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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Konzert: ATROCITY/PAIN/SAMSAS TRAUM

 

ATROCITY / PAIN / SAMSAS TRAUM

09.01.01. ZECHE BOCHUM

An diesem Dienstag-Abend war die Zeche leider nur sehr spärlich gefüllt, gerade mal ca. 200 Leute kamen, um sich von den Live-Qualitäten des neuen Atrocity-Long-Players "Gemini" zu überzeugen. Damit zeigte sich auch auf Tour deutlich, wie kontrovers doch die Meinungen zum neuen Werk sind! Los ging es jedoch zunächst mit SAMSAS TRAUM, die alles andere als zu überzeugen wußten...Wer sich als Fan der chaotischen Black-Metaller bezeichnet, mag vielleicht noch einen gewissen Reiz an den schrägen Gesängen des Frontmannes, dem mehr als schrillen Saxophon oder der zwar relativ angehmen, aber irgendwie ein wenig an Playback (?) erinnernden Singstimme der mitgereisten Sängerin entfunden haben, auf mich jedoch (und ich war damit sicherlich nicht der einzige) wirkte das ganze eher peinlich, was nur noch durch den Drumcomputer getoppt wurde, der ab und zu sogar Doublebass-Einsätze "zeigte"...schlimm!

Der zweite Streich des Abends sollte dann PAIN heißen. Mastermind Peter Tägtgren, der bekanntlich auch Kopf der Black Metal-Band Hypocrisy und ein höchst angesehener Producer in der Metalszene ist, zeigte sich heute, anders als auf seinen Festival-Auftritten, nicht in einem merkwürdigen Teufels-Kostüm oder mit Zwangsjacke, sondern in einem "ganz normalen" T-Shirt und einer "ganz normalen" Hose, was auch gleich wesentlich Ernst zunehmender wirkte! Jedoch hatte die Band, genau wie Samsas Traum zuvor, mit argen Soundproblemen zu kämpfen, die die der Vorgänger sogar noch zu toppen wußten; fiel teilweise doch sogar tatsächlich die gesamte PA aus, so daß einige Sekunden der betroffenen Songs nur noch durch die einzelnen Monitor-Boxen der Musiker wahrgenommen werden konnten...Tägtgren ließ sich davon jedoch nicht beirren und zog das Programm routiniert durch. Jedoch sollte er doch lieber beim Kreischen bleiben, daß man von ihm bei Hypocrisy gewohnt ist, denn seine Singstimme schien entweder angeschlagen zu sein, oder nicht gerade sonderlich ausgebildet, blieb sie doch einige Male arg neben der Spur...Das Publikum kommentierte sogar die bekannteren Songs wie "Dark Fields Of Pain" oder die Single-Auskopplung "End Of The Line" größenteils auch nur mit einem allgemeinen Kopfnicken, so daß man teilweise tatsächlich hätte meinen können, man wäre nicht auf einem Goth-Metal- sondern einem HipHop-Konzert gelandet...Wie dem auch sei, nach ca. einer 3/4-Stunde war dann auch Schluß, nachdem sich die Skandinavier mit einem durchaus gelungenen Cover des Beatles-Klassikers "Eleanor Rigby" empfohlen hatten.

Dann folgten ATROCITY, die mit einem 30er-Lied und mehreren eingeblendeten Bildern von Marlene Dietrich, der Band selbst, etc. als Intro, einstiegen und die erste Single "Taste Of Sin" direkt folgen ließen. Alex Krull und seine Mannen enterten die Bühne in silber-spacigen Anzügen und - im Falle Krulls - mit Laserpointern an den Fingerknöcheln. Sofort im Anschluß an "Taste Of Sin" folgte dann "Der Mussolini", wobei sogar ein Foto des Politikers auf die Leinwand projiziert wurde. Ein Aktion, die ein wenig "danebengetreten" wirkte...Präsentiert wurde eine Mischung aus Songs des neuen Albums, darunter auch "Seasons In Black" und das Simon & Garfunkel-Cover "Sound Of Silence", sowie aus Stücken, die hauptsächlich von der Werk 80-CD stammen, wie z.B. "Shout" oder "Send Me An Angel". Da Krull-Freundin Liv Kristine ja durch ihre eigene Tour mit ihrer Stammband Theatre Of Tragedy verhindert war, ersetzte sie Alex Krull's Schwester, die auch schon die zweite Duettstimme auf der "Blut"-Ballade "Calling The Rain" übernommen hatte. Leider wurde diese aber nicht zum besten gegeben, was mich persönlich (und wahrscheinlich auch einige Fans) ein bißchen enttäuscht hat, da die Möglichkeit nun doch endlich mal dagewesen wäre...Da "Sound Of Silence" schon die erste Zugabe gewesen war, folgte danach auch schon der letzte Song: "Kain und Abel", schon wieder ein Cover, diesmal von Das Ich. Dann war auch Schluß, und die meisten Besucher schienen doch einigermaßen zufrieden die Halle zu verlassen, auch wenn Atrocity sich durchaus schon mal wesentlich besser verkauft haben! Positiv zu erwähnen sind noch zwei Dinge:

1. nach einiger Zeit legte Band ihre peinlichen Kostüme endlich ab

2. die Tänzerinnen waren diesmal nicht nur dazu da, den (wundersamerweise) zumeist männlichen Fans als zuzusagen, sondern zeigten durchaus, daß sie einiges auf dem Kasten haben! Allerdings gab es eine Enttäuschung für alle Anwesenden...Marion fehlte...Insider wissen was ich meine! ;-)(ds)

 

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