Entry
Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

La Floa Maldita

 

Vor kurzem veröffentlichten La Floa Maldita ihr Zweitwerk `Dedication! - Separation!`, welches einfach nur so richtig zum Träumen einlädt - so richtig schöne Musik halt (schmalz...). Es ergab sich für uns die Möglichkeit, mit Guido - ebenfalls musikalisches Mitglied von Second Voice (kennt die überhaupt noch jemand?) - ein Inerview zu führen, um Euch diese fantastische Band einmal vorzustellen. ..

Entry: Wie ist diese Band entstanden?

Guido: "Die Idee zu La Floa Maldita kam mir im Jahr 1992. La Floa Maldita war ursprünglich als eine Art instrumentales Filmusikprojekt zu imaginären Filmen geplant. Jedoch genügte es mir nicht, nur rein instrumentale Musik zu machen und ich bemühte mich, eine geeignete Stimme für das Projekt zu finden. 1993 haben wir uns über einen Freund kennengelernt. Er machte mich auf Rhea aufmerksam, die seiner Band das CD-Cover gestaltet hatte und ganz nebenbei bei einer Theatergruppe spielte und sang. Rhea engagierte sich derart, daß ich kurz danach das ganze nicht mehr als Projekt mit Stimme, sondern als vollwertiges Duo sah. Wir veröffentlichten dann im September 1994 unser Debüt ‘The concealed spell’."

E.: Guido, Du bist Mitglied bei der Band "Second Voice", die düstere, elektronische Musik macht. Die Musik von La Floa Maldita hat überhaupt nichts gemeinsam mit dem Stil von Second Voice. Wie kommt dieser musikalische Unterschied zustande?

G.: "Ich wurde ursprünglich in klassischer Musik ausgebildet. Mitte der 80er Jahre versuchte ich zunächst das Korsett meiner Musikausbildung abzustreifen. Unter diesem Aspekt durchfuhr auch Second Voice einige Stilfahrten, wobei sich für mich die Harmonie nicht verbannen ließ. Thomas Stimme (Sänger von Second Voice) war im Vergleich zu Rhea’s sehr rauh und vermittelte eine gewisse Härte. Bei La Floa Maldita ließ ich nun sämtliche Melodie wieder stärker zu. Dabei wurde die Musik in Verbindung mit Rhea’s sehr harmonischem Gesang zu einer geschlossenen atmosphärischen Einheit. Somit mußte die gemeinsame Richtung nicht erst gefunden werden, denn sie ergab sich fast wie von selbst."

E.: Auch wenn La Floa Maldita aus zwei Leuten besteht, siehst Du, Guido, die Band als Dein Soloprojekt an?

G.: "Njain! Bei der Entstehung von La Floa Maldita war es klar ein Soloprojekt. Aber ich wollte nicht nur mehr ausgelastet sein, sondern neue musikalische Wege einschlagen. Jetzt bleibe ich auf diesem Weg der sich La Floa Maldita nennt. Es ist jetzt nicht nur mein Soloprojekt, sondern meine neue ‘Hauptband’."

E.: Wie kam es zu dem Namen La Floa Maldita und was möchtet Ihr hiermit ausdrücken?

G.: "Ich sah im Fernsehen eine Dokumentation über die wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge im Bereich der Drogenkriminalität. In dem Film wurde u.a. auch von der landwirtschaftlich arbeitenden, armen Bevölkerung Venezuelas berichtet, die für Hungerlöhne die Mohnpflanze anbauen. Diese einfachen Menschen durchschauen aber die Tragweite ihrer Arbeit und nennen ‘die tödliche Pflanze’ Mohn in ihrer Sprache ‘La Floa Maldita’. Der Name ist im ursprünglichen Sinne der Begriff einer venezuelanischen, traditionell angebauten Rauschgiftpflanze. Wörtlich genommen bedeutet es aber ‘todbringende Blume’, womit gleichzeitig eine Warnung (vor der Droge) im Namen selbst ausgesprochen wird. Ich persönlich habe eine negative Einstellung Drogen gegenüber. Nicht, was mich und meinen Körper betrifft, sondern, was meine Mitmenschen betrifft, die über die Wirkung von Drogen keine Kontrolle haben, sich aber denken, im Rausch alles leisten zu können, ohne im nachhinein Verantwortung übernehmen zu müssen. Einige meiner Bekannten stehen kurz vor dem Aus, was mich nicht unbeeindruckt, aber hilflos erscheinen läßt."

La Floa Maldita

E.: Euer erstes Album "The concealed spell" ist bislang ziemlich unbeachtet geblieben. Was denkt Ihr, wieso? Seid Ihr hierüber enttäuscht?

G.: "Dafür gibt es genug Gründe. Wir sind auf einem kleinen Label, dem die Deutsche Bundespost einen ‘Diebstahl’-Strich durch die Promotions- und Bemusterungsrechnung gemacht hat, d.h. fast alle CD’s an die Magazine sind geklaut worden. Außerdem sahen wohl einige Magazine die Konkurrenz in dem labeleigenen Magazin ‘Kodex’ und konnten so natürlich auf keinen Fall Unterstützung leisten. Wir sind natürlich darüber enttäuscht, zumal die Kritiken zu ‘L’enfer confortable’ vom Debütalbum, unser Beitrag zum ‘Celtic Circle Sampler Vol. 2’ überragend waren."

E.: Auf Eurer MCD "Socière" finden sich auch Remixe von Das Ich und Placebo Effect. Wie ist es dazu gekommen, zumal beide Bands wenig mit Eurer klassischen, lieblichen Musik zu tun haben?

G.: "Ich bin seit vielen Jahren mit Axel Machens von Placebo Effect sehr gut befreundet und wir arbeiten vor allem live sehr viel miteinander. Für mich fand ich’s interessant, einmal zu probieren, wie andere Leute meine Songs interpretieren könnten. Mit ‘Sorcière’ haben wir einen Titel gefunden, der genug Freiraum für eigene Interpretationen bot. Axel von PE zerstückelte in Zusammenarbeit mit einem Freund, Christian Rzechak, den Titel und rekonstruierte ihn auf seine Weise. Der Kontakt zu Bruno Kramm kam durch unsere Plattenfirma. Am Ende hatten wir zusammen mit meinen eigenen Versionen soviel zu bieten, daß wir uns entschlossen, alle Mixe auf einer EP/Maxi zu vereinen."

E.: Handelt es sich bei Eurem neuen Album "Dedication! Seperation!" um ein Konzeptalbum? Worum geht es textlich? Wofür steht "Dedication! Seperation!"?

G.: "Die Übersetzung zu ‘Dedication! Separation!’ lautet ‘Hingabe! Trennung!’. Sowohl in der englischen als auch in der französischen Sprache bestehen die beiden Wörter bis auf die ersten Silben aus den selben Buchstaben, bedeuten aber völlig entgegengesetztes und doch verbundenes. Die CD ist eine Art textliches Konzeptalbum: es geht um den Trennungsweg, der im Debüt-Album beschriebenen zwischenmenschlichen Beziehung. Jetzt zu den einzelnen Titeln: ‘Your indecision’ beschreibt die willkürliche Art, der einen Person, sich nicht entscheiden zu können und festlegen zu wollen. ‘La fin’ und ‘No destination’ erzählen von Schicksal, dem Ende der Beziehung und von der Tatsache, daß beide nicht zwingend für einander bestimmt sein müssen. ‘Such is life’ und ‘Daydreamer’ zeigen die alltägliche Seite der Trennung und die Tagträume. Der Titelsong des Albums ‘Dedication! Separation!’ vollzieht die Trennung und beschreibt den Umgang beider Partner miteinander danach. Die dem Album angefügte ‘Tril’o’gui’ erzählt den Weg vom fehlenden Vertrauen ‘Pas de confiance’ bis zum neuen Liebespartner, der den Alltag wieder belebt in ‘C’est normal’. Die Texte sind autobiographisch."

E.: Seht Ihr Euer neues Album als Weiterentwicklung, bzw. Fortsetzung von "The concealed spell"?

G.: "Das alte Album ‘The concealed spell’ war ein sehr ruhiges, über große Strecken sehr melodisches und harmonisches Album. Auf der neuen CD ‘Dedication! Separation!’ haben wir unseren musikalischen Horizont um einige Elemente erweitert. Mittels grooviger Rhythmusloops, Grungegitarren und Technosoundanleihen denken wir, unseren Sound verfeinert oder weiterentwickelt zu haben. Jedoch dominiert weiterhin die ruhige Atmosphäre, trotz der zeitgemäßeren Hilfsmittel. Es ist die Fortsetzung von ‘The concealed spell’, auch schon allein von der textlichen Ebene."

E.: Wie entstehen Eure Stücke im allgemeinen? Komponiert Ihr gemeinsam die Musik und schreibt die Texte oder läuft dieses getrennt voneinander? Was steht im allgemeinen zuerst, die Musik oder die Texte?

G.: "Unser Kompositionsprozeß unterliegt einem laufendem Wandel. Im Moment hat sich aber eine Art Reihenfolge eingespielt: Die Musik und der Text entstehen unabhängig von einander. Wenn meine Musik im kompositorischen Endstadium ist, d.h. kurz vor Veröffentlichungsreife steht, sucht Rhea den stimmungsmäßig passensten Text aus, und paßt ihren Gesang an das Lied an, oder die Musik wird geändert."

E.: Eurer Musik hört man an, daß es sich nicht um reine Programmierung von Computern handelt, wie es (leider) bei vielen anderen Bands der Fall ist. Habt Ihr noch richtig den Umgang mit Instrumenten gelernt und wenn ja, welche Instrumente verwendet Ihr am liebsten?

G.: "Ich habe eine klassische Ausbildung vom Glockenspiel, über die Blockflöte zur Klarinette im Blasorchester seit meinem

fünften Lebensjahr und Klavier für kurze Zeit. Einige Zeit habe ich auch Schlagzeug in einer Punkrockband gespielt. Ich glaube, daß diese Zeit großen Einfluß auf meine Art der Programmierung von Keyboards, Samplern und Computern hat. Ich nutzte sie mehr als Instrument, denn als Klangcomputer. Die Frage, welche Instrumente ich am liebsten verwende, kann ich leider nicht entschlossen beantworten."

E.: Rhea’s Stimme klingt äußerst lieblich und sanft. Hat sie eine Gesangsausbildung oder ist sie ein "Naturtalent"?

G.: "Rhea wurde vor 10 Jahren frei in Gesang ausgebildet, in einem Künstlerkollektiv im Osten Deutschlands. Das ist zwar keine klassische Ausbildung im herkömmlichen Sinne, aber es hat ihrer Stimme einen eigenen Charakter verliehen."

E.: Die Stücke von Euch sind sehr gefühlsbetont. Seht Ihr Euch selbst als gefühlvolle Menschen?

G.: "Ich erliege oft meinen Emotionen, gebe mich aber nicht gefühlvoll als Selbstschutz. Rhea geht es dabei wohl ähnlich. Wir entspannen unsere Seelen durch die Entstehung unserer Musik."

E.: Habt Ihr vor, auch live aufzutreten? Wenn ja, wie stellt Ihr Euch das Bühnenbild und die Percussion vor?

G.: "Wir haben noch nicht live gespielt. Liveauftritte waren für dieses Jahr geplant, kamen aber nicht zustande. Ich habe auch schon eine geeignete Gruppe von Musikern zusammengestellt, um das bisherige und neue Material auf der Bühne in abgewandelter Art und Weise umzusetzen. Für das nächste Jahr sind aber einige Konzerte in Vorbereitung. Über die Umsetzung kann ich noch nichts verraten."

E.: Wieso benutzt Ihr hauptsächlich französischen Gesang und wieso wechselt Ihr dann auch in die englische Sprache über?

G.: "Zum einen ließ sich Rhea bei dieser CD textlich von Albert Camus, einem französischen Schriftsteller, inspirieren. Zum anderen bietet die französische Sprache andere Ausdrucksmittel, als die englische. Für unser Empfinden sind englische Texte im Wortlaut und Ausdruck härter und direkter. Für Rhea ist es einfacher, ihre Gefühle in französischer Sprache mitzuteilen, auch unter ästhetischen Gesichtspunkten und weil sie aufgrund ihrer Schulkenntnisse viel länger mit der französischen Sprache verbunden war, als mit der Englischen. Wir gingen davon aus, daß wir mit unseren sowohl französischen als auch englischen Texten, auf diese Weise noch mehr Menschen auf dem gesamteuropäischen Musikmarkt ansprechen können und außerdem ein wenig zur Beseitigung von Sprachbarrieren beizutragen. Außerdem konnten wir durch den Gebrauch der französischen Sprache uns noch weiter von den anderen Bands distanzieren."

E.: Eure Musik könnte ich mir gut als Hintergrundmusik für einige Filme vorstellen - habt Ihr schon mal daran gedacht, Soundtracks zu machen?

G.: "Die Ursprungsidee von La Floa Maldita ist ja der Soundtrack. Es wäre für uns eine große Erfüllung auch nur einen Teil eines Soundtracks zu einem Film beisteuern zu können, um unsere musikalischen Bilder zu visualisieren."

E.: Durch Eure ruhige Musik hört man öfters Vergleiche zu der "Heavenly Voices"-Reihe. Wie steht Ihr zu diesen Vergleichen?

G.: "Wir haben nichts gegen diesen Vergleich, sofern mit "Heavenly Voices" nicht speziell nur die Hyperiumbands gemeint sind. Denn wir glauben uns von der Masse jener Bands abzuheben (wie wahrscheinlich die anderen es von sich auch glauben)."

E.: Da Ihr (noch) nicht so bekannt seid, werdet Ihr ja sicherlich noch nicht von der Musik alleine leben können. Was macht Ihr beruflich?

G.: "Rhea studiert Grafik/Design und machte ihr Hobby, die Kunst, zu ihrem Beruf. Ich studiere etwas ganz anderes (hier egal was es ist), versuche aber durch die Produktion anderer Bands mich finanziell über Wasser zu halten."

E.: Die letzte Second Voice-Veröffentlichung ist bereits einige Zeit her. Gibt es die Band überhaupt noch und wenn ja, was kann man hier erwarten?

G.: "Second Voice wird demnächst eine neue CD veröffentlichen. Diese CD wird aber kein zeitlich neues Material enthalten, sondern vielmehr eine Anzahl teils unveröffentlichter Titel, die seiner Zeit auf SV’s frühen Demo-Tapes zu finden waren. Unter anderem die Pentologie "‘D.A.W.N.’ aus dem Jahre 1987, die in ihrer Gesamtheit bisher nie zu hören war, nur in remixter und klanglich verbesserter Version. Es wird für die Hörermasse bestimmt nicht leicht zu hören sein, aber wir erfüllen uns hiermit einen langgehegten Wunsch."

E.: Was plant Ihr für die nähere Zukunft?

G.: "Das kann ich mit Sicherheit nicht sagen. Das hängt ganz davon ab, welche Erfahrungen wir in den nächsten Wochen machen werden und in wieweit wir uns Neuem gegenüber öffnen. Ich experimentiere gerade mit neuen Stilelementen. Mal sehen, was die ergeben werden. Ich denke, daß wir im Frühjahr 1996 eine neue EP veröffentlichen werden."

Vielen Dank für das ausführliche Interview. Ich wünsche Euch auf diesem Wege jedenfalls viel Glück mit Eurer Musik, da sie wirklich hörenswert ist.!

M.B.

Home Zurück