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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Fairies Fortune |
Bereits in dem Interview in der Juni-Ausgabe mit Sleeping Dogs Wake, hat uns Jens Langkniv erzählt, daß er und Karin Sherret eine eigene Band gegründet haben. Nachdem wir die CD "Snowfish" gehört haben, waren wir neugierig auf das Soloprojekt der beiden Sleeping Dogs Wakeler und hatten im Rahmen der diesjährigen Popkomm die Gelegenheit, uns mit Fairies Fortune zu unterhalten. Hier also das Interview mit ihnen...
Entry: Wie ist Fairies Fortune überhaupt entstanden?
Karin: Fairies Fortune ist aus unglücklichen Umständen entstanden. Jens und ich waren in Wales und baten Robert - dem dritten bei Sleeping Dogs Wake darum, zu uns zu kommen, damit wir eine neue Sleeping Dogs Wake-Platte aufnehmen können. Robert arbeitete jedoch gerade in London und konnte nicht nach Wales kommen. Wir begannen damit, diese Musik zu machen und somit war Fairies Fortune geboren. Wir mochten diese Musik wirklich und daher beschlossen wir, eine Band zu gründen und ihr den Namen Fairies Fortune zu geben.
E.: Und um was geht es bei Fairies Fortune?
K.: Ich weiß nicht, ob Jens das auch so ausdrücken würde, aber mit Fairies Fortune möchte ich ein Gefühl der Harmonie ausdrücken. Wenn die Menschen unsere Musik hören, sollen sie einen EFairies Fortuneekt haben, der von ihnen selbst ausgeht!
Jens.: Es geht bei Fairies Fortune so ein bißchen um moderne Märchengeschichten.
E.: Also wolltet Ihr ursprünglich eine Sleeping Dogs Wake-CD machen...
K.: Ja
E.: ...und weil Robert nicht da war...
J.: Er war für vier Monate nicht zu erreichen; so sind wir dann halt alleine ins Studio gegangen und haben an unserer Musik gearbeitet. Herausgekommen sind sehr schöne Stücke, die sehr verschieden zu Sleeping Dogs Wake sind!
E.: Obwohl wir denken, daß sie ein kleines bißchen ähnlich klingen.
K.: In Fairies Fortune ist keine Gitarre...
E.: O.K., dort ist keine Gitarre, aber vielleicht wegen Deiner Stimme...
K.: Sicherlich bin ich dieselbe Person und habe dieselbe Stimme. Kann es sein, daß wir von der Sugar Kisses sprechen?
E.: Ja
K.: Auf der Sogar Kisses sind einige von meinen Stücken, die wir für Sleeping Dogs Wake verwendet haben. Manche der Songs dieser CD sind keine typischen Sleeping Dogs Wake-Songs.
E.: Sie waren also mehr Deine eigenen Stücke?
K.: Ja, es waren gesamt vier Lieder, die meine eigene Musik waren. Und das ist vielleicht der Grund, warum Ihr meint, Fairies Fortune klänge wie Sleeping Dogs Wake. Ich denke nicht, daß die beiden Bands gleich klingen!
E.: Nein, nicht gleich, nur ähnlich.
K.: Ich denke, von den Stücken geht eine unterschiedliche Energie aus. Fairies Fortune wurde in Wales produziert - für uns beide ein neues Land Und es war ein sehr großer Unterschied, Musik in Wales zu machen anstatt in der Stadt. Auch wenn ich hier Songs für Sleeping Dogs Wake mache, ist es von der Energie her sehr unterschiedlich gegenüber der Stadt.
E.: Warum habt Ihr nicht einfach gewartet, bis Robert wieder da ist und hättest dann ganz normal eine Sleeping Dogs Wake-Platte aufgenommen?
J.: Wir sind halt Musiker, wir können es halt nicht sein lassen...
E.: Vom Grundgedanken her ist es also nichts anderes als bei Sleeping Dogs Wake?
J.: Wenn Du Dir die beiden Bands nimmst, dann sind es einmal drei Leute bei Sleeping Dogs Wake und einmal zwei bei Fairies Fortune. Es ist eine ganz andere Chemie, ob man mit zwei oder mit drei verschiedenen Menschen Musik macht. Es ist eine ganz andere Art und Weise, wie etwas passiert. Wir machen immer das, was wir gerade machen. Bei Fairies Fortune machen wir halt andere Sachen als bei Sleeping Dogs Wake, einfach weil die Details anders passieren. Es ist auf jeden Fall prima, zwei Bands zu haben - nicht nur zwei Bands, sondern auch zwei verschiedene Plattenfirmen. Man sieht etwas perspektivischer nicht so eindimensional. Es ist schon prima, mit zwei so Ansatzpunkten in der Welt zu stehen...
E.: Wie ist die Zusammenarbeit mit Gymnastic Records zustande gekommen?
K.: Wir waren mit Sleeping Dogs Wakeund Deine Lakaien auf Tour, als wir Carl von Gymnastik Records trafen. Nachdem wir unsere Musik geschrieben haben, wollten wir hierfür auch gerne einen Plattenvertrag haben. Wir dachten eigentlich nicht, daß Carl Interesse haben würde und schickten ihm das Tape, damit er uns evtl. jemanden nennen kann, der hierfür Interesse hat. Er hörte das Tape und es gefiel ihm wohl...
E.: Es hat uns sehr überrascht, als wir mitbekommen haben. daß Ihr mit Fairies Fortune nicht bei Hyperium seid!
K.: Ich denke, daß sie die Musik nicht richtig gehört haben. Sie sagten, daß es ihnen ganz gut gefällt, aber ich glaube, daß sie mit der Masse an Bands viel zu viel zu tun haben. Wir waren auch eigentlich fest davon überzeugt, daß Hyperium uns haben will, das war auch der Grund, warum wir ihnen eine gewisse Zeit gelassen hatten, sich zu entscheiden, bevor wir an andere Plattenfirmen herangetreten sind. Als wir dann keine Antwort bekamen, sind wir zu Gymnastic Records gegangen.
J.: Es ist gut, für zwei verschiedene Bands auch zwei verschiedene Plattenfirmen zu haben. Robert hat für sein Soloprojekt auch eine andere Plattenfirma.
E.: Warum wurde Under the Stars vor Snowfish veröffentlicht?
J.: Es war nicht unser Fehler. Es war nicht unsere Entscheidung, wann die CD erscheint. Erst muß die Promotion laufen, das Cover fertig sein und auch das Artwork. Die Musik der Fairies Fortune-CD war bereits fertig, als wir mit der Under the Stars anfingen. Kurz bevor wir mit der Sleeping Dogs Wake-CD fertig waren, rief Carl an und sagte uns, daß er die CD machen will. Das die CD erst so spät veröffentlicht wurde, ist irgendwie witzig, denn das Material war bereits vor einem Jahr fertig!
E.: War es wichtig für Euch, keine Gitarren zu verwenden?
K.: Ja, es war für mich sehr wichtig. Es ist hart, im Kampf gegen Gitarren zu singen. Auf den alten Sleeping Dogs Wake-Alben singe ich auf eine ganz anderen Art und Weise. Während der Zeit von Sugar Kisses hat sich meine Stimme gewandelt. Ich war mehr daran interessiert, die Sanftheit meiner Stimme zu entdecken. Auf Sugar Kisses ist die Gitarre weiter im Hintergrund. Aber ich denke, Robert ist nicht sehr glücklich darüber, was aber klar ist, da er ja der Gitarrist ist. So will er nicht im Hintergrund sein. Als wir Fairies Fortune machten, hatten wir von vornerein gesagt: keine Gitarren. Es war sehr einfach, auf diesem Album zu singen. Danach machten wir die neue Sleeping Dogs Wake-CD Under the Stars. Es war anderes, aber es war auch OK mit Gitarren zu singen, da Sleeping Dogs Wake etwas anderes ist.
C.: Hat Fairies Fortune irgerndwelche Einflüsse auf Sleeping Dogs Wake?
J.: Nein, nicht Fairies Fortune, aber die Umgebung, in der wir jetzt leben hat einen sehr großen Einfluß auf die Musik. Wir machten die letzte Sleeping Dogs Wake-Platte in demselben Haus wie die Musik von Fairies Fortune und das hatte einen großen Einfluß. Under the Stars ist eine sehr lustige Platte geworden.
K.: Wir haben Fairies Fortune vor der Sleeping Dogs Wake-CD gemacht und wir haben uns als Menschen verändert. Wir haben uns weiterentwickelt und das hatte sicherlich auch einen Einfluß auf die Under the Stars.
J.: Fairies Fortune ist für mich sehr persönlich. Es ist für mich einfacher, ein Sleeping Dogs Wake-Album zu machen, weil ich mich mehr auf die Vorstellungen anderer einlassen kann. So gibt man noch ein bißchen mehr von sich selber und seinen Vorstellungen, wie Musik zu klingen hat.
E:: Auf welche Art und Weise arbeitet Ihr zusammen?
J.: Ich habe meistens den Wunsch, Musik zu machen und füge einige Sounds zusammen und mache ein paar Samples. Ich liebe das Gefühl, Musik zu machen. Hinterher arbeiten wir gemeinsam an der Ausarbeitung der Stücke. Und dann schreibt sie die Lyrics. Im Anschluß hieran ist ein Stück geschaffen. Die deutschen Texte schreibe ich. Dies war auf der Snowfish jedenfalls so. Für unsere nächste Veröffentlichung haben wir geplant, daß sie die Hälfte der Musik macht.
K.: Wenn ein Lied fertig ist, kommen die Texte von alleine. Die Musik gibt mir eine bestimmte Atmosphäre, und diese Atmosphäre sagt mir etwas! Da ist irgendwie ein Gefühl dabei, wenn die Musik da ist, gibt sie mir ein Gefühl, daß die Wörter irgendwo geschrieben sind. Es ist nun die Aufgabe, sie zu finden. Ich weiß nicht, ob sie es sind, aber dann habe ich das Gefühl Das sind sie!
E.: Woher kommen die Texte?
K.: Die Lyrics kommen aus einer Welt, die von dieser Welt sehr verschieden ist! Sie sind ein großer Teil meiner Erinnerungen davon, daß ich in Wales lebe.
E.: Ist es für Euch ein so großer Unterschied dazu, in London zu leben?
K.: Ja, auf jeden Fall. Für mich ist es sehr viel besser. Es gibt keine Straßen, keine Autos und der See ist ein paar Schritte entfernt, es sind sehr viele Tiere und Land um uns herum - hier und da ein paar Märchen. Es ist eine sehr unterschiedliche Welt. Ich weiß nicht, wie ich das mit den Texten erklären soll. Ein Kind würde die Texte verstehen, was nicht heißen soll, daß die Texte schlecht sind, weil Kinder sie eher verstehen, als Ältere. Oft verschließen sich Erwachsene gegen alles, was keine Wirklichkeit für sie ist. Als ich noch in der Stadt lebte, hatte ich auch oft Probleme, mich mit dieser Seite des Lebens auseinander zusetzen. Um noch mal auf das Thema Stadt zurück zu kommen: als ich noch in London gelebt habe, war ich immer sehr gestreßt und als ich auf das Land gezogen bin, kam alles ganz allmählich zu mir und ich kam mit meiner eigenen Identität in Berührung! Ich habe in der Stadt viel gelernt und es war sehr interessant, aber es war eigentlich eine Maske. Ich habe mehr gelernt, seid ich auf dem Land lebe und das versuche ich mit unserer Musik den anderen Menschen zu geben. Wenn ein Stadtmensch gestreßt ist und nur ans Geschäfte denken kann, sollte er in sich selbst gehen und entspannen!
J. Wir wollten eine schöne CD machen, sozusagen eine CD, der man vertrauen kann, ohne harte Samples oder so!
K.: In einer CD-Besprechung, die mir Jens aus dem deutschen übersetzt hatte, stand: daß man, wenn man sauer auf jemanden ist und ihm am liebsten schlagen möchte, man unsere CD reinlegen soll und dann alle Agressionen verschwunden sind. Genau das ist es, was wir unserer Musik möchten!
E.: Wann plant Ihr denn, eine weitere CD zu veröFairies Fortuneentlichen?
J.: Ich denke, es wird im Frühsommer nächstes Jahr sein.
E.: Also wird es dieses Jahr nichts mehr von Fairies Fortune geben, sondern Ihr werdet nach den Konzerten Sleeping Dogs Wakedie neue Platte von Fairies Fortune aufnehmen?
K.: Ja, das ist richtig.
J.: Wir wissen jetzt auch noch nicht, was mit Sleeping Dogs Wakewird!
E.: Also wird die nächste Sleeping Dog Wake-CD auch erst nächstes Jahr erscheinen?
J.: Ja, wir wissen im Moment wirklich noch nicht, was wir machen sollen.
K.: Robert hat auch noch sein Solo-Projekt, was Ihn sehr in Anspruch nimmt. Die nächste Produktion für Sleeping Dogs Wake werden wir machen, wenn wir das Bedürfnis dazu haben, wenn wir denken, daß es der richtige Zeitpunkt ist.
E.: Ist Fairies Fortune für Euch beide wichtiger als Sleeping Dogs Wake, weil Ihr dort machen könnt, was Ihr wollt?
K. Bei Sleeping Dogs Wake sind wir darauf angewiesen, auf Robert zu warten und wie bereits gesagt, sehr mit seinen Soloprojekten beschäftigt. Die Lust und Energie, neue Musik zu machen ist bei uns da!
E.: Aber es ist kein Knackpunkt bei Sleeping Dogs Wake, daß Ihr alle an Soloprojekten beschäftigt seid, oder?
J.: Nein, aber wir brauchen einfach eine Pause. Es macht Spaß, auf Tour mit Sleeping Dogs Wake zu gehen und es ist schön, nach Amerika zu fliegen usw., aber wir haben weniger als 2000 CD's in Deutschland von der Under the Stars verkauft - das sind weniger als von jeder anderen Sleeping Dogs Wake-CD vorher. Es ist für uns momentan kein richtiger Ansatzpunkt da etwas neues zu machen!
E.: Das klingt fast so, als wenn Ihr die Musik für andere Menschen machen würdet.
J.: Nein, wir machen die Musik hauptsächlich für uns!
K.: Aber dort muß ein Kreislauf sei! Leute nüssen die CD´s kaufen, sonst könnten wir auch einfach für uns zuhause Musik machen, ohne CD´s zu veröffentlichen.
So viel also zu dem Sideprojekt von Karin und Jens. Fairies Fortune haben auf jeden Fall eine CD produziert, die zum Träumen einlädt. Wir wünschen der Band auch weiterhin viel Erfolg!
R.R. / M.B.