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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Icekalt |
Die Musik ist der Soundtrack zum Film im Kopf...
Entry: Eure Musik kann man problemlos als einen Crossover bezeichnen. Wo würdest Du selbst Eure Musik einordnen. Eher im Metalbereich, oder sogar beim Hip Hop, Düsterelektronik...?
Michael: Wir kommen schon aus der Metal-Ecke. Mit Bezeichnung Elektro-Metal-Crossover fühlen wir uns ganz wohl. In ICEKALT sind halt so viele verschiedene Einflüsse...
E: Erzähl mal, was für Einflüsse meinst Du?
M: Ach, da müßte ich Dir jetzt 50 Bandnamen aufzählen.
E: `Nen mir einfach Deine Top-3.
M: Ja, ich kann jetzt nur für mich sprechen. Momentan fahr ich auf Type-O, Korn und Tool ab. Mmmmh, das läuft zur Zeit auf meinem CD-Player. Aber es ist ja nicht immer so, daß das, was man gerade so hört, Einfluß auf die eigene Mucke hat.
E: Ihr kommt also vom Metal. Euer Keyboarder dürfte aber aus einer ganz anderen Sparten stammen?
M: Stimmt, der kommt aus der Techno-Ecke.
E: Gibt es dann eigentlich auch noch andere Projekte neben ICEKALT?
M: Ab und zu jammen wir mal mit anderen Bands rum... das ist alles. Andere Sideprojects gibt`s nicht.
E: Ich habe gehört, daß Euer Bandname ursprünglich `Crack Brain Society` war, dann (1995) aber in ICEKALT geändert wurde.
M: Weißt Du, zu der Zeit haben wir einen großen Schritt in Richtung deutsche Lyriks gemacht, und was sollen wir dann noch mit einem englischen Namen? Außerdem gab`s da noch eine gleichnamige Band, die jetzt aber doch nicht herausgekommen sind. Hinzu kam noch eine Rücksprach mit unserem Label Roadrunner, daß ICEKALT doch irgendwie besser ist.
E: Also kam es auch von Roadrunner? Haben die auf den Namenswechsel bestanden?
M: Ne, nicht so direkt. Wir haben nur unsere Köpfe zusammengesteckt und gesagt, `Ja, das ist es!`.
E: Das muß aber schon 1995 gewesen sein. Seid Ihr schon so lange bei Roadrunner?
M: Nunja, der Kontakt besteht schon seit 1995.
E: Und wie seid Ihr dann letztendlich zu Roadrunner gekommen?
M: Das lief damals noch über das Tape von Crack Brain Society. Anschließend gab es noch Bandinterne Veränderungen, eigentlich ziemlich krasse Veränderungen. Ja, wir hatten uns sogar fast schon aufgelöst. Letztendlich haben wir dann praktisch eine neue Band gegründet und haben die besten Songs mit rübergenommen.
E: Wer ist denn aus der alten Besetzung überhaupt noch dabei?
M: Das ist zum einen der Frank, der Schlagzeuger Michel und ich.
E: Du hast von einigen Veränderungen gesprochen... Wie sah Euer Sound denn vor dem Namenswechsel aus? Oder waren das nur die deutschen Lyriks?
M: Die hatten wir teilweise auch schon vorher. Die Musik ging allerdings schon eher in Richtung dieses HipHop-"Hüpf"-Crossover, von dem wir dann immer weiter weggekommen sind. Die Leute, die Einfluß darauf hatten, den Sound "Hüpf"-mäßig zu gestalten, haben letztendlich auch die Band verlassen. Und der Weg, so wie er jetzt ist, hat sich halt herauskristallisiert.
E: HipHop-Elemente werden aber weiterhin benutzt... ebenso der deutsche Sprechgesang.
M: Sagen wir mal deutscher Sprechgesang mit HipHop-Anleihen. Wir machen aber keinen HipHop!
E: Das hab` ich auch nicht behauptet.
M: HipHop benutzen wir also nur als Stilmittel.
E: Um noch mal jetzt eine Brücke zum Namen zu schlagen. Du meinst also, daß Eure Bandname ICEKALT die Musik besser beschreibt, als zum Beispiel Crack Brain Society? ICEKALT selbst ist ja auch kein rein deutscher Name.
M: Ja, ähmm, ich geb` Dich jetzt einfach mal weiter an den Frank... Der kann Dir das mit dem Bandnamen viiiiel besser erklären, der hat das schon richtig drauf!{Der Hörer wird weitergereicht....}
Frank: Ja, Hallo Tom, ich grüße Dich!
E: Hi...hast Du mitbekommen, was ich den Michael gerade gefragt habe?
F: Doch, habe ich... Also, das Album heißt ja auch `Das kalte Herz`, soll ein wenig die Stimmung in der heutigen Gesellschaft umreißen. Wenn Du in die Medien guckst, dann siehst Du überwiegend Kindersexualität, geklonte Schafe, etc. Wir meinen, daß so langsam die Ethik und die Moral den Bach hinunter gehen, die Leute einfach kalt werden. Die Leute schauen sich so etwas im Fernsehn an, und sind nicht einmal mehr geschockt, zappen einfach weiter - Sie sind einfach kalt! Darum geht`s, die Leute sind eiskalt. Und mit der Schreibweise ist es einfach so, daß es den Kreis zu den Songs schließt. Alle Songs sind sehr verschieden, wir machen einfach, was wir wollen und wie es das Stück auch gerade verlangt. Genauso ist es mit dem Namen. Wir machen, was WIR wollen. Natürlich hat die Optik auch eine Rolle gespielt.
E: Gab es vor der CD `Das kalte Herz` eigentlich noch andere Veröffentlichungen?
F: Klar, es gab die üblichen Demotapes, aber veröffentlicht wurde vorher nichts.
E: Das erste Mal, daß ich etwas von Euch zu hören bekommen habe, war auf der PopKomm `96. Da wart Ihr mit einem Stück auf dem Roadrunner-Sampler vertreten.
F: Das dürfte `Flammenmeer` gewesen sein...!?
E: Ja, genau! Und jetzt ist wie schon erwähnt `Das kalte Herz` erschienen. Es hat ja auch einige Zeit gedauert...
F: Mmmmmmmh...
E: Lag das an der Produktion? Ich meine, das Album für ein Debüt sehr sehr gut produziert worden, ich glaube von David Nash.
F: Ja, es war David Nash... Wir brauchten jemand, der das schnell und zuverlässig machen kann. Wir hatten nämlich ursprünglich jemand vollkommen anderes geplant, der dann aber zeitlich nicht rumkam. Wir brauchten jemanden, der schon auf vielen Gebieten Erfahrungen hat. David war dann halt "zweite Wahl". Die CD ist spitzenmäßig produziert geworden. Er hat wirklich was drauf und weiß, worum es geht.
E: Im Bandinfo zur CD wurde gleich ein indirekter Vergleich zu Rammstein gegeben, in dem gesagt wurde, daß man Euch ja nicht mit Rammstein in einen Topf werfen soll. {Am anderen Ende der Schnur ist eine Gelächter zu vernehmen...} Ich wäre von mir aus sowieso auf diesen Vergleich gekommen, denn wenn man `Das kalte Herz` zum ersten Mal hört, hat man so die typischen Elemente, sprich deutscher Gesang, aggressive Gitarren,...
F: Nenene, wir hatten auf den Infoflyer keinen Einfluß, das haben die Kackeimer von Roadrunner verzapft. {Kackeimer = den anwesenden Promoter Andreas von RoadRunner ärgern!}
E: Und wie siehst Du nun den Vergleich zu Rammstein?
F: Auf der einen Seite sehen wir Rammstein als Band, die in dem Bereich sicher eine Menge Türen geöffnet hat, auch für Bands wie uns. Das müssen wir natürlich anerkennen. Vorher gab`s irgendwie nie richtig den Markt für sowas. Wir sehen in Rammstein eine gute Band, haben aber mit denen trotzdem nichts am Hut. Verzerrte Gitarren und deutsche Lyriks haben die Hosen auch. Ich denke, wir haben mit Rammstein so viel oder so wenig zu tun, wie mit den Toten Hosen. Außerdem finde ich unser Album um einiges runder als das von Rammstein, etwas wärmer, und etwas grooviger vielleicht auch.
E: Von weitem betrachtet haben Rammstein sowieso ein Dancealbum gemacht. Jedes Stück ist discotauglich.
F: Vor allem ist der Gesang auch vollkommen anders. Bei Rammstein zieht sich das Vorgetragene wie ein roter Faden durch die CD, mit diesem rollenden R. Wir variieren je nach Stück und Inhalt, je nach dem was das Stück gerade an Feeling verlangt. Das soll jetzt natürlich nicht Rammstein schmälern! Aber ich denke, daß es da schon gewaltige Unterschiede zwischen den Bands gibt.
E: Eure Texte sind wesentlich filigraner und nicht so provokant. Allerdings könnte ich mir vorstellen, daß wenn Euer Album etwas mehr in Richtung Rammstein produziert worden wäre, daß dann Eure "Message" etwas anders rüberkommen würde.
F: Was meinst Du mit `in Richtung Rammstein`?
E: Rammstein haben ja schon fast richtige Mitgröhltexte...
F: Das ist halt nicht unser Ding {und lacht}. Uns liegt eigentlich nichts daran, jetzt irgendwie zum mitgröhlen zu sein. Wir wollen mit unseren Texten visuelle Bilder kreieren, jede Zeile soll irgendwie ein Bild hervorrufen; möglichst Sachen, mit denen man sich identifizieren kann. Unsere Musik ist praktisch der Soundtrack zum Film im Kopf. Und der ist ja auch bei jedem verschieden. Aber es geht eigentlich darum, eine Synthese zwischen Gesang und Musik zu schaffen, daß das alles einheitlich rüberkommt. Das eine verlangt dann irgendwie nach dem anderen.
E: Eure Songs und Texte weisen ja eine recht einheitliche Struktur auf. Vor allem bei den Texten sind mit die Reime aufgefallen...
F: Das kommt ganz drauf an, welches Stück Du meinst.
E: Ich meine das ganz allgemein.
F: Ja, das ist Old School Rock`n`Roll. Da hat man das noch so gemacht.
E: Wie alt seid Ihr denn, wenn ich fragen darf?
F: 25...
E: {Gelächter} Dann bist Du ja noch jünger als ich. Entschuldige bitte mein Lachen...
F: Jajajaja... Wie gesagt, das geht nur auf das klassische Schema zurück, weil wir auch alle aus der klassischen Hardrock-Ecke kommen, abgesehen vom Keyborder Schoko. Bei AC/DC hat sich ja auch alles gereimt. Die düsteren Elemente kamen erst in den 90ern, glaube ich. Was mich damals sehr beeinflußt hat, waren Fields of the Nephilim mit `Dead but dreaming`. Weißt Du, so eine Stimmung hat mich total fasziniert und beeindruckt, sowas wollte ich auch machen.
E: Im Booklet sind ja alle Eure Texte abgedruckt, aber in jedem Songtexte gibt es eine Passage, die fett geschrieben wurde. Ist das die konzentrierte Message oder der Plot von dem Lied?
F: {lacht} Nenene, das ist alles nur ein grafischer Gag. Das ist alles mehr oder weniger wahllos, mehr nicht.
E: Ich habe Eure Album bisher etwa 3-4 mal gehört und am besten hat mit der Song `Stiller Sturm` gefallen...
F: Jaaa!
E: Wird der noch als Single ausgekoppelt?
F: Ja, der ist auch als Single ausgekoppelt! Der müßte ungefähr zwei Wochen vor dem Album erschienen sein.
E: Weiß ich nicht, hat mich nicht erreicht. Gibt`s dazu auch ein Video?
F: Nene, leider nicht. Aber uns geht`s auch nicht so um die Chartposition und so. Der Underground ist viel wichtiger. Wir wollen auch noch irgendwann eine 2te Platte machen. Uns geht es jetzt nicht drum, mit einer Nummer mal eben schnell ein Haufen Kohle für ein Video zu verprassen, wo dann ein Sender Einfluß darauf nehmen kann, wie es mit Dir weitergeht. Wenn zum Beispiel Viva kein Bock hat Dein Video zu spielen, dann kann es für ein Label wie Roadrunner richtig übel werden. Deshalb wollen wir die Band von Grund auf aufbauen und lassen uns da echt Zeit.
E: Geh doch mal etwas auf `Stiller Sturm` ein... Da steht zum Beispiel im Booklet, daß der Song Michael `Henry` Heinrich gewidmet ist. Ich nehme mal an, daß er der Bruder vom Keyborder Ralf Heinrich ist, oder?
F: Ne, das ist nicht der Bruder, sondern unser ehemaliger Bassist. Der hat leider zu Crack Brain Society-Zeiten einen Unfall gehabt, ist vom Baum gefallen und sitzt seitdem im Rollstuhl. Da dieser Song ja auch so eine Durchhalte-Message hat, habe wir dem Michael diesen Song gewidmet.
E: Du hast doch auch Songtexte verfasst. Welcher ist den z.B. von Dir?
F: `Schwarzer Mann` zum Beispiel.
E: Spielt der Song auf Belgien und die Kindesmißhandlungen an?
F: Ne, der Song war schon vor Belgien. Das ist unheimlich, was für eine Eigendynamik Songs entwickeln können, was die Leute alle hineininterpretieren. Das paßt jetzt natürlich, da kommt man auf solche Gedanken. Das werde ich vielleicht unbewußt auch gedacht haben, als ich den Song geschrieben habe. Weißt Du, wir haben jetzt auch die Möglichkeit durch Leute wie Dich etwas mehr über unsere eigenen Stücke zu lernen und zu erfahren. Wir können sehen, wie es anderen Leuten reingeht. Wir haben auch schon Vergleiche mit Grimm-Märchen gehört! Das ist aber auch der Gag an dem Album. Die Songs verursachen Bilder im Kopf.
E: Und welche Bilder hattest Du bei `Schwarzer Mann` vor Deinen Augen?
F: Das war ein Alptraum... das handelt irgendwie von dem Feeling, wenn Du wegrennen willst, aber nicht von der Stelle kommst. Da gibt es ein paar Sachen, die kehren einfach immer wieder.
E: Ja, sowas kennt wohl jeder. Man fällt und schlägt niemals auf...
F: Genau, und dieses Feeling wollten wir jetzt nicht direkt erzählen, sondern eher umschreiben.
E: Die Texte kommen alle von Dir und Michael. Wer macht denn die Musik?
F: Die machen wir alle, die entstehen im Proberaum.
E: Ihr jammt da einfach rum und...
F: Ja, aber das ist es letztendlich auch, was die Musik ausmacht. Wir machen dann auch solange rum, bis jeder denkt `so muß sich das für mich anhören`.
E: Jetzt kommt zum Schluß noch die eigentlich obligatorische Frage nach Live-Gigs... Ist eine Tour geplant?
F: Ach Thomas, ich würde nichts lieber tun, als Dir die kompletten Live-Dates durchzugeben, aber es leider noch nichts konkretes auf der Hand. Wir werden im Sommer auf diversen Festivals spielen, und im Herbst wird eine richtig amtliche Tour kommen.
E: Ich danke Euch für dieses schöne Interview....
Nach anfänglichen Koordinationsproblemen hat das Interview dann doch noch geklappt. Ich möchte mich hier noch einmal bei Michael und Frank von ICEKALT und natürlich auch bei Andreas/Roadrunner bedanken. Bis zum nächsten Mal und
viel Glück! T.C.
LineUp: Michael Ronellenfitsch (Gesang&Gitarre), Frank `Sherif` Willfeld (Gitarre),
Ralf `Schoko` Heinrich (Keyboards), Hans Mappes (Bass), Michel Müller (Drums)
Kontakt: Power Promotion, P.O.Box 1303, 69184 Walldorf, Fon/Fax: 06227-4162 Im WWW: http://www.roadrun.com