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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| VNV Nation |
Entry: Hei Ronan, nett dass du uns Rede und Antwort stehst. Dann erzähl uns doch zu Anfang gleich mal, wie euer Gig gestern lief.
Ronan: Ja, trotz des schlechten Wetters war es unglaublich zu sehen, wieviel Spass jeder letzte Nacht hatte. Obwohl alle nass waren und nichts als Matsch auf dem Boden, hatten wir doch das Gefühl, dass wir ein wenig Spass und letztendlich sogar ein Partyfeeling bei den Leuten hervorrufen konnten und das war genau das, was ich mir gewünscht hatte. Ich bin darüber sehr glücklich.
Entry: Wie sieht es aus mit eurem neuen Album? Kannst du schon etwas darüber erzählen?
Ronan: Ohhh, momentan gibt es leider nur sehr wenig, was ich darüber sagen kann. Wir planen, es Ende Juli der Welt vorzustellen. Im August wird die neue Singel "Genesis" erscheinen und Ende Oktober dann das komplette Album. Ausserdem ist eine Deutschlandtour geplant.
Es gibt im Übrigen einen Grund, warum ich nicht viel über das neue Album erzählen kann, denn wenn ich das Album ankündige, dann wird das via Internet stattfinden, auf unserer Homepage, begleitet von einem Kommentar zum Inhalt. Ich denke nämlich, dass viele Leute in der Vergangenheit nicht wirklich verstanden haben, worum es in unseren Alben wirklich ging. Aber diesmal ist es ein sehr ernstes Thema und ich möchte nicht, dass die Leute lediglich einen Namen hören und allein dadurch ihre Schlüsse ziehen, worum es geht. Nein, ich möchte, dass die Leute unsere Meinung dazu zuerst hören. Das kommende Album thematisiert das Denken, das Diskutieren, das Äussern einer Meinung. Sicher ist es unsere Meinung, aber wir stellen sie offen zur Diskussion, im übergeordneten Sinn geht es um Zukunftsfragen.
Der Name des Albums und das Konzept wurde übrigens bereits gestern in der Show preisgegeben, das hat nur keiner bemerkt. Aber das wird den Leuten später bewusst werden, wenn wir sie – wie schon gesagt – über Namen und Konzept des Albums informieren. Bis dahin ist es aber noch ein kleines Geheimnis.
Entry: Stichwort Vorurteile. Viele Musiker, besonders aus der EBM-Szene werden ja öfter mit dem Vorurteil konfrontiert, sie sympathisierten mit der Rechten Szene. Wie stehst du zu dieser Problematik?
Ronan: Um ehrlich zu sein denke ich, dass genau dieses Vorurteil seine stärkste Ausprägung eher in den frühen 90ern hatte. Damals war es wesentlich schlimmer. Ich bin jetzt 34 Jahre und in den frühen 80ern war ich ein grosser DAF-Fan. Damals haben die Leute es einfach nicht verstanden, sie sahen sich diese Band an und hörten die Musik, aber achteten lediglich auf den Titel eines Liedes und bildeten sich allein daraus ihr Urteil. Ich kann bis heute nicht glauben, dass Menschen so dumm sein können. Du kannst dir doch nicht eine Band ansehen, deren Mitglieder sich wie Hippies kleiden und dann daraus schliessen, dass sie reaktionär sind und gegen alles opponieren u.s.w.. Das Äussere hat doch absolut keine Bedeutung, man muss vielmehr ins Innere eines Menschen sehen, um zu wissen, wie er tatsächlich ist.
Dieses Stahlarbeiterimage des EBM hat sich inzwischen doch sehr geändert und ich denke, dass die Futurepop-Szene, wie nicht zuletzt Covenant, Apoptygma, wir, Icon Of Coil, Neuroticfish eine Menge verändert haben. Wir drücken mehr die gefühlvolle Seite der Dinge aus und ich hoffe, dass wir so etwas an dem Image ändern können, das im Denken der Leute hervorgerufen wird, wenn sie den Begriff EBM hören.
Entry: Wie ist es mit dem Publikum, wo seht ihr Unterschiede zwischen dem Deutschen und dem Englischen Publikum beispielsweise? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht, macht ihr?
Ronan: Ähhhm (grinst verschmitzt), ja, es kommt darauf an, wo in Deutschland wir spielen. Das Hamburger Publikum z.B. kann ziemlich leise sein. Zu Beginn sind sie meist sehr zurückhaltend, aber das gilt für das gesamte Publikum in Norddeutschland. Anfangs sind meist alle etwas kühl, sie warten erst einmal ab, wie wir so reagieren, aber im Laufe des Konzertes tauen sie meist immer mehr auf. Wenn wir allerdings in einer südlich gelegenen Stadt wie beispielsweise München spielen, ist die Menge von Anfang an total verrückt. Für die ist immer Partytime, die feiern das Leben. Das Ruhrgebiet hingegen kann sehr kritisch sein, so nach dem Motto " Hmm, ja, wir haben ja schon so viele Bands gesehen...hm, gähn....".
Das Publikum innerhalb Deutschlands ist demnach sehr unterschiedlich. Und um ehrlich zu sein habe ich den Eindruck, dass die Leute in Ostdeutschland mehr über die Musik, deren Inhalt und Bedeutung nachdenken. Sie scheint dort mehr kulturelle Bedeutung zu haben, während die Leute im Westen, besonders die Ruhrgebietler, kritischer sind, weil sie eben einfach viel mehr Band geboten bekommen.
Das Englische Publikum hingegen ist sehr enthusiastisch und energetisch. Sie wollen einfach nur Party machen, am besten die ganze Zeit, sind absolut nicht konservativ, sondern wollen einfach nur ein gutes Rockkonzert sehen. Da ähneln sie sehr dem Amerikanischen Publikum.
Sie singen einfach mit und du musst ihnen nicht erst Extraenergieschübe geben. Sie gehen von Anfang an mit. Wenn sie die Show mögen, mögen sie sie. Wenn nicht, dann wirst du es schnell merken....
Entry: O.k., letzte Frage für heute. Sind noch mehr Festivals geplant?
Ronan: Nein. Als wir im letzten Jahr unseren Plan für 2001 aufstellten, haben wir uns vorgenommen, keine Festivals zu spielen – aus gutem Grund... . Ich musste sowohl am Album, als auch an der neuen Singel arbeiten und hatte auch sonst noch eine Menge Dinge zu erledigen, im Hinblick auf die kommende Tour. Ausserdem habe ich sehr viel für diese Zillo-Show hier gearbeitet, um die Videos und die neue Singel rechtzeitig fertigzustellen – fast jedenfalls. Für uns stand aber fest, sollten wir ein Festival spielen, der Zeitabstand zwischen dem Festival und dem eigenen Toutstart, relativ gross sein sollte. Wir wollten nicht, dass es für das Publikum langweilig wird, wenn sie uns drei oder vier Wochen vorher schon auf einem Festival gesehen haben und dann auf unserer eigenen Tour, die selbe Show noch ein weiteres Mal präsentiert bekommen. Aber genau das wäre das Problem gewesen. Wir hätte fast die gesamte Tourshow auch auch auf den Festivals präsentieren müssen und genau das wollten wir nicht. Wir wollten eine vollkommen eigenständige Tourshow und im Hinblick darauf war das Zillo-Festival die perfekte Möglichkeit, doch wenigstens ein Festival zu spielen. Ich hätte es im Übrigen auch sehr bedauert, kein Festival spielen zu können, denn ich liebe Festivals. M´era Luna im letzten Jahr war ein Fest für mich, eine unglaublich beeindruckende Erfahrung – ebenso wie Leipzig wo wir, wie jede Band, natürlich ohne Gage spielten.
Wie dem auch sei, wir brauchten angemessen Zeit zwischen dem Festivalauftritt und unserem Tourstart und aus dem Grund sind wir hier. Und ich muss sagen, diese Location hier ist wunderschön und ich hoffe wirklich, dass sie beibehalten wird – aus vielerlei Gründen.
Zum einen gibt es, wie unser Promoter uns sagte, keinen anderen Ort in Deutschland, wo bis drei Uhr morgens Konzerte im freien stattfinden können und ausserdem ist es für die Leute aus den Nachbarstaaten wie Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Frankreich gut erreichbar. Ganz zu schweigen von dieser wundervollen Umgebung mitten in der Natur. Ich bin sehr froh, dass wir uns hierfür entschieden haben und hoffe – wie schon gesagt, dass das Zillo Festival auch weiterhin hier stattfindet. Das war jetzt übrigens Werbung für das Festival.. (allgemeines Gelächter).
Entry: Vielen Dank und wir sehen uns dann bald wieder, hier in Deutschland.
Mareike
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