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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Girls Under Glass |
Nachdem mich das neue Album zu Begeisterungsstürmen hingerissen hat und demnächst auch noch eine Tour ansteht, nutzte ich die Gelegenheit, den ausgesprochen sympathischen und aufgeschlossenen Sänger Volker Zacharias mit meinen Fragen zu löchern. Herausgekommen ist ein interessanter Einblick in die Welt von Girls Under Glass. ...und, Jungs und Mädels, lasst es euch gesagt sein, wer die CD "Minddiver" nicht kennt, hat die Welt echt verpennt;-) Kleiner Vorgeschmack gefällig? Dann nichts wie los und Karten ordern - hier sind die aktuellen Tourdaten:
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28.03.2002 Bochum / Zwischenfall 29.03.2002 (NL)Arnheim 30.03.2002 Zwickau / Alarm 31.03.2002 Lübeck / Riders Cafe 04.04.2002 Göttingen / Outpost 05.04.2002 Potsdam / Lindenpark |
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Entry: Wie lange hat der Entstehungsprozess des neuen Albums Minddiver gedauert?
GUG: Recht lange. Jeder von uns hatte nach der Equlibrium an neuem Material gearbeitet, welches anfänglich in sehr unterscheidliche Richtungen abdriftete (daher z.B. noch der krasse Gegensatz zwischen dem 1. und dem 2. Song!) Wir brauchten einige Monate, um eine klare Vorstellung zu bekommen, wie das Album klingen soll und dann nochmal ein paar weitere Monate, um die Songs auszuproduzieren. Wir haben insgesamt 3-4 mal so lange daran gearbeitet wie an der Equilibrium.
Entry: Das ganze Album wirkt sehr rund und abwechslungsreich. Wirklich verblüffend finde ich jedoch, dass jeder Song einzeln bestehen kann, im Kontext mir dem ganzen Album allerdings plötzlich ganz neue Facetten zum Vorschein kommen. Kann man solch einen Effekt bewusst herbeiführen oder ergibt er sich quasi von selbst, wenn alles passt?
GUG: Wie oben beschrieben, ist dass Ergebnis erst am Ende eines "Prozesses" ersichtlich. Man probiert immer wieder Sachen aus, um zu einem gewissen Maß an Zufriedenheit zu gelangen. Der von Dir beschriebene Effekt kann schon insofern nicht herbeigeführt werden, als dass jeder Hörer mit einer ganz anderen Erwartung oder mit einem anderen musikalischen Backround, Know How und Geschmack rangeht, so dass es sicherlich auch Fälle geben wird, wo sich Fans nur zum Teil mit dem Material anfreunden können. Immerhin variiert es von Gitarrengoth bis zum Elektropop und das ist nicht einfach miteinander zu vereinbaren. Ich kann mir auch keine andere Band außer GUG vorstellen, die sich an so einen Spagat heran trauen würden.
Entry: Ihr singt sowohl in englischer als auch in deutscher Sprache. Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, in welcher Sprache ein Stück eingespielt wird?
GUG: Ich mag gerne bevorzugt in englisch singen, erlaubt es mir doch eine deutlich größere Freiheit bei der Wahl der Worte und der Rhythmik. Es gibt allerdings immer wieder Songs, bei denen englische Texte einfach nicht funktionieren (auf fast allen GUG Platten findest Du deshalb deutsche Texte). ich komme auf den Song tatsächlich nur klar, wenn ich mich auf einmal in meiner Muttersprache artikuliere. Die Bedeutung so eines Songs bekommt dadurch auch (zumindest für die deutsch sprechenden) eine größere Gewichtung, was prinzipiell ja auch nicht verkehrt ist.
Entry: Verarbeitet ihr in den Texten überwiegend persönliche Erfahrungen oder nehmt ihr Einflüße von außen auf und setzt sie um?
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GUG: Früher habe ich fast ausschließlich sozialkritische Texte geschrieben. Ich habe meine Außenwelt reflektiert und Ihr den Spiegel vorgehalten und habe geschimpft. Inzwischen bin ich dazu übergegangen, mich mit mir selber auseinanderzusetzen. Das ist schon wirklich kompliziert genug und die Musik von GUG hat dadurch deutlich an Intimität gewonnen. Die meisten Texte sind also autobiografisch, wobei "Minddiver" so funktioniert, dass ich mich durchaus in die Köpfe anderer Leute hineinversetze und Probleme auch aus anderer Sichtweise angehe und "besinge". |
Entry: Einige Stücke auf dem neuen Album tendieren in die Future-Pop-Ecke, von bösen Zungen auch Weiberelektro genannt. Wie steht ihr zu solchen Kategorisierungen?
GUG: Har,har..ja die Kategorisierungen. Immer wieder lustig. Die gibt es ja so lange es GUG gibt und früher waren es die Sisters Of Mercy, die herhalten mussten, jetzt ist es der Futurepop. Vor 1 Jahr gab es diesen Namen noch nichtmal, und da sagte man, wir seien eine Elektrogoth – oder Elektrowave-Band. Das gefällt mir besser, da es zumindest aussagt, dass wir verschiedene Stile miteinander kombinieren. Diese Schubladen sind doch nur einfacher "Marketingscheiss" nicht mehr und nicht weniger.
Entry: Konnten die bisherigen Resonanzen auf das Album Eure Erwartungen erfüllen oder hat man, wenn man schon so lange "im Geschäft" ist, gar keine große Erwartungshaltung mehr?
GUG: Unsere Erwartungserhaltung beruhte darauf, dass wir wussten, mit "Frozen" einen definitiven Clubhit am Start zu haben. Dieser hat jedoch offensichtlich keine großen Auswirkungen auf die Verkäufe in Deutschland. Allerdings zeigt sich das Ausland interessierter denn je. So haben wir das Album Anfang Februar in Russland veröffentlicht, und das mit einer Startauflage, die wir in Deutschland niemals erreichen werden. Frozen wird international funktionieren. Wir haben trotdzem allen Grund auf dem Teppich zu bleiben.
Entry: Ist es für Euch nicht manchmal schrecklich, wenn eine CD, in der ja doch viel Herzblut steckt, in den Händen eines selbsternannten Rezensenten liegt, der u. U. noch nicht einmal eine Tonleiter zustande bringt, aber Einfluss darauf haben kann, wie ein Album aufgenommen wird?
GUG: Welchen Einfluss soll ein Rezensent denn haben? Ich würde mich niemals davon abeschrecken lassen eine Platte zu kaufen, nur weil ein Rezensent oder 2 oder 3 die Platte verreissen, weil es ihnen nicht gefällt. Soviel Abstand muss man schon zu den Medien oder zum Journalsimus mitbringen. Ansonsten darf man sich auch nicht darüber beschweren, wenn man nach diesem Satanistenmord mal wieder mit Ruda & Co. in einen Topf geworfen wird. Journalismus bleibt eine einseitige politische Waffe.
Entry: Gab es schon einmal eine CD-Kritik, die Euch wirklich wütend gemacht hat?
GUG: Selten, aber dennoch: Das Rock Hard beschimpfte uns mit den Worten, wir hätten keine Eigenständigkeit und wären nichts als Trittbrettfahrer. So etwas einer Band wie uns zu sagen, die deshalb nicht erfolgreich ist, weil sie sich jeden Klischees und Konventionen stets verschlossen hat, ist ein echter Schlag in die Fresse.
Entry: Demnächst steht bei Euch auch eine Tour an. Schaut man sich das immense Material an, aus dem Ihr schöpfen könnt, müsste ein Girls-under-Glass-Konzert mindestens 3 Stunden dauern;-) Was erwartet die Besucher auf Eurer Tour?
GUG: Ein 4 Stunden-Konzert!! Nee, mal im Ernst: Es ist eine Packagetour mit 4 Bands. Wir werden sowohl ein BestOf-Repertoire präsentieren, welches die Fans auf unserer Website www.girlsunderglass.de mitbestimmen können und wir werden selbstredend das neue Album vorstellen. Ansonsten haben wir viel schönes Licht dabei. Und das Package mit FairSex, Angels & Agony und Drog ist wohl ziemlich einzigartig.
Entry: Werdet Ihr dieses Jahr auch auf Festivals spielen?
GUG: Yo, die meisten sind aber noch nicht bestätigt. Wir brennen aber darauf, dieses Jahr möglichst viel live zu spielen.
Entry: Es gibt einige Bands, die auf jedem 2. Sampler vertreten sind und es gibt u. a. Girls under Glass, die man auf diesen eher selten findet. Sampler stellen doch eigentlich eine gute Möglichkeit dar, bei einer breiteren Hörerschaft Lust auf mehr zu wecken, also woran liegt's?
GUG: Puh...ich halte nicht soviel von Samplern. Es gibt reichlich Leute denen es reicht, einfach 1-2 gute Lieder einer Band zu haben. Ich persönlich stelle aber den Anspruch an unsere Hörer, sich mit GUG wirklich auseinanderzusetzen und nach Kontexten zu suchen und die Entwicklung mitzuverfolgen. Musik ist für uns mehr als profanes Entertainment und so lassen wir uns auch nur live alle paar Jahre einmal blicken, nämlich genau dann, wenn wir meinen, das der richtige Zeitpunkt da ist.
Entry: Bei Euch habe ich den Eindruck, dass ihr in Sachen Vermarktung eher den "stilleren" Weg geht, d. h. ganz auf die Qualität der Musik setzt. Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, dass es von euch je streng limitierte Special-Boxen, Videos oder Maxis in 2 verschiedenen Ausführungen gab. Liege ich richtig mit dieser Einschätzung?
GUG: Yepp...die Frage ist im prinzip schon beantwortet. Wir halten tatsächlich nichts von vordergründigen Marketinggeschichten und konzentrieren uns lieber auf die Musik und deren Qualität. Allerdings wäre nach 15 Jahren GUG mal wieder irgendein Special fällig. Ich könnte mir vorstellen, dass wir z.B. mal so ´ne Art "Dark-Box" rausbringen, auf der sämtliche Goth-Geschichten drauf sind, die diese Zielgruppe halt wirklich haben muss. GUG ist so wenig greifbar, dass ich denke, dass es mehrere 1000 Leute gibt, die uns wirklich geil finden würden, wenn sie sich nur mal mit GUG beschäftigen würden.
Entry: Wo wir das Thema Kommerz gerade schon einmal angerissen haben – diese Songflut nach dem 11. September hat in mir sehr gemischte Gefühle geweckt. Zum einen ist Musik sicher ein Mittel, Gefühle zu verarbeiten, zum anderen kam schon manchmal der Verdacht auf, es soll eine schnelle Extra-Mark gemacht werden. Wie seht Ihr das?
GUG: Habe ich nicht so beobachten können und wenn, ist die große Frage der wahren Intention noch zu klären. Kunst ist Ausdrucksform und warum sollte sich ein Künstler zu so einem krassen Ereignis nicht inspirieren lassen, es künstlerisch, also musikalisch zu verarbeiten. Ich persönlich mache sowas aber lieber mit mir selber aus, anstatt mich damit in die Öffentlichkeit zu stellen und allen zu erzählen, wie scheiße Krieg ist. Es gibt Dinge, die erklären sich wohl von selber!
Entry: Vor einiger Zeit war Peter Heppner auch bei Girls under Glass als Gastsänger mit an Bord. Zur Zeit ist er in dieser Funktion begehrter wie nie und gibt sich recht oft bei anderen Bands die Ehre. Was haltet Ihr von der momentan grassierenden Heppner-Manie?
GUG: Har,har...da fragst Du den Falschen. Ich arbeite für die Plattenfirma von Wolfsheim und werde einen Teufel tun, darüber eine Aussage zu treffen...har,har...ich kann nur sagen, dass ich mich auch als Fan der ersten Stunde (habe meine Frau auf einem Wolfsheim Konzert kennengelernt!) auf ein neues Album freue, welches jetzt wohl wirklich "anliegt". Ansonsten hat jeder das Recht zu machen, was er möchte. Und genau so geht Peter damit auch um.
Entry: ...und wie klappts bei Euch mit dem Euro?
GUG: Ich zahl noch in DM ;-)
Entry: Habe ich noch eine Frage vergessen, auf die Ihr gerne geantwortet hättet?
GUG: Ja, wann kommt die letzte Frage ?;-) Sorry...kleiner Spass
So, dass wars. Ich hoffe, es sind keine zu unangenehmen Fragen dabei... Ich sage jetzt schon einmal ganz lieben Dank für die Antworten. Liebe Grüße Morgana auch liebe Grüße Volker (c ya in Bochum)