| Entry |
| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| vanished |
Gute Popmusik mag bedingt planbar sein, doch gäbe es ein Rezept dafür, dann würden sich die Köche dieser Welt, in tropischen Paradiesen langweilend, die Klinke in die Hand geben und den RafaelloÔ Absatz ins unermeßliche steigern. Es ist eine Sache, gute Zutaten in einen Topf zu werfen und darauf zu hoffen, daß es schmecken möge, ein gelungenes Mahl, das über den Abend hinausweist ist etwas anderes: Das magische Moment!
| Daß vanished, selbst in der Clubszene zu Hause, schmecken, zeigt der massive Einsatz der Testproduktion "Walking with you" in den angesagtesten Ruhrgebiets-Speisezentren: T-Club (Turbinenhalle Oberhausen, Jahresplaylist 1999 Platz 3), Old-Daddy (Haltern, Jahresplaylist 1999 Platz 3), Old Daddy (Duisburg), Delta (Duisburg), Altenberg (Oberhausen), Saints (Oberhausen), sowie ein erster Testgig (1.500 Speisende im T-Club Oberhausen) und die Besetzung als Liveact für die größte DM-Party der Republik in der Turbinenhalle im Sommer 2001. | ![]() |
Jede musikalische Entität bedarf einer abgrenzenden Homogenität, jede musikalische Homogenität bedeutet Langeweile und Autoreplikation. Vanished verkochen divergierende, replikeskhomogene Entitäten verschiedenanteilig zu genügend heterogenen Portionen und servieren dies mit einer ausgeprägten und unverkennbaren Handschrift: Das Mehr im Weniger ausfiltern, die Essenz konsequent simplifizieren, komplexe Möglichkeiten auf den kleinsten transportierbaren Nenner reduzieren, dabei nicht auf Attitüde und Glaubwürdigkeit verzichten. - Dies schafft Akzeptanz.
![]() |
Melancholie und Weltschmerz, als treibende Kraft emotionalen Identifikationspotentials, kennzeichnen, in verschiedenen Manifestierungen, die Stücke des Synthiepop Duos vanished. Daß sich ihr Potential jedoch nicht darin erschöpft und vor allem die Tanzbarkeit einen gehobenen Stellenwert in ihrer Musik einnimmt, demonstriert zum Einstieg das Dancefloor Surrogat "Angel vs. Butterfly". Melancholie als gesundes Element, welches durchbrochen werden kann, ist das Zentrum von "Fearsome", welches mit einem Brett von Refrain im höchstem Maße Hitverdächtig ist. Den Pfad der Synthetik verlassend, präsentiert sich "Where do I belong", als klassisch-orchestral inspirierte Ballade mit DisneyÔ -typischem Herzensbrecherpotential, Kuschelgarantie und Schwiegermutterzulassung. Frei nach dem Motto "Happieness ist ein dreistimmiger Satzgesang", frißt sich "Sundance" geradewegs ungehindert und dabei scheinbar zu tiefst belanglos, in die Gehörgänge. |
Purstes Destilat der Tristesse dagegen ist "Walking with you", dessen Cluberfolg nicht mehr bewiesen werden muß, während sich "Steps on the moon" als Zugabe einer dichten, athmospärischen Zeichnung, wahr gewordenen Menschheitstraums, versteht. Angereichert und verdichtet wird vieles von dem durch betörende weibliche Vocals, treibenden Baß und mal drückende, mal umschmeichelnde Gitarren.
Voilá es ist angerichtet.
Kontakt: vanished@web.de
Sebo