Entry
Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Love Like Blood

Love Like Blood - Interview 1

Love Like Blood - Interview 2

 

Love Like Blood - Font

Dedicated To The Underground

 

Nach langem Hin und Her hatte ich die Möglichkeit, ein Interview per E-Mail mit Gunnar Eysel von Love Like Blood zu führen. Das Album "Snakekiller" ist ja nun auch schon ein ganze Weile raus, und da es eine wirklich mehr als hörenswerte CD ist, habe ich mich um so mehr gefreut, dieses Interview führen zu dürfen.

Es viel früher in der Entry erscheinen, aber durch ein Mißgeschick mit meinem PC mußte ich es noch mal neu abtippen und erscheint jetzt in der Januar-Ausgabe...

Ich kann jedem Leser nur raten, sich die CD zuzulegen, sie ist völlig anders als die Vorgänger-Alben von LLB und es macht verdammt Spaß, sich die reinzuziehen. Ein Freund würde sagen: "Verdammt fieses Miststück!"

Entry: Warum hat es so lange, also ganze 3 Jahre gedauert, bis "Snakekiller" endlich heraus kam? Hatte es etwas mit dem Labelwechsel zu tun?

LLB: Dies war einer der Gründe, man unterschreibt ja nicht bei der erstbesten Company. Wir haben uns Zeit genommen um die verschiedenen Angebote zu vergleichen und um schließlich der unserer Meinung nach besten Offerte den Zuschlag zu geben. Aber es gab auch noch andere Faktoren, so z. B. der Zusammenbruch des letzten Love Like Blood Line-Ups. Wir hatten erstmal diese Bandkiste richtig satt und liessen ein wenig Gras drüber wachsen bis wir uns entschieden haben, als "two-piece" weiterzumachen. Auch die Aufnahmen von "Snakekiller" haben sich diesmal über fast ein Jahr hingezogen, da wir das Album in verschiedenen Session mit jeweils verschiedenen Musikern aufgenommen haben.

E: Was hat es denn mit dem Albumtitel auf sich? Seit ihr jetzt unter die Schlangenbeschwörer gegangen mit anschließender Abschlachtung...? Nein, natürlich hat es was tiefes damit auf sich, kurze Beschreibung?

Love Like Blood LLB: Der tiefere Sinn des Albumstitels ist natürlich in den Lyrics des Songs zu finden. Als wir uns den Kopf über den Albumtitel zerbrachen, sind wir bei Snakekiller gelandet. Zum Einen wollten wir auch die Aufmerksamkeit auf diesen Song lenken, aber andererseits wollten wir diesmal unser neustes Werk, im Gegensatz zu unseren Vorgängeralben, einen weniger pathetischen Namen verpassen. Und der letzte Hintergrund des Albumtitels ist, daß dieser auch am Besten den Chararkter des Albums widerspiegelt. Schlangen und ihre Symbolik, das paßte zu unserer Rückkehr nach dieser langen Pause.

E: Ich muß sagen, daß ich das Album sehr geil finde, und es ist ja auch härter als die Vorgänger ausgefallen. War das eine bewußte musikalische Entwicklung oder hat sich das bei den Aufnahmen einfach so ergeben?

LLB: Nein, also kein Zufall, sondern eines der Hauptziele schon während dem Songwriting. Wir hätten das Album/die Songs auch auf die alte, herkömmliche Art und Weise produzieren/arrangieren können, jedoch haben wir uns seit dem Album "Exposure" auf dem Weg gemacht, Gothic-Rock in neue Wege zu führen. Gothic-Rock nicht so zu spielen wie wir diesen Musikstil seit beinahe 20 Jahren kennen, sondern ich modern und frisch klingen zu lassen. Daß das Resultat "härter" ausfällt ist einfach der Zeitgeist, den wir als einzelne Personen nicht beeinflussen können.

E: Ist das denn die (evtl.) völlige Abkehr vom alten Gothic? Oder ist es für euch dann doch eher der zeitgemäß? Seht ihr euch jetzt (wie leider viele andere) auch als Gothic-Metal-Band?

LLB: Die völlige Abkehr nein, im Gegenteil und erst recht ist LLB auf keinen Fall nun in der Metal-Schublade einzuordnen. Zum einen sind unserer Meinung nach inzwischen die Grenzen so verschwommen, daß es keinen sinn macht, hier die eine Schublade zu schließen und die nächste aufzumachen. Also wie zuvor schon erwähnt wäre es schlimm, wenn wir wie vor 10 Jahren klingen würden und eben der von dir angesprochenen Zeitgeist an uns ohne Wirkung vorüberzieht. In erster Linie ist "Snakekiller" ein Album für die Leute, die zwar so wie wir selbst gerne noch die 80er Jahre Alben anhören, aber von einem Album, daß das Geburtsjahr 1998 trägt, erwartet man, daß es auch nach diesem Jahrgang klingt. Also schlichtweg erneut ein Versuch den oft nachgesagten Staub und Modergeruch des Gothic-Rocks zu entfernen. Ich glaube, das ist uns gelungen.

E: Als ihr damals anfingt, an welche Bands oder einzelnen Musiker habt ihr euch orientiert? Hattet ihr als Brüder jeder seine eigene musikalische Herkunft?

LLB: Sicherlich, blutsverwandschaft heißt nicht Diktatur des persönlichen Geschmacks bzw. wird dieser nicht in den Genanlagen hinterlegt. Es ist schwierig, sich eine einzelne band oder einzelne Musiker heraus zu picken. Wir sind beide über Punk zu Gothic gestossen und die frühe Wave/Gothic-Bewegung mit all ihren "göttlichen" Bands, die meisten aus der britischen Szene, haben uns in ihrer Gesamtheit beeinflußt. Und es gab ja eine Vielfalt von Bands, nicht nur die handvoll Namen, die man heute noch liest. Love Like Blood

E: Jetzt seid ihr ja auch nur noch zu zweit. Denkt ihr, daß ihr so keine Kompromisse mehr eingehen müßt, die sich ja zwangsläufig mit anderen Bandmitgliedern ergeben?

LLB: Wir müssen nach wie vor Kompromisse eingehen, wir sind ja keine Klones, jedoch gibt es seid wir zusammen LLB gegründet haben, eine grundsätzliche Übereinstimmung in den wichtigsten Dingen und eine Toleranz eben in den Situationen wo jeder einmal den Kompromiss eingehen muß. Vielleicht liegt der Unterschied zu all den Musikern die bislang in unserem Line-Up aufgetaucht sind, darin, daß wir LLB wie unser Baby betrachten und die Musik und unsere Band unser Leben seitdem bestimmt.

E: Habt ihr deswegen dieses Mal auch mit so vielen Gastmusikern die Platte eingespielt?

LLB: Gut, einerseits mußten wir uns ja nach einem Drummer und Gitarristen umschauen, hätten "Snakekiller" aber auch mit nur eben zwei Musikern aufnehmen können. Wir hatten jedoch irgendwann einmal, noch während dem Songwritig die "dumme" Idee einfach ein paar unserer persönlichen Faves bzw. Lieblingsmusiker anzurufen und in verschiedenen Recording-Sessions mit eben denen das neue Album zu produzieren. Es war eine Idee aus der Not geboren, aber sicherlich auch schlichtweg die Flucht von dem Schema F der vergangenen Aufnahmen. Also diesmal einfach alles ein bißchen anders zu machen.

E: Kommt ihr als Brüderpaar denn gut zurecht, oder gibt es da zwischen euch auch schon mal viel zu viele Kompromisse oder Streitigkeiten untereinander?

Love Like Blood LLB: Wir haben beide ein völlig anderes bzw. eigenes Privatleben und die einzige Schnittstelle ist unsere Band, unsere Musik. Daher kommt es eigentlich nie zu Problemen. Wir stimmen die wichtigsten Dinge ab und dann zählt eigentlich nur noch die Devise "einfach machen". Würden wir auch jeden Tag privat zusammen abhängen, denke ich , daß dies sicherlich auch unsere musikalische Arbeit hin und wieder negativ beeinflussen würde. Zudem sind wir beide keine Egozentriker oder haben im Zusammenhang mit unserer Musik paranoide oder schizophrene Anwandlungen, was ich sagen will ist, daß wir eher relaxte Zeitgenossen sind und unsere Energie nicht in kleine Streitereien verschwenden.

E: Inwieweit hat der Produzent Peter Tägtren, den man von Hyprocrisy sowie als Produzent von anderen Bands her kennt, Einfluß auf den musikalischen Teil gehabt? So ein Producer ist ja auch gleichzeitig immer ein "Psychologe" für die aufnehmenden Musiker... wenn mal was nicht klappt...

LLB: Der größte Einfluß ist sicherlich der Sound, also das Resultat wie das Album klingt. Die Songs jedoch waren geschrieben und daher war für ihn lediglich nur noch die Möglichkeit kleine Details zu arrangieren. Aber du hast auf jeden Fall Recht, wenn du Produzenten mit "Psychologen" vergleichst. Das war mit ein Grund warum unsere Wahl auf Peter gefallen ist. Er ist jung und frisch, insbesondere da wir seine erste Rockproduktion waren, also es war auch eine Herausforderung für ihn und auch die abgeschiedene Lage seines Studios ins Schweden, direkt an einem dieser typischen skandinavischen Seen, und dem damit verbundenen Ambiente hat den Ausschlag gegeben.

E: Leider konnte ich euch auf eurer letzten Tour nicht sehen und auch auf dem Zillo-Festival "arbeitsbedingt" nur 15 Minuten. Aber da habt ihr mir verdammt gut gefallen! Wie fandet ihr den Auftritt? Habt ihr vom restlichen Festival was mitbekommen, von anderen Bands vielleicht?

LLB: Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, wie übrigens all die anderen Shows die wir dieses Jahr gespielt haben. Fun ist übrigens einer der Hauptfaktoren, den wir mit dem neuen Album und der Situation zurückgewonnen haben. Von den anderen Bands haben wir nicht soviel mitbekommen, aber ein wenig schon, Tanzwut auf der kleinen Bühne war geil, ein bißchen Rammstein von der Bühne aus betrachtet, ein wenig Smalltalk mit Green Day nach ihrer Show usw. Ich glaube, das Zillo-Festival hatte dieses Jahr sehr viel für all die unterschiedlichen Geschmäcker zu bieten. Oh ja, kann ich nur bestätigen, auch so leckere Sachen, die man zu sich nehmen konnte... (Anm. d. Verf.)

Love Like Blood

E: Seid ihr demnächst nochmal auf Tour? Geht’s evtl. auch mal in die Staaten?

LLB: Nein, wir arbeiten bereits an neuen Songs, unterbrechen diese nur um nochmals kurz in Frankreich und Griechenland Shows zu spielen. USA interessiert uns nicht, es gibt dort keine Szene vergleichbar zu Europa, nur bißchen L.A. und ein wenig New York. Da es keine Alternative/Undergroundbewegung wie in Europa gibt, ist es eigentlich auch unmöglich, dort etwas zu bewegen. Weiterhin wichsen wir uns keinen ab für horente Summen in den Staaten zu spielen, die erfordert es nämlich, um dann nach Deutschland zurückzukehren und jedem zu erzählen, wie fucking cool alles war. Die Wahrheit ist nämlich, daß meistens die Plattencompany locker mal 50.000,-- DM zuzahlen muß, da mach ich doch lieber eine Pauschalreise für 2.000,-- DM.

E: Gibt es schon Pläne für eine neue Platte? Weil, und das soll jetzt nicht sarkastisch klingen, aber jeder möchte 1999 eine Platte herausbringen (manche Bands haben ihre Sachen schon lange im Kasten und warten nur auch das nächste Jahr), das magische und apokalyptische Jahr 1999...

LLB: Ja, wir arbeiten momentan mit Hochdruck daran, insbesondere da wir kommendes Jahr nicht einfach das nächste Album veröffentlichen wollen, sondern wir haben uns in den Kopf gesetzt, zuerst eine Maxi-Single-Series zu veröffentlichen. Wir vermissen die Präsenz und die Macht der Singles, 7" oder Eps. In den 70er und 80er Jahren war dieser Tonträger ein wichtiges Instrument besonders im Untergrund. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, alle 2-3 Monate eine Single zu veröffentlichen, ohne viel Marketing und all den SchnickSchnack, also "dedicated to the Underground". Vielleicht kommt nächstes Jahr noch ein Album, ich denke eher nicht...

E: Da wir mit der Entry eine eigene Internetpräsenz am aufbauen sind, wie sieht es bei euch aus? Gibt es da eine eigene Homepage?

LLB: YO man, http://www.focusion.de/love-like-blood

E: Was haltet ihr von MOD (Music-On-Demand), wo man sich gegen Entgelt einzelne Stücke von x-beliebigen CD’s von verschiedenen Bands/Künstlern runterladen kann? Das Ende der CD oder der Plattenläden?

LLB: Es werden noch viele Jahre ins Land ziehen, bevor MOD eine ernsthafte Rolle als Vertriebsweg von Musik spielen wird. Wir denken, daß dies vorerst nur eine zusätzliche Möglichkeit, eine Ergänzung sein wird. Der Tag, an dem die Record Stores ausgestorben sind, ich glaube den Tag werden wir nicht mehr erleben, aber er wird kommen.

E: Zum Schluss: Noch ein paar abschließende, nette Worte an eure Fans und unsere Leser?

LLB: An unsere Fans... all denen, die uns nach so vielen Jahren die Treue gehalten haben ein fucking "Danke Schön", all denjenigen, die uns noch nicht so lange kennen ein fucking "Danke Schön" und an alle Entry-Leser der erhobene Zeigefinger mit den Worten "support the Underground".

Vielen Dank für das Interview an Gunnar und Love Like Blood, sowie an Focusion, die mir das Interview ermöglicht haben!!!

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