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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| The Last Dance |
-Phantasie und Leidenschaft-
The Last Dance gingen 1990 an den Start, mit dem Ideal vor Augen, Musik zu kreieren, die keinen Regeln und Vorschriften folgt sondern von Herzen kommt und aus Gefühlen entspringt. Auch heute noch hält die Band, bestehend aus Jeff Diehm (voc.), Peter Gorritz (bass), Rick Joyce (guit.) und Dan Kaiahua (drums, perc.), an diesem Ideal intensiv fest. Mit ihrer Musik geleitet uns das amerikanische Quartett durch eine Landschaft aus ausdrucksvoller Gothic-Anlehnung in Konföderation mit wavigen Splittern und emotionaler Melodiösität. Nach vier Veröffentlichungen ("Everyone" (1991), "Angel" (1992), "Tragedy" (1995) sowie das neue Album "Fairytales"), diversen Compilationbeiträgen (Cleopatra´s Goth Box, "Beauty and the Beast", Tribute to Sisters, Joy Division, Siouxsie etc.) und Live-Auftritten mit u. a. Christian Death, Shadow Project, Faith & The Muse, The Shroud und Human Drama hat die Band mittlerweile einen ansehnlichen Fankreis um sich aufbauen können. Ich habe das soeben erschienene Album "Fairytales" (Apollyon / EFA) als willkommenen Anlaß genommen, um mit der Band mal ein Interview zu führen und sie euch ein wenig näher zu bringen.
Entry.: Meiner Meinung nach beinhalten eure Songs eine melancholische Grundstimmung. Wie wichtig ist der melancholische Aspekt für eure Arbeit? Seid ihr allgemein melancholische Menschen?
Jeff: "Ich bin nicht sicher, ob ich verstehe, was Du mit Melancholie meinst. Ich tendiere dazu, reserviert zu sein, manchmal auch nachdenklich. Aber bei Leuten, die ich kenne, bin ich eine leidenschaftliche und energische Person, die es liebt zu leben und die Welt zu erfahren. Das ist, denke ich, eher charakteristisch für die Musik von The Last Dance. Ich glaube, und das ist wahrscheinlich das, was Du meinst, daß unsere Musik trotz einer energischen Atmosphäre ein Gefühl von Luftigkeit innehat. Dieses Gefühl rettet uns davor, zu sehr wie eine typische Rockband zu klingen."
Peter: "Ich denke, daß die Mischung aus Melancholie und Traurigkeit mit Leidenschaft und Hoffnung der Schlüssel zum Sound von The Last Dance ist. Wir sind sehr gefühlsbetonte , emotionale Menschen, und manchmal kommen diese Gefühle wahrscheinlich als dunkel oder melancholisch an die Oberfläche. Aber es ist immer das Element der Hoffnung vorhanden, was die Musik davor bewahrt, komplett dunkel oder zynisch zu werden."
E.: Wie entstand die Idee, euer aktuelles Album in einer Kirche Aufzunehmen?
Rick: "The Last Dance war nie eine Band, die nach einem Lehrbuch Dinge vollzog. Vom schreiben der Musik bis zur Art der Aufnahme haben wir nie bestimmte Regeln oder Grenzen wahrgenommen. Ich arbeite in einer Kirch namens Bethany Church in West Covina, Kalifornien, wo ich den Live-Sound mache. Jeff und ich haben Erfahrung im Aufnehmen, und wir sahen keinen Grund, warum wir unser neues Album nicht in Eigenregie aufnehmen, mischen und produzieren sollten. The Last Dance hatten bereits früher einmal dort aufgenommen, für eine Compilation. Die Akustik im Sanktvarium ist unglaublich, und mit der Anwendung von zwei Raummikros bekamen wir einen Widerhall, der auf keinem Prozessor vorhanden ist. Die Kirche besitzt zudem Equipment und Mikrophone, und alles, was wir tun mußten, war die ADAT´s und einige Effektgeräte zu mieten. Es gibt dort eine Pfeifenorgel und ein großes Piano, welches wir ebenso in unser Album einbrachten. Soweit zu den technischen Gründen, dort aufzunehmen. Geistig gesehen muß ich sagen, ich liebe diesen Ort. Einige meiner Gitarrenparts waren unvollständig, und während ich diese aufnahm, schloß ich einfach meine Augen und ließ mein Herz sprechen. Ich glaube, meine musikalische Begabung gab mir Gott. Ich habe auch "Violet´s Wedding" dort geschrieben, nachdem ich es zu Hause oft versucht habe. Dort ist eine friedliche Atmosphäre. Dort gibt es nicht die Hektik eines Studios, wo Zeit Geld ist. Wir hatten dort nur 8 Tage, aber niemand hat sich eingemischt. Wir konnten eigenständig agieren. Diese Sache passierte einfach, wie vieles bei The Last Dance."
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E.: Bei Kirche fällt mir ein - was denkt ihr über den Papst? Jeff: "Ich denke, es ist eine Schande, daß die singulärste Person In der Lage ist, Veränderungen zu bewirken, die historisch gar nicht dazu tendieren. In der neueren Geschichte gab sich der Papst freimütiger gegen Ungerechtigkeiten. Aber nur vor 50 Jahren verfehlte er es, den Holocaust zu verurteilen. Dieses scheint eher vereinbar mit einem Politiker als mit einem religiösen Führer. Dieser Mann scheint ein Mann des Friedens zu sein, aber Mutter Theresa ist ein besseres Exempel für christliches Leben." |
Peter: "Als ein menschliches Wesen scheint er ein gutes Herz zu haben, aber ich denke, einige der Ansichten, die er als Sprecher der Kirche zum Ausdruck bringt, sind unverantwortlich. Ich bin kein Fan der katholischen oder irgendeiner anderen Kirche, und mal abgesehen von der Tatsache, daß er sich als anständige und couragierte Person zeigt, gebe ich ihm nicht mehr Bedeutung als ich jedem anderen Menschen gebe. Andere Ansichten über ihn habe ich nicht, nur die, daß er einen komischen Hut trägt...Warum fragst Du überhaupt nach dem Papst? Eine ungewöhnliche Frage.
E.: O.K., dann mal zurück zu eurem Album. Ihr habt es "Fairytales" (Märchen) betitelt. Welche Art von Märchen erzählen eure lyrischen Landschaften?
Jeff: " "Fairytales" sind Geschichten, die reales Leben in den Grenzen des Imaginären zu repräsentieren versuchen. Unsere Songs sehen oft derart aus. Die Welt der Phantasie ist die Brücke zwischen den realen und den imaginären Welten, und die Leute leben in beiden. Mit diesem Album haben wir versucht, beide in Übereinstimmung zu bringen. In Märchen lebt man seine Phantasien aus. So sehe ich den idealen Lebensweg, daß Erfolg daran gemessen wird, in der Lage zu sein, das zu tun, was Du liebend gern machen möchtest. Das Leben ist Phantasie und Realität gleichermaßen, aber die Realität ist etwas, an was die meisten von uns nicht mehr erinnert werden müssen."
E.: Welche Bedeutung hat der Begriff "Gothic" für euch?
Peter: "Er hat so viele Konnotationen heutzutage, wörtliche und bildliche Bedeutungen. Für mich beschwört er einfach die Vorstellung von Geheimnissen, Romantik, dunkler Leidenschaft und vielleicht eine Spur Gefahr herauf. Er veranlaßt mich dazu, an die Literatur des 19. Jahrhunderts zu denken, und an die Hammerfilme der 60er. Bezüglich einer musikalischen Beschreibung, ich bevorzuge es, wenn die Leute Darkwave als Gegensatz zum Gothic ansehen, ich denke er ist schillernder und klingt auch moderner, zudem weniger klischeehaften Statements und Kritik unterworfen."
E.: Ihr habt ja einen Beitrag zum Siouxsie & The Banshees Tribute-Album beigesteuert. Welchen Song habt ihr gecovert du warum?
Rick: "Als ich aufwuchs habe ich eine Menge Musik gehört, aber Siouxsie & The Banshees habe ich immer geliebt. Ich wußte, daß wenn irgendwann einmal ein Tribute-Album kommen würde, würden wir daran teilnehmen...Ich wußte nur nicht wie. Wir haben "Cities in Dust" gecovert. Dieser Song ist einer ihrer energischeren und wohl auch schwereren, wir fühlten, daß wir ihn gerecht auf unsere Art machen könnten. Unsere Freundin Kelly Garret sang den Song und Jeff nahm sich der Backup-Vocals an. Wir fühlten, es wäre nur passend, Siouxsie mit einer Sängerin zu covern. Kelly, die auch auf der "Fairytales"-CD erscheint, fügte dem Song eine softe, zarte Dimension hinzu und sang, wie bei The Last Dance Tradition, auf ihre ureigene Art ohne den Versuch, zu kopieren. Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Hier in den Staaten haben wir bereits viele Komplimente erhalten."
E.: Ich habe zur Kenntnis genommen, daß ihr euch als definitive Liveband anseht. Was ist für euch der faszinierende Aspekt am Live-Spiel? Könnt ihr einmal The Last Dance on Stage beschreiben?
Jeff: " Im lokalen Umfeld spielen wir sehr oft live. Ich denke wir bieten eine sehr gute show. Ich bin davon überzeugt, daß Live-Auftritte der beste Part unserer Arbeit ist. Aufnehmen ist schwerer, weil es kein Publikum gibt und das Vorhandensein der Energie doch abgeschwächt ist. Vor Publikum zu singen fällt mir sehr leicht, obgleich ich nie gedacht hätte, daß ich einmal Sänger einer Band werden würde, da ich immer sehr scheu war. Wenn wir Live spielen, beobachte ich das Publikum. Ich rastere die Menge und singe für eine Weile für bestimmte Leute. Es ist spannend zu sehen, wenn die Leute sich der Musik hingeben und mitsingen."
Peter: "Ich denke, Live kommen wir am stärksten rüber. Du erfährst mehr Energie, wenn wir Live auftreten. Wir benutzen keine elektronischen Mittel oder Tapes, jede Performance ist anders, und manchmal erklingen die Songs komplett anders als auf CD. Wir geben Energie ab und nehmen die Energie vom Publikum auf, und wenn die Leute gut dabei sind, sind wir um so besser. Wir geben uns die meiste Zeit sehr natürlich auf der Bühne. Ob wir uns viel bewegen oder nicht hängt von unseren Stimmungen ab, aber wir haben keine Standartperformance. Wir haben keine Angst, herumzurennen, wenn die Energie Stark ist, und manchmal sind wir sehr verrückt, nicht so zurückhaltend, wie es von "Gothbands" erwartet wird."
E.: O.K., zuguterletzt würde mich noch interessieren, was ihr für Pläne für die nächste Zukunft habt?
Peter: "Hoffentlich viel Touring, in den Staaten und Europa. Die Band existiert seid einer langen Zeit, aber außerhalb Kaliforniens haben wir relativ wenig Live gespielt und wir wollen unsere Musik einer großen Öffentlichkeit präsentieren und unsere Musik einer großen Öffentlichkeit präsentieren und unsere letzten zwei Veröffentlichungen pushen. Natürlich werden wir weitere Songs schreiben, aber gegenwärtig ist unser Hauptanliegen, unsere Musik den Fans auf der ganzen Welt zu präsentieren."
Rick: "1996 war ein spannendes Jahr für The Last Dance. Dan hat sich uns angeschlossen, wir haben einiges an neuen Material geschrieben, unser neues Album aufgenommen und veröffentlicht. Wir haben drei Mal etwas für Compilations aufgenommen. 1997 planen wir für eine Tour. Zur Zeit haben wir drei separate Tours geplant und sind sehr gespannt darauf, aus Kalifornien rauszukommen und "Fairytales" vorzustellen. Wir freuen uns darauf, live zu spielen und viele Leute zu treffen, die uns durch Post, Fax und e-mail unterstützt haben. Dank euch allen."
Thanx a lot for your answers & good luck for your tour!
AX
Interessenten wenden sich an:
The Last Dance
P.O. BOX 9685
Fountain Valley
CA 92728-9685
USA