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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Gary Numan - Alt aber Bewährt. |
Was soll man zu diesem Mann noch groß sagen, der schon seit Ende der siebziger Jahre brillante Musikgeschichte schreibt und immer noch kein bißchen leise geworden ist, höchstens etwas weiser. Unsere beiden Mitarbeiter (alte "80’er Freaks) haben ein sehr interessantes Gespräch mit dieser Ikone des Electronic - Wave geführt. Also laßt Euch überraschen. Ihr könnt gespannt sein, denn der Mann hat einiges aus seinem Leben zu erzählen, und etwas zu schmunzeln gibt es auch.
Gary beginnt das Gespräch mit einem lockeren Plausch. "Hey Guys, sagt mal ist das die englische Band "Mesh", die gerade im Hintergrund läuft? Die Jungs haben mich auf meiner letzten Tour begleitet. Die Band ist echt gut. Ihr Stil ist ein wenig wie der von "Depeche Mode"."
Entry: "Ja, das kann schon möglich sein. Ich konzentriere mich aber auf die für mich interessanten Dinge. Ich kann mir leider nicht alles anhören. Na ja egal, laß uns doch einfach anfangen."
Gary: "OK, lets start. Sagt mal ist das euer Magazin, das Entry?"
Entry: "Ja, das ist es. Nun zur ersten Frage. Es gibt so viele Videos von Dir, Gary. Findest du, das eins davon die Atmosphäre oder die Aussage Deiner Songs besonders gut vermittelt?"
Gary: "Ich denke, ich habe nie wirklich gute Videos gemacht. Aber dafür sehr viele, das stimmt schon. Es war zu keiner Zeit so richtig gut. Darüber bin ich auch sehr unzufrieden. Das erste Video, das wir gemacht haben, war im speziellen "Cars". Das ist im übrigen für mich das beste Video. In unseren Anfängen gab es viele Entscheidungen über anfallende Probleme zu treffen. Das lief auch nicht immer ganz fair ab. Im Anschluß folgte dann ein Video für den Song " We are Glass ", das wirklich nicht das Beste war. Die Videoproduktionen wurden immer teurer, und meine Karriere war in Gefahr geraten. Uns ging langsam das Geld aus. Folglich konnten wir nicht mehr so exakte Videos drehen, und mußten uns sehr einschränken, um überhaupt noch Videos erstellen zu können. Natürlich möchten wie jetzt ein gutes Video zu der im Februar erscheinenden Single "Youth" drehen. Ich bin sehr zuversichtlich, daß dies das erste wirklich sehr gute Video seit ca. zwanzig Jahren werden wird."
Entry: "Nun möchten wir gerne von Dir wissen, warum es so viele Best-of-Veröffentlichungen aber nur so wenig neue Songs gab?"
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Gary: "Die Compilation-Alben konnte ich leider nicht stoppen. Auch wenn ich es wollte. Die Rechte liegen bei der jenigen Plattenfirma, bei der ich unter Vertrag stehe. Es werden im allgemeinen zu viele Compilations von Gary Numan produziert. Aber damit habe ich direkt nichts zu tun. Nur leider denken die Leute, ich würde dahinter stehen. Zur Zeit fragen immer mal wieder Plattenfirmen bei mir an wegen Best-of-Sachen. Eine Firma wollte die Lizenz für achtzehn Lieder. Diese sollten mit verschiedenen Covern und Zusammenstellungen auf den Markt kommen. Aber wir haben uns entschieden abzusagen. Denn wir wollen nicht noch mehr Gerüchte schüren. Aber es wurden immer noch sieben Alben produziert, in wirklich schlechter Qualität. Solche Dinge wollen wir für die Zukunft natürlich stoppen. Denn normalerweise untersagen die Verträge zwischen unseren Geschäftspartnern solche Machenschaften. Und so ist es. Aber alles können wir ja leider nicht stoppen. |
Das Problem ist einfach, daß die Zeitspanne zwischen dem einen und dem anderen Album immer länger wird. Tja, ich brauche halt jetzt etwas länger um ein gutes Album abzuliefern. Das Album, welches jetzt auf den Markt kommt, ist auch schon bald zwei Jahre alt. Aber es gibt auch erfreuliche Dinge, z.B. eine neue Scheibe von Tubeway Army. Es ist zwar auch ein Best-of-Album, aber gut gemacht. Oder meiner Meinung nach sind zur Zeit einige Bands wie z.B. die "Foo Fighters" oder "Marilyn Manson", die übrigens "Down in the Park" von mir gecovert haben, nicht zu verachten. Oder "Centre Love" und "Trent Resna" von Bowie. Viele Leute finden meine Lieder sehr gut, auch wenn Sie von anderen Künstlern performt werden. Als ich z.B. "Exil" fertig gestellt habe, klang die Scheibe geschlossener und besser produziert. Somit bekam ich einen besseren Plattenvertrag. Womit ich mich auch in der ganzen Welt profilieren kann. Bis zum endgültigen Abschluß dauerte es zwar fast ein Jahr. Aber das weckte wieder neues Interesse. Im Rückblick darauf gab es immer wieder Verzögerungen im Vertragsabschluß. Für meinen Geschmack hätte es auch schneller gehen können. Aber zu guter Letzt kommt das neue Album noch rechtzeitig auf den Markt."
Entry: "Ich bin der glückliche Besitzer des "Tubeway Army Doppelpacks", auf dem Du als Valerien tituliert wirst. Wie kam es dazu? Und wie lautet Dein bürgerlicher Name?"
Gary: "Mein richtiger Name ist Gary Webb."
Entry: "Warum dann Valerien?"
Gary: "Das war so ein schreckliches Mißverständnis. Als ich jung war und gerade im Begriff ins Musik-Business einzusteigen, wollte ich unbedingt einen ungewöhnlichen und spacigen Namen tragen. Dieser lautete dann Valerien, was übrigens ein fataler Fehler war. Ganz grauselig wurde es dann mit meinem silbernen Glanzanzug. Mein Gott, wenn ich zurück schaue, was ich alles so in fünfzehn Jahren getragen habe (Gary lacht laut ). Aber der Name gefiel mir. Ha, ha. In der Zeit habe ich wohl über all solche Dinge zuviel nach gedacht. Eigentlich stand dieser Schriftzug an einem Gebäude. "Valerien - Eine Blume der Hoffnung". Das war schon irgendwie total bescheuert."
Entry: "Mehr als nur einmal hast Du alte Sachen, z.B. von Tubeway Army, live gespielt. Auch wo du noch ein ziemlich junger Mann warst. Doch sicherlich warst Du damals im Gegensatz zu heute ein anderer Mensch. Wie stehst du heute dazu?"
Gary: "Leider konnte ich nicht alles realisieren, so wie ich es wollte. Aber zum großen Teil werde ich immer altes Songmaterial von mir spielen. Wir werden eine Zusammenstellung vom Album "Exil" und "Sacrifice" übernehmen. Mit allen Loops und Drumsounds, die wir dann in die alten Lieder mit einbringen werden. Aber die Grundmelodien werden immer bestehen bleiben, nur halt in den neuen ‘97er Versionen, die eine musikalische Weiterentwicklung darstellen. Aber ich bin mir sicher, den Fans wird es gefallen, und sie werden die Titel wieder erkennen. Das werden wir dann auf unserer Tour testen. Dies stellt auch eine gute Neuerung meiner Musik da, woran ich natürlich sehr interessiert bin. Die alten Sachen werden im Grunde so bleiben wie sie sind. Man muß nur die richtige Mischung finden. Das wird der beste Weg sein, neues Material mit Altem zu kombinieren. Das wird den Sound auch aus machen. So sind wir auch bei der letzten England - Tour vorgegangen, und das Publikum schien es zu mögen. Oh Ja!!!"
Entry: "Wann wird das neue Album erscheinen?"
Gary: "Oh, es wäre verfrüht zu sagen, es erscheint Montag, aber auf jeden Fall schon sehr bald in England. Worauf ich sehr gespannt bin, sind die Reaktionen auf unser Album speziell hier in Deutschland. Ich bin immer sehr erfreut darüber, das so viele Menschen mit mir reden wollen, und meine Sachen, die ich ja gemacht habe, auch sehr gut finden. Obwohl ich als letztes vor siebzehn Jahren hier gewesen bin. Mein Gott, das ist ja schon eine halbe Ewigkeit her. Es ist immer wieder ein großes Geschenk, das mir die Leute machen, was ich immer wieder aufs neue genieße. Es interessiert mich auch mehr was hier in Deutschland passiert, als das in meiner Heimat. Leider konnte ich in den Anfängen meiner Karriere nicht viel außerhalb Englands arbeiten, obwohl ich England so direkt nicht benötige. Es ist eine wirklich gute Nachricht für mich, das man im Musikgeschäft einfach international sein muß. Und wir bekommen dadurch jetzt so zusagen unsere zweite Chance, was mich sehr erfreut und mich so hart wie möglich daran arbeiten läßt, damit wir Erfolg haben werden. Ich werde ja leider auch nicht mehr jünger mit meinen neununddreißig Lenzen."
Entry: "Wann können wir in etwa Live mit dir rechnen?"
Gary: "Wenn es nach mir geht, schon sehr bald. Das wird sicherlich großartig. Nach der Interview - Tour werden wir zurück nach England fahren. Vor kurzem habe ich meine Freundin Gemma geheiratet, und wir werden unsere Flitterwochen verleben. Wenn wir wieder in der Heimat sind, das wird ca. Dezember sein, touren wir im Anschluß durch England und werden uns Gedanken über unsere weitere Tour durch Europa machen. Die Tour wird so bald wie nur irgend möglich sein. Denn für mich ist es auch sehr frustrierend immer in den selben Clubs und Städten in England zu spielen, und das schon seit fünfzehn Jahren. Schau dir doch die anderen neuen Bands an, die reisen durch die ganze Welt, nur du selber nicht. Also was tut man dann? Man hockt sich Abends vor den Fernseher und schaut MTV oder ähnlichen Müll. Das kann es doch wirklich nicht gewesen sein. Ich möchte so schnell wie möglich wieder auf Tour gehen."
Entry: "Ich habe eine ganz persönliche Frage. Die Frau, die dort hinten sitzt, ist die Deine? Diese Info bezüglich Deiner Heirat habe ich aus deiner Home - Page!"
Gary: "Ja, genau. Das ist meine Frau."
Entry: "Jetzt mal zu Deiner Vergangenheit. Erzähl doch mal was machen die Mitglieder deiner ersten Live - Band. Wie z. B. Chris Payne?"
Gary: "Chris Payne lebt in Paris mit seiner Familie mit zwei Kindern. Und schreibt Musik für Dokumentationen und Gameshows. Russell Bell macht Musik für alle Art von Komödien und ist gelernter Anstreicher. Mehr weiß ich leider auch nicht."
Entry: "Was macht eigentlich dein Bruder John noch so?"
Gary: "Oh ja, mein Bruder ist Pilot bei der Fluggesellschaft British Royal. Zur Zeit ist er in Frankreich beschäftigt. In unseren Anfängen war er in meiner Band. Das ist richtig. Jetzt wo er Flugkapitän ist, kann er natürlich nicht mehr mit uns touren. Das versteht sich von selbst."
Entry: "Zu meinem Bedauern hast du ja in der Vergangenheit nur sehr wenige Shows in Deutschland gegeben. Wo lag das Problem?"
Gary: "Das Problem lag bei meiner Plattenfirma. Ich spielte zuletzt 1980 in Deutschland. Dann traten wir bis 1983 gar nicht mehr auf, bis auf eine kleine Tour durch England. Wo wir dann auch prompt Probleme mit unserer Plattenfirma bekamen, und wir leider im Resultat unseren Vertrag verloren. Nach einer ganzen Weile gründete ich dann meine eigene Firma mit dem Gedanken, durch Übersee touren zu können. Nur wir bekamen leider keinen Vertrag, obwohl Teldec zu gesagt hatte, uns nach Deutschland zu holen. Was sie aber nicht taten. Wir haben mehrere Monate auf eine Entscheidung gewartet. Wir betrieben den Plattenverkauf dann erst einmal auf eigene Kosten weiter. Dann sollte ich sehr große Probleme bekommen. Mir ging das Geld aus, und ich hatte Hypotheken auf mein und auf das Haus meiner Eltern, und mußte auch meine Autos verkaufen. Zu dieser Zeit habe ich fast alles verloren. Es war eine schlimme Zeit für mich. Es hat auch sehr lange gedauert, bis ich den Lebensstil und den Stellenwert meiner Musik wieder erreicht habe, den ich vorher inne hatte. Ich schätze mal so ca. siebzehn Jahre."
Entry: "In Deutschland habt ihr ja nur zwei oder drei Konzerte gegeben. Im übrigen habe ich die Show in London im Hammersmith gesehen!"
Gary: "Du warst wirklich dabei?"
Entry: "Ja, sicherlich, und das war auch das beste Konzert für mich. Du weißt mit dem Make-up usw. Oh ja, die Zeit war großartig."
Entry: "Gary , wirst du mehr alte oder neue Stücke spielen, wenn du hier bei uns in Deutschland bist?"
Gary: "Einen guten Mix aus beidem. Was wir eigentlich immer so machen. Wir werden sieben Songs von "Exil", vier Songs von "Sacrifice" verwenden. Und im ganzen vierzehn Songs meiner liebsten Titel von 1987 bis ‘88. Wie z.B. "Cars" oder "We are Glas" von ‘89. Sie werden aber ein wenig im Stil anders sein. Es sind aber die selben Songs geblieben"
Entry: "In welchen Versionen wirst du die alten Lieder spielen?"
Gary: ""Cars" ist eigentlich so geblieben wie es war. "Are Friends Electric" hat eine neue Version bekommen."
Entry: "Und was ist mit "Down in the Park"?"
Gary: "Das Stück hat eine neue Version verpaßt bekommen, aber ihr werdet es lieben, so wie es ist. Die Melodie und das übrige Arrangement ist geblieben. Im allgemeinen Sinne ist vom alten Stil viel erhalten geblieben. Neu sind die Rhythmus - Passagen und die extra elektronischen Effekte, aber nicht im Stile von Nine Inch Nails, ihr wißt schon. Klingt einfach besser, finde ich."
Entry: "Das werden wir ja sehen!"
( Alles lacht laut.)
Gary: "Ja als Erste!"
Entry: "Der Sound mit den analogen Keyboards war doch so wie er war o.k., und das für Deine ersten Songs überhaupt. Was ist denn mit den neuen Techno - Sachen. Gary, magst du die Neunziger?"
Gary: "Ja, eigentlich schon."
Entry: "Weniger die achtziger Jahre?"
Gary: "Die waren so OK, wie sie waren. Aber in den 80’ern gab es so viele Bands. Welche meinst du im speziellen? In den 90’ern mag ich auch einige Bands, aber nicht alle. Ich mag Prodigy, Chemical Brothers, Nine Inch Nails, Sisters of Mercy sowie Garbage oder Gravity Kills. Die haben einen neuen Sänger bekommen. Ihr wißt schon, all solche Sachen in der Richtung. Im Moment gibt es viele gute Sachen, leider aber ist auch viel Schrott dabei. Und um es in die achtziger Jahre zurück zu reflektieren, dort war es genau so. Ein zusätzlicher Nachteil war, daß es immer so schien, als wäre es ein und die selbe Melodie. Im Moment passiert in der Musik etwas ungewöhnliches, aber ich mag es. Mit Danceflor und Techno kann ich dagegen nichts anfangen. Wenn man etwas einmal hört kann man sagen, mmhh das ist nicht so gut. Aber die eine gute Idee, die dahinter steht, sollte man nie außer Acht lassen, sondern aus dieser Idee soviel wie möglich lernen. Und an der Idee festhalten, denn sie muß nicht komplett verkehrt sein, denn ich denke für alles im Leben braucht man eine Herausforderung. Und tue das, was man möchte, und lasse das, was man haßt. Und in den achtziger Jahren war das absolut nicht anders. Ebenso ‘78/’79, als ich mit der Musik anfing. Die Zeit für sich war auch aufregend mit den vielen neuen Ideen. In den 80’ern kam dieses leider etwas zum erliegen. Später sollte noch Dance - Musik folgen, die mir nichts gibt. Aber so habe ich es im Großen und Ganzen für mich erlebt."
Entry: "Was denkst du über David Bowie?. Mir kam zu Ohren, daß er Deine Musik nicht besonders schätzt. Wo lagen die Schwierigkeiten?"
Gary: "Mmmhh."
Entry: "Das war eine gute Frage!?!"
( Alles lacht.)
Gary: "Wir beiden hatten einige Mißverständnisse, und dies war so ca. ‘79/’80. Bowie verbreitete Gerüchte
über mich. Ich ging zu einem Fernsehinterview von David, wo auch andere Musiker waren, wie z. B. Bob Geldorf. Doch als David mich sah, beendete er das Interview, und kam zu mir. Und warf mich ohne mein zutun einfach raus, obwohl ich gar nichts getan hatte. Ich schaute mit nur die Aufzeichnung an. Das war es auch schon. Dann sagte David zu mir: "Du bist so ein traurig aussehender Mann"! Darüber habe ich mich natürlich sehr geärgert. Und so entstand das Gerücht, obwohl ich im Grunde ein großer Bowie - Fan bin. Aber wir beiden hatten dieses Problem. Er schürte auch weiter kräftig die Gerüchteküche. David schrieb sogar einen Song, der auf dem Gary Monster - Album erschien. Der Text handelt über einen kleinen, unwürdigen, nichtssagenden Mann, der immer den selben alten Mist im neuen Look macht. Damit meint er auf alle Fälle mich. Aber in der letzten Zeit, es war etwa vor sechs Monaten, gab David wieder Interviews, in denen er sich sehr positiv über meine Person äußerte. Die vorherigen Gespräche waren aber allerdings das komplette Gegenteil. Ich denke, daß somit unser Problem aus der Welt geschafft ist. Ich hege zwar jetzt nicht mehr die selbe Bewunderung für David Bowie, aber er macht immer noch großartige Musik, seine Shows sind gut, er hat eine gute Stimme und sieht gut aus. Und das Wichtigste: er ist irgendwie clever. Die Geschichte mit unseren Schwierigkeiten ist wohl auch erst so richtig durch die Presse in Fahrt gekommen. Die das so inszenierten, das ich so wie Bowie klingen wollte, und Bowie angeblich ja zu alt sei. Und so wurden die Gerüchte weiter verbreitet. Um 1979/80 herum habe ich sehr viel von Davids Musik gehört. Obwohl er wohl meinte, seine Karriere würde sich dem Ende zum neigen. Und er war verängstigt vor all den neuen Stilrichtungen, die aufkamen. Und aus diesen Gründen war er wohl ein wenig frech geworden. Und es kam noch dazu, daß ich ja jünger als David war. Ich denke mal, David und ich sind jetzt auch ganz andere Menschen, und sehen diese Sache mit anderen Augen. Wenn wir uns heute treffen würden, würden wir uns wohl ganz normal unterhalten."
Entry: "Ich erinnere mich noch an deine ersten Gigs, es war glaube ich so um 79. Da spielte ein Musiker bei Dir, und es war Billy Currie von Ultavox!"
Gary: "Oh ja, die erste Live - Tour, da war Billy dabei. Ultravox hatte sich ja aufgelöst. John Foxx war gegangen und Rus auch. Eigentlich war ich immer ein großer Ultavox - Fan. So kam der Kontakt zu Billy Currie zu stande. Dieser sollte Keyboards auf meiner Tour spielen. Das tat er dann ja auch. Auf meiner laufenden Tour fragte ich ihn, ob er Ultravox nicht noch einmal formieren wolle. Und es gab sehr viel Presserummel um das Ganze. Ich sagte auch immer, daß Ultravox eine meiner liebsten Bands sei, was heute auch noch so ist."
Entry: "Und wie sieht es mit der Band Visage aus?"
Gary: "Oh nein, nicht Visage. Die Band mag ich überhaupt nicht. Ich hasse Steve Strange. (Holk und ich müssen lachen.) Das kam alles zustande, als wir mit unserem Song "Are Friends Electric" auf Platz zwei der Charts waren, und im Begriff auf Platz eins zu klettern. Billy Currie und ich waren zu dieser Zeit Mitglieder eines Clubs Namens "Blitz", der Steve Strange von Visage gehörte. Wir wollten im Club eigentlich eine kleine Party feiern. Doch Steve stand an der Türe und wollte uns keinen Einlaß gewähren. Schließlich gewährte er uns doch, nur um uns im Anschluß in der großen Halle vor allen Leuten zu blamieren. Wir wären für jemanden, der hoch in den Charts stünde, ja in Lumpen gekleidet. Wir wollen euch hier nicht haben. Haut ab. Und im Nachsatz sagte er zu mir: "Gary, du benimmst dich wie eine eitle Primadonna"! Unsere Reaktion war natürlich nicht recht höflich. Wir sagten: "Du Scheißkerl, was soll das"? Und wir flogen raus."
Entry: "Steve Strange muß ja ein richtiges Arschloch sein!"
( Alles lacht wieder laut.)
Gary: "Aber ca. vier Monate später und zwei Plattenerfolge weiter, wir waren gerade auf Tour und feierten unseren Erfolg mit einer ausgelassenen Party, da kam Steve Strange und wollte mit feiern. Ich bin dann zu ihm hin und sagte: "Was willst du denn eigentlich hier. Du bist doch so eine ärmliche Person, hau ab"! Und habe ihn im hohen Bogen raus geschmissen. Aus den Gründen, die ich euch schilderte, kann ich diesen Typen absolut nicht leiden. Aber jetzt kommt der absolute Höhepunkt. Zu Visage und "Fade to Grey". Billy Currie und Chris Payne schrieben das Stück beim Soundcheck auf meiner ersten Tour. Ich arbeitete auch an diesem Song mit. Und wir waren uns alle einig, daß das ein Hit würde. Und dann hörte ich, daß Steve Strange den Titel bekommen hatte. Einfach unmöglich, was sollte das? Angeblich sollte ich ja nicht erreichbar gewesen sein. Aber ist das ein richtiger Grund? Einfach unverständlich. Die förderten die Gegenpartei, und das war wirklich nicht die feine englische Art.(Garys Frau, die sich bis dahin mit Breda, einer weiteren Journalistin, die übrigens auch Garys Bibliographie schreiben wird, unterhalten hat, lacht laut.) Hör mal, das war doch wirklich nicht fair, oder?"
Fragt Gary seine Frau, und diese ruft ihrem Mann zu: "Du hör mal, der Song "Closer" ist nicht von Nine Inch Nails, sondern von Joy Division."
Gary, ganz erstaunt: "Nein, wirklich Joy Division?"
Entry: "Doch, das ist korrekt."
Gary: "Ich mag Joy Division nicht sonderlich aber ich liebe den Song "Closer"."
Garys Frau zu uns: "Ihr müßt uns unbedingt ein Tape der Band schicken. Nine Inch Nails coverten den Song auf ihrer Kharma CD. Sind Joy Division nicht die bessere Band, oder?"
Entry: "Ja, viel besser und interessanter."
Gary: "Oh, das ist sehr hart für mich zu glauben."
Entry: "Wir mögen eher die 80’er und nicht so die 90’er Jahre Musik."
Gary: "Habe ich bemerkt, ihr mögt auch Prodigy nicht sonderlich."
Entry: "Das stimmt. Und besonders mögen wir keinen Techno. Gary, hast du die "Techno Army Maxi" gehört? Einfach grausig."
Gary: "Damit habe ich nichts zu tun. Das ist einfach Müll."
Entry: "Aber Dein Name steht doch im Booklet?"
Gary: "Ich habe im Hintergrund gesungen."
Entry: "Aber die hatten Deine Genehmigung?"
Gary: "Nein, die brauchen mein OK nicht dazu. Das Endresultat war bedauerlicher Weise harter Techno, den ihr niemals in meinen Songs finden werdet. Techno finde ich nicht sonderlich Klasse. Natürlich ist es aber gut, wenn die Maxi in Clubs gespielt wird und die Leute wieder aufmerksam auf meine Person werden, und dann meine eigenen Alben hören und kaufen, das macht sich schon bezahlt. Das war für mich aber keine Musik mehr, sondern eher eine Schock - Attacke. Einfach wie ein Alptraum. Ich dachte nur: "Nein dazu soll ich singen"? Das ist doch Müll. Aber glücklicher Weise schafften wir es, den Verkauf der Maxi nach sieben Tagen zu stoppen. Das war gut so, denn zusätzlich stand eine kurze Nachricht, angeblich von mir selbst geschrieben, im Maxi - Booklet. Aber in einem der Maßen schlechten Englisch, daß gar nicht von mir hätte sein können. Aber leider brauchten wir zu dieser Zeit eine ganze Menge Bargeld. Wenn du in solch einer Situation bist, das du sogar dein Haus verkaufen mußt, machst du halt solch einen Unfug. Und sonst läßt man es besser bleiben. Wir verdienten Zweihunderttausend Pfund in etwa sechs Stunden, das hat sich ja Gott sei Dank rentiert. Natürlich tun wir es nicht nur fürs Geld. Ich meine Musik machen, versteht sich."
Entry: "Hast du noch Kontakt zu den alten Mitgliedern, wie Chris Payne und John Foxx?"
Gary: "Nein, nicht wirklich. John Foxx habe ich vielleicht einmal getroffen. Er ist aber kein Freund von mir. Ich kenne ihn gar nicht so genau. Und Billy Currie habe ich zuletzt vor zehn Jahren getroffen."
Entry: "Billy Currie spielt bei den neuen Ultravox. Die letzte Scheibe war glaube ich 1995!"
Gary: "Da ist aber nicht Midge Ure dran beteiligt!"
Entry: Nein, nicht Midge Ure."
Gary: "Ja, der Midge Ure ist ein achtziger Jahre - Mann."
Entry: "Midge Ure hat auch eine neue Platte auf dem Markt - "Breath"!"
Gary: "Oh nein, Midge Ure und sein Outfit. Grausig. Guter Song, Midge."
(Alles lacht.)
Gary: "Ich habe ca. ein Jahr auf Billy Currie eingeredet, Ultravox mit Midge Ure wieder zu vereinen. Als das geklappt hatte, gab Midge kurz danach ein Interview und behauptete prompt, ich hätte alles von ihnen geklaut. Songs/ Showelemente usw. Midge Ure ist für mich einfach ein grausiger Lügner. Versteht ihr meine Verärgerung? Ich hatte den Jungs von Ultavox immer geholfen, wieder Fuß zu fassen, und dann passiert so etwas. Er behauptete, die Ideen kämen von Ultravox allein."
Entry: "Nun haben wir noch eine kurze abschließende Frage. Gary, kennst du die Band Clan of Xymox? Was hältst Du von der Band?" ( Anm. d. Übersetzers: Nein, unser teurer Mitarbeiter Holk betreibt wieder heimlich Schleichwerbung. Einfach unmöglich.)
Gary: "Die Band kenne ich leider nicht. Was für eine Musik machen die?"
Entry: "Das ist seine Lieblingsband aus den Niederlanden. Deshalb wird er auch Onkel Xymox genannt ..."
Entry: "1982 wurde die Band gegründet. Und sie ist in Deutschland und Amerika sehr populär. Der Sänger lebte für längere Zeit in England."
Gary: "Sag mal, wie war der Name genau? Macht die Band elektronische Musik?"
Entry: "Ja hauptsächlich. Wenn du sie mal hörst, werden sie Dir gefallen. Die Band hatte einen Vertrag mit 4AD Records."
Garry: "Oh, 4AD, wirklich? Dort habe ich mal als Verkäufer gearbeitet. Die heißen jetzt Baggers Banquet. Aber CDs von Clan of Xymox habe ich dort nie gefunden. Wirklich ein sehr guter Name."
Entry: ( Holk )"Ja, der Beste."
Entry: "Also nochmals vielen Dank für das freundliche Interview."
Gary: "Na, klar weiterhin viel Spaß noch. War mir ein Vergnügen. Goodbye."
So zu guter letzt bleibt uns ja nur noch zu überlegen, wie wir die Zeit bis zur spannend erwarteten neuen Scheibe von Gary Numan tot schlagen können. Kramt mal in den alten Veröffentlichungen. Ihr kommt sicher auf den Geschmack.
M.V. und H.B.
Besonders bedanken müssen für uns an dieser Stelle bei Volker von Public Propaganda, der es zu ließ, das wir mal wieder den Zeitrahmen sprengten, und bei Yvonne Ocklenburg, die mit Engelsgeduld dieses Interview übersetzt und getippt hat.