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Saltatio Mortis

 

Saltatio Mortis

Saltatio Mortis Eine Band, die sich selbst Totentanz nennt, nichts anderes bedeutet Saltatio Mortis, muß entweder Grufti-Musik machen, wie es klischeehafter nicht mehr geht, oder stammt aus der Mittealter-Ecke. Schon beim Hören der ersten Klänge der Debüt-CD „Das zweite Gesicht“ wird klar, daß auf Saltatio Mortis letzteres zutrifft. Mit geballter Macht einer ganzen Anzahl von Dudelsäcken versucht man die Fans dieser Musik zu erreichen. Der Erfolg dürfte ihnen sicher sein, stehen Dudelsäcke beim Musikkonsumenten derzeit doch extrem hoch im Kurs. Mehr über die Band im folgenden Interview.

 

 

Entry: Der erste Gedanke war, "schon wieder eine dieser Dudelsack-Combos, die versucht, mit ihrer elektronisch aufgepeppten Musik, kommerzielle Erfolge zu feiern". Ihr habt vor rund 2 ½ Jahren als "normale" "Mittelalter-Märkte"-Band begonnen, wie kam es zu der Entwicklung hin zum jetzigen musikalischen Stand?

Timo: Der Drang moderne und alte Musik zu verbinden steckte schon von Anfang an in jedem von uns. Bevor wir zusammen gefunden haben, hatte jeder von uns schon in sehr unterschiedlichen musikalischen Projekten mitgearbeitet. Damit ist es eigentlich ja nicht erstaunlich eine CD wie „Das zweite Gesicht“ aufzunehmen, oder?

Entry: Wie gesagt, derzeit scheint es eine Schwemme an Dudelsackpfeifern zu geben. Wie glaubt ihr, aus der Masse herausstechen zu können?

Timo: Was für uns zählt ist Musik zu machen zu der man tanzen kann und die Spaß macht, darauf richtet sich unsere ganze Energie. Pläne und Strategien sich abzuheben und bewußt zu versuchen nur jede denkbare Ähnlichkeit zu vermeiden, funktionieren nicht. Die Musik kommt von uns und soll gefallen, das ist das einzig wichtige. Zudem kann man wohl kaum von einer Sackpfeifenschwemme sprechen, wenn nahezu ein Dutzend Dudelsäcke über die Bühnen der Republik rocken. Was soll man da erst zu all den E-Gitarren oder Keyboards sagen; eine Invasion? Für uns sind alte Instrumente genau so daseinsberechtigt wie neue und wir versuchen sie nebeneinander bestehen zu lassen. Saltatio Mortis

Entry: Inwieweit findet man auf "Das zweite Gesicht" noch authentische mittelalterliche Klänge vor? Ich denke vor allem die Texte dürften eure Eigenkreationen sein? Und wo seht ihr eure musikalischen Einflüsse?

Timo: Wir haben zwei historische Stücke in neuem Gewand auf der CD, das sind der „Stella Splendens“ aus dem Liber Vermell de Montserat und die mazedonische „Skudrinka“. Alle anderen Stücke sind sowohl Eigenkompositionen als auch Eigentextung. Ansonsten floß natürlich unsere Erfahrung, was ein Stück mittelalterlich macht, in die übrigen Stücke mit ein und somit entstand diese schöne Mischung aus Alt und Neu. Unsere Einflüsse sind Legion. Wir sehen uns schon als ganz normale Menschen, die mit ganz normaler Musik aufgewachsen sind. Das heißt, daß wir natürlich auf all das was uns bis heute musikalisch bewegt zurückgegriffen haben.

Entry: Saltatio Mortis = Totentanz. Mit der Power, die in eurer Musik steckt, scheint es mir eher, daß ihr damit Tote wiedererwecken könntet. Was hat es mit dem Namen auf sich?

Saltatio Mortis Timo: Totentänze waren im Mittelalter Sinnbilder und symbolische Handlungen, die dem Menschen seine Vergänglichkeit vor Augen führen, aber auch die Angst vor dem Unbekannten nehmen sollten. Der Bandname abgesehen von seinem Klang, trägt für uns etwas sehr positives in sich. Zum einen, dass letztendlich alle vor allen Gleich sind und daß man vor dem Unausweichlichen keine Furcht zu haben braucht. Damit meinen wir nicht nur den Tod, sondern alle Dinge die dem Menschen so wiederfahren können. Unser Streben ist es, dort wo wir spielen Freude und Lust zu verbreiten und wieder Schwung in klapprige Gebeine zu bringen.

Entry: Bezogen auf das Stück „Sehnsucht“, hlaubt ihr, daß Selbstmord eine Lösung für Probleme ist?

Timo: Vielen dank für diese Frage, ist es uns doch ein Anliegen hier klar Stellung zu beziehen. Nein, ganz eindeutig nicht! Selbstmord ist für uns niemals eine Lösung für irgendwelche Probleme. Noch mal ganz deutlich, damit hier keine Missverständnisse aufkommen können. Der Text Sehnsucht ist ein Sinnbild für eine Liebe, die schmerzvoll zu Ende geht und das kleine bißchen Selbst was bei einer solchen Trennung in einem stirbt.

Unsere Überzeugung ist, daß sich für alles eine Lösung findet und man niemals derart verzweifeln sollte. Es ist unendlich traurig, wenn ein Mensch derart allein gelassen wird, um auf solche Gedanken zu kommen.

Entry: Schon die CD bringt eine Menge Energie rüber, live dürfte es dann noch um einiges heftiger abgehen? Ich denke ihr seid eher eine Live- als eine Studioband?

Timo: Wir spielen unheimlich gerne live und ja wir sind definitiv eine Live-Band, was aber nicht heißt, daß wir nicht gerne im Studio arbeiten. Für uns sind es die Live Auftritte, die uns die nötige Kraft geben um all das zu meistern was wir uns vorgenommen haben. Die positiven Energien die uns das begeisterte Publikum schenkt sind durch nichts zu ersetzen.

Entry: Was liegt euch eher, unplugged Auftritte auf Mittelaltermärken etc. oder Festivals mit der ganzen damit verbundenen Technik?

Timo: Das hat beides seinen ganz eigenen Reiz. Die Auftritte auf Märken sind unmittelbarer und der Kontakt mit dem Publikum ist enger. Auf der anderen Seite bietet die moderne Technik soviel spannende Möglichkeiten, daß wir uns auch immer wieder auf die Auftritte mit dem zweiten Gesicht freuen. Für uns ist beides gleichwichtig, wobei wir jetzt erst einmal die Welt von unseren modernen Qualitäten begeistern müssen.

Entry: Wie erklärt ihr euch das in letzter Zeit stetig gestiegene Interesse an Musik mit mittelalterlichem Hintergrund?

Timo: Wenn man sich überlegt, dass Instrumente wie der Dudelsack schon seit über 2000 Jahren Menschen zum tanzen bringt und dabei eine ganze eigene Magie entwickelt, dann beantwortet sich diese Frage von ganz alleine! Welches Keyboard von heute hat denn Aussicht in 2000 Jahren immer noch gespielt zu werden?

Genauso ist es auch mit den Melodien. Eine Melodie die es schaffte gleichermaßen die Menschen von heute und damals in ihren Bann zu ziehen muß einfach gespielt werden.

Saltatio Mortis

Entry: Wird es eine Tour zum Album geben?

Timo: Die ist in Planung, genaueres erfährt man zu gegebener Zeit auf unserer Homepage (www.saltatio-mortis.com).

Entry: Die weiteren Pläne für Saltatio Mortis?

Timo: Jetzt stehen noch eine Reihe Auftritt an, dann geht's wieder ins Studio und schließlich wollen wir auf Welttournee fahren, einfach um zu erleben wie die verschiedensten Menschen und Gesellschaften auf unsere Musik reagieren.

Entry: Und das obligatorische Schlußwort?

Timo: Ein Schlußwort zu Saltatio Mortis wäre denkbar falsch. Wir sind gerade erst am Anfang und haben noch so viel vor, dass wir das Ende unseres Traums von Saltatio Mortis nicht einmal erahnen können.

Thorsten Kübler

www.saltatio-mortis.com

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