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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Martin Hall

 

Wenn der Begriff Allroundkünstler auf jemanden zutrifft, dann mit Sicherheit auf Martin Hall. Der Däne, der vor kurzem mit "Random Hold" (Public Propaganda/Indigo) nach zehn Jahren wieder ein Album in Deutschland veröffentlicht hat, betätigt sich nämlich nicht nur als Songschreiber und Komponist sondern ist seit etlichen Jahren auch in anderen Medienbereichen aktiv. Hierzulande kaum bekannt; hat Hall in seiner Heimat längst einen großen Namen. Verdientermaßen, sei an dieser Stelle angemerkt, denn die Kreativität des Tüftlers vollzog sich stets in höchstem Maße.

 

Hall begann schon recht früh, mit der Welt der Klänge eine Liaison einzugehen, sprich als gerade erst zehnjähriger Knirps die Music Academy in Kopenhagen zu besuchen.

"Ich erinnere mich daran, bereits sehr früh Musik gehört und ein Interesse dafür entwickelt zu haben. Ich weiß noch,daß ich als Neunjähriger David Bowie und Roxy Music gehört habe, aber damals konnte ich das Ganze noch nicht recht begreifen. Irgendwann bekam ich das Gefühl, ich müßte einfach Musik machen, aber da ich natürlich nicht wußte wie, wollte ich es auf der Music Academy erlernen. Es klingt zwar pompös, aber in Dänemark ist es einfach eine Schule, die viele besuchen.

Der große Startschuß für Martin kam schließlich via der aufkeimenden Punkbewegung, und als diese vollauf am blühen war,rief er die Avantgarde-Rock-Band Ballet Mécanique ins Leben.

"Als 1979 dieses Post-Punk-Ding passierte,Joy Division usw., wurde ich dadurch sehr beeinflußt. Es war eine sehr chaotische Zeit, und Ballet Mécanique war ebenso, beinahe gar extrem, auch unsere Konzerte. Wir traten mit Tänzern auf, es waren Performances mit absurden Happenings. Die Reporter und Review-Schreiber liebten uns, weil wir etwas Neues boten. Ich glaube, das Publikum hat uns eher gehasst.Wir spielten 1981 in Roskilde auf dem Festival, und waren es am Anfang unserer Show noch 12000 Zuschauer,standen am Ende 700 Leute vor der Bühne. Aber diese 700 liebten uns."

Im Jahre '82 kam es schließlich zum Split. Martin erinnert sich:"Die Subkultur, unsere Umgebung war zu der Zeit sehr hart. Drogen, Frustration, Selbstmorde, alles sehr schwer zu verkraften. Am Ende konnten wir einfach nicht mehr kommunizieren."

Hall schrieb sein erstes Buch (The Recreation Is Greater Than The Creation Itself) und verdingte sich verschiedenen Ensembles, unter anderem SS-Say. "Das war das erste Mal, daß ich mit einem zweiten Sänger, eher gesagt einer Sängerin, arbeitete. Es war eine gute Erfahrung. Diese Sängerin war allerdings eine sehr merkwürdige Person, und später hatte sie ein Breakdown und kam in eine Klinik für psychisch Kranke. SS-Say war eigentlich mehr ein Nebenprojekt, aber ein sehr interessantes. Wir sind mit William Borroughs in Kopenhagen aufgetreten und gaben einige Konzerte,u.a. mit Tuxedomoon. Es war die Zeit von Throbbing Gristle und 23 Skidoo, und auch wir experimentierten mit Industrial-Klängen, sehr perkussiv und laut."

In den nächsten Jahren streift der umtriebige Däne munter umher, arbeitet mit verschiedenen Theater-Gruppen und in Filmprojekten, schreibt Bücher, gründet sein eigenes Label Mind And Media und lebt nach wie vor seine musikalische Ader aus. Letzteres in den differenziertesten Arealen, von Pop über Ambient bis hin zur Klassik. Eine spezielle Freundschaft zu einem bestimmten Stil hegt Hall derweil nicht.

"Ich habe damals sehr extreme, industrielle oder auch avantgardistische Musik gemacht, wohingegen heute alles etwas balancierter, ruhiger ist. Ich mag beides auf seine Art, wenngleich ich heute eher verhaltenere Musik höre, abstrakte Sachen, lange Songs, nicht nur Ambient sondern auch neue klassische Komponisten. Aber wenn ich mir meine erste Sex Pistols Single, die ich mit 14 bekam, anhöre,genieße ich es auch."

Mittlerweile wurde der talentierte Künstler mit dem "Honory Award" von der "Association Of Danish Composers" (1995) und dem 3 Jahres-Grammy von dem "National Fund For The Endowment Of Arts" ausgezeichnet. "Random Hold", sein neues Werk, wurde von den wichtigsten dänischen Magazinen in deren Charts auf Platz 3 (nach REM und Suede) gewählt. Das Album ist ein Meer aus sanften Elektronik-Szenarios, in welche sich Streicher-Passagen und Martin's gefühlvoller Gesang auf gelungene Art einfügen. Ein stets melancholischer Hauch umspült die Kompositionen, und mehr als einmal ertappe ich mich dabei, wie ich in Wehmut verfalle.Hall sieht das Album, an welchem er zweieinhalb Jahre gearbeitet hat, indes als Spiegel seiner Persönlichkeit.

"Ich wollte sicher gehen, daß dieses Album mich darstellt, meine Persönlichkeit erkennen läßt, daher hat die Arbeit daran etwas länger gedauert."

Eine Besonderheit ist zudem, daß alle Sounds auf "Random Hold" selbst produziert wurden, um ein organisch klingendes Finale zu erzielen. Unter anderem fuhr man dafür mit einem moblien Studio umher und nahm in Theaterhallen und leerstehenden, großen Gebäuden auf, da dort der Klang eine besondere Note entfaltet. Bleibt zu hoffen, daß Martin Hall mit diesem atmosphärisch außergewöhnlichen Album auch hierzulande auf offene Ohren stößt. (AX)

 

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