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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Ikon

 

Ikon - Interview 1

Ikon - Interview 2

Ikon - Interview 3

 

Still geworden war es um Ikon, Australiens Aushängeschild in Sachen Dark Wave, die mit Ausnahme ihrer Beiträge zum "New Face of Apollyon" Sampler lange nichts von sich hören ließen. Doch das stille Wasser war tief; in der Zwischenzeit verließ Sänger Michael Carrodus die Band,und Chris McCarter gründete in Zusammenarbeit mit Subterfuge Sänger Clifford Ennis das vielversprechende Projekt Jerusalem Syndrome. Auch der Stil der nun zum Duo mutierten Band von Chris und Dino Molinaro erlebte erstaunliche Veränderungen; ungewohnt elektronisch, doch nach wie vor warm und atmosphärisch präsentieren sich Ikon im neuen clubtauglicheren Gewand, das noch so manchen Hörer, der bisher noch nicht in den Genuß kam, überzeugen wird. Und ein guter Grund war, Chris Mc Carter vorab ein wenig auszufragen.

Entry: Euer neues Album ‘This quiet earth’ unterscheidet sich in einigen Punkten sehr von dem, was man von Ikon bisher gewohnt war; zum einen sind die Songs wesentlich elektronischer ausgefallen, zum anderen fällt natürlich schon auf, daß Du an Michaels Stelle die Vocals übernommen hast. Wie kam es zu dieser stilistischen Neuerung, und welche Idee steckt dahinter?

Chris: Der Unterschied zwischen den bisherigen Ikon Veröffentlichungen und ‘This quiet earth’ ist nur der, daß ich von einem anderen Gesichtspunkt als vorher an das neue Material heranging. Ich finde, daß die neue CD zu einem gewissen Grad eine Art Zusammenfassung der musikalischen Pfade ist, die wir seit unserer Gründung gegangen sind. Wir hatten seit jeher gitarrenorientierte Rock Songs geschrieben, bis wir 1993 dazu übergingen, auch Ambient und Electronic in unser Set mit aufzunehmen; seit ‘The echoes of silence’ haben wir diese drei Stilformen in unseren Songs miteinander verbunden. Als ich anfing, mich im Umgang mit technischem Equipment immer wohler zu fühlen, bewegten sich Ikon langsam immer mehr zum elektronischen Sound. Ich war mir mit ‘This quiet earth’ bewußter über das Kreieren von verschiedenen unterschiedlichen Stilformen im Dark Wave Bereich. Wir entfernten uns langsam von den eher gitarrendominierten Rocksongs, um ein ausbalanciertes Album aufzunehmen, auf dem jeder Song seinen eigenen individuellen Touch enthält. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, auch wenn ich nach wie vor finde, daß alles, was Ikon bisher ausmachte, noch immer vorhanden ist, und nur auf andere Weise präsentiert wird.

Ikon

Entry: Es fällt auf, daß trotz des stilistischen Wandels hin zum Electro die Lyrics sehr persönliche oder philosophische Themen behandeln, warum kombinierst Du gerade diese ‘menschlichen’ Gedanken mit der ‘technischen’ Instrumentierung?

Chris: Ich denke, es macht keinen Unterschied, welche Art von Musik man spielt, man kann sie immer mit persönlichen oder philosophischen Themen verbinden, obwohl es stimmt, daß man dies mit Dark Wave wesentlich einfacher realisieren kann, es scheint fast so, als sei er hauptsächlich für solche Themen geschaffen worden. Sobald ich diese Art von Musik schreibe, egal ob ich mit Text oder Musik beginne, male ich mir bereits in Gedanken ein Bild dessen aus, was der Song für mich darstellt. Sobald ich dieses Bild gefunden habe scheint alles fast wie von selbst zu passieren, den Titel zu finden, den Song zu arrangieren und auch, ob es sich letztlich um einen Song aus akustischen Gitarren, oder ein Electro Stück handeln wird; all dies wird mir bewußt, sobald ich die ersten Ideen für eine Melodie oder den Text bekomme.

Entry: Es fällt auf, daß trotz des stilistischen Wandels hin zum Electro die Lyrics sehr persönliche oder philosophische Themen behandeln, warum kombinierst Du gerade diese ‘menschlichen’ Gedanken mit der ‘technischen’ Instrumentierung?

Chris: Ich denke, es macht keinen Unterschied, welche Art von Musik man spielt, man kann sie immer mit persönlichen oder philosophischen Themen verbinden, obwohl es stimmt, daß man dies mit Dark Wave wesentlich einfacher realisieren kann, es scheint fast so, als sei er hauptsächlich für solche Themen geschaffen worden. Sobald ich diese Art von Musik schreibe, egal ob ich mit Text oder Musik beginne, male ich mir bereits in Gedanken ein Bild dessen aus, was der Song für mich darstellt. Sobald ich dieses Bild gefunden habe scheint alles fast wie von selbst zu passieren, den Titel zu finden, den Song zu arrangieren und auch, ob es sich letztlich um einen Song aus akustischen Gitarren, oder ein Electro Stück handeln wird; all dies wird mir bewußt, sobald ich die ersten Ideen für eine Melodie oder den Text bekomme.

Entry: Nach wie vor finden sich auch neofolkige Töne wie ‘A day that past’ oder ‘Decline of the Antichrist’ auf dem neuen Album wieder, die sehr an eure früheren Arbeiten erinnern, waren sie die ersten Stücke, die für ‘This quiet earth’ geschrieben wurden? Wie hat sich die Struktur der CD ohnehin entwickelt?

Chris: ‘A day that past’ haben wir tatsächlich kurz nach dem Release von ‘Flowers for the Gathering’ geschrieben. Ursprünglich war es für ein Projekt, ‘The Seventh Dawn’, gedacht, daß ich zusammen mit einer meiner Schwestern habe, doch dann entschloß ich mich, es doch für Ikon zu verwenden. ‘Decline of the Antichrist’ stammt noch aus der ‘Flowers for the Gathering’ Zeit, es ist fast ein zweiter Teil zu ‘In trust I return’. Damals fand ich, daß die beiden Stücke zueinander im Widerspruch standen, aber jetzt denke ich, daß sie zusammen auf dem Album hätten erscheinen sollen! Die Struktur der neuen CD ergab sich, als ‘Subversion’ 1996 zur Hälfte geschrieben wurde. Wir fingen an zu jammen und nahmen einfach alles auf, was dabei heraus kam. Michael war zu dem Zeitpunkt noch Mitglied der Band, doch vom ersten Moment an, an dem ich Dinos Base Line hörte, fühlte ich eine sofortige Verbindung zu dem Song; als ich nach Hause kam und die Tapes anhörte, begann ich sofort mit dem Programming und schrieb fast den gesamten Text. Mir war klar, daß ‘Subversion’ die erste Single des Albums sein würde, und ich fing an, mich von den gitarrendominierten Songs zu entfernen. ‘Voice of the Sun’ entstand ebenfalls schon 1996, aber den Rest des Albums schrieben wir erst seit Juli letzten Jahres. Ich hatte eine Menge Material für Demos aufgenommen, das nicht für ‘This quiet earth’ verwendet wurde, ich wollte versuchen, genau die Songs zu finden, die mit meiner Art zu Denken fortgeschritten waren.

Entry: Inwiefern hat die Trennung von Michael das neue Material beeinflußt? Welche Gründe hatte er außerdem, die Band zu verlassen?

Chris: Sie hat das Material sehr beeinflußt, sie erlaubte ihm, sein volles Potential zu entfalten. Was die Richtung angeht, hat sein Weggang ‘This quiet earth’ so gut wie gar nicht tangiert. Das Album wäre musikalisch größtenteils das selbe geblieben, doch von den Lyrics her wäre es nicht vergleichbar gewesen. Als ich das Material schrieb war mir schon bewußt, daß Michael kein Teil mehr davon sein würde, da unsere Freundschaft zu dem Zeitpunkt bereits nicht mehr existent war, und dies es für uns schwer machte, in Harmonie miteinander zu arbeiten, es hätte die Energie der Songs immens angegriffen. Sein Weggang war eine gegenseitige Übereinstimmung. Er war beleidigt, als er davon hörte, daß ich Jerusalem Syndrome zusammen mit Clifford plante, deshalb fing er an, wesentlich weniger Arbeit in Ikon zu investieren als früher. Außerdem war er sauer, daß wir keine Europa Tour gemacht hatten, und es scheint mir, als sei dies das Einzige gewesen, an dem er Interesse hatte. Ich mochte es nie, live zu spielen, während er es die ganze Zeit über wollte, und genau Zeit war es auch, die ich einfach nicht länger verschwenden wollte. Wir hatten länger keinen Kontakt mehr, und Ende 1996 war ich in meinen Gedanken soweit, daß ich ihn nicht mehr in der Band wollte, deshalb ermutigte ich ihn auch nicht mehr, Lyrics zu meinen Songs beizusteuern.

Symbol

Entry: Auf der Singleversion von ‘Subversion’ findet man den ‘Dubversion’ Mix. War dies nur eine experimentelle Art, eure Musik auszudrücken, oder kann man demnächst öfter mit Vergleichbarem rechnen?

Chris: Der ‘Dubversion’ Mix war meine Idee, und es stimmt, es war eine experimentelle Art des Ausdrucks unserer Frustration, die wir in die Lyrics gepackt hatten. Außerdem bekam ich 1996 von Apollyon einen Sampler, mit dem ich etwas arbeiten wollte. Ich glaube, daß ich in Zukunft diesem Weg ein wenig folgen werde, aber wohin er führt, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

Entry: Weshalb fandest Du es so schwierig, ‘This quiet earth’ zu realisieren? Woher kamen die Zweifel daran, das Album herauszubringen?

Chris: ‘This quiet earth’ war für mich ein sehr hart zu realisierendes Album, da mein Leben in der Zeit eine Menge Wendepunkte durchmachte, und ich eine neue Art zu denken fand. Zudem war ich Mitte letzten Jahres sehr krank und fand es sehr schwer, überhaupt irgendetwas zu tun. Dazu kam, daß ich, nachdem Michael die Band verließ, noch den Streß hatte, alle Lyrics selbst zu schreiben, was mich daran hinderte, in Harmonie zu arbeiten. Ich hatte niemals wirklich Zweifel daran, das Album herauszubringen, aber durch einige Zwischenfälle 1997 hatte ich sehr wenig Zeit, um es fertigzustellen, ich mußte mich sehr beeilen, die CD fertigzubekommen, zumal sie schon ein Veröffentlichungsdatum hatte; es endete darin, daß Apollyon sie drei Wochen später als vereinbart bekamen. Ich wäre über etwas mehr Zeit glücklich gewesen, aber unter diesen Umständen bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden, ich sehe es als einen ersten Schritt für die ‘neuen’ Ikon. Es war fast, wie noch einmal von Vorne zu beginnen.

Entry: Das ganze Album zentriert sich um ‘Subversion’, was bedeuten Dir die Lyrics zu dem Stück? Welchen Einfluß haben sie auf Dich, oder sind sie eher als das Ergebnis deines ‘Gedankenwandels’ zu verstehen?

Chris: ‘Subversion’ hat natürlich den Weg für das Konzept des Albums festgelegt, und die anderen Stücke wurden darum plaziert. Der Song betrachtet all die Dinge auf dieser Welt, auf die ich sozial konditioniert wurde, ohne überhaupt über sie nachgedacht zu haben. Man sagte mir, was falsch uns was richtig sei, aber unter der Oberfläche fühlte ich, daß wir alle durch Furcht oder Manipulation kontrolliert und in unseren Bahnen gehalten werden. Subversion ist meine Einstellung gegenüber der Macht und Heuchelei von Religion und Politik, mit der ich nicht länger übereinstimmen konnte. Es handelt davon, seine eigene Stärke zu finden und sich gegen die Unterdrückung zu aufzulehnen.

Entry: Du meintest, daß die ganze CD eher als Studioalbum konzipiert wurde. Wie, denkst Du, wollt ihr das Material live präsentieren, zumal Du Auftritte ja nicht so sehr zu lieben scheinst?

Chris: Wenn die Zeit dafür reif ist, werde ich mich wirklich darauf freuen, das Material von ‘This quiet earth’ sowie einige ältere Stücke vorzustellen. Ich arbeite gerade an der Live Präsentation, und ich bin sehr aufgeregt über die Aussicht, live zu spielen.

Entry: Wie geht es mit Deinem Projekt Jerusalem Syndrome weiter? Können wir auch hier in Kürze etwas Neues erwarten?

Chris: Für Jerusalem Syndrome haben wir bereits einiges vorbereitet, und sobald die Arbeit an den aktuellen Projekten beendet sein wird, werden wir ein neues Album herausbringen, wahrscheinlich noch vor Ende des Jahres. Es ist nicht mehr viel daran zu arbeiten, wir haben eher die Schwierigkeit, die Zeit dazu zu finden.

Bei so viel Kreativität bleibt es mir nur noch übrig, Ikon zum neuen Album zu gratulieren, auf die für Mitte Juni angestrebte Veröffentlichung hinzuweisen und mich herzlich bei Mark Hofmann zu bedanken, dessen Unterstützung und zuverlässige Hilfe diese Zeilen erst ermöglichte.

H.M.

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