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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Faithful Dawn

 

Es war einmal...im schönen Norden Englands, genauer in Penrith. Eine gewisse Formation namens Faithful Dawn verharrte im idyllischen Dornröschenschlaf, und erwachte nur manchmal kurz um Samplerbeiträge aufzunehmen, ein wenig herumzutouren oder einige Songs zu schreiben. Und genau wie im Märchen der berühmte Prinz, ließ auch ein Label - Nightbreed Records - nicht allzu lange auf sich warten, sondern signte die Band, schickte sie ins Studio und vertrieb von da an die Debut CD "Temperance", die vor allem im heimischen Britannien, aber auch auf dem Kontinent mit ihrem "Dark Beat" auf offene Ohren stieß.

Aber wie fing alles an?

Sarahjane: " Unsere Absicht war, dem Gothic eine tanzbarere Seite hinzuzufügen, da wir bemerkten, daß viele der "frühen" Gothics sich immer mehr in der Techno oder Ambient Szene bewegten. Wir fanden aber, daß man diese beiden Stilrichtungen miteinander verbinden könne."

Das aktuelle feste Line-up besteht aus Sarahjane (Vocals), Glenn Wilson (Keyboards/ Arrangements) und Nick (Gitarren), die die Band 1994 gründeten; weitere Mitglieder kamen dazu, verließen das Projekt aber auch wieder recht schnell. Wie kam das Trio zum Musikbusiness?

"Ich sang früher bereits in mehreren Rockbands, kam dann aber in Kontakt zur Goth Szene. Und Glenn arbeitete bereits 6 Jahre lang als Promoter für Dance Music, aber er wollte immer kreativer arbeiten." Sie selbst definierten ihren Stil als Darker Dance, aber " ...das war nur eine Bezeichnung, bevor wir uns auf "Dark Beat" festlegten. "Dark Beat" wurde zur Basis für ein gänzlich neues Subgenre des Gothics. Bands wie wir, Nekromantik, Torturetekk und Midnight Configuration bezeichnen ihre Musik so - und sogar The Prodigy wurden bereits als Dark Beat definiert."

Wie kommt man aber auf die Idee, klassische Gothic Rock Strukturen mit typischen Dancefloor Elementen zu verbinden, wie "Temperance" sie aufzeigt?

" Vieles kam einfach von experimentellen Ideen, die zu funktionieren schienen. Alles entwickelte sich rein zufällig, aber trotzdem wir werden uns beim Aufnehmen neuer Songs etwas mehr Zeit nehmen."

Faithful Dawn

Das klingt nach Kritik. Was würden sie denn am liebsten im Nachhinein an ihrem Album ändern?

"Zu 70% sind wir mit ihm zufrieden, und es enthält Songs, auf die wir wirklich stolz sind, aber mit den Gitarren und der Produktion waren wir noch nie glücklich. Das Album aufzunehmen bereitete uns wirklich Kopfschmerzen, da das Studio und fallen ließ und wir keine Möglichkeit hatten, die CD so einzuspielen, wie wir es uns vorstellten. Aber für ein Debut Album wurde "Temperance" gut angenommen, und das ist eine Erleichterung."

Wie hat das typische Gothic Publikum darauf reagiert, daß sich plötzlich Pop- Tendenzen in der Musik wiederfanden?

"Wir sind eine dieser Bands, die die Leute entweder lieben oder hassen, aber die meisten respektieren, was wir zu schaffen versuchen, selbst wenn sie es persönlich nicht mögen. Live klingen wir übrigens auch härter, und wir haben viele unserer Hörer durch unsere Live Shows gewonnen, obwohl sie das Album nicht besonders mochten."

Sieht man sich das Booklet zu "Temperance" an, fällt sofort die Anlehnung an keltische Kunst ins Auge.

"Ich habe mich immer für die mythische und mysteriöse Seite des Lebens interessiert, und die keltischen Bilder des Covers wurden von Menschen und Künstlern beeinflußt, die eine ähnliche Vorstellungskraft besitzen."

Und wie sieht’s mit den musikalischen Einflüssen aus?

"Bei mir sind es vor allem die frühen Mission, Depeche Mode, The Cure, Xymox, Duran Duran und Japan, Glenn steht auf Xymox, The Chameleons, Depeche Mode und New Romantic, während Nick sich vom den Electro Pop der frühen 80iger sowie frühen Goth Bands wie Skeletal Family, Danielle Dax etc. beeinflußt sieht."

Die Songs und Themen auf "Temperance" sind teilweise sehr unterschiedlich, und reichen von humorvollem Sarkasmus ("Spider") bis zu tiefer Traurigkeit ("This Mortal Coil"). Wovon handelt aber "Voices", eines der besten Stücke des Albums?

"Voices war einer unserer ersten Songs, er wurde von unserem Ex- Keyboarder Norman geschrieben. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, was die Lyrics zu dem Zeitpunkt inspirierte, aber sie handeln von völligem Realitätsverlust wie durch Paranoia und Schizophrenie, oder möglicherweise davon, daß man sich selbst so tief in Schwierigkeiten bringt, daß man den Sinn für die Wirklichkeit verliert."

Die Songs von Faithful Dawn entstehen, indem entweder Glenn die Songs schreibt und Sarahjane den Vocalpart überläßt, oder sie ihm ihre Songs gibt, damit er sie noch ausarbeiten kann. Welches Publikum möchten sie mit ihrer Musik erreichen, und wie wichtig sind ihnen deren Reaktionen?

" Kein bestimmtes Publikum. Wir sind ziemlich bescheiden, aber wenn uns jemand sagt, daß er einen bestimmten Track mag, ist es immer ein sehr befriedigendes Gefühl. Denn wenn man anschließend weitergeht, denkt man ‘Ich habe den Song geschrieben - er ist ein Teil von mir - ein Stück meines Lebens, und jemand anders teilt etwas davon!’"

Und an alle Leser richtet Sarahjane: " Versucht zu kommen und uns live spielen zu sehen, und wir werden versuchen zu gewährleisten, daß Ihr nicht allzu weit fahren müßt!" Und so soll es geschehen!

Many thanks to Sarahjane for the quick reply!

H.M.

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