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| Haujobb |
Nach ihrer Tour im April/Mai machten dann Gerüchte von Streitigkeiten und sogar von einem Bandsplit die Runde. Soweit kam es zum Glück dann nicht, allerdings verließ Björn die Band, die dennoch mit ungebrochenem Elan weitermacht und kürzlich mit "frames" neue Versionen einiger Titel ihres phantastischen Albums "freeze frame reality" veröffentlicht hat. Ich nutzte das Zillo-Festival in Essen zu einem ausführlichen Gespräch mit den verbliebenen Soundtüftlern Daniel und Dejan, bevor sie trotz Grippe ein sehr überzeugendes Konzert absolvierten, daß wie schon im Frühjahr stark von perkussiven Elementen und Dia-Projektionen geprägt war.
Entry: Um direkt ein paar Gerüchte auszuräumen. Warum ist Björn ausgestiegen?
Daniel: "Aus persönlichen Gründen."
E: Es ging anfangs das Gerücht rum, daß Du aussteigst.
Daniel: "Ja, ich hatte auch ziemlich Krach mit Björn, aber er (zeigt auf Dejan) hat gesagt, daß er lieber mit mir zusammenarbeiten will."
E: Danach hieß es, Ihr hättet Euch ganz aufgelöst.
Dejan: "Das war auch nur ein Gerücht."
E: Ihr macht motiviert weiter ?
Daniel: "Auf jeden Fall!"
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E: Könnt Ihr mir die Befürchtung nehmen, daß Ihr ohne Björn in eine einfacher strukturierte, bzw. eingängigere Richtung geht? Manche befürchten das, weil sie Björn vor allem den experimentellen Teil zuschreiben. Dejan: "Das kann eventuell sein, also zunächst mal kann das natürlich passieren. Da wird die musikalische Richtung dann das Experimentelle sein, weil wir in der letzten Zeit viel mit neuen Stilrichtungen versuchen. Ich denke daß die Experimentierfreude zur Zeit ziemlich groß ist." E: Wie geht es nach dem Cut weiter? |
Daniel: "Die "frames" war ja schon nach dem Cut, da hatte Björn schon nix mehr mit zu tun. Fest steht auch, daß wir einen Mix für die neue Frontline-Maxi "Plasticity" machen. Dann die Remix-CD mit :wumpscut:, da machen wir 2-3 Songs von ihm, die wird wohl im Februar erscheinen."
E: Seit Ihr mit der "frames" zufrieden?
Daniel: "Nö, wie immer."
Dejan: "Ich bin nie unbedingt so zufrieden mit Dingen die andere Leute für uns machen. Da kann ich auch nicht absolut hinterstehen. Es ist einfach nur interessant, so superzufrieden kann ich da nicht sein."
Daniel: "Wir stehen aber auf jeden Fall hinter "dream aid" und hinter "A4". "Cold Comfort" hat uns zu lange gedauert, das haben wir jetzt auch abgeändert und spielen das auch live dann so, das wird die Zugabe. "Dream aid" werden wir auch live spielen, das ist sehr psychedelisch geworden, vor allem am Ende. Jedenfalls war das in Leipzig sehr gut, aber da hatten wir auch `n superlauten Sound auf der Bühne. Das "dream aid" von Forma Trade finden wir auch ziemlich genial."
E: Ihr habt mir bei meinem letzten Interview mit Euch erzählt, daß ein Freund von Euch demnächst Musik veröffentlicht und daß das ziemlich genial wird. Versteckt der sich hinter Forma Trade? (Kommt schließlich auch aus Bielefeld)
Dejan: "Ja genau. Das ist ein Freund von uns, Andreas May, der bringt demnächst auch etwas raus."
E: Ich kenne nur ein Stück und zwar "Looking glass" von dem neuen Off Beat-Sampler. Das ist auch ziemlich gut, aber nach Euren Beschreibungen hätte ich etwas weniger eingängiges erwartet.
Dejan: "Es wird auch immer noch besser. Was den Mix von dem Sampler angeht, muß ich sagen, daß er es wirklich besser kann. Der ist sonst auch ziemlich abgefahren."
E: Wie fandet Ihr die anderen Mixe von der "frames", die nicht von Euch sind? cEVIN kEY hat sich ja z.B. gerade mal 2 Stunden Zeit genommen und bestehendes Cyberaktif-Material verwendet. Dafür ist es aber ziemlich gut geworden, finde Ich.
Dejan: "Weiß ich nicht. Echt, hat er? Es ist ziemlich downloadig, ich finde es nicht so gut, aber das ist ja Geschmacksache."
E: Ich finde eher den Mentallo-Mix von "yearning" etwas enttäuschend, oder zumindest überraschend, weil er sich völlig von dem Original entfernt hat.
Dejan: "Ich glaube, man muß das Original vergessen und dann hat es `ne ziemlich geile Räumlichkeit. Man muß genauer hinhören, dann kann man auch "yearning"-Strukturen finden, ganz versteckt. Das ist eigentlich ziemlich experimentell ausgefallen. Ich wunder mich, daß da ein paar Leute die "frames" überhaupt" gekauft haben."
Daniel: "Die Erstauflage war sogar innerhalb von 3-4 Tagen weg."
E: Wie hoch war die denn?
Daniel: "Ungefähr 900-1000."
E: Wenn ich Titel wie "A4" höre, denke ich manchmal, ob das nicht eine Art elektronische Zukunftsvision von klassischer Musik sein könnte.
Dejan: "Nee, klassisch ist das nicht. Eher Filmmusik. Es war unser erstes Mal. Wir mußten dabei natürlich auch an den Aprilscherz denken und den wieder etwas gut machen. (Anm. d Verf.: Vielleicht klappt das mit dem Soundtrack ja mal...) Aber wieso klassisch ? Ich mein....Ja klar. Wir haben versucht, die Sounds möglichst echt zu machen, weil Filmmusik die elektronisch ist...(noch `ne Anmerkung: Hier rauscht leider mein Band)... Also Klassik...Also ich weiß nicht, wie Umbra Et Imago und so`n scheiß ? Das, was die ganzen Neoklassikleute machen, ist ja keine Klassik, sondern das ist einfach nur billig. Das sind Popstrukturen und keine Klassik. Die benutzen einfach nur Strings und dann kommt der Stempel Klassik drauf. Das ist scheiße, echt."
E: Also mit Umbra wollte ich Euch wirklich nicht vergleichen.(Hilfe!) Das wäre ja eine reine Beleidigung. Wie ist "A4" entstanden?
Dejan: "Sehr, sehr schwer. Wir haben uns damit sehr schwer getan. Wir haben uns das einfach praktisch vorgenommen, und am Anfang haben wir wirklich 10 mal die ganzen Daten gelöscht und wir wußten nicht, wie wir jetzt weitermachen sollen, aber letztendlich hat es ja geklappt."
E: Mal eine allgemeinere Frage. Die "freeze..." ist in Medienkreisen überwältigend-überschwenglich empfangen worden,...
Dejan: "Aber auch nur dort."
E: Ja, eben. Auch Leute, die selber Musik machen, sind eigentlich durchgehend begeistert (z.B. cEVIN kEY) und es gab Remixaustausche mit megabekannten Bands (Clock DVA, Frontline, Biosphere, Mentallo...). Wie erklärt Ihr Euch, daß sich Primitivmüll wie ECO oft genug viel besser verkauft, oder bei einigen auch besser ankommt, als ein Album wie "freeze...", daß überall Topkritiken bekommen hat?
Dejan: "Eben weil es primitiv ist und die Leute sowas brauchen. Guck Dir den ganzen Eurodancefloor an, die Leute brauchen was billiges, die brauchen stumpfe Sequenzen, stumpfe Beats."
E: Aber warum in der Szene? Daß sich auch Qualität durchsetzen kann, dafür sind Skinny Puppy das beste Beispiel. Und selbst die Download kam bei vielen gut an.
Daniel: Also was Download angeht, ich glaube nicht, daß sich die Leute das vorher angehört haben, die haben eher den Aufdruck "Former Skinny Puppy" gesehen.
E: Klar, ohne den Aufdruck oder die Information, wer dahinter steht, wäre die gnadenlos untergegangen, aber viele finden sie trotzdem gut.
Dejan: "Aber es gibt auch nicht mehr so`n riesen Markt. Wir haben auch den Wave/Gothicbereich noch nicht erschlossen. Andererseits kommt es auch langsam, die CD kaufen immer noch Leute."
E: Wobei der EBM-Electro-Bereich hier doch eigentlich eh am größten ist.
Dejan: "Ja hier, aber wenn man sich mal den Süden oder Hamburg ansieht...Da ist nichts. Oder Leipzig. Da muß man echt gegen so `ne Wand spielen. Aber das haben wir auch gut geschafft. War hinterher trotzdem ein gutes Gefühl."
E: Wie steht Ihr dazu, auf dem Zillofestival aufzutreten?
Daniel: "Heikle Sache. Wir sind für Silke Bischoff eingesprungen (Anm. des. Verf.: Danke!!), das sagt ja eigentlich schon alles. Wir haben in Leipzig echt die Leute geschockt. Silke Bischoff konnten nicht und dann mußten wir. Also wir wollten auch. Die Leute kamen echt schwer damit klar."
E: "Ich schätze mal Björn hätte sich wohl gesträubt auf einem Zillo-Festival zu spielen, oder?"
Dejan: "Ja, aber der wollte sowieso nicht mehr viel live machen. Da hätte er sich wohl nicht zu durchgerungen."
Entry: War die Tour im April/Mai denn befriedigend für Euch ?
Daniel: "Eigentlich ja , aber sie war nicht befriedigend in dem Sinne, weil nach der Tour der Split kam."
E: Nach den Streitereien auf Tour.
Daniel: "Ja genau. Es war einengend."
Dejan: "Während der Tour hat sich halt gezeigt, daß es nicht mehr geht."
Daniel: "Wir haben trotzdem Spaß gehabt."
E: In Bielefeld gab es ja am Ende ein paar technische Probleme.
Dejan: "Ja, da ist das DAT ausgefallen. War schade."
E: Was habt Ihr für Livepläne in Zukunft ?
Dejan: "Ich würde es nicht gerne früh machen, man sollte auch nicht zu oft live spielen. Wir haben eventuell die Möglichkeit im März mit Frontline in den USA auf Tour zu gehen. Mal sehen. Muß nicht sein. Es gibt auch Überlegungen, was mit Covenant zusammen zu machen, daß wir die in Deutschland als Support nehmen, wenn die bis dahin nicht bekannter sind als wir selbst, und umgekehrt in Skandinavien. Das könnte so Ende Dezember sein."
E: Bevorzugt Ihr Liveauftritte oder Studioarbeit?
Daniel: "Teils, teils. Ins Studio gehen wir oft und live auch oft. Im Studio geht uns einer ab und live geht uns einer ab. Hmm, das war auch nicht gut."
(Anm. d. Verf.: Inzwischen wurde die Runde immer größer, denn mittlerweile hatten sich auch zwei weitere EntrymitarbeiterInnen, die auf London After Midnight warteten und Stefan Herwig von Off Beat dazugesellt, aber dafür wurde die Fotografin vom Zillo weggeschickt, Ätsch!)
Dejan: "Es macht Spaß im Studio zu arbeiten und es macht auch Spaß auf der Bühne zu stehen."
Daniel: "Einen Moment, laß uns Björn anrufen, daß kann Björn besser ausdrücken."
(und schon wieder `ne Anm.: Björn war bei den Interviews immer der mit dem enormen Mitteilungsbedürfnis)
Dejan: "Ne laß mal."
E: Wann wird man denn ein neues Album von Euch zu hören bekommen?
Daniel: "Vielleicht im Herbst. Wir haben aber noch nichtmals angefangen."
E: Auch wenn Ihr schon beim letzten mal das Presseinfo nicht kanntet, also im neuen steht jedenfalls "Wer sich die Rückseite des Booklets genauer unter die Lupe nimmt wird etwas feststellen", und zwar....?
Daniel: "Keine Ahnung."
E: Vielleicht daß der Björn weg ist ?
Dejan: "Ja, das wird`s wahrscheinlich sein, da stehen ja jetzt nur noch zwei Namen drauf."
Daniel: "Ey boah, ey boah !"
Dejan: "Wir fühlen uns jetzt auch viel freier."
E: Was außer Download fandet Ihr im elektronischen Bereich (wo auch sonst?) noch gut in der letzten Zeit?
Daniel: "Covenant, die finde ich ziemlich genial."
Dejan: "Finde ich auch gut. Was ich davon kenne. Die Maxi geht gut nach vorne."
E: Ich finde das ganze Album klasse.
Daniel: "Das kenne ich nicht, wir kennen nur die "Figurehead"-Maxi, und das Figurehead an sich ist echt geil."
Dejan: "Ja genau, LFO und Autechre mögen wir auch gerne."
Daniel: "Kiffermucke, Hip Hop, Jungle...Ich meine , bei uns hört man jetzt auch ziemlich viele dieser Trip Hop-Beats.
E: Ihr habt mir beim letzten mal erzählt, daß Ihr viel Ambient hört."
Daniel: "Das war Björn. Obwohl der eigentlich nur Aphex Twin und ein paar CD von mir hatte. Wir haben jetzt ein Stück für einen Ambient/Intelligent Techno-Sampler gemacht. Eigentlich sollte es ein Ambientsong werden, aber für einen Ambientsong ist es eigentlich schon wieder zu brachial geworden. Und auch ein bißchen zu klischeehaft. Aber eigentlich dürfen wir das ja, wir haben das ja noch nie gemacht."
E: Im Prinzip ist der Ambientmarkt aber auch völlig übersättigt, so daß es eigentlich kaum mehr von Interesse ist. Auch hat bald jeder sein eigenes Nebenprojekt, das dürfte für Euch eigentlich weniger interessant sein, da weiterzumachen, oder?
Dejan: "Nee, den Technobereich kann man auch vergessen. An Namen ist da gar nix."
E: Was macht der Björn eigentlich jetzt?
Dejan: "Ich weiß es nicht."
Daniel: "Der will mit seinem Bruder zusammenarbeiten."
Dejan: "Ich hab’ das Gefühl, daß die immer noch nicht angefangen haben."
Daniel: "Nee, die haben noch nicht angefangen. Wohl keine Zeit dazu."
Dejan: "Da kannst Du mal sehen, wo die Motivation ist. Das ist auch ein Grund dafür, daß wir uns getrennt haben. Er kam auch an mit solchen Sprüchen wie "Ich muß jetzt meine berufliche Karriere verfolgen, keine Zeit für sowas. Die letzte Tour wollte er eigentlich auch nicht mitmachen. Er hat sich dann mehr oder weniger überreden lassen."
Daniel: "Genau, das war auch so`n Punkt. Wir hatten die Tour beendet und hatten noch einen Auftritt auf einem Festival. Da war Björn nicht dabei. Da waren Dean, Ich und sein Bruder dabei, als Gitarrist. Da haben wir halt gemerkt, daß sowas auch viel Spaß machen kann."
Dejan: "Dann haben wir uns `n Drummer gezogen, Leif." (Anm. d. Verf.: Selbiger sitzt schon die ganze Zeit schweigend in unserer trauten Runde.)
Daniel: "Mit dem haben wir auch viel Spaß, weil er so ruhig ist."
E: Kann der überhaupt sprechen?
Dejan: "Der ist nur jetzt so. Der kann mit der Musik sowieso nix anfangen."
E: Wie jetzt?
Daniel: "Der kommt aus’ m Rock." (Igitt, schüttel, Anm. d. Verf.)
Dejan: "Aber "eye over you" findet er geil."
E: Los, sag auch mal was. (Schweigen....) Was hältst Du denn z.B. von den beiden haujobbs?
Leif: "Ach, Daniel und Dejan...D&D."
E: Voll die Asis oder watt? (grins)
L: "Ich komm gut klar mit denen so.(cooler Satz, Anm.d.Verf.) Kann ich nicht meckern."
Daniel: "In Bielefeld sind wir total verschrien. Als arrogante Fatzken, obwohl uns kein Schwein kennt."
L: "Ja, am Anfang hab’ ich nur gehört ‘arrogant, schwarze Band, irgendwie so Grufties’..."
Daniel: "Viele kannten auch nur Björn, und der hat halt mit der Musik kaum was zu tun gehabt und mit uns nur live. Ich mein es war nicht schlimm für uns, aber trotzdem scheiße."
E: Kommt Ihr in bestimmten Gebieten Deutschlands besser an als woanders?
Daniel: "Ja, vor allem im Ruhrgebiet."
E: Und in Ostdeutschland?
Daniel: "Geht so. Wir sind in Berlin auf einem Synthipopfestival aufgetreten, mit S.P.O.C.K., Elegant Machinery und Experience Of Nation oder so. Es war furchtbar. Da stand ein Dave neben Martin Gore...Echt grausam."
E: Mal was anderes. Ihr wolltet doch mal für Mentallo & The Fixer ein paar Mixe machen.
Dejan: "Die haben uns noch kein Material geschickt."
Daniel: "Ist mir auch scheißegal. Also dieses ganze Remixen für’ n Appel und’ n Ei....Da hab` ich keine Lust zu."
E: Obwohl es bestimmt superinteressant wäre. Ich denke die Fremdmixe auf der "frames" waren für einige sicher auch ein Kaufargument. Besonders cEVIN kEY und Mentallo.
Daniel: "Frontline hat viel Spaß gemacht. Wir sind allerdings mit der Tatsache drangegangen, daß wir noch die Vocals kriegen."
Dejan: "Als wir dann erfahren haben, daß wir die Vocals nicht mehr kriegen, gab’ s auch einen Bruch in dem Mix, ich weiß nicht ob Du den nachvollziehen kannst, oder ob Du dich erinnern kannst. Ab da haben wir nur noch gemacht was wir wollten, der erste Teil war etwas gradlinig und dann haben wir versucht, das ein bißchen plattzumachen."
E: Wie findet Ihr eigentlich die "Hard Wired"?
Dejan: "Überfüllt. Der macht zu viele Projekte, der sollte diese Einflüsse wenigstens irgendwie in Frontline stecken."
E: So Sachen wie Synaesthesia?
Daniel: "Ich weiß nicht, das klingt so uninteressant. Ist wahrscheinlich das gleiche wie auch Delerium. Nur’ n bißchen rhythmischer."
E: Es gibt jetzt auch einen Fanclub von Euch. Wer macht den?
Daniel: "Den macht Daniel Flügel. Der kommt aus der Nähe von Berlin und wir haben guten Kontakt zu ihm. Der kommt auch nach Potsdam während dieser Tour. Es werden auch immer mehr Leute, die daran Interesse haben. Jetzt nach der "frames" sind wieder ziemlich viele Zuschriften gekommen. In Leipzig kam auch so`n Typ an, der wollte auch einen Fanclub gründen."
E: Wichtige Schlußfrage. Lest Ihr eigentlich regelmäßig Entry?
Daniel: "Nein."
E: Wie nein?????
Dejan: "Ich hab’ mal eine gelesen, mit Psychic Force, und dann nie wieder."
E: Hey wir sind echt besser geworden. (Es folgt eine kurze Werberede, bla bla) Außerdem werdet Ihr regelmäßig erwähnt.
Dejan: "Wo gibt’s denn die zu kaufen?"
E: Schon besser. Die Einstellung lob’ ich mir. Außerdem vielen Dank für das Gespräch (trotz Grippeviren) und vor allem viel Erfolg.
Den haben sie nämlich dicke verdient. Wer also über fehlende Innovation in der Electroszene klagt und haujobb immer noch nicht kennt (soll es echt geben), oder ein Meisterwerk wie die "freeze frame reality" oder die "frames" verschmäht (unvorstellbar, aber auch das soll’s geben) ist selber schuld und darf sich die goldene Narrenkappe überreichen.
L.S.
Auch wenn die Ausnahmeelectroformation aus Bielefeld niemandem mehr vorgestellt werden muß; der riesen Durchbruch blieb ihnen irgendwie immer versagt. Dabei gelten sie bei Kritikern längst als die innovativste Electroband aus deutschen Landen. Auch ihr drittes Album "Solutions for a small planet" wird sicherlich einigen vor den Kopf stoßen, benutzt man hier doch Elemente aus Drum & Baß und Trip Hop und hört sich auch sonst immer weniger nach alten EBM-Tagen an. Zum Glück aber auch nicht nach irgendeinem ominösen Technogemisch, sondern nach wie vor erfrischend eigenständig, komplex und natürlich elektronisch. Ich konnte also gar nicht anders, als die netten Herren Daniel und Dean zum Interview zu bitten, als sie im Rahmen der "Cyber Vision Night" in die Bochumer Zeche kamen. Doch zunächst mußte ich mich erst mal gedulden, denn irgendso´n komisches Gruftiradio wollte allerhand schlaue Sachen erfahren, z.B. woher der Bandname stammt (sic) usw. An dieser Stelle möchte ich mich schon mal bei D & D für die Geduld und das nette Pläuschchen bedanken und natürlich bei Christian und Breda, die traditionsgemäß die Zigarettensucht von Dean befriedigen mußten.
Entry.: Wie kam es zu der Idee einen so sarkastisch wirkenden Albumtitel wie "Solutions for a small planet" zu benutzen?
Dean: Die Werbung kennt halt jeder und genau das war die Idee. Mittlerweile finde ich den Titel fast schon zu plakativ, weil so viele Leute die Werbung kennen, daß die Leute das sofort kapieren und kaum noch darüber nachdenken Ich denke mal das wirkt so sarkastisch, weil es solche Lösungen gar nicht geben kann. Für Leute die mit Dingen, die auf dieser Welt passieren nicht klarkommen, wirkt das natürlich supersarkastisch. Es wirkt vor allem auch überheblich von einer solchen Firma und das war die Idee für uns diesen Satz zu benutzen. Es ist versteckt provokativ.
E.: Ihr spielt auf einem Festival, das irgendwo als Cyberpunkfestival angekündigt worden ist. Welchen Bezug habt ihr zu diesem Begriff?
Dean: Also ich habe noch nie einen Cyberpunk gesehen.
Daniel: Den Begriff kenne ich höchstens aus den Medien. So was gibt es nicht und so was wird es nie geben. Niemand kann Cyber sein.
| E.: In den USA gibt es Leute, die sich als Teil einer solchen Szene definieren, z.B. seit "Neuromancer". Es gibt da auch Leute, die einen Haufen Theorien aufstellen, wie z.B. Fredric Jameson, der zwölf Thesen zum Begriff "Postmodernism" aufgestellt hat, z.B. die folgende, die bei euren behandelten Themen gut paßt : "Die postmoderne Kunst steht in Relation zu der über die telekommunikative Vernetzung möglich gewordene Globalisierung der Ökonomie." Riesen Gelächter. | ![]() |
Dean: Also ich hab’s richtig verstanden. (liest den Satz noch mal durch). Ja, das stimmt. Total. Jetzt hab´ich es verstanden.
E.: Das ist ein Statement zu eurer Musik, vielleicht solltest du das wirklich mal ernst nehmen. Also meint ihr das trifft zu?
Daniel: Ja.
Dean: Ja:
E.: Na gut, Themawechsel.
Seit ihr mit dem Tourkonzept zufrieden?
Daniel: Anfangs schon, ich fand das richtig geil. Mittlerweile denke ich, daß der Film tierisch aufhält. Heute war’s okay, weil der Film vorher gezeigt wurde und dann die Bands. Aber es war z.B. in Potsdam so, daß der Film dreigeteilt wurde und die Leute kurz davor waren die Leinwand zu zerschneiden. Aber im großen und ganzen ist die Idee richtig geil, bis darauf daß der Film richtig beschissen ist. Es gibt in dem Bereich echt besseres. Das ist echt scheiße, unterm Captain Future Niveau. (Widerspruch von Dean und mir, die vor lange Zeit mal Captain Future Fans waren)Was vorne passiert bewegt sich und der ganze Hintergrund steht. Das geht nicht, das ist echt scheiße. Ich glaube Heidi und Pinoccio wurden so gemacht.
Dean: Jetzt weiß ich was du meinst. So...billig. Obwohl ich Heidi auch sehr mochte...Aber da war ich acht. Kennt jemand diesen Captain Future Zweiteiler, wo...
E.: Liegt "Solutions for a small planet" ein radikaleres Verständnis über moderne Technologien zugrunde als bei der "Freeze Frame Reality"?
Daniel: Ja. (allgemeines Gelächter für die "präzise" Antwort)
Dean: Du beschäftigst Dich zu sehr damit...
Daniel: ...und wir können scheinbar immer nur "ja" sagen.
Dean: Ist doch geil.
Daniel: Ja, absolut. Vielleicht solltest du die Fragen umschreiben und die Fragen zu den Antworten machen.
Dean: Das ist geil.
Daniel: Es ist so daß "Freeze Frame Reality" sich noch mehr mit den Medien beschäftigt hat und "Solutions" mehr mit der Technologie, mit dem Ausführen dieser Technologie und ihrer Wirkung. Bei der "Freeze..." war noch eine Bewertung der Medien, die jetzt weggefallen ist.
Dean: "Freeze.." hat sich mehr mit den Massenmedien beschäftigt. Es wird anscheinend alles immer technischer. Es geht darum Bits und Bytes klanglich darzustellen.
Zu der Bewertung möchte ich sagen, daß Technologie nicht gut oder böse ist, aber natürlich eine Wirkung hat. Eine Wirkung ist z.B., daß Technologie uns veranlaßt Musik zu machen. Aber es gibt natürlich auch negative Auswirkungen. Technologie verändert ja unser Bewußtsein, z.B. zu Entfernungen, Geschwindigkeit, Zeit...Man sollte immer die gute und schlechte Seite sehen. Ich kann z.B. diese Electrobands nicht verstehen, die kein Instrument spielen können, aber gegen Technologie wettern.
E.: Wenn wir jetzt nur von der Wirkung sprechen, was haltet ihr von dem Medienkritiker Neil Postman, der sagt, daß die moderne Gesellschaft an einem Informationsvirus leidet, daß wir die Fülle der Informationen gar nicht mehr einordnen können und dieser "Virus" praktisch die Gesellschaft lähmt.
Dean: Da stimme ich einerseits zu, aber eine solche Aussage ist irgendwo zu radikal. Es ergeben sich viele Möglichkeiten, aber der Umgang damit verursacht so was.
Daniel: Das paradoxe daran ist, daß dieser Typ seine Thesen nur aufgrund der modernen Technologien vermitteln kann, denn das hätte keiner lesen können, wenn es nicht irgendwo steht.
E.: Ja klar. Aber so polarisiert ist es sicher nicht gemeint. Die Kritik geht eher in die Richtung...-um euch zu zitieren-: "Speed as the only need".
Dean: Das Problem ist die Technologie wie sie da ist und der Mensch wie er damit umgeht. Das harmoniert nicht. Was soll man da machen. Vielleicht Musik.
E.: Gutes Stichwort. Zurück zur Musik. Stimmt ihr zu, daß "Solutions..." die konsequente Weiterentwicklung von der FFR ist?
Daniel: Es ist für uns bis jetzt die konsequenteste Weiterentwicklung überhaupt.
Dean: Wir hatten bei dem neuen Album nicht so den Anspruch ein geschlossenes Album zu machen, sondern eher verschiedene Sounds. Die Trackliste ist da viel mehr zusammengewürfelt. Das war auch der Anspruch. Solutions. Einzelteile.
E.: Das Album ist auch stilistisch nicht als Gesamtkonzept zu fassen. War diese Fragmentarisierung Intention oder Zufall?
Dean: Schwer zu sagen. Viele Dinge die wir machen ergeben sich immer so. Das ist schwer zu erklären. Aber ich denke der Gedanke an "Solutions" hat schon eine Rolle gespielt. Uns ist das nach Fertigstellen des Albums überhaupt erst mal aufgefallen, daß das ganze so zerstreut wirkt. Ich glaube das hat was damit zu tun daß der Titel so ist, man arbeitet automatisch darauf hin.
E.: Nach der echt tollen "Cleaned Visions"-Maxi fand ich die Albumversion sehr enttäuschend. Warum habt ihr das Stück so minimalisiert?
Daniel: Das war eine ganz spontane Idee. Dieses Stückchen war eigentlich als Intro für das eigentliche Stück gedacht und irgendwie war es eine coole Idee, wir haben das Stück aufgenommen so wie es war und wollten dann eigentlich noch die Singleversion dranhängen. Irgendwie war das auf einmal so kompakt, so cool, daß wir es einfach gelassen haben.
Dean: Der andere Grund hängt mit unserem Label, unserem ehemaligen Tourmanager Stefan Herwig zusammen, mit dem wir viel Streß hatten. Es gefiel ihm aber am Schluß, weil die Leute jetzt auch noch die Maxi kaufen mußten.
E.: Mir gefällt "Journey ahead" sehr gut. Es spielt auch mit interessanten Motiven, wie "romantic session with virtual candlelight", "virtual masturbation",...
Dean: Das ist auch total greifbar. Ich z.B. muß mich immer mit Leuten streiten, die "virtual masturbation" geil finden...
Daniel: Ist ein Text von mir, vielleicht deswegen.
Dean: Nein, nein, das hat überhaupt nichts damit zu tun, ich habe selber genug Sachen geschrieben, die auch so total plakativ waren. Das ist vielleicht für andere Leute nicht so plakativ, die das nicht so auf Anhieb verstehen, aber dadurch reinkommen. Aber als Macher ist mir das zu normal, da hätte ich am liebsten einen Pause gelassen.
E.: Ich habe mich insofern darüber gewundert, weil es nicht so implizit wie früher ist, sondern viel direkter. Welchen Stellenwert haben die Texte jetzt bei euch?
Dean: Früher dachten wir politisch Stellung beziehen zu müssen - jetzt nicht unbedingt total plakativ- das haben wir immer vermieden, aber heutzutage ist es so, daß wir direkt von den Geräten inspiriert werden. Unsere Geräte und unser Equipment, mit denen wir unsere Musik machen sind für uns stellvertretend für Technologie und technologische Entwicklung in unserer Welt. Man überträgt solche Sachen und wir befassen uns textlich damit, indem wir Musik machen. Es ist ein gleichzeitiger Prozeß. Unsere Musik könnte auch ohne die Texte existieren, weil die Aussage die gleiche bleiben würde, deshalb bräuchten wir eigentlich keine Texte.
E.: Kann Musik eine Waffe sein?
Dean: Ich glaube alles was verkauft wird kann eine Waffe sein. Ich schätze mal es gibt einige Leute, die z.B. bei uns kompromißlos sind, sich alles kaufen und alles von uns gut finden, ohne über die ganze Sache nachzudenken. Vielleicht haben wir ja irgendwelche zweifelhaften Messages, die politisch unkorrekt sind. Ich schätze mal bei richtigen Fans kann es passieren, daß sie keine richtigen Gedanken brauchen und wenn Musiker anfangen das zu kontrollieren, was wir nicht tun, dann kann es zu einer Waffe werden.
E.: Wie kamt ihr auf die Idee bei "Cage Complex" (cool!) ein Saxophon zu benutzen und wieso spielt das ausgerechnet so`n Typ von "Drown For Resurrection"?
Daniel: Das wußten wir bis dahin auch nicht. Wir haben bei Guido Fricke aufgenommen und wußten nicht, daß sein Bruder selbst Musik macht. Ich glaube ich wußte zu dem Zeitpunkt gar nicht daß der einen Bruder hat, na ja, jedenfalls haben wir bei den Proben immer seinen Bruder Saxophon spielen hören und dachten uns daß wir das irgendwie einbauen wollen.
Dean: Ja, das dachten wir uns sofort, sobald wir zum ersten Mal an seinem Zimmer vorbeikamen und das Saxophon hörten. Dann sind wir die Songs durchgegangen und fanden, daß in Cage Complex was fehlt, am Ende, und haben das da eingebaut.
E.: Warum wollt ihr live nicht mehr mit Videos arbeiten? Ich fand das immer eine geniale optische Unterstützung der Musik.
Dean: Es lenkt von den Livemusikern ab und das ist momentan das Konzept von uns. Wir wollen auch selber Leute sehen, es macht dann mehr Spaß. Wir haben das einmal durch Zufall gesehen, als wir einmal kein Video hatten. Die Leute haben mehr auf die Livemusiker geachtet und sind besser mitgegangen.
E.: Warum bringt ihr eine Doppel-EP voller Remixe raus? Diesen Remixkram gibt es doch in Hülle und Fülle. Warum andere Leute an die eigene Musik dranlassen.
Dean: Es sind vier andere Leute: Forma Tadre, DJ (?), Cevin Key und Bill Leeb, aber der ist sauer auf uns.
E.: Wegen dieser Noise Unit-Geschichte oder? Der war glaub`ich nicht so begeistert von euch, weil ihr nix gemacht habt, oder so.
Dean: Was??? Das ist ja wohl ein Scherz. Wer hat dir das denn erzählt? Der ist sauer weil wir im New Life-Interview gesagt haben, daß er nix gemacht hat. Der war nämlich joggen und poppen. (Die nachfolgenden Spekulationen fallen der bösen Entryzensur zum Opfer, selber schuld wenn jemand an diesen "Was andere nicht abdrucken.."-Schwachsinn glaubt. Anm. Verf.)
E.: Ich bekomme über euch immer wieder diesen Arroganzvorwurf zu hören, daß ihr andere Musiker schlecht macht u.s.w. (siehe New Life).
Daniel: Wir nehmen halt kein Blatt vor den Mund. Wir sind aber auch ein bißchen arrogant. Finde ich aber okay so.
E.: Erzählt doch mal was von Scope, eurem aktuellen Nebenprojekt.
Daniel: Das ist sehr aktuell. Nach den Arbeiten für die EP werden wir das auf jeden Fall fertigstellen. Das erste Demo ist schon ein Jahr alt, das zweite schon fertig. Es wird Zeit, daß da was passiert. Die Musik ist sehr trip-hoppig und im Moment auch sehr jazzig. Wir haben das erste Demotape an eine Reihe von Plattenfirmen geschickt, aber nur Absagen bekommen.
E.: Dann ist es sicher gerade gut. Vielleicht solltet ihr eure Ansprüche mit jeder Absage steigern. Ihr habt gerade euer drittes Album rausgebracht und ich habe gerade mein drittes Interview mit euch geführt. Wie viele kommen noch?
Dean: Spielst du auf das Gerücht an, daß der Name haujobb weg soll? Da haben wir wirklich drüber nachgedacht, weil wir auch auf die Leute angewiesen sind, die uns noch nicht kennen und weil wir uns so langsam in eine andere Richtung entwickeln. Die Leute verbinden den Namen nicht mit dem Film (Bladerunner, Anm.) und erst recht nicht mit unserer Musik. Aber durch die gute Resonanz in Amerika sieht die Sache schon ganz anders aus.
Na dann kann ich mich ja schon auf das nächste Interview, Material und andere Überraschungen freuen. Watch out for solutions in the musicscene. L.S.
| B.J.: Off-Beat ist unser Meinung nach eines der besten deutschen Label, wir sind 100%tig mit ihnen zufrieden denn sie lassen uns alle Freiheiten, wir haben einen guten Vertrag und werden fair behandelt. Und als Newcomer-Band, die einen Vertrag unterschreibt, kann man das nicht unbedingt erwarten. So gab es auch nie irgendwelche Sachen, die im Dunkeln abliefen, es war von vornherein fair, und das Label hat stets gesagt: lm Zweifelsfall für die Band. |
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E.: Welchen Stellenwert haben die Texte für Euch?
E.: Stichwort Konzerte: Hat man Euch in dieser Region häufiger sehen können?
E.: Weiche Musikrichtungen bevorzugt Ihr?
E.: Jetzt im Mai kommt Eure Maxi heraus...
E.: Stellt Euch vor: Euer Haus brennt. Darin: ein alter Nazi-General, ein Pferd und das einzige Manuskript des Buches, an dem Ihr drei Jahre geschrieben habt. Ihr könnt nur ein mal ins Haus, eine Sache retten, dann stürzt das Haus ein. Was holt Ihr raus?