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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Lacuna Coil |
Entry: Ich sitze hier mit Christina von Lacuna Coil und zu aller Erst mal die Frage: Wie geht’s dir?
Christina: Danke, mir geht´s ganz gut, obwohl ich eine Erkältung habe. Das passiert ja bekanntlich immer genau dann, wenn man Arbeitet, also immer genau im falschen Moment.
Entry: Lass uns über euer neues Album "Comalies" sprechen. Ihr hattet ja vor kurzem eine Prelistening-Party im Bochumer Cafe Abyss und das Feedback war unglaublich gut.
Christina: Ja, allerdings und gerade heute habe ich gehört, dass wir auch unglaublich positive Reaktionen speziell von den großen deutschen Magazinen bekommen haben. Um ehrlich zu sein, hatte ich damit eigentlich nicht gerechnet. Nun ja, ich war schon überzeugt von der hohen Qualität des Albums - ich meine, du selbst kannst von deiner Arbeit noch so sehr überzeugt sein, aber schließlich weißt du doch nichts über den Geschmack der Leute. So waren wir überrascht, ob so vieler großartiger Reaktionen – übrigens nicht nur aus Deutschland, auch in Italien und was mich am meisten überraschte, in England. Die Engländer lieben uns förmlich und das ist überwältigend für mich.
Entry: Ist das neue Album einfühlsamer als sein Vorgänger?
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Christina: Ich denke das neue Album ist schon etwas schwerer als sein Vorgänger, aber zugleich auch dynamischer. Ich denke, es liegt irgendwo in der Mitte zwischen Dunkelheit und Licht, denn wir versuchen immer, jeden Aspekt des menschlichen Lebens zu berücksichtigen. Ein Mensch kann traurig und glücklich zugleich sein. Wir wollten ein Album machen, das eben nicht nur in eine Richtung geht. Mir ist bewusst geworden, dass wir beim Schreiben der Songs inzwischen keine Umwege mehr machen. Wir haben gelernt, es auf den Punkt zu bringen und all die unnützen Dinge, die man speziell am Anfang der Karriere in einen Song einbringt, zu vermeiden. |
Anfangs packst du den Song voll mit verschiedenen Riffs und Vocal-Lines nur um zu zeigen, dass du das alles kannst, aber letzten Endes verwirren dich all diese verschiedenen Elemente – und nicht nur dich, sondern auch den Zuhörer.
Entry: Ihr habt ja auch eine Singel ausgekoppelt namens "Heaven Is A Lie". Warum habt ihr euch gerade für diesen gefühlvollen Song entschieden?
Christina: Um ehrlich zu sein, war es ziemlich schwierig sich für einen Song zu entscheiden, denn wir sind der Meinung, dass dieses Album jede Menge Songs mit Singelpotential zu bieten hat. Jeder Song ist speziell, aber eben auch sehr einfach gemacht, man kann sich sofort an die Melodie und den Refrain erinnern. Aber "Heaven Is A Lie" war der perfekte Song, denn er beinhaltet alle Elemente, die man bei Lacuna Coil finden kann, wie z.b. die orchestralen Abschnitte zusammen mit den aggressiveren Parts und die ausgeglichenen gesanglichen Sequenzen zwischen mir und Andrea. Dieser Titel repräsentiert also den kompletten Inhalt von "Comalies", auch wenn jeder Song eine andere Stimmung transportiert.
Aus diesem Grund haben wir uns für "Heaven Is A Lie" zusammen mit "Self Deception" entschieden, der ebenfalls von dem neuen Album ist und eine komplett andere Atmosphäre schafft. Wir dachten, dass wir so den Hörern schon mal einen Vorgeschmack geben könnten auf das komplette Album.
Entry: Wie groß ist deine Einflussnahme auf das Songwriting innerhalb der Band?
Christina: Gewöhnlich bin ich für die Gesangsparts zuständig, das ist mein Spezialgebiet, vor allem, weil ich kein einziges Instrument beherrsche, abgesehen von meiner Stimme. Daher haben wir es innerhalb der Band aufgeteilt. Unser Bassist Marco ist zuständig für die Kompositionen. Der restlichen Mitglieder geben dann ihre Beurteilungen und Vorschläge dazu ab. Andrea und ich bringen dann die stimmliche Ebene ein, zusammen mit den Texten. Schließlich setzen wir uns alles zusammen und fangen an zu arrangieren und zu mixen, bis schlussendlich jeder einverstanden ist mit dem Ergebnis.
Ich denke, das ich als Frau eine bestimmte Art Leidenschaft mit in die Band gebracht habe, was nicht heißen soll, dass ich denke, dass allein die Anwesenheit einer Frau alles ändert. Für mich ist das alles normal, denn ich kenne alle in der Band schon seit vielen Jahren, es ist wie etwas natürliches, als wäre ich innerhalb der Band auch ein Mann.
Entry: Das "Rockbusiness" ist ja nach wie vor eher männlich dominiert. Welche Erfahrungen konntest du diesbezüglich machen?
| Christina: Eigentlich habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Oft ist es ja auch nur das Gefühl, das mit der Realität nicht übereinstimmt. Mir ist nie etwas schlechtes widerfahren, im Gegenteil, alle Leute waren eigentlich immer sehr nett und freundlich zu mir. Ich bin auch nie irgendwelchen Sexisten begegnet, die Leute können jetzt denken, was sie möchten, aber mir ist noch niemand begegnet, der mich schlecht behandelt hätte. | ![]() |
Derartige Problem hatte ich nie, ich habe mich immer respektiert gefühlt, was vielleicht daran liegt, dass ich den anderen Menschen ebenfalls mit Respekt begegne. Wenn man freundlich auf andere Menschen zugeht, werden sie dir ebenso freundlich entgegnen.
Entry: Gibt es eine Band, einen Musiker, den du als dein großes Idol bezeichnen würdest?
Christina: Ich bin der Ansicht, dass man oft durch Musik inspiriert wird, ohne einen speziellen Hintergedanken. Persönlich hatte ich nie ganz bestimmte Vorbilder. Ich mag zwar einige Bands ganz besonders, wie z.b. Depeche Mode, aber dennoch habe ich nicht die komplette Albensammlung zu Hause im Regal stehen und war auch noch nie auf einem Gig. Ich bin also kein richtiger Fan, in dem Sinne. Ich achte viel mehr auf das Gefühl, dass ein einzelner Song mir geben kann, nicht welche Wirkung die Bandmitglieder auf mich haben. Außerdem bin ich da ziemlich tolerant und offen für verschiedene Musikstile, von Klassik bis extremem Metal. Aber Idole in dem Sinne habe ich keine. Überdies ist es auch abhängig von der Stimmung, in der ich mich gerade befinde. Ich habe sogar gelernt ABBA zu lieben – von Waldemar, unserem Producer, er ist ein großer Fan. Wir haben bei ihm zu Hause so manche Party gefeiert und total betrunken zu ABBA getanzt und für diesen Moment war es die perfekte Musik. Weißt du, wir verschließen uns nicht indem wir sagen: O.K., wir sind eine Gothic Rock/Metal Band und deswegen dürfen wir auch nur diese Art Musik hören. Auf keinen Fall! Ich kann ebenso gut zu Britney Spears auf einem Tisch tanzen – wenn ich betrunken bin.
Entry: Stichwort Live-Shows. Ihr werdet auch hier in Deutschland zu sehen sein. Gibt es darüber hinaus noch Termine?
Christina: Im Oktober und November gehen wir zusammen mit Sentenced auf Europa-Tournee. Wir werden in verschiedenen Städten Skandinaviens, Frankreichs, Deutschlands u.s.w. zu sehen sein. Im Anschluss werden wir für einige Zeit wieder nach Italien zurückkehren, um an neuem Material zu arbeiten. Danach werden wir wohl eine Tour durch Amerika machen, die ursprünglich schon in diesem September stattfinden sollte, dann aber verschoben wurde, weil das Album erst Ende Oktober auf den amerikanischen Markt kommt und es keinen Sinn gemacht hätte, auf Tour zu gehen, wenn das komplette Album noch nicht raus ist. Also werden wir das in 2003 in Angriff nehmen und sicher auch noch einige andere Gigs.
Entry: Danke für das nette Gespräch und wir freuen uns schon darauf, euch live auf der Bühne zu sehen.
Christina: Danke, ich freue mich auch euch auf einem unserer Gigs sehen zu können.
Mareike Meyer