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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Evereve

 

Nachdem EVEREVE (übrigens einem Gedicht aus Tolkiens "Herr der Ringe" entlehnt) schon zahlreiche Konzerte mit Bands wie MY DyING BRIDE, CREMATORY und PARADISE LOST absolviert haben, erfreuen uns die sechs Leute aus Süddeutschland mit ihrem neuen Album "Seasons". Grund Genug für uns, Euch die Band ein wenig näher zu bringen.

Entry: Wie kamt Ihr dazu, Musik zu machen?

Michael: Diese Frage kann ich nur für mich persönlich beantworten, aber ich nehme mal an, daß es bei allen ungefähr gleich ablief. Man beginnt damit, sich für bestimmte Bands und damit auch für bestimmte Musikrichtungen zu interessieren. Hinzu kommt die Tatsache, daß man aus irgend welchen Gründen damit begonnen hatte, ein Musik8instrument zu lernen und dies auch weiterhin zu tun. Zusammen ergibt sich daraus der Wunsch, nicht nur zu konsumieren, sondern auch zu produzieren. Man gründet seine ersten Bands und experimentiert mit eigenen Sounds und Vorlieben, bis man irgendwann weiß, was man will, und seinen individuellen Sound und Stiel gefunden hat.

Entry: Wann begannt Ihr als Band?

Michael: Ursprünglich war EVEREVE als Projekt geplant, da ich nach fast 10 Jahren Klavieruntericht mal Lust hatte, Schlagzeug zu lernen. Die anderen hatten auch gerade nichts zu tun und Lust auf Doom-Metal. Dies war etwa im Sommer 1993. Nach einiger Zeit und dem ersten Demo stellten wir fest, daß die Sache für uns immer wichtiger wurde, und wir begannen ein "ernsthaftes" Line-Up zu suchen (und ab dem Frühling 1995 gingen wir dann als richtige Band zur Sache. EVEREVE in der heutigen Form als ernsthaft betriebene Band gibt es also seit fast zwei Jahren.

Entry: Euer im Januar 1997 erscheinendes neues Album "Seasons" scheint eine Art Konzeptalbum zu sein. Sag doch mal etwas dazu.

Michael: Schon bevor relativ plötzlich die ganzen Angebote der Plattenfirmen bei uns eintrudelten, schwirrte in unseren Köpfen die Idee herum, die Jahreszeiten zu vertonen. Dieses Thema ist ja nicht gerade neu, aber wir wollten die ganze Sache nicht zu Eng fassen. Die Musik und die Texte sollten zwar durchaus einen Bezug zu den verschiedenen Stimmungen haben, die durch den Wechsel der Jahreszeiten in der Natur und auch bei Menschen erzeugt werden, das ganze wird aber auch als allgemeiner Rahmen für andere Inhalte benutzt. Auf der Grundlage des Jahreszeitenkonzeptes geht es dabei um Liebe, um Vergänglichkeit bis hin zu philosophischen Anklängen, die sich mit der menschlichen Existenz als Ganzes beschäftigen. Dabei sind die Texte absichtlich so gehalten, daß sie auf jeder Ebene ins Konzept passen, aber auch jeder Text alleine betrachtet werden kann. Wir verwenden viele Metaphern und Beschreibungen, um Raum für eigene Interpretationen zu bieten. Man kann das Ganze also schlicht und einfach als vier Abschnitte eines Jahres betrachten, aber auch als die Jahreszeiten des Lebens, oder die Jahreszeiten einer Liebesbeziehung, oder ..., oder .... Es steckt wie gesagt die Idee dahinter, Mithilfe etwas Konkretem etwas Abstraktes, Allgemeines auszudrücken, das jeder anders deuten kann, je nach persönlicher Interpretation. Diese Idee wird übrigens auch durch das Cover verdeutlicht. Es steht zwar durchaus im Zusammenhang mit den Texten, aber es ist gleichzeitig absolut offen für individuelle Deutungen.

Entry: Eure Musik könnte man als Doom mit Gothic-Einflüssen beschreiben. Wie siehst Du das?

Michael: Natürlich muß man eine Schublade finden, damit die Leute wissen, wo man hingehört. Insofern finde ich deine Beschreibung ganz passend, wir drücken es meist auch in dieser Form aus. Grundsätzlich gilt, daß wir alle sechs Individualisten sind, die auch verschiedene Musikalische Vorlieben haben. Die Songs werden zum Großteil von Thorsten und mir geschrieben, und wir stehen ziemlich auf Gothic, somit stimmt das mit den Gothic-Einflüssen sicherlich. Beim Arrangement sind aber alle Bandmitglieder beteiligt, so daß sich auch progressive oder gar Black-METAL-Einflüsse in unserem Sound wieder finden.

Entry: Wer sind Eure musikalischen Vorbilder?

Michael: Das ist sicherlich bei jedem verschieden, bedingt durch unsere unterschiedlichen Geschmäcker. Als gemeinsame Vorbilder könnte man sicherlich die Bands bezeichnen, die es musikalisch ausgezeichnet verstehen, bestimmte Atmosphären in Töne zu fassen. Dazu zählen unserer Meinung nach z.B. Pink Floyd, Lacrimosa oder Fields Of The Nephilim.

Entry: Ihr spielt auch in anderen Projekten mit. Welche sind das?

Evereve Michael: Im Moment konzentrieren wir uns eigentlich alle ausschließlich auf EVEREVE. Einzelne Mitglieder machen zwar hin und wieder noch nebenher Musik, aber die Bezeichnung "Projekt" ist zu hoch gegriffen. Mir persönlich schwebt mal irgendwann eine EBM/Dark Wave Geschichte vor, die ich zusammen mit Tom realisieren möchte, aber momentan fehlt und dafür die Zeit.

Entry: Eure Musik hat sich im Laufe der Zeit ziemlich gewandelt. Woran liegt das?

Michael: Der traditionelle Doom-Metal wurde uns auf die Dauer einfach zu eindimensional. Hinzu kam die Tatsache, daß sich auch die neuen "Bandmitglieder" am Songwriting und Arrangement beteiligten und ihre unterschiedlichen musikalischen Vorlieben mit einfließen ließen. Wir können selbst nicht sagen, wie sich die Sache entwickelt. Das nächste Album wird mit Sicherheit ein Stück weit dem Stiel des Debüts fortführen, es wird aber nicht "Seasons Part 2" sein ...

Entry: Viele Bands, die früher sehr hart waren, nehmen immer mehr Gothic-Elemente in ihre Musik auf. Wo liegt Deiner Meinung nach der Grund dafür?

Michael: Schwierige Frage. Vielleicht werden sie erwachsen und haben das Gefühl für Melodie entdeckt (kleiner Scherz). Ich denke, daß es durchaus auch Bands gibt, die ein wenig auf den gerade boomenden Gothic-Trend schielen und sich ein Stück vom Kuchen sichern wollen. Der Großteil der Bands hat sich aber meiner Meinung nach weiterentwickelt und die Gothic-Elemente stellen eine natürliche Folge dar, da es bei genauerer Betrachtung durchaus Gemeinsamkeiten zwischen Death-Metal und Gothic gibt, wie ich finde.

Entry: Ihr seid jetzt bei Nuclear Blast gelandet. Wie kam es dazu?

Michael: Das ging eigentlich alles relativ schnell. Wir haben Anfang ’96 ein neues Promotape aufgenommen und verschickt. Nach guten Resonanzen in der Presse bekamen wir schließlich ein Angebot eines kleineren Labels und eines von Hall Of Sermon, dem Label von Tilo Wolff (Lacrimosa).Es folgten relativ bald noch 2-3 Angebote und Interessensbekundungen von größeren Firmen. Nach einigen Gesprächen lief alles auf eine Entscheidung zwischen Nuclear Blast und Hall Of Sermon hinaus, wobei wir uns auf Grund der besseren Möglichkeiten für Nuclear Blast entschieden. Diese Entscheidung fiel uns wirklich nicht leicht. Wir sind zwar mit Nuclear Blast 100%ig zufrieden, aber mit Hall Of Sermon und Tilo0 Wolff verbinden uns auch persönliche Gründe.

Entry: Wann können wir Euch live sehen?

Michael: Wir wollen auf jeden Fall touren, und da wir fast alle studieren, müßten wir das auch zeitlich irgendwie auf die Reihe kriegen. Wir sind natürlich als Newcomer auf gute Resonanzen von Presse und Fans angewiesen, um auch für Live-Sachen gute Angebote zu kriegen. Ich muß allerdings betonen, daß wir uns als absolute Live-Band sehen und uns glücklicherweise auch schon einen guten Ruf erarbeiten konnten. Dieses Jahr gibt’s noch einen Gig mit Cathedral in Frankreich und einige kleinere Sachen. Für nächstes Jahr versuchen wir den Support -Slot für die Anathema Tour zu kriegen. Darüber hinaus versucht Nuclear Blast uns zusammen mit Amorphis 4 Wochen durch Europa zu schicken, was natürlich für uns der Hammer wäre... Vielleicht hast du ja auch Lust einen Gig für uns zu organisieren...

Entry: Was habt Ihr für die Zukunft geplant? Was sind Eure Wünsche für die Zukunft?

Michael: Außer einer Tour wollen wir auch versuchen im Sommer an ein paar Festivals heran zu kommen, außerdem wird es relativ wahrscheinlich ein Video geben. T-Shirts gibt es noch dieses Jahr. Ansonsten werden wir neues Material schreiben, um höchstwahrscheinlich wieder ein Konzeptalbum aufzunehmen. Das Thema ist noch offen, eventuell die Elemente (auch nicht gerade neu, ich weiß)

Entry: Wollt Ihr unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Michael: Support the underground! Kauft Fanzines und unterstützt kleine Bands. Versucht tolerant zu sein und hört mal in "Seasons" rein. Allen Leuten, die uns kennen und mögen sei hiermit ein Gruß und ein herzlichen "Danke schön" überbracht.

Dem kann ich auch nicht mehr hinzufügen.

Grüße und Dank gebürt Iris von Nuclear Blast, die dieses Interview ermöglichte.

M.V.

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