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| Sepultura |
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Life goes on...
Mit "Against" legen Sepultura ihr erstes Album nach dem Split von Frontmann Max Cavalera (der ja inzwischen erfolgreich mit SOULFLY weitermacht) vor und strotzen nur so vor neuer Energie. Davon kann man sich auf besagtem Album überzeugen. Aber auch im Interview gab sich Igor Cavalera (Max’ bei SEPULTURA verbliebener Bruder) optimistisch, zufrieden und gut gelaunt:
E: Wie hat sich bei SEPULTURA seit dem Split mit Deinem Bruder alles weiterentwickelt?
S: Nun, wir haben uns auf das Songwriting konzentriert. Es gab damals natürlich viel Durcheinander durch den Split, vor allem, da ja Max mein Bruder ist, aber wir haben dann die ganze Leidenschaft und den ganzen Ärger in das Album, in dieses Plastikstück , eingebracht. Ich glaube, daß wir dadurch die Heilung gefunden haben, um mit der Band weiterzumachen, um weiter Musik zu machen. Wir haben gelernt, unsere Energie auf die Musik zu kanalisieren, und das haben wir auch gemacht: Fuck all the Bullshit, laßt uns Musik machen und den Rest vergessen - nicht aufs Reden konzentrieren, denn reden kann jeder! Wenn wir jetzt ein gutes Album machen, dann ist jeder glücklich, der etwas mit SEPULTURA zu tun hat - und das ist der beste Grund weiterzumachen.
E: Es war also auch persönlich eine harte Zeit für Dich?
S: Ja, absolut. Das war vor zwei Jahren eine sehr turbulente Zeit...
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E: Und wie lange hat es dann gedauert, einen neuen Sänger zu finden? S: Wir haben rund acht Monate zu Dritt geprobt, Andreas hat etwas gesungen, aber dann haben wir uns entschieden, eine neue Person einzubringen. Wir haben die Türen geöffnet, und nach ein paar Monaten war Derrick da. Er hat sofort stark mitgearbeitet, hat viele eigene Ideen mitgebracht, ist sehr kreativ - sowas war wichtig für uns. E: Und wie seid Ihr an ihn gekommen? |
S: Wir haben natürlich viele Tapes von Leuten bekommen, die bei uns anfangen wollten, aber irgendwann trat ein Roadrunner A&R-Typ aus New York an uns heran und empfahl uns Derrick, den er mit seiner alten Band hatte live spielen sehen. Also bekamen wir von ihm auch ein Tape, und es gefiel uns, denn er war niemand, der versuchte zu klingen wie Max. Das haben so viele versucht, die zu uns wollten... Derrick dagegen: ein ganz neuer Typ! Und das war unsere wichtigste Anforderung an einen neuen Sänger. Derrick kam dann irgendwann ins Studio und es war sofort klar, daß es passen würde.
E: Aber es ist doch bestimmt nicht einfach, spontan zu entscheiden, ob man zu jemandem paßt. Es geht ja nicht nur um seine Stimme, man muß ja schließlich auch persönlich gut klarkommen. Ihr seid nunmal kein Sinfonieorchester, sondern eine Rockband.
S: Das scheint sehr kompliziert zu sein, sowas spontan zu entscheiden. Aber es ist eigentlich sehr simpel: Entweder es macht sofort "Klick" oder nicht. Das weiß man nach ein paar Stunden, vor allem, wenn man seit über zehn Jahren in diesem Busineß ist und schon viele falsche Leute kennengelernt hat. Man erkennt einfach die Aura eines Menschen. Bei Derrick hat es sofort geklappt, das war ein Gefühl, als würden wir uns schon seit Jahren kennen.
E: Aber eine gewisse Angst war doch bestimmt da, nachdem Ihr ja diese nicht ganz so schöne Erfahrung gemacht habt?!
S: Natürlich ist die da, aber man muß damit klarkommen. Wenn man sich zu viele Gedanken darüber macht, daß ein neuer Sänger auch nach ein paar Monaten die Band wieder verlassen könnte, dann kommt man gar nicht weiter. Natürlich hoffen wir aber, daß es jetzt erstmal für einige Jahre so weitergeht.
E: Eine persönliche Frage, die Du natürlich nicht beantworten mußt: Ist denn auf der persönlichen Ebene mit Deinem Bruder wieder alles in Ordnung?
S: Ist schon in Ordnung, das kannst Du ruhig fragen. Wir haben innerhalb der Familie miteinander gesprochen und es ist wieder alles in Ordnung, aber geschäftlich läuft zwischen uns nichts mehr.
E: Das neue Album ist ja sehr roh geworden - auch der Einfluß von Derrick?
S: Ja, in vielerlei Hinsicht. Vor allem die Vocal-Arrangements sind bei Derrick reiner, während sie bei Max eher noisy waren. Da liegt sicher ein Unterschied. Aber auch alles, was wir durchgemacht haben, spiegelt sich auf "Against" wider. Bei "Roots" gab es noch dieser Oberthema "Tribal / Roots", und jeder Song hing an diesem Thema, während wir das jetzt nicht mehr gemacht haben. Nicht alles steht in einer Beziehung zu unserer Kultur und das Album ist offener gestaltet.
E: Es ist aber doch schon so, daß SEPULTURA eine ganz spezielle Einstellung zu ihrer Heimat Brasilien haben, oder? Erzähl mir doch ‘mal etwas über Brasilien, wie Du es siehst.
S: Brasilien ist ein ganz spezielles Land. Es hat viele Probleme, ohne daß ich jetzt die Politik als Ganzes kritisieren will, aber vor allem wirtschaftlich gibt es viele Probleme. Dennoch ist es für mich gleichzeitig eines der reichsten Länder, denn es hat unheimlich viel Kultur und die Leute haben eine ganz andere Einstellung zu vielen Dingen: Sie schaffen irgendwie alles, sie finden immer etwas, an dem sie Spaß haben. Das sieht man an ihren Gesichtern, wenn man dort ist. Sie haben weniger Streß als die Leute in reichen Ländern, obwohl sie so viele Probleme haben. Alles in diesem Land läuft falsch, und dennoch haben die Leute Spaß. Keine Ahnung, vielleicht haben wir ein spezielles Wasser? Aber die Leute schauen einfach auf die schönen Seiten des Lebens: Fußball, Musik und so weiter, und das gibt Energien frei. Es ist natürlich nicht alles schön, es gibt nicht nur Karneval, und genau diese beiden Seiten von Brasilien wollen wir mit SEPULTURA repräsentieren.
E: In den europäischen Medien bekommt man sowieso oft den Eindruck vermittelt, daß Brasilianer eine sehr fröhliche Einstellung haben, auch ihrem Land gegenüber. Ist das ein verzerrtes, einseitiges Bild, oder kannst Du das bestätigen?
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S: Es ist unheimlich schwer zu erklären, aber obwohl Brasilien ein verrücktes Land ist, sind die Leute unheimlich stolz, Brasilianer zu sein, diesem kulturellen Mischmasch zu entstammen. Brasilien, das sind Europäer, Indianer und Afrikaner als Basis. Darauf sind wir stolz, denn es gibt keinen Separatismus wie z.B. in Amerika. Wir feiern jede einzelne Kultur in ihrer Einzigartigkeit, es gibt weniger Rassismus, denn wir haben alle diese ganzen Einflüsse in unserem Blut. Wie kann man gegen Schwarze, Indianer oder Weiße sein, wenn man selber völlig gemischtes Blut hat? Brasilien ist nicht Separatismus, sondern Integration. |
E: Und deshalb auch bei Euch immer wieder das Thema "Tribal"?
S: Klar, denn bei uns kommen diese Stämme überall noch vor, seit langer Zeit überleben sie in Brasilien und sind noch recht natürlich. Man fühlt, daß sie da sind, auch wenn man sie nicht jeden Tag sieht.
E: Kann es sein, daß auch die Familie in Brasilien noch viel bedeutet?
S: Eine der wichtigsten Sachen überhaupt! In Amerika z.B. werden die Familien durch die Kultur sehr früh getrennt, währen in Brasilien die Familie eigentlich das ganze Leben bei Dir bleibt. In Amerika ziehen de Leute mit 16 aus und machen ihr eigenes Ding, was sicherlich auch gut ist für die Unabhängigkeit, aber gleichzeitig verliert man leicht den Boden unter den Füßen. Man denkt möglicherweise nur noch an sich selbst, was in Brasilien nicht so leicht passiert. Die Familie gehört zum Wichtigsten, was man im Leben hat, denn sie ist immer für dich da, wenn du sie brauchst. Daran sollte man immer denken.
E: Wie oft siehst Du denn Deine Familie noch?
S: Natürlich nicht so oft, wie ich gerne möchte. Aber wenn wir ‘mal gerade nicht touren oder im Studio sind, dann fahre ich zu meiner Familie. Zum Glück leben sie auch nicht weit von mir weg.
E: Lebst Du denn im Moment das Leben, von dem Du immer geträumt hast, oder bist Du manchmal auch gelangweilt und gefrustet?
S: Klar, aber diese Art der Langeweile würde ich niemals eintauschen wollen, denn es gibt natürlich viel Schlimmeres. Man muß manchmal Dinge opfern, wenn man das erreichen will, von dem man immer geträumt hat. Ich würde mich niemals über das beklagen, was ich im Moment mache. Schau Dir mal die ganzen Seattle-Bands an, damals Nirvana zum Beispiel: "Ich hasse es, Rockstar zu sein!" So ein Blödsinn, das ist nicht ehrlich! Man tut etwas Positives, macht, was man immer schon wollte und verdient noch Geld damit. Das ist etwas, auf das man stolz sein sollte, denke ich.
E: Macht es denn auch noch Spaß, live zu spielen? Die großen Festivals?
S: Klar, große Festivals sind ziemlich cool, man trifft viele Leute und es herrscht eine ganz spezielle Atmosphäre. Genauso toll sind natürlich Clubkonzerte, vielleicht unter falschem Namen, wenn man ganz eng an den Leuten ist.
E: Ihr habt doch letztlich auch ein ganz spezielles Benefiz-Konzert gespielt!?
S: Ja, in Sao Paulo. Es hieß "Noise against Hunger", Mike Patton (Anm.: Ex-FAITH NO MORE-Sänger) und Jason Newstedt (METALLICA) waren auch dabei, und da wurden die Einnahmen gespendet, um Arme zu unterstützen. Man konnte auch einfach Nahrung mitbringen: Ein Kilo Essen brachte zehn Dollar. Wir haben alleine zwanzigtausend Kilo Essen gesammelt und es durch Wohlfahrtsorganisationen verteilen lassen. Es gab auch keine großen Sponsoren: kein MTV, kein Coca Cola.
E: Ist denn auf solchen Konzerten auch die Stimmung anders?
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S: Es waren schon SEPULTURA-Fans, aber normalerweise bedeutet es Chaos, wenn mehr als zwanzigtausend Leute SEPULTURA sehen wollen. In diesem Fall war das anders. Nach der Show sind wir mal zum Sanitätszelt gegangen, und die einzige verletzte Person war ein Typ, den die Leute in die Luft geworfen und nicht aufgefangen hatten. Er hat sich am Kopf verletzt, aber das war alles. Keine Schlägereien, nichts, was in Clubs ganz normal ist. Wir haben da natürlich auch keinen Alkohol verkauft, vielleicht lag’s auch etwas daran. E: Was macht Ihr denn, wenn Ihr seht, daß während Eures Konzertes die Leute aggressiv werden? |
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S: Wir machen nicht den Soundtrack zur Gewalt! Wenn wir sehen, daß die Leute mehr machen als Tanzen, dann hören wir auf zu spielen und sagen, daß das scheiße ist. Egal, auch wenn’s der beste Song der Show ist. Auch dann, wenn die Ordner sich mit den Fans anlegen oder umgekehrt: Wir hören auf! Normalerweise wirkt das auch, die Leute hören auf und fragen sich, was los ist.
E: Ich habe sowieso den Eindruck, daß SEPULTURA eine sehr aufmerksame, bewußte Band ist; ihr erwähnt Leute im Booklet, die gestorben sind oder etwas Besonderes geleistet haben...
S: Ja, wir mögen Leute mit starken Überzeugungen, und wir lassen es die Leute auch wissen, wenn wir von etwas überzeugt sind. Wir wollen die Leute dazu anregen nachzudenken, ihren Horizont zu erweitern, zu wissen, was abgeht. Wir wollen niemanden ändern, sondern stimulieren.
E: Und Religion? Bei Euch doch auch ziemlich wichtig, oder?
S: Definitiv! Wir sind alle sehr religiös, was ja auch am Anfang viele Leute schockiert hat, als wir noch Death-Metal gemacht haben. Es geht uns nicht um die organisierte Religion, da läuft vieles falsch. Es geht uns um eine Verbindung zwischen dir und dem, an den du glaubst, das ist eine persönliche Sache, die bei jedem sehr verschieden aussehen kann.
E: Gut, dann vielen Dank für das Gespräch!
S: Ebenso. Aber eins möchte ich noch sagen: Das Wichtigste für uns ist, daß wir immer versuchen, ehrlich zu sein und das auch unseren Fans zu zeigen, egal, was um uns herum geschieht.
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