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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Fading Colours |
Entry: Erzählt doch mal ein wenig zu der Entstehungsgeschichte von Fading Colours; seit wann gibt es Euch usw.
De Coy: "Vor 3 Jahren wurde die Band von Leszak gegründet. Ich kam erst 1 Jahr später zu der Band. Fading Colours gab es eigentlich erst richtig, als ich zu der Gruppe stieß. Vorher sang ich in einem professionellem Chor ‘Chantores’ - dieser Chor hat in ganz Europa viele Auszeichnungen erhalten. Leszak sah mich bei einigen Auftritten in Zielona Gora und fragte mich, ob ich in die Band einsteigen möchte. Nach einer Weile habe ich zugesagt."
Entry: Wie seid Ihr zur Musik gekommen und warum habt Ihr Euch dazu entschlossen, Eure Musik zu veröffentlichen?
De Coy: "Wie Leszak mir erzählt hat, gründete er die Band, weil er nicht fähig war, alles, was in ihm geschah, zu ignorieren. Da die Musik schon immer die beste Art war, anderen mitzuteilen, was in einem passiert, hat er Fading Colours gegründet."
Entry: Laut der CD "Black Horse" besteht Fading Colours aus 4 Personen. Ist das noch immer so und wer von Euch hat welche "Funktion"?
De Coy: "Leszak und ich sind hauptsächlich für die Musik verantwortlich. Wir haben die Gitarrenstücke auf der "Black Horse" gemacht und Tytus de Ville komponierte die Keyboard-Parts. Wir haben alle unterschiedliche Musikgeschmäcker und diese helfen uns, unsere Wünsche zu realisieren. Wir können miteinander reden und auch wenn unterschiedliche Meinungen da sind, kommt es nicht zu Gewaltausbrüchen. Wir wollen unsere Musik öffnen, um die Inspirationen, die wir von anderen Kulturen bekommen, mit einfließen zu lassen."
Entry: Wie entstehen Eure Stücke und wir würdet Ihr selbst Eure Musik beschreiben?
Leszak: "Unsere Musik? Wir fühlen sie sehr metaphysisch. Es ist eine mystisches Seelenleben, und wir nehmen die direkten Inspirationen für unsere Musik. Unsere Musik ist alles, außerhalb des Alltags, unsere Träume, Ängste, Rache, unser Schicksal und der Tod. Das ist der Schwerpunkt in unserer Musik und daraus besteht auch die ‘Black Horse’. Wir hören oft, daß wir Gothic spielen. Aber ich weiß nicht, ob wir, wenn wir eine zweite CD aufnehmen, noch immer hören, daß wir eine Gothic-Gruppe sind. Was ist Gothic eigentlich für uns? Für mich und De Coy ist es Liebe, Tod, Wünsche, Rache und Haß."
Entry: Worum geht es textlich auf "Black Horse"?
De Coy: "Für ‘Black Horse’ wurde ich durch einen Traum inspiriert. Dieser Song hat mehr als eine Bedeutung, reflektiert den Charakter des gesamten Albums."
Entry: Wie wichtig sind Euch Eure Texte und worum handelt es sich bei ihnen?
De Coy: "Unsere Lyrics sind für uns sehr wichtig. Besonders, da wenn die Songs durch Träume inspiriert wurden. . Reale Wörter haben keinen direkten Einfluß auf die Texte der Band. Eine Welt der Emotionen steht im Zusammenhang zu unseren Träumen und ist der ‘Schlüssel’ in unserer Musik, es ist der wichtigste Faktor. Wir wollen nichts darüber erzählen, was um uns herum geschieht, weil dies die meisten Gruppen machen und nichts ändert sich. Träume sind absolut einmalig und sagen so viel über unsere Individualität, daß ich denke, daß es auf der ganzen Welt keine bessere Inspirationsquelle gibt."
Entry: Was hattet Ihr für Reaktionen auf "Black Horse" und "Lie"?
Leszak: "Im allgemeinen sind wir über die Akzeptanz von ‘Black Horse’ sehr zufrieden, besonders in Deutschland."
Entry: Euer Debütalbum wurde von Jean Pierre, dem Studioproduzent von Love Like Blood, gemastert. Wie kam es dazu?
De Coy: "Das ganze startete aufgrund eines Treffens mit Love Like Blood. Den ersten Kontakt zu ihnen hatten wir im Mai ‘93, da haben wir nur ein Video zu ‘Heroes’ gemacht und haben die Gelegenheit genutzt, als sie ein Konzert in Warschau gaben, dort als Vorband zu spielen. Einen Monat später hat Gunnar mir ein Fax gesendet, daß er an unserem Material, dem ‘Black Horse’-Demo, interessiert sei.. Zum Schluß entschlossen wir uns, das Album in Polen aufzunehmen und es bei den Impuls Tonstudio in Hamburg zusammen mit Jean Pierre abzumischen."
Entry: Die meisten Bands haben auf ihren MCD’s immer noch zusätzliche Stücke. Auf der Maxi "Lie" befinden sich jedoch nur Stücke, die auch auf "Black Horse" zu finden sind. Habt Ihr nicht daran gedacht, auf der Maxi ein neues Stück zu veröffentlichen?
De Coy: "Wir hatten keinen anderen Song, den wir auf diese Platte hätten nehmen können - der einzige Weg war also, die Demoversionen von ‘Black Horse’ und ‘Love’ zu nehmen."
Entry: Ihr kommt ja aus Polen. Gibt es dort auch eine "Underground"-Szene? Wenn ja, beschreibt diese doch mal kurz.
Leszak: "Es gibt einige Leute, die diese Art der Musik hören und es gibt ein paar Bands, die diese spielen, aber man kann sicherlich nicht über eine ‘Gothic-Szene’ in Polen sprechen. Ich denke, daß es in Deutschland eine Art der sozialen Bewegung ist, es gibt Clubs, Fanzines, Festivals usw. So etwas gibt es in Polen nicht. Als unser Video im polnischen Fernsehen gesendet wurde, lief es zwischen einer Metal- und einer Popband, da kein getrenntes Programm da ist - genauso ist es mit dem Radio und der Presse. Unsere Musik - und Gothic im allgemeinen - ist nicht so etabliert und daher gibt es keine Chance, mehr Leute zu erreichen. Die meisten Leute verbinden das Wort ‘Gothic’ lediglich mit den ‘Sisters of Mercy’."
Entry: Wie werdet Ihr vom polnischen Publikum aufgenommen?
De Coy: "Sicherlich haben wir eine Menge Fans, aber wir könnten uns nicht als ‘Stars’ bezeichnen. Unsere Videos laufen im öffentlichen Fernsehen, wir geben Konzerte in verschiedenen Clubs und spielen auch auf großen Festivals. Wir haben eine gute Resonanz von der presse und von DJ’s - aber das ist nicht weiter verwunderlich, da wir auf dem polnischen Markt bereits seit ein paar Jahren existieren und diese Situation ist das Ergebnis sehr harter Arbeit. Heute konzentrieren wir uns aber mehr auf den europäischen, als auf den polnischen Markt."
Entry: Was erwartet Ihr vom deutschen Publikum?
De Coy: "Das selbe wie in Polen: wir wünschen uns, daß das deutsche Publikum unsere Musik hört und zu den Konzerten kommt. In Deutschland gibt es für diese Art der Musik den größten Markt auf der Welt und die Leute sind sehr musikinteressiert."
Entry: Hat der politische Umbruch in Polen etwas damit zu tun, daß Ihr Musik macht, praktisch um die Leute wachzurütteln?
De Coy: "Es gibt gar keine Verbindung zwischen der politischen Situation in Polen und unserer Musik. Wie ich bereits bei Frage 7 erklärt habe, wollen wir nichts darüber schreiben, was um uns herum passiert. Es ist ein Teil unseres Lebens, der nicht so interessant ist, daß man darüber sprechen müßte."
Entry: Könntet Ihr Euch vorstellen, eine völlig andere Art von Musik zu machen, z.B. Elektro oder Klassik?
Leszak: "Ja, die MCD, die im April oder Mai erscheinen wird, enthält ganz andere Musik, aber was für welche, ist bis jetzt noch ein Geheimnis."
Entry: Auf dem "Dion Fortune Festival" waren leider nur sehr wenige Leute. Ist es ein komisches Gefühl, nur vor so wenigen Menschen live zu spielen?
Leszak: "Für uns sind 200 Leute ein sehr großes Publikum, wir waren sehr zufrieden mit dem Konzert in Köln. Für Dance or die oder Garden of delight waren 200 vielleicht zu wenig, aber für uns ist es am Anfang o.k."
Entry: Habt Ihr schon oft live gespielt?
De Coy: "Bisher hatten wir noch nicht all zu viele Konzerte, obwohl - immerhin haben wir schon mit den Legendary Pink Dots und Love Like Blood gespielt. In Deutschland haben wir zweimal mit Garden of Delight gespielt. Im August spielten wir auf einem Konzert zusammen mit Psyche auf einem Festival in Polen."
Entry: Spielt Ihr lieber live oder seht Ihr Euch eher als Studioband?
Leszak: "Wir mögen beides: Konzerte und im Studio zu arbeiten."
Entry: Werden wir Euch 1996 evtl. wieder live auf einer Tour oder im Rahmen von Festivals in Deutschland sehen können?
De Coy: "Momentan können wir dazu noch nichts genaues sagen."
Entry: Wie seid Ihr zu "Dion Fortune" gekommen?
Leszak: "Es gab 6 ‘Wunsch-Labels’ und zwei von ihnen - Dion Fortune und Nuclear Blast - waren interessant. Wir wählten Dion Fortune, da sie uns den besten Plan für die Promotion der Band gaben und dies für uns sehr wichtig ist."
Entry: Was plant Ihr für die nähere Zukunft?
De Coy: "Wir bereiten gerade Material für ein neues Album vor. Ich denke, daß es eine Überraschung wird, für diejenigen, die aufgrund der ‘Black Horse’ auf uns Aufmerksam wurden."
Zum Abschluß sei noch gesagt, daß ich schriftliche Interviews eigentlich sehr gerne habe, da man sich das langwierige Abhören der Tapes ersparen kann; dieses mal aber kann ich nur sagen, daß ich darauf hoffe, dieses fürchterliche Englisch von Fading Colours einigermaßen richtig übersetzt zu haben. Es dauerte jedenfalls doppelt so lange, wie ein Tape abzuhören und das dauert schon mindestens 2 Jahre...
M.B.