus, als ob Du jede Menge Arbeit auf der Bühne gehabt hättest?
EBO : Nun, es geht, was ich auf der Bühne mache ist eigentlich eine Art komplexes Dj-ing. Ich programmiere auf der Bühne ja nicht mehr irgendwelche Beats, ich muß eigentlich nur auf vier Layer aufpassen, auf den Syntesizer-Layer, den Sample-Layer, den Video-Layer und der Layer für die Live Musiker. Dazu muß ich dann auf den Video-Mixer und den Audio-Mixer achten, mit denen ich Alles kontrolliere und zusammensetze.
Entry: Es gab auch eine Live-Kamera, die integriert wurde. Wie ist das denn möglich?
EBO : Auf der Bühne ist ein Mensch, der mit der Kamera herumläuft und Alles filmt, zum Beispiel die Live-Musiker. Ich habe dort neben dem Mixer auch noch zwei Videorecorder und einen Videocomputer. So kann ich zwischen den verschiedensten Quellen auswählen, die mir zur Verfügung stehen und so das auf die Leinwand projizieren, was ich möchte.
Entry: Wer hat die Videos zusammengestellt, die Du benutzt hast?
EBO : Das Meiste habe ich mit einem Freund zusammen hergestellt.
Entry: Möchtest Du die Leute mit Deiner Show in eine bestimmte Stimmung versetzen?
EBO : Mir ist wichtig, das die Musik, die manchmal ja ziemlich rauh klingt, trotzdem eine positive Stimmung erzeugt, vielleicht eine Form von positiver Aggression.
Entry: Auf jeden Fall waren die Leute von Deiner Show begeistert, hast Du davon etwas mitbekommen?
EBO : Ja, ein wenig schon. An der Bühne waren auch einige niederländische Fans, die mich immer mit meinem Namen "Jeroen" gerufen haben. Am Ende der Show ging ich zu ihnen und habe ihnen das niederländische Wort für "Idioten" zugerufen, leider ist es aber das gleiche wie auf Deutsch, so daß ein paar Besucher doch etwas verdutzt geguckt haben.
Entry: Allzu viele Fans hat das hoffentlich nicht gekostet! Vielen Dank für das nette Interview und weiter so! Viel Glück!
5. THE END
Was jetzt noch folgte war der geniale Auftritt der PRODIGY- Gang, aber das ist eine andere Geschichte. Gegen vier Uhr tauchten auf jeden Fall wieder die Ortsschilder unserer Heimatstadt vor uns auf....
P.S.: Der DJ-Auftritt von Mr. Jamie Smart wurde in Offenbach ganz gut angenommen, was er aber auch dicke verdient hatte. Die Hessen sind `halt doch ein prima Völkchen.....
Interviews: AX,CC
Chauffeur: LS