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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Lady Beserys Garden

 

Lady Beserys Garden ist eine Band aus Leverkusen, die hauptsächlich ausgefeilte Musik der ruhigeren Art kreiert. Vor einiger Zeit erschien ihr Debütalbum "Perceptions" (Accession Records/EFA), welches sich anzuhören wirklich lohnt.

Auch wenn ich um meinen zerdeppertem Teller noch immer Trauer trage (jetzt wißt Ihr, warum ich so oft schwarze Klamotten trage...), so habe ich es dennoch nicht bereut, ein Interview mit H. Bo und K. Baal geführt zu haben. Aber was mir die beiden über LSG so erzählt haben, könnt Ihr im folgenden nachlesen... (leider hat die Aufnahme beim persönlichen Interview nicht geklappt, daher doch "nur" ein schriftliches...)

Entry: Erzählt doch mal ein wenig zur Bandgeschichte... Warum und wann wurde Lady Baserys Garden gegründet usw..

K. Baal: "Die Gründung liegt pro forma ca. 4 - 5 Jahre zurück. Pro forma deswegen, weil unsere Arbeitsweise und auch Qualität damals noch eine andere war. Es hat von da an noch einige Zeit gedauert, bis wir uns schließlich nach vielen Höhen und Tiefen dazu entschieden hatten, Musik zu unserem gemeinsamen Hauptanliegen zu machen. Anfangs war halt alles irgendwie ‘just for fun’, wir waren alle noch zusätzlich durch Studium oder Schule genervt, und die Musik geriet dabei zeitweilig ins Hintertreffen. Ich denke aber auch, daß es gut war, Zeit zur Entwicklung zu haben und einen Stil zu entwickeln. Richtig aufwärts ging es mit unserer Musik dann, als wir diese vor 2 Jahren zu unserem erklärten Lebensziel gemacht haben und mit der konkreten Arbeit zu ‘PERCEPTIONS’ begannen."

Entry: Aus welchen Personen besteht die Band, und warum benutzt Ihr Pseudonyme?

K. Baal: "LBG besteht aus drei Personen: ALU - Bassist, H. Bo - Gitarre und mir - Gesang und Tasten. Die Pseudonyme haben wir uns zugelegt, als wir unsere Produktionsgesellschaft ‘KÖRPERSCHALL’ ins Leben gerufen hatten, um eine deutliche Trennung zwischen unserem Handeln und Zeichnen als Geschäftspersonen und unserem Wirken als Musiker zu schaffen."

Entry: Was hat es mit dem Bandnamen auf sich?

K. Baal: "Der ist mehr oder minder zufällig entstanden. Wir saßen halt gemütlich beisammen und warfen einige sinnlose Wortkombinationen in die Runde, bis einer von uns ‘Covent Garden’ rief. Das Wort ‘Garden’ gefiel uns auch - nur ‘Covent Garden’ klingt vielleicht in einem Stadtplan gut, aber nicht auf einem CD-Cover. Ich hab mich dann irgendwie an den Namen ‘Besery’ erinnert. Den hatte eine Freundin von uns mal in einer Erzählung über eine blutrünstige (schauer) Frau erwähnt. Um das ganze abzukürzen: Nach ein paar Witzeleien wurde daraus ‘Besery’s Garden’ und schließlich ‘Lady Besery’s Garden’. Klingt nett und ist 100 % einzigartig. Namen sind halt Schall und Rauch."

Entry: Wovon werdet Ihr musikalisch inspiriert? Die Wurzeln scheinen ja ein wenig in den Achtzigern zu liegen...

K. Baal: "Inspiratonen gibt es mehr, als wir verarbeiten können. Diese können aus Filmen und filmischen Berichten stammen, oder man schnappt ein neues Stilmittel in einer völlig andersartigen Musik auf etc. Oft muß man nur hinsehen oder hinhören. Ich habe z.B. kürzlich einen Bericht über Indonesien gesehen, und im Hintergrund lief die Musik eines Gamelan-Orchesters ab, und auch wenn das Stück, welches mir darauf hin in den Sinn kam, nichts mehr mit Gemalan-Klängen gemein hat, war dieser Bericht mit seiner Atmosphäre klar meine Inspiration. Meistens ist es aber so, daß man seine Inspiration nicht zurückverfolgen kann. Sie ist halt plötzlich da, und wenn man sie nicht mit aller Kraft festhält genauso schnell wieder verschwunden. Unsere musiaklischen Wurzeln sind die Achtziger. Gerade aber die Musik dieser Zeit bleibt durch ihre durch den kalten Krieg bedingte Schwere immer aktuell."

H.Bo: "Übrigens sollte man nicht vergessen, daß das Fundament des ganzen Wave/Goth/EBM-Bereichs in den Achtzigern gelegt wurde, und wir bemühen uns halt nur, dies auf unsere persönliche Art und Weise auszubauen."

Entry: Wie seid Ihr zum Stil dieser Musik gekommen?

K. Baal: "Durch kontinuierliche Entwicklung. Wenn man anfängt, Musik zu machen, ist man durch seine Vorlieben geprägt und imitiert. Und diese ‘Saat’ beginnt zu keimen, eigene, neue Elemente fügen sich ein, neue Inspirationen werden verarbeitet, und schließlich und letztlich findet man seinen privaten, persönlichen Ausdruck."

Entry: Wie lange habt Ihr gebraucht, die Stücke für Eure Debüt-CD fertigzustellen?

H.Bo: "Das läßt sich nicht so genau sagen. ‘Perceptions’ ist ein Querschnitt der letzten Jahre und sollte auch ursprünglich ‘nur’ ein Demo werden. Als wir dann aber mit den fünf Tracks der Demo fertig waren, war das Ergebnis so gut, daß wir kurzerhand drei weitere Lieder aufgenommen haben, um eine CD davon zu produzieren. Somit läßt sich da kein konkreter zeitlicher Rahmen festlegen."

Entry: Für ein Debüt-Album sind die Stücke ja recht wenig. Wieso habt Ihr nicht mehr Stücke veröffentlicht?

LBG: "Für ein Album, das zu 100% selbst komponiert, arrangiert, produziert, gemixt und ursprünglich auch veröffentlicht wurde, find ich eine CD-Länge von rund 44 Minuten schon ausreichend. Nebenbei bemerkt, ‘Aion’ von Dead Can Dance z.B. läuft ca. 36 Minuten, wenn ich mich recht erinnere, und ist dennoch ein makelloses Album. Und uns ist es wichtiger, ein Album mit acht (subjektiv) guten Songs zu veröffentlichen, als ein langes Album mit einem Dutzend Pausenfüllern."

Entry: Worum handeln die Texte im allgemeinen?

K. Baal: "Zeitgeschehen, die menschliche Natur, politische, soziale und vielleicht dann und wann auch pirvate Themen. Es gibt auch spezielle Themen, die mich ganz besonders interessieren, z.B. Medienterror und Dekadenz (A gaping tear, Play pervert).

Entry: Wie wichtig sind Dir die Texte? Haben sie für Dich eine große Aussagekraft?

K.Baal: "Die Texte sind mir sehr wichtig, ich würde sie jedoch nicht über die Musik stellen (Weltengebäude stellt hier eine Ausnahme dar). D.h., wenn ein Text nicht 100%ig in ein Lied paßt, würde ich im Regelfall den Text und nicht das Lied ändern. Ansonsten allerdings versuche ich den Texten soviel Inhalt wie möglich zukommen zu lassen. Ein Text wie ‘placebo’, der sich mit den Motiven des Faschismus auseinanderzusetzen versucht, bestimmt auch maßgeblich den Ausdruck des Gesangs und somit auch den des ganzen Stückes. Natürlich gibt es auch Stücke, bei denen der Text mehr Mittel zum Zweck ist, Arlene z.B. ist vom Text her zwar ganz nett, aber wenig bedeutsam.

Entry: Im Booklet sind keine Texte abgedruckt. Hat das einen bestimmten Grund?

K.Baal: "Im Booklet sind zwei Texte abgedruckt, der von ‘A gaping tear’ und der von ‘Natural’. Für mehr war leider nicht die Zeit. Wir standen ein wenig unter Zeitdruck mit den Lithos für das geänderte Cover, und um weitere Komplikationen zu vermeiden, haben wir darauf verzichtet. Bei der nächsten wird es aber wohl Texte geben, denke ich."

Entry: Wie kam es, daß Ihr die CD bereits auf Eurem eigenen Label unter dem Namen "dto" veröffentlicht habt und hinterher nochmal unter dem Albumtitel "Perceptions"?

LBG: "Wir hatten damals halt vor, alles im Alleingang zu machen, und das hätten wir auch, wenn wir nicht an ACCESSION geraten wären. Wir haben damals ACCESSION bemustert, um ein Lied für deren bevorstehenden Sampler beisteuern zu dürfen. Erstens kommt es anders,und zweitens als man denkt, ACCESSION wollte uns lieber ganz und gar. Nach anfänglichem Zögern gaben wir ein großes Stück Selbständigkeit auf und unterschrieben (glücklicherweise) schließlich bei ACCESSION. Zu dem Zeitpunkt war unsere CD de facto nicht wirklich im Handel gewesen, so daß diese Änderung eigentlich keine ‘Zweitveröffentlichung’ war, sondern die wirkliche Erstveröffentlichung mit sich brachte. Mit der Änderung des Titels wollten wir nur der Verwirrung, die der Titel ‘dto.’ verursacht hatte, Einhalt gebieten."

Entry: Das Cover von "Perceptions" wurde ja von Andreas Gantenhammer von Accession Records entworfen. Wie kam es dazu, und wie wichtig ist Euch das Layout?

LBG: "Da eine CD ein Gesamtkunstwerk darstellt, sehr wichtig. Außerdem stellt es den ersten Kontakt mit dem Hörer her und beeinflußt, so denke ich, auch seine Herangehensweise an eine CD. In diesem Zusammenhang kann ich Andreas auch nur loben; ich denke, er hat bei ‘Perceptions’ ganze Arbeit geleistet."

Entry: Wieso sind im Cover keine Fotos von Euch zu finden?

H.Bo: " Fänden wir bei einer Debüt-CD ´n bißchen albern. Wir haben auch nicht damit gerechnet, daß das irgendwen interessiert. Außerdem möchten wir uns zuerst als Band und musikalisch definieren, und wenn das geschehen ist, denke ich, ist es auch spannender, etwas über die Menschen dahinter zu erfahren."

Entry: Was habt Ihr bislang für Reaktionen auf "Perceptions" gehabt?

K.Baal: " Bis jetzt nur positive. Manche waren gar so überschwenglich, daß wir dachten, damit können unmöglich wir gemeint sein. Nein, ernsthaft, die Printmedien haben uns sehr gelobt, und die Reaktionen der Kääufer, die wir jetzt sammeln konnten,, waren klasse. Es ist schön zu sehen, wenn man Menschen erreicht. Und wir sind wirklich dankbar dafür."

Entry: Wie läuft Eure Zusammenarbeit mit Accession ab?

LBG: "Nun, Accession läßt uns ein größtmögliches Maß an Freiheit, d.h., wir sind sozusagen in der musikalischen Arbeit uneingeschränkt.. Das sieht dann inder Praxis so aus: Wir produzieren die CD bis zum fertigen DAT-Master (Anm. das ist ein Schritt vor der Pressung) und legen das dann Accession vor. Wir beraten dann gemeinsam, ob, und wenn ja, welche Änderung vielleicht noch vorzunehmen sind, und anschließend entwickeln wir das optische Konzept."

Entry: Im allgemeinen ist Eure Musik ziemlich traurig und melancholisch. Würdet Ihr sagen, daß dies auf Eure Persönlichkeit zurückzuführen ist? (Ihr seid ja eigentlich sehr witzige Menschen...)

K.Baal: "Selbstverständlich stecken in der Musik Aspekte unserer Persönlichkeiten, aber das heißt ja nicht, daß sie Abbild unseres Inneren ist. So kann ein Clown, der die Leute zum lachen bringt, ein sehr melancholisches Wesen haben. Kunst vermag immer nur Wesenszüge zu vermitteln. Außerdem, wenn man Musik macht, um sich oder etwas mitzuteilen, versucht man das, was einen selbst bewegt, in ein Stück zu bannen. Und Dinge, die einen bewegen und die man bewegen möchte, sind meist ernster Natur."

Entry: Wie sieht das mit der geplanten EP aus? Wann soll sie erscheinen, und warum sollen dort tanzbare Stücke veröffentlicht werden?

LBG: "Wann diese erscheinen wird, steht noch in den Sternen, frühestens jedoch im Herbst ´97. Diese EP ist halt noch im Planungsstadium. Wir möchten, wenn alles so läuft, wie wir uns das wünschen, von Zeit zu Zeit immer wieder eine EP o.ä. veröffentlichen, um neue Stilmittel anzutesten und zu experimentieren. Das dies in diesem Fall etwas temporeichere Stücke sein sollen, war das eher eine spontane Entscheidung. Wir möchten halt unsere LP-CDs ausgewogen halten und uns lieber auf EPs und Maxis austoben. Aber wie schon erwähnt, das ist alles noch weit weg."

Entry: Anfang nächsten Jahres ist ja bereits die nächste Full-Lenght-CD geplant. Was könnt Ihr hierüber erzählen? Wird sich musikalisch etwas verändern?

LBG: "Selbstverständlich. Allerdings ist es schwer zu sagen, was sich wie genau verändern wird. So, wie es bis jetzt aussieht, wird sie abwechslungs- und facettenreicher werden, als 'Perceptions' ...Das Cover bekommt eine andere Farbe... Tja, mehr fällt mir nun nicht ein, aber ein paar Stücke werden in 'Single-Versionen' vorab auf diversen Samplern zu hören sein."

Entry: Im Herbst/Winter ist ja jetzt eine Tour zusammen mit Diary of Dreams geplant. Habt Ihr evtl. schon Termine, und wie wird Euer Liveprogramm aussehen?

K.Baal: "Die Konzerte jetzt im Herbst werden wir zu dritt bestreiten, d.h. mit Baß, Gitarre und Gesang. Der Keyboarder, den wir ins Auge gefaßt haben, ist leider noch bis Ende dieses Jahres außer Lande, so daß er uns erst nächstes Jahr live unterstützen kann und wird."

H.Bo.: "Wir werden in erster Linie die Stücke von 'Perceptions' spielen, aber auch ein paar neue live antesten. Termine haben wir leider auch noch keine, aber wir halten Euch auf dem laufenden."

Entry: Erhofft Ihr Euch, durch die Konzerte ein größeres Publikum anzusprechen."

LBG: "Ja, natürlich. Und obwohl wir keine typische Live-Musik machen, werden wir hoffentlich den Einen oder Anderen für uns begeistern können. Mehr können wir aber unmöglich sagen, bevor die Konzerte über die Bühne sind."

Entry: Wie wichtig sind Euch Konzerte?

LBG: "Nicht so wichtig wie unsere Alben, weil wir im Studio ausgiebiger experimentieren können und vor allen Dingen die Ergebnisse selbst noch nicht kennen. Aber dennoch sind wir der Überzeugung, daß eine Band, die zeitgenössische Musik macht, diese auch aufführen können muß. Und ich denke, es ist eine wundervolle Sache, die Resonanz auf die Musik unmittelbar mitzubekommen."

Entry: Ist es Euer Wunsch, einmal von der Musik zu leben, oder seht Ihr das mehr als "Nebenher"-Hobby?

LBG: "Klingt das nach Hobby? Ich glaube nicht, daß ein Musiker (!) Musik nebenher machen kann; man kann seinen Job nebenher machen (und währenddessen an Musik denken), aber Musik ist auch, wenn amn kein Pfennig daran verdient, ein Full_Time-Job (vorausgesetzt, man meint es Ernst). Aber um Deine Frage klar zu beantworten: Ja (!!), es ist unser größter Wunsch, einmal als Beruf Musiker angeben zu können und dafür nicht belächelt zu werden, weil kaum jemand Arbeit ohne Entgelt anerkennt."

Entry: Was plant Ihr so für die (nähere) Zukunft?

LBG: "Viele , viele gute Alben herausbringen und ein Quentchen Erfolg. Mehr wird nicht verraten."

Dann bleibt mir nur noch, ein großes Dankeschön an die Beiden zu sagen, daß Ihr so schnell nochmal auf meine Fragen geantwortet habt, nachdem ich feststellen mußte, daß meine Aufnahme das Interviews aus Dämlichkeit nicht geklappt hat... Also: Dankeschön und viel Glück für Eure Zukunft...

M.B.

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