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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| In Extremo |
"Hört von den sieben Vaganten
die ihr Glück in der Hölle fanden
Behangen mit Fetzen und Schellen
die so laut wie Hunde bellen
ihr lachen ist stuRm und gewitter
feiern und zechen biskommt der tödliche schnitter
verehrt und angespien im ganzen land
von allen nur
in extremo
genannt"
Entry: Berichtet uns doch etwas über die Gründung von IN EXTREMO.
I.E.: Die Mittelalterband wurde 19986 gegründet, und die Rockband ein Jahr später. Zu Ostern im letzten Jahr hatten wir unseren ersten Auftritt.
Entry: Was bedeutet eigentlich Euer Name?
I.E.: IN EXTREMO ist lateinisch und bedeutet soviel wie zu guter Letzt oder in Vollendung. Für uns bedeutet der Name mittlerweile aber etwas anderes.
Entry: Und was?
I.E.: Ist Extrem. Das sagt doch schließlich alles, nicht wahr?
Entry: Das kann ich nicht bestreiten. Wie kamt Ihr denn überhaupt zur Mittelaltermusik, und was bedeutet sie Euch?
I.E.: Dr. Pymonte und ich machen ja schon ewig Mittelalterliche Musik. Dr. Pymonte seit über 10 Jahren, und ich etwa seit sechs. Es macht halt einfach Spaß. Es ist etwas anderes, als einfach nur die Klampfe zu nehmen und in das Mikrofon zu schreien. Unsere Musik ist etwas neues. Die anderen haben alles durch: von Blues bis Punk.
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Irgendwann kamen wir auf die Idee, unsere Musik zu verrocken, und das war für uns alle wie ein Stich ins Herz: Ist ja geil! Entry: Ich frage jetzt mal etwas provokativ. Es gibt ja noch andere Bands, die eine Art Crossover aus Mittelalter und Rock zelebrieren. Was ist da bei Euch das Besondere? I.E.: Ich denke nicht, das wir einfach auf einen Zug aufspringen. Jeder von uns macht seine Musik schließlich seit vielen Jahren, und wir waren auf jeden Fall eine der ersten Bands, die diese Kombination machten. |
Entry: Wie entstehen Eure Songs?
I.E.: Wir suchen uns zuerst die Texte heraus. Diese sind ja schon ewig bekannt und werden auf den Mittelalterfesten seit vielen Jahren gespielt. Wir hinterlegen sie mit originalen Melodien, und danach werden sie von unseren Musikern arrangiert. Dies ist natürlich eine sehr schwere Sache, denn rekonstruieren ist immer viel schwerer als etwas neues zu machen. Außerdem muß es einfach passen, damit die Leute nicht denken, daß da zwei Bands auf der Bühne spielen. Die Kraft der Dudelsäcke muß einfach mit der Härte der E-Gitarren harmonieren.
Entry: Was fasziniert Euch eigentlich an den Dudelsäcken so?
I.E.: Sie sind ja typische Mittelalterinstrumente. Wer sich etwas auskennt, weiß, daß sie sehr brachiale und kraftvolle Instrumente sind. Diese Instrumente mußten ja in der Lage sein, über größere Entfernungen verständlich zu sein, da das Volk früher ja keine Verstärker hatte. Unser Sound wird zwar von diesen Instrumenten geprägt, aber wir verwenden ja auch noch andere Instrumente wie zum Beispiel Flöten und ganz bevorzugt Schalmeyen.
Entry: Was erwartet Eure Hörer dann auf Euren Konzerten?
I.E.: Auf Mittelaltermärkten ist es natürlich das Akustikprogramm, welches ja auch schon sehr kraftvoll ist. Bei den Rockkonzerten erwartet Euch eine richtige Show mit kraftvoller Musik, Pyrotechnik, Feuerspucker, Akrobatik, Gauklern und ausgefallenen Kostümen.
Entry: Ihr macht also keine zweigeteilte Show, bei der zuerst das Akustikprogramm und dann die Rockshow kommt?
I.E.: Diese beiden Sachen muß man ganz klar trennen. Es sind zwei verschiedene Bands mit den gleichen Leuten, aber unterschiedlichen Sachen. Wir wollen jetzt mehr die Rockgeschichte machen. Es geht ja von der Mittelaltermusik nichts verloren, sondern sie bekommt mehr einen neuen Anstrich. Dieses versuchen wir halt den Leuten begreiflich zu machen.
Entry: Wird das denn verstanden und akzeptiert?
I.E.: Natürlich gibt es einige wenige Neider, die damit Probleme haben. Einige Leute sind auch mehr Puristen, die den herkömmlichen Sound hören wollen. Die Hörgewohnheiten haben sich aber geändert. Die Leute genießen zu Hause die Musik am besten mit 50 Watt. Wir wollen mit unserer Musik ja nicht den mittelalterlichen Mythos zerstören, sondern ihm ein neues Gesicht geben. Dies ist unsere Absicht.
Entry: Jetzt einmal zu etwas anderem. Wie ich hörte, stellt Ihr Eure Blasinstrumente selber her.
I.E.: Dr. Pyrmonte baut sie tatsächlich vollständig selber. "Flex der Biegsame" und "Yellow der Pfeifer" haben auch schon damit angefangen. Nur der Spezialist ist Dr. Pyrmonte, der natürlich dabei seine Geheimnisse hat, damit sie besonders laut sind und doch gut klingen. Dies ist eine sehr schwere Arbeit. Es ist wirklich Kult, was er da zaubert. Die Schalmey wird ja hinein gesteckt. Sie ist das Urinstrument, das man sowohl alleine als auch im Dudelsack spielen kann. Es ist wirklich absoluter Wahnsinn, wie sie behandelt wird. Sie wird eingerieben, dann kommt Whiskey hinein, damit alles noch "lebt". Eine Gitarre muß nur gestimmt werden, nachdem sie lange in der Ecke stand, und hört sich dann wieder sehr gut an. In den Dudelsäcken steckt aber auch ein Stück der Seele der Menschen, die sie gebaut haben und spielen. Während der Rockshow wird man immer wieder sehen, daß einer der Dudelsackspieler kurz von der Bühne verschwindet, um sein Instrument neu zu stimmen, da es sich laufend verzieht. Wenn man beispielsweise mit einer Nebelmaschine arbeitet, muß man sehr aufpassen, daß das Instrument nicht feucht wird. Aber unsere Musiker haben das sehr gut im Griff. Vier oder fünf Stunden vorher werden die Dudelsäcke eingespielt.
Entry: Bei den Schalmeyen ist es doch sicherlich ähnlich?
I.E.: Bei den Schalmeyen ist es auch so. Dort hat man ja vorne dieses Blatt, daß auch gestimmt werden muß. Ich als Gitarrist mische mich in diese Kunst aber nicht ein. Die Leute behandeln ihre Instrumente wie ihre kleinen Kinder. Man muß halt einmal sehen, wieviel Arbeit dahinter steckt. Entry: Nun weiter zur nächsten Frage. Wann kommt Eure CD eigentlich heraus? I.E.: Unsere neue CD "Weckt die Toten" wird wahrscheinlich Ende Mai/Anfang Juni auf den Markt kommen. Dies ist aber noch nicht ganz spruchreif. Wir haben aber auch noch andere CD’s. Letzte Woche ist unsere Mittelalterscheibe "Hameln" herausgekommen. |
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Entry: Bei uns in der Gegend werdet Ihr mittlerweile übrigens als Geheimtip, um nicht zu sagen als Kult gehandelt.
I.E.: Ich denke, mit unserer neuen CD werden wir noch mehr Leute ansprechen. Wir haben diesmal einen tollen Produzenten gehabt, und so ist auch die Musik. Es macht einfach enorm viel Spaß. Wenn man jeden Tag im Studio ist und seine Musik zum 150ten Mal hört, hängt sie einem irgendwann zum Halse heraus. Gestern saßen wir dann im Studio und haben unseren ersten fertigen Mix gehört, sahen uns an und stellten fest, daß wir ja wirklich richtige Musik machen.
... Alles lacht...
I.E.: Ich habe gestern halt zum ersten Mal seit drei oder vier Jahren eine richtige Gänsehaut bekommen.
Entry: Man kann sich also schon richtig darauf freuen ...
I.E.: Das kannst Du also wirklich jedem sagen: die neue CD ist wirklich unser Meisterstück. Davon abgesehen, daß es auch von unserem Produzenten Ecki Strauß ein Meisterstück ist, das er in den Vielklangstudios aufgenommen hat. Er ist zwar namenlos, aber wir haben viel Glück gehabt, daß wir ihn gefunden haben. Wir hoffen jetzt, daß wir bald einmal im Ruhrpott spielen können, so in Essen oder Bochum in der Zeche vielleicht. Die Agenturen arbeiten daran, aber wir haben leider nicht viel Einfluß darauf.
Entry: Wie seid ihr eigentlich an Vielklang gekommen?
I.E.: Es war ein Zufall. Die Rockband existiert jetzt ein Jahr und in dieser Zeit haben wir es geschafft, uns einen Namen zu erspielen. Wir kommen genauso wie Vielklang aus Berlin, und in Kneipengesprächen sagt plötzlich jemand, daß er wiederum jemanden kenne, und er hat dann unser Tape weiter gegeben. Wir haben einfach Glück gehabt. Unsere Mittelaltermusik kannten ja auch viele Leute, die dann einmal sehen wollten, wie wir so auf der Bühne sind.
Entry: Und wie sehen Eure Zukunftspläne aus?
I.E.: Wir bleiben jetzt am Ball. Das bedeutet spielen, spielen, spielen. Wir möchten aber nicht auf politischen Veranstaltungen spielen, da wir eher unpolitisch sind. Wir hängen jetzt eigentlich nur noch auf der Autobahn herum auf dem Weg von einem Gig zum Nächsten. Es ist eigentlich schade, daß wir uns kein Flugzeug leisten können.
Entry: Und nun unsere letzte Frage. Was habt ihr unseren Lesern noch zu sagen?
I.E.: Zuerst einmal grüßen wir sie alle recht herzlich und wünschen Ihnen viel Spaß beim Hören.
Und nach diesen "philosophischen" Worten verabschiede ich mich von diesen beiden liebenswerten Troubadouren und freue mich schon auf ihr Konzert in Leipzig auf dem Pfingsttreffen.
Ganz besonders danken möchte ich auch Doro von Vielklang, die mir dieses Interview ermöglicht hat.
M.V.