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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Second Disease |
Frischen Wind in die Electro-Welt bringt dieses Duo, bestehend aus Lars Hoffmann (Voice, Programming) und Ronald Kraft (Keyb., Programming). nachdem die beiden seit 1986 an mehreren Projekten herumgebastelt hatten, gründeten sie anno 1993 Second Disease. Die beiden Tüftler haben es durch ihr langjähriges Experimentieren geschafft, einen Sound zu kreieren, der auf Anhieb fesselt und begeistert. Dunkle-bedrohlich, gut durchdachte Klangeskapaden, vielfältige Samples und brachial aggressive Vocals verschmelzen zu einer intensiven Gäünsehautmixutr. Nach einigen Live-Auftritten (u.a. mit Pierrepoint, Cyber Axis, Page 12) und dem hervorragenden Tape-Release "Dogma", hat die Formation schon erste Lorbeeren einheimsen können, und es werden sicher nicht die letzten sein. Im Rahmen eines Interviews hatten wir die Gelegenheit, neues Material zu hören, welches mehr als neugierig machte.
Entry: Gleich zu Anfang eine Frage, die uns brennend interessiert: Ihr habt ja von Celtic Circle einen Plattenvertrag angeboten bekommen, den Ihr jedoch abgelehnt habt. Was waren die Gründen für diesen Entschluß?
Lars: "Wir hatten ein für uns besseres Angebot bekommen, von einem anderen Label. Außerdem war das Angebot von Celtic Circle auf ganze 5 Jahre festgelegt, und das wollten wir nicht."
E.: Ihr plant ja eine CD für Herbst/Winter. Wie sicher ist die Veröffentlichung?
Ronald: "Die ist relativ sicher. Es muß natürlich alles klappen, das Presswerk muß mitspielen suw. Es hängt auch davon ab, daß wir die Stücke fertigkriegen, aber da sehe ich keine Probleme."
E.: Was ist mit den alten Stücken?
R.: "Die ‘Dogma’-Stücke werden wahrscheinlich fast alle nicht auf der CD drauf sein, sondern nur neue Sachen. Die Songs von der ‘Dogma’ wollen wir evtl. später nochmal veröffentlichen, es kommt auf die Resonanz an."
E.: Apropos Resonanz, wie war eigentlich die Resonanz auf das Tape?
L.: "Eigentlich recht gut. Ich weiß nicht, Ihr habt das Band-Info ja vielleicht gelesen, da stehen ein paar Kritiken drin vom "Crewzine" und so, die waren eigentlich gut."
E.: Wir sind ja gerade in den hörgenuß von Euren neuen Stücken gekommen. Sie sind ja etwas ruhiger und haben einen leichten Ambient-Einschlag. Wie wollt Ihr stilistisch weitermachen?
L.: "Darf ich was zum Ambient-Einschlag sagen?
E.: Bitte...
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L.: "Wir hoffen, daß das Ganze einen eigenen Stil hat. Ambient-Einschlag, das ist schon wieder so ein Schubladenschieben, was wir gar nicht so mögen. Fakt ist, wir sind ruhiger geworden. Das hat, glaube ich, etwas damit zu tun, daß uns diese ruhigen Sachen vielleicht mehr liegen, zumindestens im Moment. Das kann aber auch nur eine Phase sein..." R.: "die neuen Sachen sind sphärischer geworden. Zwar waren die alten Sachen auch irgendwie sphärisch, aber vielleicht einen Tick kaputter." |
E.: Ihr seid ja eine Band, die bis jetzt noch ohne Gitarren auskommt. Wollt Ihr da nur nicht auf den ohnehin überfüllten Crossoverzug aufspringen oder habt Ihr einfach kein Interesse an Gitarren?
R.: "Interesse ist schon da. Es kann sein, daß viellleicht irgendwann, wenn man mal jemanden findet, der die Sachen einspielt, Gitarren hinzukommen."
L.: "Aber Gitarren werden bei uns niemals im Vordergrund stehen. Ich vergleiche das einfach mal mit dem stilistischen Einbringen der Gitarre bei Skinny Puppy. Da stehen die Gitarren nie im Vordergrund, sondern sind nur gute Untermalung."
E.: O.k. - Stichwort Skinny Puppy...
R.: "Wir weinen bittere Tränen..."
L.: "Skinny Puppy haben wir immer als die Leute betrachtet, die es perfekt drauf haben, Musik zu machen. Sollten sie sich wirklich aufgelöst haben, Frontline ihren Gitarrenkram durchziehen..."
R.: "...entsteht da ein großes Loch, das gefüllt werden müßte."
E.: Wie steht Ihr zur heutigen Elektro-Szene?
L.: "Ich kann namentlich heutzutage nicht sehr viele Gruppen nennen, die sehr gut sind. Es gehlt an Ideen."
R.: "Die Sachen sind oftmals sehr einfach gehalten, und leider wollen viele Leute auch sowas hören. Ausnahmen bestätigen die Regel..."
E.: Dann nennt doch mal 2-3 unbekanntere Elektro-Bands, die Ihr privat bevorzugt...
L.: "Ist Skinny Puppy unbekannt???"
E.: Nee
L.: "Sind die alten Frontline-Sachen unbekannt?"
E.: Nee
R.: "Mir fällt da spontan nix ein."
L.: "‘Nine Inch Nails’, die haben auch was drauf!"
R.: Die neue ‘Haujobb’ ist gut!" (Anm. von Lambert: Gut? Die ist Kult!)
E.: Zurück zu Euch. Wie wichtig sind Euch die Texte?
R.: "Beim Entwickeln der Songs steht bei uns eigentlich die Musik im Vordergrund, die auch meistens als erstes fertiggestellt wird. UND dann hinterher: Oh- uns fehlt ja noch ein Text...! Aber die Texte sollten dann keine 08/15-Texte werden."
L.: "Wer mden sie ja auch nicht. Sie haben schon immer einen Sinn, was man beim Hinhören dann auch erkennt."
E.: Welche Arbeitsweise habt Ihr, macht Ihr alles im Team oder gesplittet?
L.: "Wir arbeiten immer zu zweit, äh, ich meine, wir arbeiten immer zusammen an den Stücken."
R.: "Mal hat der Eine eine Idee, mal der Andere, und dann machen wir die Ausarbeitung zusammen."
E.: Woher nehmt Ihr Eure Samples?
R.: "Wir haben da so diverse Filme zur Verfügung. Aber jetzt nicht unbedingt die harten Splatterfilme oder irgnedwelche Kultfilme, von denen ja so gerne gwsamplet wird."
L.: "Es müssen gute Samples sein, da ist es relativ egal, woher sie kommen. Hauptsache, sie passen zum Stück."
E.: Wie würdet Ihr Eure Musik beschreiben?
R.: "Sphärisch, zum Teil schwer zugänglich, abgefahren..."
E.: Welche Bedeutung hat Euer Bandname?
R.: "Hat keine größere Bedeutung. Er sollte krank klingen und einfach zu merken sein."
E.: Wenn Ihr es Euch aussuchen könntet, auch wenn es Utopie ist, mit wem würdet Ihr gerne mal zusammenarbeiten?
L.: "also, ich glaube, daß eine Zusammenarbeit mit anderen schwierig werden würde, weil der Ronald und ich auf eine Art musikalisch verheiratet sind."
Lars scahut Ronald kritisch von der Seite an und güt hinzu: "Musikalisch bitte unterstreichen!!!"
Es folgt ein mittelschweres Gelächter, bevor Lars fortfährt: "Nee, also, es wäre deshalb schwierig, weil dann immer noch weitere Meinungen dazu kämen und es schwerer würde, alles auf einen Nenner zu bringen."
R.: "Aber ich wäre da nicht abgeneigt..."
L.: "Ganz ablehnen tue ich es ja auch nicht, interessant wäre es schon mal."
Wir danken Euch für das nette Plauderstündchen, viel Glück weiterhin.
Das Tape "Dogma" kann für DM 10,- bei folgender Adresse angefordert werden:
Ronald Kraft
Oststr. 8
45549 Sprockhövel
AX & L.S.
Wie oft muß ich bei Debütalben lesen, daß sie "lange erwartet" wurden, oder "jetzt endlich" erschienen sind. Selten stimme ich überein. Bei Second Disease stimmt es jedoch endlich mal. Die zwei kranken Köpfe der Electroformation aus dem schönen bergischen Land, Lars und Ronald, sind bereits seit zehn Jahren musikalisch aktiv. Ihr hauptsächliches Wirken galt dabei immer Second Disease. Mehrer lokale Auftritte, so z.B. in Wuppertal und Neuss, sowie vor allem ihr 1993 erschienenes Demotape "Dogma" ließen die Wellen hochschlagen. Zum Zentrum der Brandung dürfte sich jedoch ihr lange erwartetes und jetzt endlich erschienenes Album "Flame the dark true" entwickeln. Es ist die Verkörperung intelligent gemachter elektronischer Musik. Krachige Effekte, Bassdrum, kaputte Samples, sowie Streicher und Flächensounds stimulieren sich gegenseitig zu dem, was andere OHRgasmus nennen würden. Ein guter Anlass für ein erneutes Plauderstündchen mit den beiden. Es ist Freitag abend. Zwei Stunden vor Voyager.
Entry: Wo sind denn eure vorbereiteten Fragen?
Ronald: "Wie jetzt?"
E: Wir hatten doch ausgemacht, daß ihr euch die Fragen selber stellt.
Lars: "Nee, ich glaub‘wir hatten ausgemacht, daß wir dich interviewen, also wie oft hast du Sex in der Woche?"
E: Äh, ich glaube, ich denke mir doch lieber Fragen aus. Also, äh...
Seit meinem letzten Interview für die Entry - vor genau einem Jahr - hat sich einiges geändert.
Ron: "Damals dachten wir ja schon, daß die "Flame the dark true" bald rauskommt, aber das hat sich ja dann leider verzögert, weil wir mit unserem (Fast-)Label in einigen Punkten nicht übereingekommen sind- Wir waren mit einigen Sachen unzufrieden und so hat es leider nicht geklappt, und wir haben viel Zeit verloren."
Lars: "Daraufhin haben wir es dann bei anderen Labels versucht und eben auch Music Research angeschrieben."
E: Ihr hattet in den letzten zwei Jahren reichlich Labelangebote. Ganz schönes Hickhack. Warum habt ihr euch letztendlich für Zoth Ommog entschieden?
Lars: "Ein Kriterium war auf jedenfalls, wie schnell es ging. Wir haben binnen einer Woche einen Anruf von einem gewissen Torben Schmidt bekommen. Das ging echt fix. Wir haben ihm dann kurz erzählt, wie wir uns das vorstellen und sind relativ schnell übereingekommen. Dann haben wir den Vertrag zugeschickt bekommen, und es war der erste Vertrag, der uns zugesagt hat. Und ich denke, daß die Zusammenarbeit so klappt, weil wir nicht mehr so gebunden sind, wie bei den anderen Verträgen -und mehr Freiheiten haben. Wir haben alles machen können, wie wir wollten und ich denke, es ist sehr gut geworden."
E: Also seit ihr auch 100% zufrieden mit dem Album?
Ron-Ron: "Dazu sollte man vielleicht sagen, daß wir die Stücke alle nochmal aufnehmen mußten, alle nochmal überarbeitet haben - das war sehr viel Arbeit- aber wir haben wirklich für uns alleine selbständig arbeiten können und die Stücke auch letzten Endes so aufnehmen können, wie wir sie gerne haben wollten. So, wie das Album jetzt klingt, haben wir uns das auch vorgestellt. Also sind wir sehr zufrieden."
Lars: "Dem kann ich mich nur anschließen. Es kommt dem am nächsten, wie wir es haben wollten. Vielleicht gibt es noch die eine oder andere Sache, die du besser machen kannst, aber generell ist es das, was wir uns vorgestellt haben. Teilweise sind die Songs ja auch was älter, das ist eben ‘ne Entwicklung gewesen..."Black Order" ist z. B. von ‘93, und es wäre schade, sowas wegzuschmeissen. Das haben wir nochmal neu aufgenommen. Die ganz alten Klamotten haben wir erstmal weggelassen, die passen stilistisch vielleicht nicht so gut rein. Wir konnten unsere Auswahl treffen, was wir draufpacken, und das war uns auch sehr wichtig."
E: Du sprichst gerade "Black Order" vom Dogmatape an...
Ronny: "Nee, das ist nicht auf dem Dogmatape."
E: WAS??? Auf meinem Dogmatape ist das drauf.
L: "Das war der 'Lambert-Bonustrack'. Wie gut hast du dir eigentlich das Cover durchgelesen? Da steht nix von "Black Order"."
E: Tja, ähm, räusper...Jedenfalls ist "Black Order" ein altes Stück, und das Dogmatape hat damals sehr gute Kritiken bekommen, und eigentlich wolltet ihr gar keine älteren Stücke auf der CD veröffentlichen. Sind "Black Order" und "What is going on now" Zugeständnisse an die Leute, die eure Entwicklung schon seit geraumer Zeit verfolgen und auch auf diese Stücke gewartet haben?
Lars: "Wir haben uns damals schon gedacht, daß 'What is going on now' ein Stück ist, was sehr aus dem Tape rausgefallen ist. Das war einfach schon mehr und krachiger, und da viele Leute speziell von dem Stück begeistert waren, haben wir es einfach noch mit reingepackt."
Ronnie: "Das soll aber nicht heißen, daß die Dogmastücke gestorben sind. Wir möchten die irgendwann auch noch herausbringen. Wir hatten einfach soviel neues Material, daß wir die 18 Stücke für die CD problemlos zusammen hatten."
E: Wollt ihr nicht mal sagen, worauf sich der Name Second Disease bezieht?
Ronny: "Wir beschreiben die Musik von SD als krank. Von der Struktur her, vom Aufbau und von der Atmosphäre."
E: Mal was anderes. Ihr seit große Skinny-Fans. Wie findet ihr die Process?
Don..äh..Ronald: "Ziemlich genial. Poppiger als vorher. Es sind einige Passagen und Samples, die man aus frühen Phasen kennt, aber nichtsdestrototz ist die LP ein ziemlicher Oberhammer."
E: Was ist denn mit Download. Finde ich teilweise viel besser als die Process. Könnt ihr euch vorstellen auch Musik in diese Richtung zu machen?
Lars: "Download ist megageil. Wir wollen aber auch nichts abkupfern. Das Problem in diesem Sektor ist einfach, daß es unheimlich wenig Gruppen gibt, die etwas neues , innovatives machen. Im Moment erfüllt mich eine absolut gähnende Langeweile, weil einfach nix neues kommt. Gut, jetzt mal abgesehen von den sanitären Anlagen..."
E:....dem Viadukt, der Kanalisation, den Strassen...
L: "Irgendwie hat keiner mehr seinen eigenen Klang. Höchstens noch Download, die letzte haujobb und Skinny Puppy. "
E: Wem gilt der Appell "Don‘t destroy human lives" in "Storm World"? Habt ihr irgendwelche politischen Ambitionen mit euren Texten?
L: "Wir sprechen damit die Republik an, die es immer noch nicht schafft, Menschenrechte zu achten und sich immer noch die Füße getreten fühlt, wenn man Menschenrechte anspricht: China. Eigentlich nur in zweiter Linie, aber China ist halt das beste Beispiel. Es ist für uns wichtig, den Appell zu richten, daß Menschenrechte unheimlich wichtig sind, daß sie auf keinen Fall getreten werden sollten. Das gilt für jeden Staat. Eine Message haben wir aber nicht, ich finde sowas haben nur Leute, die glauben, die Weisheit des Lebens gefunden zu haben und andere dann belehren wollen. Trotzdem sind die Texte auch wichtig, wir wollen nicht nur ins Mikro brüllen, oder singen "Hol mir mal ‘ne Currywurst" (Anm:cooles Beispiel) und die Leute springen darauf an."
E: Ich glaube, den Albumtitel "Flame the dark true" müßt ihr auch recht hartgesottenen Trekkies erklären.
Lars: "Dieser Satz stammt aus der allseits bekannten und beliebten Serie Enterprise (TNG), und die Situation ist, daß ‘O Brien ‘n Brainstorming hat, der ist total wirr drauf, kriegt keinen vernünftigen Satz mehr raus, ist mit irgendwas infiziert worden und schreibt dann auf eine Tafel wirre Wörter, u.a. halt "Flame the dark true". Das hält er dann nur ganz kurz rein, und irgendwann hat mich interessiert, was der da eigentlich aufgeschrieben hat, und es mal langsamer laufen lassen. Dieser Satz hat uns einfach total begeistert."
Roni: "Wobei der Satz auch einen gewissen Sinn hat, nämlich zum einen, daß man die dunkle Wahrheit erhellt, ans Licht bringt, und zum anderen, daß man sie auch in gewisser Weise vernichtet."
E: In einem anderen Fanzine wurde euch als Reaktion auf das Tape eine Durchschlagekraft von Gruppen wie haujobb oder :wumpscut: prophezeit. Was sagt ihr dazu?
Lars: "Vorsichtig. Wär´nicht schlimm. Muß nicht sein."
Ro-Ro (lacht sich halbtot): "Wär nicht schlimm, ha ha, das ist gut."
Lars: "Wichtig ist in erster Linie die Musik, es muß Leute geben, die es gut finden. Das reicht. Es müssen nicht mehrere Tausend sein, es reicht wenn es Leute gibt, die es gut finden."
Ronie: "Wir können uns aber auch vorstellen, noch Jahrzehnte so Musik zu machen, so abgefahren sie auch ist."
E: Ihr seit ja auch krank.
Lars: "Eben."
E (mit einem entsetzten Blick nach unten): Mein Gott Lars, was hast du eigentlich für eine Schuhgröße!?
Lars: "48"
E: Jetzt echt? Das gibt´s doch gar nicht.
Derart geschockt konnte ich das Interview natürlich nicht länger fortführen, außerdem ging es bedrohlich auf die Voyagerzeit zu...Im Electrobereich sollte aber jetzt die Second Diseasezeit kommen. End of Transmission.
L.S.