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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Sabotage qu`est-ce que c`est?

 

Sabotage - was ist das? kann man frei diesen ungewöhnlichen Bandnamen übersetzen. Dahinter verbergen sich Isabell, Marc und Detlev. Obwohl die Band bereits seit 1990 existiert, haben bis jetzt noch - leider - wenig Leute von ihr Kenntnis genommen, auch Dank der Ignoranz größerer Indiezeitschriften. Dies ändert sich aber, zumal Sabotage mit "Les Fleurs Du Mal" einen Tanzflächenfüller gemischt haben. Wir benutzten die letzte Europa-Tour von Sabotage als Gelegenheit, die Band kennenzulernen.

Der ungewöhnliche Bandname war ursprünglich ein Kapitel in dem Buch, das Marc, Keyboarder, seit einiger Zeit schreibt: "Wir haben uns gedacht, Sabotage, das ist irgendwie Klasse, und um das gleichzeitig wieder in Frage zu stellen, kam das Anhängsel qu'est-ce que c'est dahinter." Hinzu kam noch die pragmatische Überlegung, das es eine andere Band mit dem Namen SABOTAGE schon viel länger geben könnte. "Und Sabotage qu'est-ee que c'est ist so umständlich, daß wohl kaum einer noch mal auf die Idee kommen wird".

Die Wurzeln von SABOTAGE Q.C.Q.C. liegen schon zehn Jahre zurück. Damals haben Mark und Detlev angefangen, Musik zu machen, in Projekten wie Sabotage oder First Cut. Vor drei Jahren kam dann Isabell dazu, und das Konzept der Gruppe änderte sich grundlegend.

Sabotage Nach den ersten Tapes machten SABOTAGE Q.C.Q.C. mit "Les Fleurs du mal" und "Hiroshima / Hoyerswerda" auf dem "Danse Macabre" Live-Sampler auf sich aufmerksam. Gerade "Les Fleurs Du Mal" entwickelte sich zu einem Tanzflächenknüller. Parallel erschien im Frühjahr '93 die erste CD "TUMULTE". Vorbilder will die Band nicht haben. "Ich denke, deswegen haben die Leute auch Probleme, unsere Musik einzuordnen", meint Marc, da die Band in keine von den bekannten Schubladen reinpaßt. Eine Beeinflussung bleibt aber dennoch nicht aus. "Du hörst ja ständig irgendwelche Musik, sei es im Radio oder im Supermarkt. Und das, was man gut findet, bleibt irgendwie hängen."

Im Gegensatz zu vieler anderen Elektro-Bands entstehen die Songs nicht nur am Computer. "Unsere Lieder entstehen hauptsächlich im Proberaum, wo wir dann richtig laut und stundenlang spielen," meint Mark., der meistens die Ideen zu den Stücken hat. Detlev und Isabell hören sich das an und bringen Ideen für das Schlagzeug oder den Gesang.

Ein weiterer Effekt des regen Gebrauchs des probenraumes ist das Sabotage sich sowohl als Studio- als auch als Live-Band sieht. Nebenbei bekommt die Band so ein großes Repertoire, weil einige Ideen, die nicht sofort weiterverfolgt wurden, etwas später wieder aufgenommen werden können. "Unsere Lieder sind irgendwie auch nie fertig. Für eine Platte muß man sich irgendwann entscheiden, wie ein Lied veröffentlicht werden soll, aber wir nehmen immer wieder die Titel neu auf. Wir haben halt die verschiedenen Mixe, weil es Spaß macht, ein bißchen rumzuprobieren, leider kann man so viel nicht veröffentlichen. "

SABOTAGE Q.C.Q.C ist eine der wenigen Bands, die regelmäßig neben CD´s auch noch Tapes herausbringen, oft mit ersten Entwürfen neuer Songs oder mit Remixen alter. Ein Beispiel ist das neue Tape MASCHINEN-STURM, auf dem Remixe von Stücken von der LIBERTINAGE oder der ANNORLUNDA zu finden sind. Hauptteil des Tapes sind aber Versionen von Liedern der kommenden CD "LES ENFANT SAUVAGE". Ein anderer Grund ist, das SABOTAGE Q.C.Q.C. der Tapeszene viel zu verdanken hat. "Die Tape Szene ist eigentlich die hauptsächliche Independent Szene, die sich halt wirklich aus Interesse engagieren und Null Mark damit verdienen" kommentiert Marc.

Ihre Tour im letzten Herbst haben SABOTAGE Q.C.Q.C. zusammen mit APOPTYGMA BERZERK gemacht. Der Kontakt mit den Norwegern besteht schon seit drei Jahren. "Wir haben uns anfangs geschrieben und unsere Tapes hin und hergeschickt. Irgendwann kam Horst von DIVA PERFORMANCE die Idee, daß man zusammen eine Tour machen könnte". So kam es zu einem Teamwork, das sonst auf Tourneen ungewöhnlich ist: Die Bands singen untereinander back vocals und wechselten sich als "Vorgruppe" ab. "Es ist selten, das man zusammen mit einer anderen Band auf Tour geht und sich mit denen gut versteht, und das sollte irgendwie auch rüber kommen. Da haben wir sowieso gute Erfahrungen gemacht, wir waren zweimal mit Pankow auf Tour. Irgendwie ist das Klasse."

Auf die Frage, warum hauptsächlich französische Texte genommen werden. neben englischen und deutschen, ergänzt Marc, daß als Sprache auch Schwedisch genommen wurde. "Und Lautgedichte. Und jede Sprache, die uns sonst noch irgendwie einfällt. Wir nehmen jede Sprache, weil jede Sprache auch gesprochen wird, wir leben in Europa, das ein wahrer Hexenkessel an Sprachen ist. Das wollen wir einfach ausdrücken". Hinzu kommt, daß Isabell festgestellt hat, daß sich französisch prima zum singen eignet, weit mehr als die Englische.

Sabotage legt sehr viel Wert auf die Poesie der Texte. Die Geschichten, die in den Songs erzählt werden, sind so geschrieben, daß die Leute sich selbst aussuchen sollen, was sie fühlen, wenn sie die Texte hören oder lesen. "Das wesentliche der Poesie ist ja eigentlich, daß die Erklärung nicht schlüssig ist, sondern daß da immer was zu zweifeln übrig bleibt oder in eine andere Richtung geht. Und das haben wir auch in unseren Texten, und das drückt auch unser Name aus. Man kann ja sagen : Das ist Sabotage. Wir aber fragen: was ist Sabotage den eigentlich."

Auf der Suche nach einem ausdrucksstarken Symbol ist die Band auf die roten Hände vor dem schwarzen Stern gekommen: "Die Hände sind für uns einfach ein positives Zeichen des aufeinanderzugehens und des sich die Hand reichens, die Kombination schwarz-rot ist die Farbe der Anarchie". Man wollte auf jeden Fall im Gegensatz zu anderen Elektrobands auf faschistoide Symbole wie z. B. Zahnräder verzichten.

Die Band sieht sich als sehr offen in der Zusammenarbeit mit anderen Musiken, und da stehen immerhin Namen wie CARLOS PERON oder JOACHIM WITT. "Unsere Erfahrung ist einfach, daß Leute, die schon was erreicht haben, sehr leicht anzusprechen sind. Sie sind irgendwie offen und natürlich" Probleme kann es da schon eher mit kleinen Bands geben, die gerade ihre erste CD herausgebracht haben und sich wie Halbgötter benehmen.

Die Zusammenarbeit mit CARLOS PERON auf der LIBERTINAGE ist spontan entstanden." Ich habe ihn einfach angerufen. Er kannte uns von der TUMULTE und war eigentlich gleich bereit, mitzumachen." Die LIBERTINAGE kommt jedoch in Deutschland nicht ganz so gut an wie die Annorlunda, die erst seit Oktober auf dem Markt ist und bereits nachgepreßt wird.

Auf der LES ENFANT SAUVAGE ist auch z. B. neben Remixen von KMFDM, A Split Second und Bal Pate Joachim Witt zu hören. Sabotage hat "Strenges Mädchen" neu bearbeitet und konnten ihn dazu bewegen, das Lied einzusingen. Die ganze Platte wurde wieder in Italien mit Pankow zusammen produziert. Vielleicht wird es dieses Jahr ein neues Projekt zusammen mit Joachim Witt geben.

Hella Schrader / Michael Wehmeier

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