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| Head On Fire |
Die Berliner Formation Head On Fire, die bereits seit 1992 besteht, dürfte vielen von Euch ja mittlerweile durch ihren Song "Turn around" vom "German Mystic Sound Sampler Vol. V" bekannt sein. Dieses Interview war bereits früher geplant, aber die Band hat es auf jeden Fall verdient, mal näher betrachtet zu werden, bieten sie doch einen erfrischenden Gitarrenrock mit genau der richtigen Prise Elektronik. So, nun aber genug der Vorrede und hinein in das wilde Wortgefecht.
E.: Wie hat alles angefangen?
Head On Fire: "Ich war bei einem Freund, der hat mir ‘ne Gitarre in die Hand gedrückt und meinte, ich sollte ihn begleiten. Ich konnte es nicht und er sagte, ich sollte üben. Ich habe dann Zuhause bei uns im Keller geübt. Dann habe ich mir irgendwann ‘ne E-Gitarre gekauft und damit ‘rumgeschrammelt’. Beim Fechten lernte ich Daniel kennen, wir tauschten Musik-Tapes und gemerkten, daß wir auf einer Schiene waren. Ein Bekannter von mir meinte, wir sollten doch mal zu einer Probe kommen. Wir haben dann zu dritt geprobt und haben ziemlich schnell ‘nen Set zusammen bekommen und haben nach 2 Monaten unseren 1. Gig vor ca. 100 Leuten gespielt."
E.: Ihr hattet heute keinen Drummer, habt Ihr noch nie ein Schlagzeug in Eure Musik integriert?
H.O.F.: "Doch, wir hatten einen Schlagzeuger, aber es kam zu bandinternen Problemen. Wir hatten verschiedene Musikstile, er war mehr so aus der Grunge-Ecke und da haben wir halt keine gemeinsame Zukunft mehr gesehen. Wir haben uns dann in beiderseitigem Einvernehmen getrennt."
E.: Wollt Ihr Euch in Zukunft einen neuen Drummer suchen, oder seid Ihr mit dem nicht meckernden Drumcomputer zufrieden?
H.O.F.: "Es ist schon richtig, daß der Computer nicht meckert, aber wir haben ja jetzt schon ‘nen neuen Gitarristen und versuchen jetzt zum neuen Jahr einen neuen Schlagzeuger zu finden."
E.: Wie wurde Head On Fire eigentlich gegründet?
H.O.F.: "Wie schon gesagt, wir haben halt mal geprobt und sofort gemerkt, daß wir harmonieren und haben dann einfach beschlossen, eine Band zu gründen."
E.: Wie hat man den Namen Head On Fire zu verstehen?
H.O.F.: "Der Name beschreibt eigentlich unsere Innerlichkeit. Die Energie und Gefühle, die wir rüberbringen wollten, saßen halt im KOPF. Man kann das schon in gewisser Weise wörtlich nehmen, ohne dabei zuviel hinein zu interpretieren."
E.: Was für einen Anspruch hat Head On Fire, oder was habt Ihr generell für Ansprüche an Eure Musik?
H.O.F.: "Wir machen im Grunde einfach das, wozu wir Bock haben und was wir fühlen. Wir planen unsere Songs nicht so, daß sie nach bestimmten Modesounds klingen. Die Stücke entstehen im Proberaum in einer Art Jam-Session."
E.: Was reizt Euch speziell daran, Musik zu machen?
H.O.F.: "Es ist halt eine Leidenschaft. Wir haben beide früher gemalt, aber Musik hat uns dann irgendwie doch mehr gereizt."
E.: Woher nehmt Ihr Eure Inspiration?
H.O.F.: "Es gibt immer zwei Wege, mal fällt Dir spontan etwas ein, wenn Du auf der Gitarre klimperst und manchmal entsteht es auch im Kopf. es sind meist irgendwelche Themen, um die herum das Lied aufgebaut wird. Die meisten Songs entstehen bei uns aufgrund der Texte."
E.: Die Texte sind ja nun nicht dieses klassische "Ich liebe Dich - aber Du mich nicht"-Gejammere. Wie entstehen Eure Texte?
H.O.F.: "Sie sind im Grunde ganz persönliche Sachen. Viele Texte sind dann auch in düsteren Zeiten entstanden, wenn man so über alles nachdenkt. Man will seinen Frust und seine Sehnsucht irgendwie ausdrücken. Bei Texten wir ja auch viel bildhaft geschildert; es sind teilweise auch nur Wortfetzen. Das wichtige ist einfach, eine bestimmte Stimmung beim Hörer und bei einem selbst zu erzeugen. Es ist auch so, daß uns düstere Sachen mehr bewegen, sie haben auch mehr Ausdruckskraft."
E.: Glaubt Ihr, daß sich der Hörer, bzw. Konsument in Euren Stücken wiederfinden kann, oder ist Euch das nicht so wichtig?
H.O.F.: "In erster Linie machen wir das, was wir fühlen und das, was wir wollen und das, was wir meinen, machen zu müssen. Wir machen keine Musik für irgendeinen Hörer, sondern für uns selbst. Einige Leute teilen unsere Gefühle. Es können sich schon viele mit unserer Musik identifizieren. Wir gehen aber nicht hin und sagen: ‘hey, wir machen Party-Musik’, sondern machen unsere eigene Musik. Wenn es andere gut finden, okay, wenn nicht - dann halt nicht."
E.: Wollt Ihr mit Eurer Musik somit einen kleinen Weltverbesserungsbeitrag leisten, so von wegen: "Leute, jetzt seht doch mal, so toll ist das alles gar nicht!"?
H.O.F.: "Nee, eigentlich nicht, das sehen die meisten Leute dann schon alleine. Wir brauchen da unseren Senf nicht auch noch dazu geben. Das drückt sich durch unsere Musik zwar aus, daß die Welt schlecht ist, aber wir sagen das nicht explizit. Das ist auch immer eine ganz persönliche Meinung. Was wir machen, stellt nicht den Durchschnitt der Gesellschaft dar und hat auch keinen politischen Hintergrund."
E.: Würdet Ihr Eure Musik trendiger machen, damit vielleicht noch ein paar Leute Eure CD’s kaufen?
H.O.F.: "Nee, das ist die Sache nicht wert, wir wollen unser Ding machen. Wir wollen unsere Freiheit behalten und das machen, was uns Spaß macht. Wenn die nächste CD so oder so klingt, dann ist das halt so. Wir möchten halt auf jeden Fall unabhängig bleiben. Es wäre zwar schön, wenn man von der Musik leben könnte, aber es ist fast gar nicht möglich. es gibt auch im Independent-Bereich viele Abzocker."
E.: Ihr verfeinert Eure Songs ja teilweise mit Computer-, bzw. Elektronikelementen. Was hat Euch dazu inspiriert?
H.O.F.: "Das stärkt halt die Vielfältigkeit. Wir mögen gute Keyboardsequenzen. Das ist auch unser Ziel, Gitarren mit Computer und Elektronik zu verbinden, daß die Leute nicht sagen, das ist eine reine Gitarren-Band."
E.: Was haltet Ihr, die Ihr ja auch Musiker seid, von der Glorifizierung bestimmter Bands, wie z.B. Sisters oder Mercy oder Depeche Mode?
H.O.F.: "Diese Bands haben für die Wave-Musik einfach sehr viel getan, sie haben diese Musik bekannt gemacht. Diese ‘großen’ Bands geben der breiten Masse die Möglichkeit, mal in den Wave-, bzw. Independent-Bereich zu hören."
E.: Wieso singt Ihr als deutsche Band englische Texte? ist es nicht ziemlich kompliziert in einer fremden Sprache das auszudrücken, was man vermitteln möchte?
H.O.F.: "Ich habe einige zeit im englischsprachigen Raum gelebt, es ist also so gesehen kein allzu großes Problem für mich, die richtigen Begriffe zu wählen. Bei uns steht auch der Sound und das Gesamtwerk im Vordergrund. Wir haben solche ‘deutschen’ Ambitionen, das merkt man bei den Proben, da wird dann halt Deutsch gesungen. Es gibt ja auch mittlerweile kaum noch eine Band, die nicht mindestens ein deutsches Lied herausgebracht hat. Wir haben im Moment einfach keine Lust, auf diesen Zug aufzuspringen?"
E.: Es besteht aber doch ein gewisses Risiko, daß Euch einige Hörer gar nicht verstehen, weil sie einfach manche englischen Begriffe nicht kennen!
H.O.F.: "Man kann ja keinen Hörer zwingen, daß er jetzt jedes dritte Wort nachschaut, aber im Endeffekt liegt es ja am Hörer, wieviel Gewicht er dem Text gibt. Live kann man diese Texte ja auch noch durch Mimik und Bewegung verdeutlichen. Wer sich für das Feeling interessiert, der wird das dann auch verstehen oder nachschlagen."
M.W.