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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

The Changelings

Im Versuch, Musik mit Adjektiven wie unirdisch, zeitlos, verträumt, ätherisch oder glanzvoll zu umschreiben, denkt man vielleicht vergleichsweise an Nature And Organisations "Bloodstreamruns", an "Elyria" von Faith And The Muse oder auch an "Playing with the fire" von Ordo Equitum Solis; hört man aber die ersten zarten Klänge der Changelings wird deutlich, wie mühelos die Songs der Ausnahmekünstler aus Atlanta all diesen Attributen entsprechen. Als kämen sie direkt aus Otherworld schenken sie der Welt Klänge, die wohl kaum anders als feenhaft und unwiderstehlich zu bezeichnen sind; geprägt von Regeana Morris einzigartig elfengleicher Stimme, umwoben von süßer Melancholie.

In Europa bisher beinah völlig unbekannt haben sich die Changelings in den USA bereits besonders aufgrund ihrer Liveperfomance in schwarzen Kreisen völlig zu Recht einen Namen machen können, und sollten auch hier die Chance bekommen, ihre traumgleichen Klanglandschaften einem größeren Publikum vorzustellen, daher lest im Folgenden ein ganz "weltliches" Interview mit Chandler und Nick und bemüht Euch im eigenen Interesse um die beiden bisher veröffentlichten Alben dieser außergewöhnlichen Band, pures Entzücken ist garantiert!

Entry: Ganz obligatorisch: wer sind die Changelings, wo kommt ihr her, wo geht ihr hin...wie ist die Band entstanden?

Nick: Regeana und ich kannten uns aus einer Band namens Trio Nocturna. Als es mit der Band zuende ging waren wir uns sicher, auch weiterhin miteinander arbeiten zu wollen, und gaben eine ganze Serie von Anzeigen in lokalen Musikmagazinen auf, in der Hoffnung, Musiker zu finden, die ähnliche Vorstellungen wie wir selbst hatten. Der Hauptgrund, der uns alle zusammenbrachte, war das Verlangen, Musik zu spielen, die eher innovativ als traditionell ist; niemand von uns zeigte Interesse daran, in einer Rockband zu spielen, ein Faktor, der sicherlich eng mit unserem Sound zusammenhängt.

Chandler: Ich bin vor etwa drei Jahren durch eine "Drummer wanted" Anzeige in einem lokalen Blatt auf die Changelings aufmerksam geworden. Vorher war ich bereits in vielen verschiedenen Bands, die mich aber völlig im Stich ließen, und war im Begriff, die Suche nach einem neuen Projekt aufzugeben. Dann traf ich sie in ihrem Übungsraum, um zu sehen, ob mir ihre Musik gefallen würde, und sie spielten "Seasons of Mist" für mich; als ich das erste Mal Regeanas Stimme hörte, wußte ich, daß ich genau die richtige Band gefunden hatte. Außerdem war es eine große Erleichterung, endlich eine Band aus Atlanta ohne grelle laute Gitarren zu hören, eine schöne Überraschung.

Entry: Changelings sind die Wechselbälger der Feen, also Bestandteil von keltischer Mythologie und englischen Märchen. Inwieweit laßt ihr Euch davon inspirieren, klingt Eure Musik doch selbst märchenhaft und unweltlich?

Chandler: Für mich hat es nichts mit Märchen und derlei zu tun, ich lasse mich eher von Abstraktem inspirieren. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, das mich dazu zwingt, und nach dem ich durch Musik strebe.

Nick: Aber Regeana interessiert sich sehr für Märchen und ähnliches, und sie schreibt die Lyrics. Solche Themen passen sehr gut zu weltfremder, ätherischer Musik.

Entry: Manchmal scheint ihr euch eher von indischen und arabischen Einflüssen berühren zu lassen. Wie kamt ihr in Kontakt mit diesen orientalischen Klanglandschaften, und welcher Absicht folgt ihr?

Chandler: Alles passiert einfach! Es steckt keine Intention dahinter...ich höre diese Art von Musik sehr gern. Sie besitzt eine traumhafte, spirituelle Qualität, die ich schätze.

Nick: Wir werden alle durch World Music beeinflußt. Chandler hatte immer einen mittelöstlichen Touch in seinen Percussions, und ich glaube, dies hat uns alle angesteckt. Damon spielt Sitar und Tanpura, Paul kennt sich mit den "micro tunings" indischer Musik aus, und Regeanas Stimme nimmt sich solcherlei Klängen ganz natürlich an.

Entry: Folgt ihr irgendeinem Konzept, oder laßt ihr euch nur von Ideen und Emotionen führen, wenn ihr eure Musik schreibt? Und...in welcher Stimmung schreibt man Songs wie "Solitude"?

Chandler: Normalerweise haben wir keine festen Pläne. Wir spielen nur, improvisieren, und nach ein paar Malen, manchmal Tausenden, nimmt es Form an. Unsere Stimmung? Völlig aufgeschlossen! Was immer wir im Kopf haben...und unser Songwriting ist sehr demokratisch, jeder hat ein Mitspracherecht.

Nick: Ich folge niemals einem festen Konzept, wir sind alle offen für die Stimmung, die uns als Individuen oder kollektiv berührt, wenn wir an einem Stück arbeiten. Und "Solitude" ist als bittersüßes Lebewohl an meine Zeit mit Trio Nocturna zu verstehen.

Entry: In den USA seid ihr ausgewähltem Publikum längst ein Begriff, wie reagieren die Leute auf euch? Und habt ihr vor, demnächst auch Europa zu erobern?

Nick: Auf unsere Shows in den Staaten haben die Leute bisher meistens ziemlich enthusiastisch reagiert...

Chandler: Die Reaktionen waren tatsächlich sehr positiv, besonders live. Unsere Stärke liegt in den Live Performances.

Nick: Ich habe den Eindruck, daß die Leute froh sind, wenn sie eine Band wirklich spielen sehen, bei keinem unserer Stücke benutzen wir Tape. Dazu kommt, daß sich die Stimmungen unserer Stücke sehr voneinander unterscheiden, daraus ergibt sich eine unterhaltsame Show. Was Europa betrifft...wir versuchen, alle Hebel in Bewegung zu setzen, aber es gibt so viele Bands, und wir sind traurigerweise so weit entfernt...vielleicht bekommen wir aber eines Tages die Chance, in Europa zu spielen, die ganze Band sieht es als ihre spirituelle Heimat an.

Chandler: Bis heute haben wir leider noch nicht genug dafür getan. Es liegt vor allem daran, daß das Geld etwas knapp ist. Wirklich schade, den wir fänden es alle wahnsinnig schön, nach Europa zu kommen und mehr potentielle Fans zu erreichen.

Entry: Bei uns wurde euer Debut ja auch durch World Serpent Distribution vertrieben, der Nachfolger kommt allerdings über Middlesex. Weshalb habt ihr den Vertrieb gewechselt?

Chandler: Darauf laß ich Nick antworten!

Nick: Unser Debut kam über Middlesex, bevor World Serpent es aufgriff. Doch da wir noch bei Middlesex unter Vertrag waren, während wir "Terra Firma" aufnahmen, bekamen wir irgendwie nicht die Möglichkeit, auch das zweite Album über sie vertreiben zu lassen. "Terra Firma" ist jetzt über Projekt/ Darkwave, Middle Pillar, The Laser’s Edge und Cargo Music erhältlich, und es hat sich als gut erwiesen.

Entry: Was ist die Idee von "Terra Firma"? Wenn man z.B. "Stalingrad" und "Dervish" miteinander vergleicht, fällt ein völliger stilistischer Wechsel auf, der das ganze Album akzentuiert!

Chandler: Nun, ich weiß nicht genau... Regeana hat diese Songs fast ganz allein geschrieben. Wahrscheinlich nur unterschiedlich aufgebaute Stimmungen.

Nick: Als wir die Aufnahmen beendeten fiel uns auf, daß die meisten Stücke auf dem Album von unterschiedlichen, über den ganzen Globus verteilten Orten handeln. Verschiedene Stimmungen für unterschiedliche Plätze...eine Idee, die Sinn macht, da wir viele verschiedene Teile zu einem Ganzen zusammengefaßt haben.

Entry: Bei den vielen verschiedenen Stilrichtungen eurer Musik stellt sich natürlich die Frage...welche Musik hört ihr privat?

Nick: Damon liebt die Legendary Pink Dots und die alten Genesis mit Peter Gabriel. Chandler hört Slowdive und Dance Music wie Future Sound Of London; Regeana steht auf Nick Cave und die Madrigals, Paul mag Barock Musik und Tori Amos, und ich höre letztlich Musik aus dem Rokoko, aber auch 60er Jahre Pop wie The Zombies, Chad und Jeremy And The Left Banke. Wahrscheinlich klingen wir deshalb anders als alle anderen!

Chandler: Meine Lieblingsband ist tatsächlich schon seit 6 oder 7 Jahren Slowdive aus England. Aber ich mag auch die sogenannten "Shoegazer Bands" wie die frühen Chapterhouse, Moose, My Bloody Valentine, Ride, usw... in letzter Zeit interessiere ich mich aber auch sehr für das leider schwer zu findende, gute ambiente Drum’n’Bass , für manche Stücke von Dead Can Dance, Seefeel und natürlich für klassische, indische, ägyptische und persische Musik.

Entry: Habt Ihr mal darüber nachgedacht, Soundtracks zu schreiben?

Chandler: Ein riesengroßes JA! Am meisten würde sich Paul darüber freuen, er redet immerzu davon, aber im Moment fehlt uns die Zeit dafür.

Nick: Wir denken ständig daran, Soundtracks zu komponieren, da unsere Musik für Bilder und Filme sehr zuträglich erscheint. Aber es ist ein mehr oder weniger politisches Spiel...wir kennen einfach noch nicht die richtigen Leute. Aber eines Tages vielleicht.

Entry: Die Cover Eurer CDs zeigen jeweils schlafende oder tote, zu Boden liegende Frauen. Wer hat die Bilder ausgesucht?

Chandler: Ich muß gestehen, ich bin der Einzige, der diese Bilder gar nicht mochte...

Entry: Sie sind aber schön!

Nick: Aus diesem Grund habe ich diese beiden Cover auch ausgesucht, ich könnte aber nicht sagen, weshalb, außer, daß ich sie für wunderschöne, ätherische Bilder hielt, die zu der Musik passen, die sie repräsentieren sollen.

Entry: Verratet Ihr mir Eure Pläne für die nähere Zukunft? Oder für ein neues Album?

Chandler: Unsere Pläne? Wir möchten immer bessere Musik schaffen, immer mehr Spaß haben, unsere schrecklichen Dayjobs verlassen und endlich eine Tour durch Europa in Angriff nehmen! Und, drück’ uns die Daumen, hoffentlich vor Ende des Jahres unsere dritte CD veröffentlichen.

Nick: Mit den Aufnahmen dafür werden wir bald beginnen, der vorläufige Arbeitstitel lautet "Amphibian". Die Songs handeln von Wasser, dem Ozean und den Wesen, die dort leben, wie Meerjungfrauen, Piraten, Sirenen, Fröschen...das Album wird eine Hintergrundgeschichte haben, deren Leitfaden sich durch das gesamte Album ziehen soll, vielleicht wird es nur ein sehr langer Song, wie bei einem Konzeptalbum.

...mit diesen Worten verlassen die Changelings wieder die irdischen Sphären und lassen den geneigten Hörer mit der begründeten Hoffnung zurück, tatsächlich demnächst neues Material von gewohnt hoher Qualität erwarten zu dürfen. Und bis dahin mögen Euch die Klänge von ‘Solitude’ den Blick für andere Welten öffnen...

H.M.

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