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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Subway To Sally

 

Subway To Sally

Subway To Sally (2)

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Subway To Sally

Nachdem in der letzten Zeit immer mehr Bands Metall mit mittelalterlichen Strukturen auf den Markt bringen, wurde es auch für die Entry Zeit, sich einmal mit einer dieser Bands näher auseinander zu setzen. Und was lag näher, als sich dafür eine Band auszusuchen, die es schon einige Jahre gibt und in diesen Tagen ihr 5. Album auf den Markt bringt? Also machte ich mich an einem der letzten kalten Wintertage auf den Weg nach Dortmund, um die Combo ein wenig unter die Lupe zu nehmen.

 

Entry: Stell dich doch einfach einmal unseren Lesern vor und erzähle uns, was du so außer der Musik machst. Ingo: Die uns als Band kennen, die kennen mich auch. Der mit der lauten Gitarre auf der Bühne und auf der Platte zu hören ist, schreibt den größten Teil der Musik. Er spielt auch neben der E-Gitarre andere ausgefallener Instrumente, wie der arabischen Laute. ( An dieser Stelle sollte ich vielleicht dazu bemerken, daß Ingo Hampf eine recht seltsame Art hat, sich selber zu beschreiben...Anm.d.Redak.) Eigentlich mache ich nichts weiter außer Musik. Auch wenn ich mit der Band nicht unterwegs bin beschäftige ich mich mit Musik, wie zum Beispiel Flamenko. Was mach ich sonst noch? Joggen und Bogenschießen. Das sind meine Hobbys.

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Entry: Wie kommst Du ausgerechnet zu Flamenko? Ingo: Es ist ein Tick von mir, daß ich auf diese mediteranen Kulturarten stehe. Und das ist so eine Sache... Ich spiele dann auch Gitarre, wenn ich nicht Gitarre spielen muß. Entry: Kommen wir jetzt mal zu eurer Combo. Was war die Hintergrundidee für diese Band? Warum habt ihr euch zusammen getan?

Ingo: Hey, jetzt kommen die ganz tiefgründigen Fragen. Entry: Na klar. Laß uns mal richtig in der Zeit zurück gehen. Ingo: Also, warum haben wir uns zusammen getan, um Musik zu machen? Nun, Anfang der 90er Jahre haben wir ja vorher schon in unterschiedlichsten Formationen Musik gemacht - wir kennen uns ja schon ewig - und teilweise spielten wir auch zusammen. Ich selber habe schon jegliche Musik gemacht. Nur auf Beerdigungen hab ich noch nicht gespielt. Das fehlt mir noch. Aber beispielsweise auf Hochzeiten. Ich habe alles gemacht, was man sich im populären Musikbereich vorstellen kann. Vor allen in einer Bar, der Top 40 oder bei Gitarrenduos oder Heavy Metall - Combos.

Naja, so alles was mit deutschen Texten aus dem Deutsch Rock-Bereich bis hin zu Jazz zu tun hat, also alles was man sich denken kann. Und so ähnlich ist die Entwicklung von unseren anderen Bandmitgliedern auch. Teilweise kommen sie mehr aus dem Folkbereich, wie beispielsweise Erik oder Frau Schmidt, die eigendlich mehr aus der Irish Folk-Ecke kommt. Irgendwann haben wir uns dann einmal überlegt, daß wir auch mal etwas anderes machen wollten. Und zwar irgendwie eine Band, die auf der einen Seite "Hartrockmusik" und auf der anderen Seite mit folkloristischen Einflüssen experimentiert. Es begann eben so, das wir die folkloristischen Einflüsse aus der keltischen oder irischen Folklore übernahmen. Dann überlegten wir, auch einen Dudelsack dazu zu nehmen, da uns das ganz ausgeflippt vorkam, eine Rockband mit einem Dudelsack spielen zu lassen. So begann alles. Es hat sich aber sehr schnell herausgestellt, daß wir nicht die Einzigen auf der Welt sind, die sich schon mit Folklore auseinander gesetzt haben, sondern das ist ein weit beackertes Gebiet . Es haben sich schon eine Menge Bands mit derselben Richtung - zwar anders als wir - aber doch beschäftigt.

Entry: Wie ging es dann weiter?

Ingo: Danach begann die Entwicklung vom englischen zum deutschen Gesang. Dadurch haben wir uns dann auf die Suche nach Wurzeln gemacht. Es ging nicht so sehr um irische oder keltische Musik, sondern im Prinzip um die intensivere Beschäftigung mit alter Musik. Es begann mit dem Mittelalter und umschreibt die musikalische Endwicklung vom Frühbarock bis hin zur Jahrtausendwende. Durch meinen Werdegang, dem Studium der Musik und vorher meiner Beschäftigung als Orchesterwart bei einem Symphonieorchester, wurde ich schon für diese Richtung geprägt.

Entry: Was hatte dein Job als Orchesterwart damit zu tun?

Ingo: Bei meinem Job mußte ich mich um die Noten kümmern, und das war das erste Mal, wo ich ernsthaft mit der Überlegung begonnen habe, wie man mit einer Band Rock mit anderen Einflüssen kombinieren kann. Es ist eben eine längere Geschichte über Jahre hinweg von einem Album zum anderen, während man sich damit auseinandergesetzt, geforscht und Noten ergründet hat. Jetzt ist im Prinzip gar keine alte Musik mehr auf unserem neuen Album, sondern bei der Musik wurden eben speziell die Gesangssätze so geschrieben, als wären sie alt, aber sie sind selbst komponiert worden.

Entry: Wie läuft das ab?

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Ingo: Es ist letztendlich eine Auseinandersetzung mit allen Kompositionspunkten. Ich drücke zur Zeit noch die Schulbank, genauer gesagt im Privatunterricht. Dadurch begann ich mich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, denn schreiben zu können ist eine ständige Endwicklung.

Entry: Wo siehst du denn den Unterschied zwischen der letzten und der aktuellen Platte?

Ingo: Wir haben uns vor einem guten Jahr hingesetzt und unterhalten, wie die neue Platte werden und was wir anders machen wollen. Nachdem wir etwa 1 1/2 Jahr mit der Band auf Tour waren und viel gespielt haben, wollten wir alles mehr auf den Punkt bringen, und uns nicht mehr so sehr im Detailreichtum und den Engagements verzetteln. Wir hatten einfach große Lust einfacher zu spielen. Es sollte nicht Platt oder vordergründig kommerziell, sondern nur einfach straitghter und die einzelnen Elemente sollten für jeden deutlicher nachzuvollziehen sein.

Entry: Und ein bißchen böse gesagt: Es sollte ein bißchen Mainstream-lastiger und Verkaufszahlenorientierter sein...

Subway To Sally Ingo: Also, wer mit einer Band kommt und sich auf die Bühne stellt und dann sagt : "Kauft bitte meine Platten nicht", der macht etwas falsch. Dann sollte man besser zu Hause bleiben und für sich selber musizieren. Aber wenn man mit einer Band loszieht, zielt man natürlich darauf ab, daß eine Menge Leute zuhören. Es geht uns hier nicht um irgendwelchen Rocknonsens. Ich mache ja schon seit über der Hälfte meines Lebens Musik und den Großteil der Zeit lebte ich davon und oft war es sehr, sehr hart. Aber es ist trotz allem sehr wichtig, den Leuten die Musik nahe zu bringen, vielleicht auch als Selbstreflektion für sich selbst. Unsere Musik ist einfacher geworden, da wir selbst - also ich und die Band - nun vielmehr Spaß daran haben.

Es geht uns nicht um Kommerz, sondern rein um den Spaß an der Arbeit. Es geht also darum, daß wir mit Spaß auf die Bühne gehen. Ob es in der Zukunft noch kommerzieller und mainstreamiger wird, wird sich zeigen. Falls es so wird, ist es auch gut. Es kann natürlich passieren, daß wir viele alte Fans dadurch verschrecken, das wir uns verändert haben. Aber daran sieht man, daß wir nicht mit einem gewissen Kalkül an die Sache herangehen, sondern eben nur aus Spaß am Spielen und an der Musik. Eine Kommerzüberlegung funktioniert schließlich nicht. Sonst würde jeder eine menge Platten verkaufen. Man könnte z. B. irgendwelche Tripp-Hop-Elemente mit in seine Musik hinein nehmen, um seine Platten zu verkaufen.

Entry: Aber sieht man das nicht jeden Tag auf Viva oder MTV?

Ingo: Es gibt selbstverständlich im Musikgeschäft bestimmte Bereiche, wo solche Überlegungen vorkommen, aber wir sind schließlich in einem anderen Bereich und dort funktionieren solche Überlegungen nicht. Wenn wir jetzt plötzlich so viele Platten wie die Backstreet Boys verkaufen wollen, und deshalb Elemente derer Musik verwenden, klappt es natürlich nicht.

Entry: Kommen wir doch jetzt mal zu eurem Namen, der doch eigentlich gar nicht zu eurer Musik paßt.

Ingo: Die neueste Geschichte die wir uns dazu überlegt haben, ist Folgende: Wir haben die Buchstaben eines satanischen Verses umgestellt. Nein, Spaß bei Seite. Wir brauchten damals halt einen Namen, und zu der Zeit fingen wir mit irischer Folklore an und so war der Name einfach stimmig. Zu der Zeit gab es halt vor allem Bands wie Fury in the Sloughterhouse, Element of Crime und ähnliche. Mittlerweile würde ich gerne den Namen der Band ändern, da er im Kontext zur Musik einfach nicht mehr paßt. Nun kennt uns jedoch jeder unter diesem Namen und nun möchte auch die Plattenfirma, daß es so bleibt. Doch spätestens wenn wir über den großen Teich schippern, werden wir das ändern.

Entry: Wie sieht das momentane Line-up aus?

Ingo: Es ist eigentlich alles gleich geblieben, außer den Gastmusikern für die Platte. Wir haben eine türkische Sängerin, die Meral heißt - übrigens eine sehr, sehr Nette -, dann der Bukareck, der die orientalische Percussion spielt, und schließlich drei Knaben vom Staats- und Domchor in Berlin.

Entry: Wie entstehen eure Songs, und was bedeuten sie speziell für dich? Ingo: Ich habe auf dieser Platte speziell zwei Arbeitsweisen. Die Hälfte der Lieder ist bei mir zu Hause in einer finsteren Nacht am Schreibtisch entstanden. Ich schreibe tatsächlich nur Nachts, denn ich beginne meistens erst gegen 22 Uhr. Ich erstelle dabei praktisch schon richtige Demos mit festgelegten Arrangements. Danach bekommt die Band sie in die Hand, und es beginnen kontroverse Diskussionen. Gerade bei dieser Platte waren die Arrangements am Anfang etwas komplizierter aufgebaut und wurden dann einfacher gehalten. Einen großen Anteil daran hatte unser Produzent, der sehr großen Wert darauf legte, daß diese Platte straighter wurde.

Entry: Wieviel Einfluß hatte er denn?

Ingo: Sehr viel. Er war praktisch wie ein zusätzliches Bandmitglied und konnte seinen Geschmack voll mit einbringen. Wir hatten bisher noch keinem Produzenten, dem soviel Mitspracherecht eingeräumt wurde, aber letztendlich war es gut so.

Entry: Du sagtest, daß die Songs auf zwei Arten entstehen. Wie sieht denn der zweite Weg aus? Ingo: Wir hatten schon eine kleine Grundidee für einen Song, spielten sie in den Computer bei unserem Produzenten im Studio ein und bearbeiteten den Song dann. Bei dem Lied "Ohne Liebe" beispielsweise spielte ich einfach eine halbe Stunde alle möglichen Riffs im Studio, bis mir keine mehr einfielen. Diese analysierten wir dann, bearbeiteten die Idee weiter und hinterher war das Lied fertig. Und zu Hause kam dann der Text dazu.

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Entry: Dann beschreibe doch einfach mal deine Musik.

Ingo: Es gibt eigentlich drei deutliche Elemente oder Säulen. Ein Element ist die moderne Rockmusik, also alles was hart und rifflastig ist. Die zweite Säule ist alles was man mit alter Musik umschreiben kann, und zwar besonders die Renaissons-Musik. Dabei interessiert mich die Art, wie man die Chöre setzt und welche Harmonik man verwendet. Und die dritte Säule ist der Ethno-Bereich, also die orientalische Schiene.

Entry: Also von der dritten Säule kann ich nicht sehr viel auf dem Demo entdecken ...

Ingo: Du mußt dir dann einfach mal den Endmix anhören. Dort sind mehrere Stücke hinzu gekommen, die sehr orientalisch klingen. Früher haben wir ja mehr irische Folklore einfließen lassen, doch jetzt kommt mehr dieses Mediterane mit hinein. Entry: Dann erzähl noch etwas zu der kommenden CD. Ingo: Unsere nächste CD wird "Hochzeit" heißen. Es werden zehn Titel darauf sein. Es ist definitiv die beste Platte. Diese Platte wird auch für den Nichtfan interessant sein, da sie sich auch schon beim ersten Hören erschließt. Diese Platte ist auch etwas für den Schlosserlehrling, der morgens in den Betrieb fährt. Ich selber kenne keine andere Band, die eine solche Musik macht. Es gibt zwar andere Bands mit mittelalterlichen Strukturen, wie In Extremo, Tanzwut oder die Merlons, aber wir gehen doch anders an die Sache heran. Ich denke, wir heben uns mit der Platte sehr ab.

Entry: In wie weit hebt ihr euch denn ab?

Ingo: Es ist nun nicht mehr diese Sandwich-Bauweise, wo man einen original mittelalterlichen Text nimmt und dann noch etwas Rockmusik unterlegt. Wir haben mittlerweile sehr viel Kompositionstechnik gelernt, und wir schreiben die Texte so, als wären sie aus dieser alten Zeit. Wenn beispielsweise Jemand im 15. Jahrhundert sich einen unserer Gesangssätze anhören würde und man die harte Rockmusik beiseite läßt, dem würde nichts auffälliges begegnen. Er würde seinen Wein in Ruhe weitertrinken. Dies ist das eigentlich spannende, daß man lernen kann so zu schreiben, wie die Menschen früher gedacht haben. Die Regelwerke, die vor vielen Jahrhunderten entstanden sind, gibt es ja immer noch. Entry: In wie weit helfen dir denn die Regelwerke? Ingo: Man kann aus ihnen lernen und von daher nachvollziehen, was es für die Menschen damals bedeutete, wenn sie eine Quinte aufwärts und eine kleine Sekunde abwärts sangen. Es gibt eine richtige Ausdeutung von Tonsprüngen, wie Schmerz oder andere emotionale Bewegungen. Musik ist halt eine konkrete Sprache und die Menschen damals waren auf der Suche nach der absoluten Musik.

Entry: Was verstanden damals die Leute unter "absoluten Musik"?

Ingo: Sie wollten die Melodie der Posaunen von Jericho herauskriegen, von der die Mauern von Jericho eingestürzt sind. Es war nicht so, daß die Posaunen riesig groß waren, sondern es wurde die richtige Musik gespielt, die die richtige Kraft hatte. Dies war das Ziel dieser ganzen Musiker, die während der Hochkultur im 15. Jahrhundert auf der Suche danach waren. Die Musik war also nicht losgelöst von allem, sondern wurde als Teil eines komplexen Weltbildes verstanden. Sie war verwoben mit Psychologie und mit den ganzen Naturwissenschaften. Die Musik sollte in der Harmonie so erklingen, wie sich die Planeten drehen und wer macht sich heute noch um so etwas Gedanken. Eventuelle wird so etwas noch akademisch an Universitäten betrachtet. Doch diese Leute sind meist verwirrt, denn sie versuchen das Rad neu zu erfinden. Dies ist eigentlich mein größtes Hobby, über das sich auch mein Lehrer so freut. Ich denke das er sich auch ganz besonders über unsere neue Platte freuen wird (z. B. die Gesangssätze etc.). Entry: Wo wir gerade so philosophisch werden: Kann Musik die Menschen verändern, und wenn dem so ist, wodurch? Ingo: Ich bin fest davon überzeugt, daß der Text im Zusammenhang mit der Melodie durchaus Menschen verändern kann. Es wird z. B. versucht, Psychopaten mit klassischer Musik zu verändern. Es ist natürlich Quatsch jetzt überall Mozart zu spielen und alle Menschen verändern zu wollen. Ich merke an mir selber, daß mich Musik verändert.

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Entry: Gib mir doch ein Beispiel dafür.

Ingo: Wenn ich lange mit der Band auf Tour war, ist es für mich wie eine Seelendusche, wenn ich Daheim eine Renessains-Platte spiele und mir die Musik bei einem Glas Wein anhöre. Die Musik nur zu einer Nebensache zu degradieren oder um eventuell etwas hipper drauf zu sein, kann nicht richtig sein. Wenn man sich den Ursprung der Musik ansieht, kann man feststellen, daß sie sehr wohl viel bewegt.

Entry: In wie weit?

Ingo: Betrachte einfach mal den Sharmanismus, in dem Menschen durch Musik und Tanz geheilt werden. Wenn man noch weiter zurück geht und überlegt, wo Musik überhaupt herkommt, stellt man fest, daß sie wahrscheinlich das erste mal durch Schmerz oder Freude aufgetreten ist, da der Mensch ja noch ein sehr begrenzten Wortschatz hatte und sich somit nicht adäquat ausdrücken konnte. Dies ist eigentlich eine ganz ernste Angelegenheit und es ist katastrophal, wie damit jetzt am Ende des ausgehenden Jahrtausends umgegangen wird. Aber dies ist eigentlich die Sache von jedem Einzelnen und um auf unsere CD zurückzukommen: Deswegen ist die Musik halt einfacher geworden. Es soll ja eigentlich niemand merken wieviel geistiger Unterbau sich in der Musik befindet. Es interessiert ja auch niemanden und muß auch nicht.

Entry: Dann kommen wir jetzt langsam zum Ende. Welche Ziele habt ihr in Zukunft?

Ingo: Als Clubsingle wird "Henkersbraut" ausgekoppelt und von einem Mitglied von "Faith No More" wird ein Remix erstellt. Danach wird wahrscheinlich auch noch ein Video gedreht, was aber vom Charts Einstieg abhängt. Ich hoffe das es auch von diesem Titel sein wird, aber die Plattenfirma möchte lieber "Aus Liebe" produzieren. Dann steht auch noch die Tour an.

Entry: Und nun die letzte Frage, möchtest du unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Ingo: Alle Leute denen wir bis jetzt suspekt waren, sollen in die neue Platte hinein hören. Außerdem sollen sich die Leute nicht den Einstieg ins nächste Jahrtausend vermiesen lassen.

 

Und mit diesen tiefgehenden Worten beendeten wir das Interview, daß ich aus Platzmangel leider gekürzt wiedergeben muß, da schon die nächsten Magazine warteten. So bleibt mir nur noch übrig, der Band viel Erfolg mit ihrem neuen Konzept zu wünschen.

M.V. , Texterfassung: M.L.

P.S.: GreetinX to Doro und den Anderen von Vielklang, die uns immer so toll unterstützt haben!

 

Subway To Sally (2)

Ich muß gestehen, daß ich diese Band bis zwei Tage vor dem Interview nur vom Namen her kannte. Markus überraschte mich mit dem neuesten Album "Bannkreis" (Veröffentlichung: 1. September) und gleichzeitig einem Interview-Termin in einem Dortmunder Hotel. Von der CD war ich überaus positiv überrascht und stellte - sehr zur Erheiterung der Band - fest, daß ich einen älteren Song von ihnen ("Die Hexe") schon aus der Disco (!) kannte.

Die Band setzt sich zusammen aus Eric Fish (Vocal, Dudelsack, Schalmei), Bodenski (Vocal, acc. Guitar), Simon (Vocal, acc. Guitar), Frau Schmidt (Geige), Sugar Ray Runge (Bass), David Pätsch (Drums) und Ingo Hampf (Guiar), mit dem ich folgendes Interview führte.

Was muß ich als werdender Subway To Sally-Fan den über Euch wissen?

Die Band wurde 1992 als Live-Projekt gegründet. Dabei wurde ein normales Rockkonzept gemischt mit keltischen Einflüssen bzw. irischer Folklore. Wir haben zu Anfang auch Englisch oder Gälisch gesungen, da der Eric vorher Irish Folk gemacht hat und wir zunächst die Songs, die er mitgebracht hat, als Rocksongs bearbeitet haben. Mit diesem Konzept haben wir bis zum ersten Album gearbeitet, das damals das bisherige Schaffen abbildete. Damit war es aber abgeschlossen, da wir feststellten, daß das Konzept so erfrischend und so innovativ nun auch wieder nicht war, wenn man daran denkt, daß es eine ganze Reihe anderer Bands wie z.B. Fiddler's Green gibt, die sehr ähnlich arbeiten. Hinzu kam, daß wir nicht mehr auf Englisch singen wollten, weil mit nun mal keine Engländer sind und diese Sprache alle nicht so wahnsinnig gut beherrschen, daß wir uns hätten berufen fühlen können, Texte in Englisch zu verfassen. Also haben wir fortan deutsche Texte geschrieben - zumal auch das Publikum darauf viel spontaner reagiert und sich direkt angesprochen fühlt.

Weiterhin haben wir uns gesagt, daß wir ja auch keine Kelten sind und haben unsere Fühler etwas weiter zurück in der deutschen (Musik-)Geschichte gestreckt und sind ziemlich schnell zur mittelalterlichen Musik gekommen und haben daraus Ideen geschöpft.

Wir waren bisher vor allem als gute Live-Band bekannt, doch auf die Platte hatten wir es nicht richtig rüberretten können. Die Besucher unserer Konzerte waren meist auch von den Alben begeistert, doch der umgekehrte Fall war eher selten: daß also jemand unsere Platten gehört hat und uns dann unbedingt live sehen wollte. Wir hoffen aber, daß wir das mit dem neuen Album abgelegt haben; wir haben uns diesmal sehr bemüht ein wirklich gutes Studioalbum abzuliefern.

Subway To Sally

Wie würdet Ihr Eure Musik umschreiben?

Ich würde sagen, daß es schon populäre Rockmusik ist, aber mit einem breiteren Horizont. Wir gehen eben nicht mit Scheuklappen durch die Welt, sondern versuchen aus einem breiten Background Ideen zu schöpfen: der reicht von mittelalterlicher Musik über Renaissance und Barock bis zu klassischer Musik. Wir wollen uns keine Grenzen stecken, weshalb auf "Bannkreis" auch arabische und orientalische Elemente zu hören sind.

Wie entstehen Eure Songs, gibt es da bei sieben Leuten nicht manchmal Streitigkeiten?

In der Regel ist es so, daß Bodenski erst Texte schreibt und ich von ihm eine Mappe auf den Schreibtisch bekomme und mir die Texte durchlese. Ich suche mir einige raus, die mich irgendwie ansprechen oder inspirieren, und dann führt in meinem Kopf ein Film ab, den ich irgendwie versuche, musikalisch zu vertonen. Das bringe ich dann 1:1 aufs Notenpapier und verteile diese im Proberaum und wir spielen die Songs erst einmal. Dann kommen natürlich von den anderen noch Änderungsvorschläge und so entstehen dann unsere Titel.

Seid Ihr alle ausgebildete Musiker, auch im Hinblick auf die mittelalterliche Musik und den Gesang?

Frau Schmitt und Eric kommen aus dem Folk/Mittelalter-Bereich und haben vorher viel auf Mittelaltermärkten, in Pubs oder auf der Straße musiziert. Der Schlagzeuger und ich, wir haben beide Musik studiert und während des Studiums war mittelalterliche Musik natürlich auch ein Thema. Die intensive Beschäftigung damit kam für mich aber wirklich erst mit der Band.

Ihr beschäftigt Euch also auch mit den Hintergründen?

Wir sind keine Puristen, aber wir versuchen, uns möglichst viel mit der Zeit auseinanderzusetzen, auch z.B. indem wir historische Romane o.". lesen. Wenn es darauf ankommt, muß man sich aber auch intensiver mit der Materie beschäftigen. Zu "alle psallite cum luya" gab es beispielsweise keine Noten, weshalb ich mir das von einer CD eines englischen Ensembles herunterhören mußte, um den Sängern eine Möglichkeit zu geben, sich das anzueignen. Dann muß man sich auch den Text genauer anschauen, was das denn für eine seltsame Sprache ist. Es ist eine Mottette, verknüpft mit einem Tropos, d.h. das ursprüngliche Wort "alleluya" (Halleluja) wurde auseinandergenommen und mit den zusätzlichen Silben "psallite cum" (altfrz., 13. Jhdt.) zu neuem Sinn zusammengesetzt: eine Aufforderung zur Preisung Gottes.

Du sprichst es gerade selbst an: Religion spielt mehrmals eine Rolle in Euren Texten. Seid Ihr selbst religiös oder benutzt Ihr diese Elemente eher metaphorisch?

Meines Wissens sind wir alle konfessionslos, was natürlich auch damit zusammenhängt, daß wir alle aus dem Ostteil Deutschlands kommen. Dort war die ganze kirchliche Lehre ja nicht so gern gesehen bzw. nicht so verbreitet.

Mit unseren Texten wollen wir niemandem zu nahe treten, wir möchten nur Denkanstöße geben. Mit dem Titel "Kruzifix" wollen wir uns auch auf gar keinen Fall über Religion lustig machen. Wir haben uns einfach ein wenig mit dem Jesus als Menschen auseinandergesetzt und etwas mit der Kirche als Institution, die den Jesus immer als Galionsfigur vorne weg hält, der seit 2000 Jahren für alle Sünden herhalten muß. Das ist meiner Meinung nach eine ganz komische Religion. Andere Religionen haben auch ihre Propheten, aber die haben gelebt, ganz normal gegessen, Frau und Kinder gehabt und sind irgendwann gestorben. Nur im Christentum wird der Jesus, der natürlich nie etwas mit Frauen hatte, bis heute gequält, eine ganz seltsame Figur hat die Religion daraus gemacht.

Sind die Texte auch mittelalterlich motiviert, ich habe gelesen, daß sie eher im Stile der Expressionisten verfaßt wurden.

Die Texte sind nicht durch irgendein Vorbild beeinflußt, nur insofern, daß eben bestimmte Dinge nicht darin vorkommen. Da gibt es z.B. keinen PC oder ein WorldWideWeb.

Warum nicht, wäre es nicht spannend in den Texten (genauso wie in der Musik) Altes mit Aktuellem zu verknüpfen, vielleicht in die Richtung moderne Märchen?

Wir glauben, daß das zu dieser Art Musik nicht so gut passen würde. Es sollen Geschichten sein, die vor 500 Jahren gestimmt haben könnten und in 500 Jahren immer noch stimmen könnten. Deshalb vermeiden wir eben Modernismen. Außerdem hat sich dieser Stil einfach über die Jahre so durchgesetzt.

Wie paßt denn Euer Name "Subway To Sally" zu dieser Philosophie? "Subway" ist doch ein Begriff der - weder in Englisch noch auf Deutsch - in Euren Texten vorkommen würde?

Das hängt mit den Folk-Anfängen unserer Band zusammen: damals schien es uns ein guter Name zu sein, was sich mittlerweile als etwas irreführend herausgestellt hat. Dabei bezeichnet "Subway" aber auch weniger das Verkehrsmittel, sondern steht mehr für einen Weg im Dunkeln und Verborgenen.

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Ist damals auch Euer Logo, das mit dem Stierschädel, entstanden?

Ach Gott, das ist auch wieder eine verworrene Geschichte. Auf einem der ersten Tourplakate, die für uns entworfen wurden, sah man eben eine U-Bahn, die sich durch die Erde heraus auf eine Kuhwiese wählt. Von diesen Kühen ist dann nur noch eine übrig geblieben, auf unserem ersten CD-Cover ist auch eine fliegende Kuh zu sehen und als es dann musikalisch etwas in diese dunklere Ecke ging, haben wir eben noch einen Kuhschädel verwendet, dahinter ein gotisches Maßwerk gelegt und der Schriftzug wurde etwas verändert, damit der seltsame Name ein etwas anderes Flair bekommt.

Wie kam es denn zur Zusammenarbeit mit Sigrid Hausen (Qntal, Estampie) bei "Syrah"?

Im Zuge der Beschäftigung mit alter Musik bin ich einmal auf Estampie gestoßen, habe danach auch etwas von Qntal gehört, und dort singt die Siggi ja und ihr Gesang hatte es mir wirklich von Anfang an angetan. Immer wenn auch andere versuchen, sich mit alter Musik auseinanderzusetzen und das mit modernen Elementen zu vermischen, dann werde ich ja hellhörig. Wir hatten auch schon mal mit Christian Komorowski zusammengearbeitet und insofern waren erste Kontakte schon da. Also sind wir einmal geschlossen zu einem Konzert gefahren und haben die Siggi anschließend gefragt, ob sie denn Lust hätte, einmal einen Song mit uns aufzunehmen. Die Idee bestand dann darin, einen krassen Gegensatz zu schaffen und zwei Welten aufeinander prallen zu lassen: auf der einen Seite den Rocksong und auf der anderen Seite dieses Renaissance-Lauten-Stück. Auch textlich sollte es etwas abgefahren sein: es geht um einen Menschen, der in seinem Kopf die Stimme von jemandem hört, der eigentlich schon seit 500 Jahren tot ist, aber irgendwie noch ein Teil von ihm. Die Syrah hat dann dieses Lauten-Stück ausgesucht und mir die Noten zugeschickt: in der originalen altfranzösischen Lauten-Tabulatur! Die konnte ich natürlich nicht lesen und bin erst einmal in die Bibliotheken gegangen und habe darüber gelesen, um mir das Stück in "allgemeinverständliche" Noten umzuschreiben. Auch der Moment, in dem wir dann das Stück aufgenommen haben, war sehr schön. Wir hatten das vorher nicht geprobt, man kannte sich ja kaum, und dann sitzt man zusammen im Tonstudio und es entsteht so tolle Musik; da hätten wir alle nicht mit gerechnet. Für solche Momente mache ich Musik!

Würde Euch denn auch mal die Arbeit mit modernen, elektronischen Instrumenten reizen?

Weniger die Arbeit mit einem Sequencer oder so, sondern, was mich reizen würde wäre folgendes: sich anschauen, was z.B. bei Techno wirklich musikalisch oder rhythmisch passiert und das wieder zurücktransferieren auf akustische Instrumente.

Was kann man ansonsten von Euch in der Zukunft erwarten?

Erst einmal kommt die Platte im September raus und danach gehen wir ab Oktober auf Tour: dort wird es einige Überraschungen geben, sowohl visueller als auch akustischer Natur! Die Party wird es bei unseren Konzerten auch weiterhin geben, aber wir wollen versuchen auch andere Aspekte zu erschließen.

Ich bedanke mich bei der Band für das interessante Interview und ich hoffe, daß wir uns auf der Tour wiedersehen (das möchte man sich ja nicht entgehen lassen)!

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