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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Inchtabokatables

 

Seit 1991 hat sich die Berliner Ausnahmeband der Folkmusik gewidmet Mit Ihrem letzten Album "Quiet!" haben Sie bereits mit Ihren Wurzeln gebrochen und beschreiten nun mit dem aktuellen Album "Too loud" neue Wege...

Entry: Wahrscheinlich seid Ihr schon oft gefragt worden, was sich hinter dem Namen "Inchtabokatables" verbirgt?

BB: Nee, der Name wurde uns verliehen! Wir haben in irgendeiner Bar rumgehangen, haben uns nett unterhalten, das eine oder andere Getränk zu uns genommen, waren lustig beieinander, und dann kam ein damals noch nicht Freund, ein Australier, und meinte: Also, was Ihr da macht ist doch INCHTABOKATABLE. Wir dachten uns, das klingt doch, aber er hat sich beharrlich geweigert, uns den Namen zu vermachen. Nach weiteren 3 oder 4 Barnächten hat’s dann doch geklappt und seitdem sind wir die INCHTABOKATABLES (Die Hochstapler).

Entry: Ihr habt ja auch sonst ganz schicke Namen wie Moeh, Herr Jeh, Deutung, Dr.TB, BB und Vadda...

BB: Moeh wird übrigens [Mo:] ausgesprochen. Im übrigen legen wir auf unsere Namen nicht mehr so großen Wert.

Entry: Auf den aktuellen Pressefotos seht Ihr ja richtig wild aus, ganz das Gegenteil zu Eurer vorherigen Platte "Quiet!", wo Ihr eher harmlos wirkt. Jetzt guckt Ihr verdammt böse, zumindest teilweise. Wollt Ihr ein neues Image etablieren?

BB: Wir denken eigentlich gar nicht über Images nach. Alles was wir machen und was die Musik angeht, vielleicht auch die Fotos, entsteht recht intuitiv.

Entry: Ich gehe jetzt einfach mal noch einen Schritt weiter. Ich habe das Album angehört und mir die Fotos dazu angeschaut - das paßt wirklich prima!

BB: Der von uns gewählte Fotograf konnte das Ganze richtig gut umsetzen, aber generell ist es ein Glücksfall. Es kann ja auch sein, daß Dir die Plattenfirma einfach einen Fotografen vorsetzt und der macht irgendwas.... Speziell bei dem aktuellen Album haben wir wieder aktiv beim Artwork mitgearbeitet und die Fotos mit ausgesucht und mit gestaltet.

Entry: Gleich die ersten beiden Songs der neuen CD "Too loud" sind recht hart und krachig, und zusammen mit den Fotos erweckt das den Anschein, als ob da, und bitte nimm’ das nicht persönlich, ein wenig Rammstein mitschwingt? Zumindest war es so beim ersten Hören.

BB: Das trifft uns nicht sonderlich! Es ist tatsächlich so, daß wir uns nicht an irgendwelchen Musikrichtungen, Stilen oder am Zeitgeist orientieren oder uns beeinflussen lassen. Zudem denke ich, daß es für eine deutsche Band, die etwas härtere Musik macht, wirklich unmöglich ist, nicht mit Rammstein verglichen zu werden.

Entry: Ich habe Euch nicht verglichen!

BB: Nee, damit habe ich ja auch kein Problem. Außerdem sind wir persönlich sehr enge Freunde, wir kannten uns schon, als es Rammstein überhaupt noch nicht gegeben hat. Wir proben sogar nebeneinander, haben aber musikalisch weiter nichts miteinander zu tun. Wir essen sogar zusammen Kartoffelsalat.

Entry: Wirklich, seid Ihr doch so gut Freunde... ;-) ?

BB: Wir reden miteinander auch nicht über Musik, dafür kennen wir uns zu lange. Ich bin mit Till, dem Sänger, in einer Stadt groß geworden.

Entry: Laß’ uns mal wieder zu "Too loud" kommen. Im Vergleich zum vorherigen Album ist "Too loud" richtig düster und melancholisch geworden.

BB: Naja, es ist so, daß wir auf unseren ersten drei Alben nun ganz deutlich von unseren Wurzeln beeinflußt worden sind, Mittelalter, Irish Folk, und sonst was. Dann kamen ja 2 ½ Jahre gar nichts, um mit "Quiet!" was neues zu beginnen. Mit dem vermehrten Einsatz von Technik und Elektronik, auch schon auf der "Quiet!", haben wir etwas losgetreten, was mit "Too loud" konsequent weiterverfolgt wurde, sprich der Einsatz von Sequenzern, Samplern, und auch Synthesizer. Das hat im übrigen auch unseren eigenen Umgang mit dem Material härter gemacht.

Entry: Mir sind außerdem noch diese typisch vordergründigen Bässe aufgefallen, wie man sie z.B. auch von The Cure her kennt.

BB: Das liegt zu einem großen Teil daran, daß ein Großteil der Songideen und Fragmente aus meiner Feder stammen. Ich bin ausgebildeter Geiger und da die Geige ein Melodieinstrument ist und ich auch auf den Bass schreibe, bekommt auch der Bass eine richtige Melodie. Ich bin richtig verliebt in dieses Instrument und werde es immer mehr. Ich liebe Bassläufe. Also ist es nur allzu logisch, daß wir auch ein paar basslastige Geschichten haben. Und wir haben schon ganz viele weggemacht! Es gab sogar Lieder, da waren partiell bis zu 20 (!) Bässe drauf... Die haben wir dann auf maximal 2 reduziert.

Entry: Steckt hinter "Too loud" ein Konzept? Man kann die ganzen Songs ja sowohl vom Inhalt als auch von der Musik her unter einen Hut bringen...

BB: Ein Konzept wirst Du bei uns nie finden, es ist alles rein intuitiv entstanden. Weil wir letztes Jahr wegen der ganzen Konzerte im Sommer kaum Zeit hatten, sind wir im Herbst nur mit Fragmenten ins Studio gegangen. Das ist schon ein großer Unterschied zu "Quiet!", bei der schon am ersten Studiotag feststand, wie die Platte klingen wird. Jetzt war es so, daß wir wesentlich experimenteller arbeiten konnten, auch weil wir mehr Zeit im Studio hatten. Wir konnten zum Beispiel parallel in unterschiedlichen Räumen an ein und derselben Sache arbeiten und ausprobieren. Und wie die Platte jetzt ausgefallen ist, ist wirklich ein kollektives Produkt. Im übrigen wird bei uns der Produzent während der Studiozeit ein richtiges Bandmitglied mit gleichberechtigter Stimme. Er hat also nicht die Oberhoheit über die gesamte Produktion. Das geht bei einer so experimentellen Platte auch gar nicht.

Entry: Was hat Euch denn nun zu so einem Stimmungswechsel gebracht, eine solch düstere Platte aufzunehmen? Es spiegelt ja nun doch eine völlig andere Lebenseinstellung wieder.

BB: Es ist so, daß wir generell nie darüber nachdenken, wie unsere Songs nun klingen oder unsere Platten werden.

Entry: Aber irgendetwas beeinflußt Dich doch?

BB: Es gibt einfach keine Schublade, in die man uns stecken kann.... Insofern stehen uns alle Türen offen. Wenn wir dann mal ein düsteres Album machen, dann nicht deshalb, weil wir uns das vorgenommen haben, sondern weil es einfach so geworden ist. Wir sind meist auch eher verblüfft, wenn wir das Resultat sehen.

Entry: Fragst Du Dich dann nicht, woran es gelegen haben könnte? Hinterfragst Du Dich nicht selbst?

BB: Ich nehme es nicht einfach hin, aber die Reflexion geht nicht so weit, als daß ich da nach Ursachen suche.

Entry: Eure Musik ist ja nach wie vor unverkennbar folklastig. Was verbindet Ihr denn mit diesem Folkloregedanken, den Ihr ja mal hattet?

BB: Ich wurde auch vor wenigen Minuten auch gefragt, ob wir uns mit Absicht davon distanziert würden, weil wir ja auch Anfang der 90er diese ganze Neo-Folk-Geschichte in Deutschland mit losgetreten haben. Diese und auch Deine Frage kann ich nicht beantworten. Wir haben mit dem Mittelalter und dem Folkzeug nichts mehr am Hut.

Entry: Ich kenne Eure ganz alten Alben ja gar nicht.

BB: Ach so....

Entry: Ich denke mal, daß sich dadurch auch die nächste Frage nach einem reinen Mittelalteralbum erübrigt?

BB: Unser Drummer und ich haben schon sieben Jahren lang Mittelaltermusik gemacht. Ein reines Mittelalteralbum überlassen wir dann doch den Kollegen von Q-ntal.

Entry: Im Booklet der "Quiet!" habt Ihr ja auch den Michael Popp gegrüßt....

BB: Wir haben ihn gegrüßt für das Ausleihen von Instrumenten.

Entry: Sonst verbindet Euch nichts?

BB: Nee, sonst nichts. Gespielt habe ich sie dann alleine ;-)

Entry: Noch ein Schlußwort..?

BB: Ich wünsche mir noch, daß das F-Huhn bei Euch nicht von hinten links nach vorne rechts durch den Saal rennt, denn wenn das F-Huhn kommt, gibt’s meistens Ärger.

 

Ich möchte mich hier noch bei Andy/Brainstorm bedanken, der dieses Interview überhaupt ermöglicht hat. Weiterhin wünsche ich den Inchtabokatables viel Glück, immerhin ist die aktuelle Maxi "You chained me up" gerade eben (20.Woche) auf Platz 11 der DAC gelandet. T.C.

 

Discographie:

1992 CD - Inchtomani

1993 CD - White Sheep

1994 CD - Ultra

1997 CD - Quiet!

1998 CD - Too loud

Infos: http://www.inchtabokatables.com

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