| Entry |
| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| kAlte fArben |
Was ist Deiner Meinung nach der hervorstechendste Unterschied zwischen "Trust" und "Opium"?
Der wohl für mich bedeutendste Unterschied zur "Trust" ist wohl die Tatsache, Songstrukturen und Melodien deutlich betonter wahrnehmen zu können. So langsam finde ich meinen eigentlichen Stil und habe für mich den Tiefgang der Musik entdeckt. Der Umstand, daß ich in meiner "Freizeit" bevorzugt andere Stilistiken der Musik höre, trägt sicherlich dazu bei. Außerdem ist es für mich bedauerliche Tatsache, daß in dem Bereich der elektronischen Musik, besonders der härteren Gangart, hierzulande - nur wenig Experimentelles und zugleich Zugängliches ausprobiert wird. Das muß verhindert werden und zugleich fühle ich mich als Liebhaber elektronischer Klangerzeuger dazu verpflichtet, dem Hörer aufzuzeigen, daß diese Musik Arbeit macht und nicht durch hilfloses drehen von Knöpfchen entsteht. Außerdem habe ich gelernt, echte Instrumente nicht zu sampeln, sondern sie zu spielen. Ein wichtiger Bestandteil der eigenen Musik, um ihr Leben einzuhauchen.
Deine Musik wird des öfteren mit Attributen wie krank, kaputt oder auch wirr beschrieben. Was sagst Du dazu? Worauf legst Du wert bei einem Song? Was hältst Du von glatten, eingängigen Klängen wie beim Synthie-Pop?
Ingo: Meine Musik ist gemäß der gleichzeitig ablaufenden Phrasen sehr komplex dimensioniert. Aber ich bin auf dem Weg herauszufinden, das Ganze zu koordinieren. Über Wertungen wie krank oder kaputt kann ich nichts sagen. Die Musik von kAlte fArben ist ein Teil von mir. Dann bin ich eben krank oder kaputt. Bedenklich aber interessant. Bezüglich meiner eigenen Wertempfindungen beim Songwriting sage ich nur, der Song soll sich entwickeln: spontan, krank, harmonisch, depressiv, optimistisch, geplant - ganz wie er will und ich in ihm fühle. Beim Synthie-Pop gelten eigene Vorstellungen von Klang und Arrangement. Hier kommt es vor allem auf das Songwriting an. Liegst Du hier mit Deinen Harmonien und den Melodien falsch, dann nützt der schönste Klang nichts. Ansonsten ist es eine Frage des Geschmacks. Wenn ein glatter, eingängiger Klang im Arrangement am besten klingt, wäre es falsche Arroganz, ihn nicht zu verwenden.
![]() |
Einige Songs auf "Opium" wurden ja von Bruno Kramm (Das Ich) produziert. Hat er auch Einfluß auf Dein Songwriting gehabt? Ingo: Soweit Bruno und ich das noch beurteilen können, so beeinflussen wir uns schon in Sachen Soundvorlieben. Aber das beiderseitig und nur minimal. Und wenn einer am anderen etwas bemerkt, dann wird gleich gewitzelt und gelacht. Auf das Songwriting jedoch in keinster Weise. Dazu ist Bruno zu orchestral orientiert. Ich bewundere seine Harmonien aber selber mache ich so was nie. Ich bin da eben anders veranlagt. |
Gewähre uns doch einmal einen Einblick in die thematischen Höhlen von "Opium", wohin geleiten uns Deine Texte?
Ingo: Die schwierigste Frage. Die ganzen Verse sind sehr metaphorisch aufgebaut. Zum Teil sind sie mir sogar selbst schon zu abstrakt. Ich muß beim Lesen der Texte manchmal richtig nachdenken, bis ich deren Sinn wieder komplett verinnerlicht habe. Das klingt jetzt vielleicht wahnsinnig arrogant, ist aber nur weil ich meine Gedanken sehr schnell niederschreibe und hinterher nicht mehr darüber nachdenke. Als würde ich ein Buch zuklappen. Ansonsten sind die Texte vielfältiger Natur. Aus der Sicht eines Amokläufers bis zum letzten Senieren eines Selbstmordkandidaten. Alles drin. Als gemeinsamen Nenner kann man jedoch feststellen, daß in ihnen der Titel der CD widergespiegelt wird. Das reale Leben ist der Rauschzustand - die Musik mein Alltag.
Welche Idee obliegt dem Cover-Artwork zu "Opium"? Auf mich wirkt es wie eine durch Drogen hervorgerufene Halluzination...
Ingo: Damit hast Du recht. Eine Art psychedelisches Guckloch, das einen anglotzt. Die Kreise vermitteln einen Strudel, der keiner ist. Die Oszillosgraphenbilder im Booklet vermitteln einen technisierten Part in der Musik, die Ameisen stellen die Assoziation zu Organik und Koordination dar. Alles zusammen gibt die Art der Musik ,die kAlte fArben macht, in Bildern wieder.
Wie ich vernommen habe, setzt Du Deine Musik gerne in Bilder um, sprich Videoclips. Wird es Clips von "Opium"-Songs geben?
Ingo: Auweia. Es gibt ein "Brain's strained" Video. Das ist für eine no-budget Produktion wirklich gut geworden. Ich will mal mit unserem Label darüber reden, eine Finanzierung zu einem Clip zu ermöglichen. Die richtigen Leute kennen wir ja und Ideen sind genügend vorhanden. Sofort würde so etwas allerdings nicht steigen können. Wir waren jetzt knapp zwei Jahre ohne Veröffentlichung und müssen uns unseren Namen erst noch machen.
Du hast ja einen Wechsel von Danse Macabre zu Off Beat vollzogen - wie kam es dazu?
Ingo: Durch die für ein Studio lebensnotwendigen Aufträge und die damit verbundene Vollzeitintegration Brunos war die Labelarbeit nicht mehr gewissenhaft zu tätigen. Desweiteren sind die Dienste Brunos gerade in der Metal-Szene sehr gefragt und "Das Ich" muß ja auch noch gemacht werden. Danse Macabre hätte die Promotion nicht mehr in dem Umfang betreiben können, wie es Off Beat als "nur" Label möglich ist. Also kam es zum Wechsel.
Wird es in nächster Zeit eine Tour geben? Wie gestaltet sich ein kAlte fArben Live-Gig?
Ingo: Eine Tour soll im Frühjahr folgen, wir haben allerdings noch nichts genaues geplant. Einzelne Gigs nehmen wir sicherlich gerne wahr, wir müssen uns jedoch sehr gut untereinander absprechen, welche Termine möglich sind und welche nicht. Die räumliche Distanz zu Daniel Galda und Luwo hat sich aufgrund ihrer Umzüge erheblich vergrößert. Das macht neben den üblichen Verpflichtungen, Arbeit oder Studium, einen Riesen Nachteil was Proben und einstudieren angeht, aus. Die Frage nach dem Aussehen eines Live-Gigs kann ich Dir noch nicht beantworten. Auf jeden Fall zeigen wir keine Leichen auf Dias oder ähnliche Szenarien. Das ist mittlerweile schon zu abgedroschen. Mal sehen, was uns noch einfällt.
Was liegt Dir mehr - Studioarbeit oder Live-Auftritte?
Ingo: Eindeutig die Studioarbeit! Im Studio entstehen neue Klänge, werden Songs umgesetzt und arrangiert. Ein unheimlich intensives und aufwühlendes Erlebnis. Man ist ganz für sich, wird im Idealfall durch nichts gestört und hat seine Ruhe, wenn man sie denn haben möchte. Man probiert Sachen aus, die man schon immer mal machen wollte oder spielt einfach nur ein bißchen vor sich hin, nimmt gleichzeitig auf und fängt später an es im Sampler zu neuen Sounds zu verfremden. Im Studio passiert das, was kein Live-Auftritt Dir geben kann. Die Einzigartigkeit des Entstehungsprozesses eines Titels.
Trent Reznor b) Lemmy (Motörhead) c) Dieter Bohlen
......klopft an Deine Tür und sagt, er möchte mit Dir ein Album machen. Du sagst.....
Ingo: Trent Reznor , daß das gar keine Frage ist - ich packe sofort meine Koffer. Lemmy, ob er es ernst meint und wenn ja, daß ich es unheimlich interessant und herausfordernd fände. Dieter Bohlen, daß ich nichts von Vertretern kaufe und mir seine Musik zu anspruchsvoll ist. Breda, wie kommst Du nur auf Dieter Bohlen?! Unfaßbar übel.
Komisch, verstehe ich gar nicht, dieser "Gesang", diese komplexe "Musik", diese erotische Ausstrahlung vom Didi......
O.k., Ingo, thanx für das Interview & viel Glück weiterhin!
(AX)
Zu den bis jetzt eher unbekannteren Elektro-Formationen gehören die kAlten fArben. Dies hat sich aber zumindest nach ihrer letzten Tour geändert, wo sie als Support von DAS ICH gespielt haben. Hinter kAlte fArben verbirgt sich eine interessante Newcomer Band, von der man noch mehr hören wird...
Vor eineinhalb Jahren haben drei Jugendliche angefangen, Musik zu machen. Ihre ersten Demos haben sie an sechs verschiedene Labels verschickt und sind so schließlich bei Danse Macabre gelandet, die sofort einen Vertrag angeboten haben. Ihr erstes Konzert in Augsburg kam so gut an, daß Sänger Ingo meinte: "Wenn wir schon Fans haben sollten, dann vielen Dank an die, die geklatscht haben." Die Reaktionen waren laut Ingo bis jetzt überwiegend positiv, die Leute haben immer geklatscht, einmal sollten sie eine Zugabe spielen und einmal kam sogar ein konkreter Liedwunsch vom Demo. Danach wurde ihre erste CD veröffentlicht.
Wie schon auf dem Konzert zu hören war, stehen sie musikalisch ziemlich im Kontrast zu "Das Ich" und auch zu "Faith and die Muse", die als Special Guest vertreten waren. Es kommt ihnen eher darauf an, daß sich "das aggressive Element der Drums und des Basslaufs auf Flächen stützen kann, bzw. durch Flächen kompensiert wird." Besonders wichtig ist der Takt, was man damit anfangen kann und was er auslöst.
Die Message, die die kAlten fArben rüberbringen wollen, ist laut Ingo "von Lied zu Lied, von Song zu Song, von Text zu Text, von Takt zu Takt verschieden". Er läßt sich gerne durch Stimmungen und Umwelteinflüsse beeinflussen, die ihm so die Ideen für neue Texte liefern. Ziel der Tour quer durch Europa, immerhin sind es über 40 Konzerte, ist es, einfach nur Spaß zu haben und ihre Musik live präsentieren zu können.
In einer Persönlichkeitsrunde haben wir Ingo mal "etwas andere" Fragen gestellt:
E: Was ärgert Dich an der Schwarzen Szene?
Ingo: "Intoleranz, wenig offen für anderes, will zum Teil gar nicht aufwachen und neue Impulse aufnehmen, verharrt in einer Lethargie, die für mich fast nicht verständlich ist."
E: Wovor hast Du Angst?
Ingo: "Daß mir die Unterwäsche auf der Tour ausgeht, vor wachsender Gewalt und Intoleranz, vor Menschen, die einem nicht zuhören können und vor Wanzen unterem Bett"
E: Was sagst Du zum § 218?
Ingo: "Ist individuell zu entscheiden. Grundsätzlich sollte die Frau mehr Beachtung finden, es sollte nicht durch irgendwelche männlichen Politiker entschieden werden, was die Frau tun soll oder nicht. Aber auch nicht durch weibliche Emanzen... Eigentlich bin ich feministisch veranlagt."
E: Was ist mit dem Papst?
Ingo: "Eine einzige Ironie?"
E: Pro oder Contra Todesstrafe?
Ingo: "Ist schwierig... Ich bin jemand, der sagt: Vergewaltiger sofort liquidieren. Aber Todesstrafe grundsätzlich nicht ganz abschaffen... Wäre ach im Zuge der Überbevölkerung ein feiner Zug... Nicht mißverstehen? Die neue Geo lesen..."
E: Deine Meinung zu USA in Haiti?
Ingo: Ganz üble Sache. USA zum einen Aufgabe der Weltpolizei zum anderen absolut unberechtigt. Auch eine Art Ironie, wenn Du siehst, daß in Haiti Menschen vor dem Zaun der stationierten Soldaten einfach niedergestochen, niedergeschlagen werden und die amerikanische Armee nicht in der Lage ist, etwas dagegen zu unternehmen."
E: Was ist mit Sexismus?
Ingo: "Absolut negieren, ich hasse Sexistenl"
E: Und Project Pitchfork?
Ingo:"Die erste Platte mag ich sehr. Dann, finde ich, hat es sich musikalisch ein bißchen zurückentwickelt."
(Dank gebührt Guido, der das Interview aufgenommen hat)
Frauke Schäfsmeier